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Bayrisch Schanz

Lohr, den 24. Februar 2019 – Bayrisch Schanz. Für einen Oberpfälzer oder Niederbayern  sicherlich nicht einzuordnen, ist die Bayrisch Schanz, im nördlichen Zipfel des Freistaates, in Unterfranken gelegen, durchaus ein Begriff. Bayrisch Schanz – als ehemalige historische Zollstation an der hessisch-bayrischen Grenze errichtet, heute das höchstgelegene Wirtshaus im Spessart, nach eigenem Bekunden Wirtshauskulturstätte mit urgemütlicher Atmosphäre. Gestartet wird in Lohr am Main, welches auf halber Strecke zwischen Aschaffenburg und Würzburg gelegen ist. Lohr selbst bleibt bei dieser Tour außen vor, denn es wird am Bahnhof gestartet der im nördlichen Bereich der Kommune liegt, dort wo das Industriegebiet angesiedelt ist. Obschon man sich auf bayrischem Territorium befindet, folgt man zunächst der Wegwesiung „Hessenweg 9“, der von Lohr am Main bis nach Limburg an die Lahn führt. Stetig aufwärts steigend ist rasch der berühmt-berüchtigte Spessartwald erreicht. Vorbei am Beilstein und am Mittelberg folgt man den ausgewiesenen Wanderwegen. Geologisch befinden wir uns hier Sandsteinspessart, eingekesselt zwischen Fränkischer Platte und Odenwald. Bewegt man sich im Spessart, so kann man sich auf stundenlange Waldwanderungen ohne nennenswerte Aussichtsmöglichkeiten einstellen. Selbst in der blätterkargen Zeit, dann wenn sich die Baumskelette konturenreich in den weißblauen Himmel strecken, sind die Weitsichten sehr begrenzt. Dicht bis sehr dicht der Baumbewuchs, hoch der Bestand an Schwarzwild, wie die Spuren am Wegesrand verdeutlichten. Ideal eben die Waldstruktur für die Schwarzkittel, die sich hier im wahrsten Sinne des Wortes sauwohl fühlen. Man merkt zudem dass man hier in einer überwiegend katholischen Region unterwegs ist. Wegekreuze und Sühnekreuze flankieren die zahlreichen Waldschneisen. Am Wegekreuz Katharinenbild hat [read more…]
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Der Rheinauenweg von Riedstadt nach Mainz

Riedstadt, den 09. Februar 2019 – Alarmstufe Rot! Zwei Drittel der Auen sind in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert verlorengegangen. Am Oberrhein sogar 90 Prozent. Nur ein Prozent ist hier naturnah und dass ist weitgehend das Areal Kühkopf/Knoblochsaue, Einstiegspunkt der letzten Passage des  Rheinauenweges, der je nach Vorliebe von Karlsruhe nach Mainz – oder  umgekehrt- führt. Anzumerken sei jedoch daß es bei Flußwanderungen grundsätzlich von Vorteil ist, mit der Sonne im Rücken zu wandern, da in diesem Falle die Lichtverhältnisse am Besten sind und man nicht permanenten Lichtreflektionen ausgesetzt ist. Gestartet wird am Bahnhof Riedstadt Goddelau. Gäbe es eine Auszeichnung für Deutschlands versifftesten Bahnhof, Goddelau hätte gute Chancen in die engere Auswahl zu kommen. So geht es zunächst hinüber in das benachbarte Erfelden um entlang des Altrheins zwischen Kühkopf und der Knoblochsaue einzutauchen in die wunderbare Welt der Rheinauen. Der auentypische durch zeitweise Überflutung gekennzeichnete Lebensraum geizt nicht mit Superlativen. Mit 2.400 Hektar das größte Naturschutzgebiet Hessens, eines der größten Aueschutzgebiete Deutschlands, Europareservat und Heimat von 700 unterschiedlichen Pflanzenarten, 400 Großschmetterlings-, 47 Libellen- und mehr als 40 Fischarten. Dazwischen  urwaldanmutende Gebiete durchsetzt von Ulmen, Eschen, knorrigen Kopfweiden und Eichen. Jahreszeitenbedingt übt die skelettierte Landschaft ihren besonderen Reiz aus. Strukturell empfiehlt es sich eher am Verlauf des Flusses als am gekennzeichneten Hochwasserdammweg zu orientieren. Belohnt wird man mit gut gangbaren Pfaden im naturbelassenen Bereich. Dort wo in den Knoblochsauen der Altrheinbogen in den Rhein mündet ist eine markante Stelle, die Schwedensäule erreicht. Man schrieb den 7. Dezember 1631 als der Schwedenkönig [read more…]
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Der Rheinauenweg von Worms nach Riedstadt

Worms, den 02. Februar 2019 – Erneut ist die Nibelungenstadt Ausgangspunkt einer Rheinauenexkursion – jedoch diesmal in nördlicher Richtung. Hatte der Odenwaldklub bis vor kurzem zwei Hauptwanderwege zwischen Mainz und Karlsruhe im Wanderportfolie, der eine mit einem roten „R“ von Mainz bis Worms, der andere von Mannheim bis nach Karlsruhe, so erfolgte nunmehr im Rahmen einer Flurbereinigung eine durchgänge Streckenmarkierung von Mainz bis nach Karlsruhe – entsprechend der Farbe des Rheinwassers in einem blauen „R“ gehalten. Nachdem die südliche Rheinauenpassage bis nach Karlsruhe absolviert war,  stand nun der Trail in das Hessische Ried an. Die imposante Nibelungenbrücke mit dem gewaltigen Brückenturm passierend geht es aus der Wormser Innenstadt über den Rhein, der aktuell mit 146 cm einen relativ niedrigen Wasserpegel ausweist. Exakt vor 100 Jahren wurde an dieser Stelle im Jahre 1919 ein Hochwasserstand von 710 vermeldet. Geradeaus führt die Bundesstraße in dass sechs Kilometer entfernte Bürstadt, linker Hand folgt man dem markierten Wanderweg in nördlicher Richtung um das Areal des Maulbeerauer Altrheins zu erreichen. Die Auen enstanden am Ende der letzten Eiszeit aus abgelagertem Kies, Lehm und Sand, die der mächtige Rhein anschwemmte. Längst verschwunden sind die hier gepflanzten namensgebenden Maulbeerbäume. Heute ist das Gebiet Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und dient der Erhaltung wertvoller Arten und Lebensräume. Auf der gegenüberliegenden linksrheinischen Seite zieht sich das weitläufige Wormser Industriegebiet entlang. Vorbei an Nordheim und dem gegenüberliegenden Rheindürkheim ist bald der Steinerwald erreicht – wobei angesichts des lichten Baumbewuchses die Bezeichnung „Wald“ deutlich übertrieben erscheint. Auf der Höhe des Damms [read more…]
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Der Rheinauenweg von Germersheim nach Karlsruhe

Germersheim, der 19. Januar 2019 – Flussaue sind dynamische Lebensräume die vom Wechsel zwischen niedriger und hoher Wasserführung geprägt sind. Exzellent kann man solch eine Auelandschaft auf der dritten Etappe des Rheinauenweges zwischen Germersheim und Karlsruhe studieren. Die Germersheimer Rheinbrücke passierend taucht man sofort in die naturbelassene Auelandschaft ein. Ideal die Rahmenbedingungen. Eine gesunde winterliche Grundkälte, ein sich abzeichnender blauer Himmel und seit Wochen erstmals Sonne pur. Die Jahreszeit bedingten Baumskelette prägen dabei das landschaftliche Bild in einer besonderen Art und Weise. Zunächst folgt man dem weit ausladenden Bogen des Rußheimers Altrhein um die Insel Elisabethenwört zu umrunden. 1825 schlossen Bayern und Baden eine Übereinkunft an dieser Stelle mittels Durchstich den Rhein zu begradigen – so entstand die Insel. Weiter geht es in südlicher Richtung, immer den Rhein entlang, Alt-Dettenheim links liegend lassen. Ausgewiesene Gemarkungsflächen mit den Namen wie  Weichau und Torfwiesen belegen dabei den Bezug zum wässrigen Areal im Unfeld des mächtigen Rheins.  Baggerseen und ein Rheinentwässerungskanal  Ergänzen zudem das landschaftliche Bild in diesem Landstrich. Bald ist die Insel Rott erreicht, ein idyllisches Naherholungsgebiet, beliebt bei Radfahrern, Wanderer, Angler und Bootsfahrern. Zudem haben Tagesgäste hier die Möglichkeit in zwei Fischrestaurants einzukehren. Was folgt ist der vielleicht spektakulärste Abschnitt dieser Passage. Zwischen der Insel Rott  und Leopoldshafen erstreckt sich das „Lange Loch“. Studiert man die Karte entdeckt man in diesem Areal ein wasserreiches Geflecht. Bis 1772 mäanderte der Rhein durch diesen Landschaftsstrich. Nach einem Bruch des alten Wasserbettes und zahlreichen Nebenarmausbildungen erfolgte eine Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert. Was fortan blieb [read more…]
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Der Rheinauenweg von Mannheim nach Germersheim

Mannheim/Rheinau, den 12. Januar 2019 – Die zweite Etappe auf dem vom Odenwaldklub ausgewiesenen Wanderweg setzt in Rheinau südlich des Mannheimer Zentrums ein. Man merkt, dass Richtung Süden die starke industrielle Ausprägung, die sich insbesondere am Wirtschaftsstandort Ludwighafen/Mannheim konzentriert, langsam ausläuft. Studiert man die Wanderkarte so verdeutlicht sich insbesondere auf  dieser Passage im Abschnitt zwischen Rheinau und Rheinsheim der mäandernde Verlauf des Altrheins. Im 19. Jahrhundert war es Ziel, den Rhein für die Schifffahrt auszubauen. Um möglichst wenig Erde zu bewegen arbeitete man seinerseits mit Durchstiche um den Fluß zu verbreitern und zu beegradigen. Das Durchstechen der Mäander verkürzte die Strecke zwischen Basel und Bingen um immerhin 81 km. Vom Bahnhof Rheinau geht es zunächst drei Kilometer durch das am Rheinauhafen angesiedelte Industriegebiet, um direkt in das 650 Hektar große  Naturschutzgebiet Schwetzinger Wiesen einzutauchen. Eine handvoll ehemaliger Tongruben prägen dabei diesen Naturraum. Heute sind die Schwetzinger Wiesen eine vom Rhein geprägte Auenlandschaft, die reich strukturiert ist und ein vielfältiges Mosaik verschiedenster Biotope aufweist. Das Spektrum reicht von Altrheinarmen, Auwald und Verlandungsbereichen, über ehemalige Tongrubengelände, die heute mit Wasser gefüllt sind, Röhrichte und Schilfareale bis hin zu weiten Pfeifengraswiesen, die von artenreichen Buschsäumen begrenzt sind. Das Gebiet ist geprägt durch jahrhundertelange Nutzung (Landwirtschaft, Tongruben, Ziegeleien, Waldrodung, Wiesenwirtschaft und Kiesabbau), die nach der Ausweisung als Natur- und Landschaftsschutzgebiet in den meisten Bereichen zum Erliegen kam. Seither wird versucht, das Gebiet möglichst naturnah zu gestalten. So entstand beispielsweise der heutige Anglersee des ASV Rohrdorf 1965 durch das Ausbaggern von 1,7 Millionen Kubikmeter Kies, die für den Ausbau der Autobahnstrecke Mannheim-Walldorf [read more…]
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Der Rheinauenweg von Worms nach Mannheim

Worms, den 6. Januar 2019 – Es gibt Touren die sich bestens für die lausige Wanderzeit eignen – hierzu zählt unter anderem der Odenwälder Rheinauenweg. Zunächst verwirrend der eigentliche Streckenverlauf des vor 18 Jahren vom Odenwaldklub ausgewiesenen Hauptwanderweges. In den aktuellen Bestandskarten ist noch der ursprüngliche Streckenverlauf über 80 Kilometer von Seckenheim nach Karlsruhe ausgewiesen, in Onlineforen ist die neu konzipierte Route von Worms nach Karlsruhe über 120 Kilometer hinterlegt, und nach aktuellesten Informationen der OWK-Geschäftsstelle verläuft die neu konzipierte Strecke von Mainz nach Karlsruhe über insgesamt 189 Kilometer. So wird zum Jahresstart zunächst die Südtangente von Worms Richtung Karlsruhe unter die Sohle genommen. Gestartet wird zeitig, noch zu dunkler Stunde, in der Nibelungenstadt Worms. Der Frühstart lohnt sich, denn zum Start steht die Querung der Nibelungenbrücke mit dem beleuchteten Nibelungenturm, dem Wahrzeichen der Stadt Worms, an. Über der Flußmitte des Rheins quert man die Pfälzer Grenze um das hessische Gebiet zu betreten. Bis 1920 wurde hier noch Brückenzoll erhoben. Auf der hessischen Seite setzt der Streckenverlauf Richtung Süden ein, um in das Lampertheimer Altrheinareal einzutauchen. Hier findet man eines der größten hessischen Naturschutzgebiete vor.  In Sommermonaten toben sich hier aggressive Stechmücken aus –  ein Preis der gewollten Naturbelassenheit dieser Region. Hinter dem BASF-Werk Lampertheim empfiehlt es sich, den sehr gute markierten Wanderweg, der mit einem blauen „R“ auf weißem Spiegel markiert ist, zu verlassen. Anstelle der drögen Wegfolge entlang der Chemiestraße durch das Lampertheimer Industriegebiet quert man die L 3110 um entlang des  Lampertheimer Altrheingebietes zu wandern. So geht es [read more…]
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Die Hessische Apfelweinstraße

Steinheim, den 15. Dezember 2018 – Der Rheingau hat den Rieslingspfad, in Bamberg setzt der 13-Brauereien-Weg ein, im Unterfränkischen lockt der Rotweinwanderweg, im Schwarzwald heißt es am Schnapsbrunnenweg „5% in den Beinen und 40% im Magen“ und in Südhessen kann man auf den Spuren des Hessischen Nationalgetränks umgangssprachlich“Eppelwoi„, und „Apfelwein“ im allgemein verständlichen Terminus, wandeln. Seit 1972 gibt es eine Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Apfelweinstraße, die es sich seinerseits zum Ziel gesetzt hat, das hessische Brauchtum und hier speziell alles was Leib und Seele gut tut, zu fördern.  So nebulös der Streckenverlauf der Hessischen Apfelweinstraße, so unklar die Entstehungsgeschichte der Route, die offiziell von Steinheim bei Hanau bis nach Frankfurt führt.  Einer Quelle zufolge wurde die Straße bereits 1958 angedacht , andere Quellen berufen sich auf 1982. Die Homepage der Arbeitsgemeinschaft: out of order. Fruchtlos die mehrfachen Anfragen an die Stadt Hanau. Peinlich nur. daß sich Hanau anschickt demnächst ein Apfelweinmuseum zu eröffnen. Rasch dagegen das Feedback der Tourismus GmbH Frankfurt, welche allerdings die Hessische Apfelweinstraße mit den Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenrouten verwechselte. Einzig Peter Heckert, ein Heimat- und Familienforscher aus Maintal, der sich unter anderem auch intensiv mit dem Thema Apfelwein auseinandergesetzt hat, gab den entscheidenden Fingerzeig zum ursprünglichen Streckenverlauf. Hinweisschilder, die einst entlang der Strecke angebracht wurden gibt es nicht mehr – Orientierungstafeln mit denen die Ebbelwoischenken seinerseits gekennzeichnet wurden – Fehlanzeige. Umso spannender gestaltete sich diese Scouttour auf den Spuren des „Ebbelwois“. Gestartet wird im Hanauer Stadtteil Steinheim, dort wo angabegemäß der Hessische Apfelweinstraße offiziell einsetzt.  Eine entsprechende [read more…]
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Rheinische Flachwasserwanderung

Budenheim, den 17. November 2018 – Leere Schiffe – tote Fische. Besorgniserregend – so die Akutmeldungen all derjenigen, die vom Wassernotstand eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen des Erdballs betroffen sind. Ob Tankstellen, Zementwerke, oder Stahlproduzenten, ganze Branchen leiden unter dem erheblichen Wegfall von Transportkapazitäten per Schiff. Aktuell sind die großen Binnenschiffe, die auf dem Rhein unterwegs sind maximal mit einem Drittel der Ladekapazitäten nutzbar. Betrachtet man die aktuellen Pegelstände im Vergleich zu den gemittelten Langzeitwerten, dann verdeutlicht sich das ganze Ausmaß des Wassernotstandes. Aktuell liegt der Rheinpegel in Bingen bei 59 cm. Der Mittelwert liegt bei 208 cm, der höchste bekannte Wasserstand wurde 1988 mit 619 cm gemessen – und der niedrigste bekannte Wasserstand im Jahre 1985 bei 32 cm. Jedoch, aus  der Wanderbrille betrachtet bietet die derzeitige Wasserlage einen spannenden Ansatzpunkt für eine interessante Exkursion entlang der teilweise freigelegten Rheinauen. Gestartet wird um die Ecke von Mainz, in Budenheim, dort wo sich in westlicher Richtung rheinaufwärts das Naturschutzgebiet Hader Aue –Königsklinger Aue erstreckt. Das Naturschutzgebiet besteht aus ausgedehnten Weichholzauewäldern, extensiv genutzten Wiesen und naturnahe Ufer- und Strandabschnitte und dehnt sich auf einer Fläche von 165 Hektar aus. Durch die angespannte Wasserlage eröffnen sich interessante Sichtachsen über die ansonsten unter Wasser stehenden Areale. Spannend der Wegeverlauf. Man passiert mächtige Stieleichen, Silberweiden und Pappeln, teilweise in bizarren Formen und Formationen. Fernab der Mainstreamwandewege Rheinburgenweg auf dieser Seite und Rheinsteig auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt sich ein herrliches Wandergebiet zwischen Budenheim und Bingen. Das einzige Manko: die Steigungen fehlen. Den Weiler Heidenfahrt passierend geht es [read more…]
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Rheinhessische Küstenwanderung

Weinheim, den 7. Oktober 2018 – Küstenwanderung in Rheinhessen? Küstenwanderung in Rheinhessen! Die Rahmenbedingungen hierzu waren optimal. Der nicht endend wollende Sommer 2018, der in den sich im ersten Drittel des Oktobers mit sommerlichen 24 Grad festgebissen hat, und insgesamt vier  Küstenwege, die es zu erschließen galt. „Wandern auf den Spuren von Austern und Haien. In der größten zusammenhängenden Weinregion Deutschlands, in Rheinhessen hat man die Gelegenheit eine Zeitreise in die erdgeschichtliche Vergangenheit dieses Landstriches zu unternehmen.  Rührigen Geologen des Landesamtes für Geologie und Bergbau in Mainz kamen auf den Gedanken die heute noch sichtbaren Spuren des subtropischen Meeres , welches vor mehr als 30 Millionen Jahren diese Region durchflutete, per Rad oder zu Fuß zu erschließen. Hier in dieser Region verlief die damalige Küstenlinie mit den unterschiedlichsten Küstenformen, zahlreichen Halbinseln, Buchten und einer Inselgruppe aus vulkanischem Untergrund. Da es sich nicht wirklich lohnt, die zwischen 1,6 Kilometer und 11 Kilometer langen Rundkurse separat zu erschließen, bietet es sich für prädestinierte Langstreckenwanderer an, über passable Verbindungswege die weitreichenden Aussichten in diese bemerkenswerte Weinregion  garantieren, eine ausgedehnte Tagestour einzuplanen. Gestartet wird mit dem Rundweg „Weinheimer Bucht“ im Alzeyer Ortsteil Weinheim. Der Rundweg Weinheimer Bucht verläuft entlang der ehemaligen Küste der Bucht mit drei aufgrund des Fossilreichtums weltweit bedeutsamen Naturdenkmälern “Trift” (Versteinerter Meeresboden), “Zeilstück” (Austernpflaster) und “Neumühle” (Hai-Society). Nützliche Schautafeln beinhalten weitreichende  Informationen über Geologie, Tektonik, Klima, Natur, Weinbau und Geschichte des Areals. Ein einziges Manko: Offensichtlich haben Geologen und nicht Wanderexperten die Wegesstrecke ausgezeichnet. Teilweise fehlend, an manchen Stellen schlichtweg falsch angebracht, [read more…]
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Von Trullo zu Trullo

Bockenheim an der Weinstraße, den 09. September 2018 – Man erzählt sich, dass bereits im Mittelalter italienische Handwerker in die rheinhessische Region gezogen seien. Durch den heimwehbedingt hohen Alkoholkonsum und den damit verbundenen großen Zechen langte das Geld hinten und vorne nicht mehr um große Häuser zu bauen. So entstanden in den Weinbergen die apulisch-typischen Trulli als Unterkunft für die italienischen Freunde. Diese und andere Schoten ranken sich um die Entstehungsgeschichte der Trulli, die, einzigartig in Deutschland, hier seit mehr als 200 Jahren vorzufinden sind. Der Trullo, die Trulli. Vorzufinden vor allem in Apulien, aber auch in Irland, in der Schweiz, in Skandinavien, Frankreich und in Nordafrika. Die Wahrheit liegt scheinbar woanders. Mitte des 18. Jahrhunderts herrschte in der waldarmen Region Brennholzmangel. So plünderten Anwohner die Weinberge, stahlen Trauben und Pfähle die zur Sicherung der Weinstöcke dienten. Im Zuge einer 1747 erlassenen Flurbewachung wurden einfache Bauten mit einem Kraggewölbe und eingelassenen Gucklöchern errichtet. So konnte man die Weinberge überwachen, und hatte zugleich einen Schutzraum und einen Unterstellraum für Gerätschaften. Heute sind die Trulli ein Wahrzeichen, speziell im äußersten Süden Rheinhessens, dem sogenannten Wonnegau. So sind zwischen Bockenheim, dem nördlichsten Zipfel der Deutschen Weinstraße und Flörsheim-Dalsheim mehr als 20 dieser historischen Weinberghäuschen vorzufinden. Mittlerweile stehen die meisten dieser Bauten unter Denkmalschutz. Gestartet wird in Bockenheim am Haus der Deutschen Weinstraße. Leider gibt es kein explizites Lageverzeichnis der Trulli. Einzig eine Übersichtskarte der jährlich um Juni stattfindenden Trullo- Radwanderung kann als Orientierungshilfe herangezogen werden. In Ergänzung mit einer OSM-Karte, auf der die [read more…]
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Alzenauer Kulturmarathon

Alzenau, den 26. August 2018 Die Rezeptur ist einfach. Man nehme drei bestehende Europäische Kulturwanderwegsschleifen im Spessart, verzahne diese und heraus kommt ein wunderbarer Trail, der sich nicht nur hinsichtlich der Kilometeranzahl sondern auch bezüglich der kulturellen Eindrücke als regelrechter Marathon entpuppt. Alzenau – die nordwestlichste Stadt Bayerns, unmittelbar an der hessischen Grenze gelegen, bergige Einstiegsflanke in den nördlichen Spessart, östlicher Endzipfel der Mainebene, dank der Mönche des Klosters Seligenstadt seit mehr als 1.000 Jahren mit einem respektablen Weinanbaugebiet gesegnet und seit der Gebietsreform 1972 auf-, manch eine böse Zunge behauptet auch untergegangen, im unterfränkischen Kreis Aschaffenburg. Jedoch, verstecken braucht sich dieser Landschaftsstrich nicht – im Gegenteil. Reich die Geschichte dieser außergewöhnlich wirtschaftsstarke Region. Nicht umsonst sind drei Europäische Kulturwanderwegsschleifen durch die Alenauer Region gezogen, die es Wert sind näher zu betrachten. Gestartet wird am Marktplatz, unweit der markanten Burganlage, die seit 1400 das Städtebild prägt. Die Kernstadt selbst, sauber und aufgeräumt und adrett hergerichtet. Den Marktplatz querend, geht es vorbei an der St. Justinuskirche in östlicher Richtung die Kahl querend und weiter den Rückersbach folgend.  Quasi ein Katzensprung, dann ist Wasserlos erreicht, ein Stadtteil von Alzenau, der auf dem Rückweg  noch näher beleuchtet wird. Der Kulturweg zieht zunächst eine westliche Schleife um Wasserlos herum und passiert den außerhalb der Ortsteile Wsserlos und Hörstein gelegen jüdischen Friedhof, der 1810 angelegt wurde. Weiter geht, Hörstein querend, vorbei an der Pfarrkirche, deren Turm bereits im 15. Jahrhundert zunächst als Wehrturm ausgebildet wurde. Weiter ostwärts wandernd geht es steil hinauf zum Hörsteiner Abtsberg, dort wo [read more…]
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Südlich des Äppeläquators

Schollbrunn, den 5. August 2018 – Die Mischung macht es! Man nehme schattige Waldpassagen um der Sonneneinstrahlung zu entfliehen, und kombiniere zwei Kulturwege angereichert mit hin-und ausreichenden Einkehrmöglichkeiten. Die Belohnung: eine außergewöhnliche Kultur- und Naturwanderung für ambitionierte Wanderfreunde. „Pathways to Cultural Landscapes“ lautet ein EU-Projekt zur Erschließung von Kulturregionen in der Europäischen Gemeinschaft. So engagiert sich in Deutschland insbesondere die Region Spessart seit einigen Jahren und hat mittlerweile ein dichtes Netz an Kulturwegen geschaffen um diese Mittelgebirgslandschaft erlebbar und begehbar zu machen. Gestartet wird im unterfränkischen Schollbrunn, dort wo zwei europäische Kulturwege, die Mühlenstraße Haseltal (fünf Kilometer) und der Kulturweg Schollbrunn (vierzehn Kilometer) nebeneinander liegen. Verzahnt man beide Wege so kann man eine abwechslungsreiche 38 Kilometer lange Rundroute genießen. Idealerweise startet man am Wandermarktplatz der vor den Toren der 1281 erstmals erwähnten Kommune eingerichtet wurde. Neugierig macht das Leitthema des ersten Abschnittes: „Südlich des Äppeläquators“. Schollbrunn liegt nämlich an eine der bekanntesten Sprachgrenzen Deutschlands, dem main- und rheinfränkischen Dialekt – doch dazu später mehr. Empfehlenswert ist es zudem die Wanderung nicht zu früh anzugehen, damit man die reelle Chance hat, just in time zu den Öffnungszeiten der ersten Einkehrstation (11.00 Uhr) in der Kartause  Grünau aufzuschlagen. Es wäre schade, wenn man diese Gelegenheit nicht wahrnehmen würde. Man folgt zunächst der auffälligen Wegekennzeichung in nordwestlicher Richtung und erreicht nach einem Kilometer einen kleinen Wildpark. Schon im Mittelalter unterhielten die Landherren Wildparks, um die Versorgung des Hofes mit Frischfleisch sicherzustellen. Heutzutage sind Parks ein Teil des Naherholungskonzeptes und sprechen insbesondere Familien an. Weiter geht [read more…]