Ein badisch-hessischer Grenzgang

Ladenburg, den 26. März 2016

Günstig die Rahmenbedingungen  um mit einem neuen Wanderauftrag zu starten.. Ein sonniger Ostersamstag, der den Frühlingsstart in der Bergstraße unterlegt, dazu eine interessante Streckenführung, hart an der badisch-hessischen Grenze. Die Sprache ist vom OWK-Hauptwanderweg 34 von Ladenburg nach Osterburken. Die Gesamtstrecke des Trails umfasst 90 Kilometer und beinhaltet auf der Hälfte der Passage die höchste Erhebung des Odenwaldes, den 626 Meter hohen Katzenbuckel.

Gestartet wird in der baden-württembergischen Stadt Ladenburg, die mehr als 11.000 Einwohner zählt, am Neckar liegt und nach eigenen Angaben die älteste rechtsrheinische Stadt Deutschlands ist.  Bereits bei Anreise fällt die markante Stadtmauer, die die historische Altstadt umringt, auf. Entgegen der offiziellen Streckenführung entlang des Neckars empfiehlt sich zunächst ein Gang durch die Altstadt mit den zahlreichen ansehnlichen Fachwerkbauten.

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Der Marktplatz von Ladenburg
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Ausgezeichnet restaurierte Fachwerksbauten im historischen Stadtkern
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Bergstraßenfrühling Ende März
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Auf dem Fußweg Richtung Schriesheim
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Kre(aktiv): Eingestricktes Regenfallrohr nebst Osterschmuck
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Schwarzdorn oder Weißdorn? Des Rätsels Lösung: Weißdorn blüht am belaubten Zweig, die Schlehe am unbelaubten….
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Allles bereit zum Frühlingsstart

Der Wegemarkierung (gelbes Kreuz auf weißem Spiegel) folgend, ist rasch die Nachbarkommune, die auf der anderen Seite der A5 liegt, Schriesheim erreicht. Richtung Osten, immer der Sonne entgegen, geht es hinauf zur Ruine Strahlenburg. Hier kreuzt auch der absolut empfehlenswerte Burgensteig (siehe hierzu auch den Blogbeitrag „Wunderbar wanderbarer Burgensteig“) Von hier oben hat man einen ausgezeichneten Blick auf die unten liegende Rhein-Neckar-Ebene, bei klarer Sicht sogar bis zum Pfälzer Wald. Stetig aufwärts gehend empfiehlt sich durchaus einen Abstecher zur Nordflanke des Ölbergs, dort wo bis 1967 Quarzporphyr abgetragen wurde. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass seinerseits durch Dummheit sowohl die Spitze des Ölbergs als auch Fundamente keltischer Ringwälle weggesprengt wurden.

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Skulpturelles am Wegerand
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In einigen Tagen kracht hier alles heraus…..
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Keine stürzenden Linien durch Objektivverzerrung sondern der schiefe Turm von Schriesheim – statisch mehr als bedenklich
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Auf dem Catwalk:  – die Outdoorjacke passend zum postmodernen Wandschmuck
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Blick auf das Wiederholtsche Haus in Schriesheim, eines der Wenigen, welches den Franzosenangriff 1674 überstand
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Schöne Tradition, der Küfermeister, der sich selbst einen brennt…
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Passend zum himmelsblau, das tiefblaue Ziffernblatt der katholischen Kirche von Schriesheim
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Das Wahrzeichen der Stadt Schriesheim, die Ruine Strahlenburg mit angeschlossener Restauration und einer sehr empfehlenswerten Aussichtsterrasse
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Blick Schriesheim und den dahinter liegenden Ladenburg
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Traumpfade Richtung Ölberg
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Die schönsten Bilder malt nach wie vor die Natur
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Kühl und cool: „Mein Wohnzimmer ist draußen“
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Wie immer ausgezeichnet: die Wegekennzeichnung des OWK,s
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Mooshänge
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Direkt oberhalb des Steinbruchs am Ölberg
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Sanft ansteigend aber stetig hoch, auf über 500 Höhenmeter
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Herrliche Farbsymbiose: Blau auf grün
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Von der Autobahn A5 Richtung Heidelberg weithin sichtbar, die mächtigen Einschnitte des Steinbruchs
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Und immer wieder: ohne Moos – nichts los….

Allemal herrlich die naturbelassenen vermosten Pfade, die oberhalb des eigentlichen Hauptwanderweges verlaufen.  Leicht aber stetig ansteigend geht  es hinauf zum Weißen Stein, wo sich eine Höhengaststätte nebst Aussichtsturm und der mächtige Sendeturm Dossenheim befindet.  Hier fängt der frühe Vogel nicht den Wurm, samstags gegen 9.30 Uhr kann man nicht wirklich erwarten, dass man hier mit einem dampfenden Kaffee empfangen wird. So geht es unverrichteter Dinge weiter auf einem wunderschönen Höhenweg zum Parkplatz Langer Kirschbaum und von hier aus weiter durch den jahreszeitbedingt noch lichten Kameralwald abwärts nach Schönau. Noch heute ist diese Kommune geprägt durch die Schmauchspuren des ehemaligen Klosters Schönau.  Mit viel Aufwand präsentiert man alte Grabplatten und Relikte aus vergangenen Zeiten im Stadtkern. Hinsichtlich des gastronomischen Angebotes sollten sich Wanderer aber keine Hoffnung machen.  Lapidar aber treffend die Auskunft einer Bewohnerin „Hier gibts nix mehr“ Jedoch die heiße Theke einer Metzgerei enthebt uns der Verpflichtung die Tour als Fastenwanderung zu deklarieren.

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Vorhersehung oder? Naturkreuz am Ostersamstag
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Eine Waldklause am Wegesrand
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Ist das nicht faszinierend?
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Dreifach ist immer besser – die Wegemarkierung des HW 34
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Odenwald pur – Blick in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Schönau
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Grenzgang – vorbei an unzähligen Grenzsteinen Die gekreuzten Pfeile sind Bestandteil des Schriesheimer Wappens
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Nicht gekreuzt sondern gestapelt: massenhaft Holz, Vorboten für einen harten Winter 2016/2017?
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Vorbei an Grenzstein No. 89
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Der mächtige Fernmeldeturm Dossenheim
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Hart am japanischen Hotspot: nur 9 Kilometer von Heidelberg entfernt
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Daher rührt übrigens auch der Name „Weißer Stein“ Diese Steine wurden am Ende des 19. Jahrhunderts rund um Heidelberg von den Forstämtern an markanten Wegkreuzungen aufgestellt und mit Richtungs- und Entfernungsangaben versehen, damit auch Wegeunkundige eine gute Orientierung hatten
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Bereits 1906 von der OWK-Sektion Heidelberg errichtet. Der Aussichtsturm „Weißer Stein“
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Auf sieben Wegen…..
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Eine Wohltat für das Auge
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Blick auf Schönau, die historische Klostergemeinde
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Fußgängerpforte des Klostertors aus dem 15. Jahrhundert
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Fassadenhommage auf alte Klosterzeiten
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Das ehemalige Herrenrefektorium wird heute als evangelische Stadtkirche genutzt
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Blick in das Refektorium
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Das Kloster Schönau was vom 14. Jahrhundert bis zum Aussterben der Linie im Jahr 1503 Erbbegräbnis der Schenken von Erbach -hier eine ihrer Grabplatten
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Gebäudeausschnitt der 1250 errichteten Hühnerfautei. Der Name die Tätigkeit eines Zinsmeisters mit dem Gebäude in Verbindung. Bei dem auch unter dem Namen Hühnerfaut (Vogt) tätigen Beamten, wurden früher Steuerleistungen in Geld oder Naturalien abgegolten werden. Das Gebäude gilt als als Deutschlands besterhaltenes Profangebäude des Hochmittelalters.
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Grabplatte der Adelheid Gabel von Obrigheim. Es ist zu vermuten, dass die ehrenwerte Frau nicht wirklich treffend wiedergegeben worden ist…..

Einem alten Wegweiser ist zu entnehmen: noch 8.400 Meter nach Hirschhorn. So geht es entlang des Greiner Bachs durch das gleichnamige Tal zum Weiler Grein, einem Stadtteil von Neckarsteinach. Stetig abwärts durch den Pfalzwald und den Kohlwald erreicht man nach weiteren drei Kilometern das Neckarstädtchen Hirschhorn. Ideal der Ausstieg, da unmittelbar an der Kehre Richtung Burg der Abgang zum 450 Meter entfernten Bahnhof möglich ist. Via Heidelberg erreicht man in knapp einer Stunde S-Bahnfahrt Ladenburg. 34 Kilometer und entspannte 890 Höhenmeter stehen zum Schluß auf dem Wandertacho. Die Streckenführung ist abwechslungsreich, kulturhistorisch spannend  und allemal eine Empfehlung wert, unter dem Signet: „Wunderbar wanderbarer Odenwald“.

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Früher war alles einfacher – ohne Karte und GPS – präzise Wegeangaben
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Blütenpracht in vielen Ecken
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Auch Richtung Hirschhorn – herrliche Wegepassagen
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Das Leben ist zu bunt um trist zu werden. Das rote „R“ übrigens ist eine gute Gedankenstütze für einen neuen Wanderauftrag: der Rhein-Neckarweg von Mainz über Mannheim via Eberbach nach Gundelsheim – Schöne 200 Kilometer….
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Mit Block auf Burg Hirschhorn geht es zurück via S-Bahn nach Ladenburg

 

 

1 Kommentar

  1. Lieber Martin,

    auf diesem Wege einmal einen schönen Gruß von mir; ich schwelge immer wieder gerne in Deinen vielen wirklich schönen Fotos von den Touren. Den badisch-hessischen Frühlingsbeginn hast Du stimmungsvoll festgehalten.

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