Odenwald

Der Alemannenring – das Finale

Alsbach-Hähnlein, den 10. Juli 2020 – Das Schönste kommt zum Schluß, sagt man im Allgemeinen, und trifft auch hier zu. Corona war der Motivator, den Alemannenweg in gangbare Rundtouren zu tranchieren, um ohne Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel den Vorderen Odenwald mit neuen Sichtweisen zu erschließen. Wir starten mit der letzten Passage dieser Serie unterhalb des Schlosses Alsbach, dort wo an der Auffahrtsstraße zum Schloß ein Wanderparkplatz eingerichtet ist. Am Waldesrand, der Bruchkante der Bergstraße zur Rheinebene entlang wandernd, ist bereits nach vier Kilometern der erste markante Punkt erreicht, der Heiligenberg. Wer kennt nicht den englischen Hochadel Mountbatten, ursprünglich aus dem hessischen Hause Battenberg stammend? Russischer, spanischer und englischer Hochadel verkehrte hier im 19. Jahrhundert. Das Wahrzeichen von Jugenheim, das imposante goldene Kreuz, welches zum Gedenken an eine Großherzogin aufgestellt wurde, trohnt seit 1866 über der Stadt, eine der ältesten Lindenbäume Deutschlands wird hier oben mit allen Mitteln noch am Leben erhalten, und im Schwarzbuch für Steuerzahler hat Schloss Heiligenberg auch seinen Niederschlag gefunden, da der Landkreis hier eine Schönheitspraxis einrichten läßt. Wanderer die hier zur Nachmittagsstunde eintreffen, können zudem bei herrlichen Aussichtsmöglichkeiten im hier eingebrachten Schloßcafe über die ganze Bandbreite des Heiligenbergs sinieren. Wir verlassen den geschichsträchtigen Ort und zunächst den Alemannenweg, um die Passage als Rundwanderung einzuleiten. Oberhalb der Landesstraße, die in das Modautal führt, geht es zwischen Marienberg und Darsberg talaufwärts, den Weiler Balkhausen querend, um das nächste Highlight der Passage, das Odenwälder Felsenmeer auf dem 514 Meter hohen Felsberg zu erreichen. Das Felsenmeer, in diesem Blog schon mehrfach [read more…]
Qualitätswanderwege

Der Uplandsteig

Willingen, 03. Juli 2020 – Upland. Der Name ist Programm. Die Namensgebung, ursprünglich aus dem Niederdeutschen kommend, bezeichnet das Gebiet als Hochland. Das Landschaftsbild einmalig schön. Eine ausgeprägte sanfthügelische Landschaft, ein Indiz für ehemalige vulkanische Aktivitäten, die Anhöhen und Talsenken ausgeprägter als im südhessischen Odenwald, fulminante Weitsichten über die dünn besiedelte Region – ergo beste Rahmenbedingungen für spannende Wanderexkursionen. Geografisch ist das Upland für nicht mit der Region Vertraute zunächst schwierig zu verorten. Der Naturpark Diemelsee, im nordwestlichsten Zipfel Hessens gelegen, die Gemeinden Diemelsee und Willingen umfassend, Nordrhein-Westfalen touchierend, den nördlichen Osten des Rothaargebirges beinhaltend und irgendwie integrativer Bestandteil des westfälischen Sauerlandes. Weniger Komplex gestaltet sich die Wahl des Wanderweges – der Uplandsteig ist regelrecht prädestiniert diese Region zu entdecken. 66 Kilometer, alle neun Ortsteile von Willingen streifend und lebendige 1.600 Höhenmeter, so die Parameter dieses Qualitätswanderweges. Gestartet wird am tiefsten Punkt des Uplandsteiges, in Bömighausen. Der Grund ist trivial. Hier steigt man ein in den schönsten Abschnitt des Steiges und just zur Hälfte des gesamten Weges kann man in Willingen übernachten. Die ersten fünfzehn Kilometer geht es zudem beständig aufwärts, bis man den höchsten Punkt des Gesamttrail, den höchsten Berg vom Nordrhein-Westfalen erreicht hat. Jedoch die Steigungen sind sehr moderat und man kann sich auf eine aussichtsreiche Genußwanderung einstellen. Kurz hinter Bömighausen erreicht man den Zipfel des Bömighäuser Badesees, dort wo ein Campingplatz eingerichtet ist. Hinauf zum Grotenberg erreicht man nach vier Kilometern eine Anhöhe oberhalb von Welleringhausen. Von hier aus kann man einen der beeindruckensten Panoramasichten des gesamten [read more…]
Marathon

Lützelbacher Alemannenring

Lützelbach, den 12. Juni 2020 – Kurzsichtige Wanderfreunde sind gut beraten, sich mit einer geeigneten Sehhilfe auszurüsten, andernfalls würde man feinste Panoramasichten über die wunderbare Landschaft zwischen Modautal, Lautertal und Bergstraße verpassen. Die vierte Passage der Alemannenringexkursion startet in Lützelbach, unterhalb der Neunkirchner Höhe. Lagebedingt flutet das morgendliche Sonnenlicht das Hochplateau und gestaltet stimmungsvolle Szenarien. Von Lützelbach aus führt der Alemannenring zunächst in westlicher Richtung und legt sich um den Weiler Brandau. Man könnte geneigt sein die Strecke abzukürzen und geradeaus wandernd den Ort zu queren, jedoch würde man exzellente Weitsichten verpassen. So haben die Väter des Alemannenweges schon wohlweislich den Streckenverlauf gestaltet. Vorbei an Beedenkirchen wandern wir im Vorhof des Odenwälder Felsenmeers hinauf zur Kuralpe. Das Hotel/Restaurant liegt in exponierter Lage und neun Kilometer nach Start ist es nicht verboten sich auf einen Cappucino niederzulassen. An der Kuralpe verlassen wir zunächst den Alemannenring um über eine Querverbindung auf der östlichen Achse des Premiumwanderwegs Richtung Burg Frankenstein wieder einzusteigen. Beste Weit- und Aussichten garantiert dabei die Verbindungsachse, die Hutzelstraße. Rechter Hand erfreut man sich an weitreichende Ausblicken über die Dieburger Lande bis hinüber zum Spessart, linker Hand beeindrucken die Panoramen über das Rhein-Neckar-Areal bis hinüber zur benachbarten Pfalz. Steigerts querend folgen wir den Saar-Rhein-Main-Weg, der durch einen schönen Buchenwald zur Burgruine Tannenberg führt. Ein idealer Ort für eine Brotzeit aus dem Rucksack. Lebendig die Textur des Alemannenweges zwischen der Burgruine Tannenberg und der Burg Frankenstein. Weit verstreute Granitboliden, die wie Streuobst im Wald liegen, garnieren den Premiumwanderweg, der auf diesem [read more…]
bis 20 km

Buddhas Weitblick

Absteinach, den 07. Juni 2020 – Siddhartha Gautama, sein weltlicher Name, als Buddha in die Weltgeschichte eingegangen. In jungen Jahren entfloh der Sohn eines Adelgeschlechtes dem wohlbehüteten Leben in seinem Palast und unternahm Wanderungen durch die Umgebung. Dabei sah er sich erstmals der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenüber. Wandern als Schlüssel zu einem neuen Universum? Auch im Odenwald kann man hierzu den Grundstein legen. Geeignet hierzu ist der Absteinacher Panoramaweg, einer von 60 Odenwälder Qualitätsrundwanderwegen. Gestartet wird am Buddhas Weg, des Weilers Siedelbrunn im Überwald, einem besonderen Waldabschnitt im Nibelungenland. Auf dem Areal einer ehemaligen Fachklinik wird hier bereits seit zehn Jahren ein buddhistisches Kloster betrieben. Folgt man dem Qualitätswanderweg, so kann, wer möchte an der Gebäuderückseite des Klosters der Vorbeiwandernde Erstkontakt zu buddhistischen Skulpturen aufnehmen. Magisch der Klosterort – mystisch der dahinterliegende Überwald. Ein dichter Nadelwald, mit herrlichen naturbelassenen Abschnitten, ein dämpfender Waldboden, der zentimeterdick mit Baumnadeln belegt ist, fast scheint es so dass man auf Wolken schwebe. So geht es gemächlich aufwärts zum Hardberg und zur Stiefelhöhe, beides Mittelgebirgszipfel die an der 600 Höhenmetermarke kratzen. An der bewirtschafteten Stiefelhütte verschwenkt der Rundweg nach Unter-Absteinach. Man quert den Weiler und folgt dem Wanderweg, der sich auf der Gegenflanke zum Hohberg hinaufschraubt. Hier kann man beeindruckende Panoramablicke über das Gorxheimer Tal bis hinüber Richtung Mannheim/Ludwigshafen genießen. Scheinbar zum Greifen nah ist der gegenüberliegende Pfälzer Wald. Zwischen Unter- und Oberabsteinach wurde der Wanderweg als Kunstpfad angelegt. Zahlreiche Dauerinstallationen flankieren die aussichtsreiche Strecke. Unterhalb des Hohbergs verschwenkt der [read more…]
Marathon

Neunkirchner Alemannenring

Beerfurth, den 02. Juni 2020 – “Odenwald vom Feinsten” kann man erleben, wenn man sich auf die dritte Passage unserer fünfteiligen Alemannenringpassage begibt. Darin eingeschlossen sind weitreichende Panoramasichten und markante Landmarken. Wir starten in Beerfurth, dort wo schon von je her traditionelles Handwerk gepflegt wurde. Sei es die Produktion von Odenwälder Lebkuchen, die Fertigung der tradionellen Odenwälder Gäulsches und die Kelterei des hessischen Nationalgetränkes, dem Ebbelwoi, umtriebig war man hier schon immer. Der Einstieg in den Alemennenweg ist leicht zu finden, da sich Selbiger durch die Ortschaft zieht. Bereits nach wenigen hundert Metern von der Ortsmitte aus ist der Hasenbuckel erreicht und man kann einen weitreichenden 180 Grad Panoramablick, vom östlich gelegenen Otzberg bis zum Schloß Reichenberg im benachbarten Reichelsheim genießen. Den Ortsrand von Reichelsheim streifend geht es die nächsten zehn Kilometer stetig aufwärts. Die Wegestruktur ist ausgezeichnet. Kein Wunder, handelt es sich beim Alemannenweg doch um einen zertifizierten Premiumwanderweg. Nach guten sechs Kilometern ab Beerfurth ist die “sagenhafte” Burgruine Rodenstein erreicht. Um dieses Gemäuer ranken sich viele Sagen, die in diesem Blog schon hinreichend beschrieben worden sind. Die Fragmente der 780 Jahre alten Burg, die im Rodensteiner Wald regelrecht eingehaust ist, üben immer wieder einen besonderen Reiz aus. Von der Burg Rodenstein führen herrliche Pfade weiter hinauf, zum höchsten Gipfel dieser Region, der Neunkirchner Höhe, die mit 609 Meter die höchste Erhebung des hessischen Odenwaldes ist. Auf dem Berg befindet sich auch die Odenwälder Wasserscheide. Drei Quellen entspringen hier und entwässern allsamt in der Nordsee. Die Gersprenz nimmt dabei [read more…]
bis 20 km

Panoramaweg Erbach-Michelstadt

Erbach, den 29. Mai 2020 – Mehr als sechzig Qualitätsrundwanderwege hat der Odenwaldklub nach festgelegten Qualitätskriterien ausgearbeitet, geprüft und zertifiziert, einer davon ist der Panoramaweg Erbach-Michelstadt, ausgeschildert mit der treffenden Kennzeichnung “EM1” Bereits 2009 sollten nach politischem Willen die beiden schmucken Städte des Odenwaldes fusioniert werden, ein Bürgerentscheid kippte jedoch dieses Vorhaben. Topographisch sind die beiden Städte längst verschmolzen, auch wenn historisch bedingt nach wie vor gefrotzelt wird und sowohl eine Dialektgrenze als auch eine Datumsgrenze (!) besteht. Erbach ist Kreisstadt, dafür ist Michelstadt für Viele die Schönere. Dem Wanderer können diese Scharmützel egal sein, denn man kann beide Städtchen auf einem Streich entdecken. Einmal rund um Erbach-Michelstadt, geringfügig um eine Schleife um den Wildpark Brudergrund erweitert, so dass mit 21 Kilometern eine angenehme Vormittagstour eingeplant werden kann, mit nachfolgender Einkehr in einem der vielen Wirtshäuser, die hier vorzufinden sind. Gestartet wird am Friedhof in Michelstadt, um im Uhrzeigersinn wandernd den Verlauf der Sonne zu folgen, was licht- und sichttechnisch durchaus günstig ist. Kurz nach dem Eintsieg wird man daran erinnert, daß Michelstadt eine Stadt der Bienen ist. Einmal jährlich findet hier auch das zweitgrößte Volksfest des Odenwaldes, der Michelstädter Bienenmarkt statt. Es geht vorbei an einem Lehrbienenstand, hinauf zur Stockheimer Eiche, deren Stumpf überdacht wurde. Nebenan sind die Grundmauern der Heilig-Kreuz-Kapelle zu besichtigen, die erst 1938 entdeckt wurden. Weiter führt der Panoramaweg entlang der mit mächtigen Eichen flankierten Waldeskante. Bilder können das Panoramaspektrum, welches sich auf diesem Abschnitt bietet nicht wirklich wiedergeben – so sei an dieser Stelle darauf [read more…]
bis 20 km

Modautaler Weitblickweg

Modautal, den 22. Mai 2020 – Weitblicke! Wer den Weitblick hat, hat den Überblick, je nachdem – geistig, philosophisch oder räumlich. Wunderbar wanderbare Weitblickmöglichkeiten bietet einmal mehr der Odenwald. Mehr als sechzig Qualitätsrundwanderwege hat der Odenwaldklub nach festgelegten Qualitätskriterien ausgearbeitet, geprüft und zertifiziert. Einer davon ist der Modautaler Qualitätsrundwanderweg “Modautaler Weitblick” der schöne Aussichten und idyllische Dörfer verspricht. Auch wenn man bei Rundwanderwegen einstiegstechnisch freie Wahl hat, so empfiehlt es sich uhrzeit- tages- und jahreszeitenbedingt taktisch vorzugehen. Ideal wenn man zum krönenden Abschluß ein Weißbier ziehen kann, ideal wenn man sonnenstandsbedingt durch Lichtverhältnisse gute Aussichtsmöglichkeiten hat, ideal wenn zur Halbzeit der Wanderung eine exponierte Stelle erreicht wird. So starte ich am Rathaus in Brandau, dort wo eine regelrechte Tafelwand über die Vielzahl der Wandermöglichkeiten informiert. Vor lauter Sonnenaufgangsdramatik verpeile ich den Anstieg zur Kriegsgräberstätte Brandau, eine kurze Schleife um den Geisberg heilt jedoch diesen Mangel. 1966 wurde hier nach aufwendigen Vorarbeiten eine Ruhstätte für 461 Kriegstote aus fünfzehn Nationen, die einst in 57 Kommunen Südhessens begraben waren, an diesem beeinddruckenden Ort eingerichtet. Man zuckt innerlich schon zusammen, wenn man die wenigen Lebensjahre der meist jungen Opfer nachvollzieht. Von der Gedenkstätte führt der Rundwanderweg zunächs in nördlicher Richtung, vorbei am Brandauer Kreuz. Das 800 Jahre alte Sandsteinoriginal wurde mittlerweile in das Rathaus geschafft, nachdem es mehrfach durch landwirtschaftliches Gerät beschädigt und gebrochen wurde. An den jetzigen Granitersatz trauen sich die Treckerpiloten scheinbar nicht mehr heran. Vorbei am Modautaler Ortsteil Allertshofen, den man am südlichen Rand streift, legt sich der Qualitätswanderweg um [read more…]
Marathon

Der Nibelungenring – das Finale

Knoden, den 08. April 2020 – Finale – sprachlich gesehen etwas abschließendes, im sportlichen Bereich ein Höhepunkt als Schlußakzent einer Reihe von vorausgegangenen Aktivitäten. Als würdiges Finale gestaltete sich die letzte Etappe der ringförmig ausgebauten Nibelungensteigexpedition. Sportlich ambitioniert und hochattraktiv bezüglich der Streckenführung. Gestartet wird in Knoden, dem Wendepunkt der vorausgegangenen Expedition. Nicht umsonst prangt am Ortseingang des 100-Seelen-Weilers ein großer Stein mit eingemeiselter Aufschrift “Hüte dich für Knoden” Für mit dem Auto anreisende Wanderer ist Knoden schlichtweg nicht ausgelegt – Parkplätze sind Mangelware. So bleibt es in das benachbarte ein Kilometer entfernte Schannenbach zu fahren, um dort hinter dem Dorfgemeinschaftshaus das Auto abzustellen. Von Knoden aus führt der Nibelungensteig zunächst rund um den 511 Meter hohen Knodener Kopf. Bereits hier stößt man auf Granitsteinformationen – ein Vorgeschmack zum gewaltigen Felsenmeer, welches nach acht Kilometern erreicht wird. In weitreichenden Schleifen führt der Steig hinab nach Reichenbach, dort wo sich dank Granitreichtum eine florierende Steinmetzindustrie angesiedelt hat. Da nach amtlichen Veröffentlichungen das Informationszentrum des Felsenmeers am Nibelungensteig geschlossen hat, wähle ich von Reichenbach den Direktauftstieg über einen lokalen Wanderweg. Ansonsten empfiehlt sich durchaus ein Gang zum Infozentrum, um sich aus erster Hand über die Geschichte des Felsenmeers zu informieren. Die ehemalige “Werkstadt der Römer” ist immer wieder beeindruckend. Mehr als dreihundert von römischen Steinmetzen bearbeitete Steine sind hier mittlerweile dokumentiert und katalogisiert, der Rest liegt einfach so herum. Gut angelegte Pfade, die mit zahlreichen Rastmöglichkeiten bestückt wurden, ermöglichen eine gefahrlose Besichtigung des imposanten Areals. Oberhalb des Felsenmeers steht auf dem Felsberg [read more…]
Marathon

Ostertaler Nibelungenring

Ober-Ostern, den 06. April 2020 – Just in time zur Karwoche steht bei dieser Nibelungenringrunde das Ostertal, eines der schönsten Täler des Odenwaldes im Fokus. Gestartet wird in Ober-Ostern, ein Reichelsheimer Ortsteil, der unterhalb der Walburgis-Kapelle liegt. Standardmäßig geht es von Anbeginn hinauf, zunächst in nordwestlicher Richtung über den Stotz, um an der anderen Seite der Bergflanke steil hinab zum Gumpener Kreuz zu wandern. Leicht ansteigend geht es vom Gumpener Kreuz, zur “Perle des Odenwaldes”. Unter diesem Begriff firmiert Lindenfels im Odenwald. In exponierter Hanglage gelegen war Lindenfels schon von je her ein strategischer Standort. Zu normalen Zeiten sollte man sich für die Stadt Zeit nehmen, denn hier gibt es Vieles zu entdecken. Diesmal geht es zügig durch den Stadtkern, die markante Burrg umrundend um dann den hässlichsten An- beziehungsweise Abstieg, (gefühlt 30 Prozent) des Nibelungensteiges hinab nach Schlierbach zu folgen. Auch für Schlierbach, eines der schönsten Flecken des Odenwaldes, sollte man sich Zeit lassen. In der Ortsmitte führt der Nibelungensteig am vielleicht interessantesten Friedhof des Odenwaldes vorbei. Calvinisten aus der Schweiz brachten damals die Stickel-Bretter mit, weiße Kreuze mit einem Dach und aufgemalten Blumen. Ein Brauch welcher heute noch gepflegt wird. Hinter Schlierbach geht es stramm aufwärts, zum Krehberg, der eine im Odenwald eine gute Landmarke ist, denn auf der Spitze befindet sich eine 100 Meter hohe UKW-Sendemastanlage. Hier betritt man auch eine neue geologische Zone. Granitgestein löst hier den Buntsandstein-Odenwald ab. Zieht man gedanklich eine Linie von Heidelberg nach Seligenstadt, so hat man die Achse wo der Granit-Odenwald [read more…]
Marathon

Grasellenbacher Nibelungenring

Marbach, den 04. April 2020 – Die Stätte eines heimtükisches Mord wird im Zentrum dieser Exkursion stehen. Gestartet wird am Marbacher Stausee, der Wendepunkt der letzten Nibelungenringtour. Noch duckt sich die Morgensonne hinter den nordöstlichen Anhöhen des Odenwaldes. Vor einigen Jahren noch führt der Nibelungensteig über die steilen Anhöhen des Schnappgalgens zur Olfener Höhe. Mittlerweile hat man die Passage entlang des Marbach-Stausees nach Gütterbach via Hüttenthal geführt – und damit die Attraktivität dieses Abschnitts nochmals aufgewertet. Der Nibelungensteig schraubt sich langsam in die Waldzone gen Hüttenthal hoch, die Ortschaft die überregional für Ihre hochwertigen Molkereiprodukte bekannt ist. Die Morgensonne im Rücken habend entfalten sich beste Lichtverhältnisse auf der Passage nach Güttersbach. Idylllisch bettet sich Güttersbach in den Ausläufer des Mossautals ein. In der 460-Seelen Gemeinde findet man einige Beherbergungsbetriebe. Wer in gediegener Atmosphäre abschalten möchte – hier ist man richtig aufgehoben. Von Güttersbach aus geht es aufwärts zunächst in südlicher Richtung zum Olfener Bild. Der alte Bildstock mit leerer Nische steht am historischen Wallfahrtsweg nach Walldürn. Einen Kilometer weiter erreicht man ein außergewöhnliches Naturschutzgebiet, das “Rote Wasser“. Namensgeber ist eine Braunalge, die das hier befindliche Wasser bindet und sich als rostroter Belag absetzt. Gerade in der noch blätterlosen Jahreszeit entfaltet dieses Areal eine besondere Magie. Für Botaniker ist die Moorlandschaft ein Paradies, denn hier hat sich eine besondere Flora entwickelt. Von der Moorlandschaft geht es weiter aufwärts, hinauf zum 548 Meter hohen Spesssartkopf, der auch im Nibelungenlied erwähnt wurde. Hier sollen einst die Burgunder ihre Vorräte gelagert haben. Unterhalb der [read more…]
Marathon

Oberzenter Nibelungenring

Oberzent, den 02. April 2020 – Schöllenbach, der zweigeteilte Ort an der hessisch-badischen Landesgrenze ist Startpunkt dieser Nibelungenringexkursion. Die Wanderplanung erfolgt nach bewährtem Muster. 20 Kilometer aufwärts entlang des Nibelungensteiges und der Rückweg auf gut gangbaren Wanderwegealternativen, die der Odenwald zur Genüge zu bieten hat. Hinter der Wallfahrtskapelle führt der Nibelungensteig in einer Schleife durch den dichtbewaldeten Langen Forst. Das Euterbachtal ist eng und es wird noch einige Stunden dauern bis hier das Sonnenlicht ein wenig Erhellung in den dunklen Waldabschnitt bringt. Moderat die Steigungen, die sich auf den nächsten sieben Kilometern verteilen. Nur noch Bäume vor Augen verpasse ich eine Landmarke des Nibelungensteigs, den Rutschstein, ein mysteriöser Buntsandsteinblock mit räselhaften Vertiefungen. Mit dieser Bildungslücke behaftet erreiche ich Gebhardshütte, eine Ortsteil-Enklave von Hetzbach-Oberzent. Fünfzehn Gehminuten von Gebhardshütte entfernt erreicht man das Ebersberger Felsenmeer, eine größere Anhäufung von Buntsandsteinfelsen. In Kriegszeiten verschanzten sich hier die Einwohner aus den umliegenden Gemeinden. Vier Kilometer hinter dem Sandsteinfelsenmeer erreicht man ein Meisterwerk deutscher Ingenieurs- und Baukunst, das Himbächel Viadukt. 1880 errichtet, 250 Meter lang, aus zehn Bögen bestehend und aus 16.400 Kubikmetern heimischen Sandstein gefertigt. Gewaltig strecken sich die 43 Meter hohen Bögen über den unten durchlaufenden Nibelungensteig. Abkürzungsfetischisten könnten hier vier Kilometer einsparen und am Viadukt die Passage zum Marbachsee deutlich kürzen. Da man aber im Regelfall des Wanderns willens wandert, ist es nicht verboten der Schleife via Ebersberg und den Heumatten zum Marbachstausee zu folgen. Einst wurde der Stausee zum Hochwasserschutz der talabwärtsliegenden Gemeinden errichtet. Mittlerweile hat sich das Areal in coronafreien [read more…]
Marathon

Hesselbacher Nibelungenring

Hesselbach, den 28. März 2020 – Auf der dritte Passage der Nibelungenringreihe steht der südöstlichste Zipfel Hessens im Zentrum, dort wo am Drei-Länder-Stein sich einmal jährlich die Bürgermeister der Grenzländerkreise aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen die Hand reichen. Ob es in 2020 zu einer Handreichung kommen wird ist aus aktuellem Anlaß höchst ungewiß. Start der Rundtour ist diesmal Ottorfszell, den Wendepunkt der vorausgegangenen Nibelungenringpassage. Standardmäßig geht es wieder aufwärts in die Mittelgebirgsregion. Nachtaktives Schwarzwild hat frische Spuren in den Wald- und Wiesenregionen hinterlassen, kein Wunder, der Tisch ist klimabedingt reich gedeckt. Der Nibelungensteig führt hinauf zum Fahrenberg , um dann im weiteren Streckenverlauf im Kastaniental anzuknüpfen. Augenfällig sind die zahlreichen Bildstöcke, die hier in der Region eingebracht wurden. Unwetter, Krankheiten, Viehseuchen, und Sühnen waren Beweggründe um sichtbare Zeichen der Frömmigkeit und Dankbarkeit zu setzen. Vor dem Anstieg in das Kastaniental kommt man am vermutlich ältesten Bildstock des Odenwaldes vorbei. Just gegenüber ist eine große Madonnenstatue an einem Feldrand angebracht. Ob 600 Jahre später einmal ein Bildstock an eine Weltseuche des 21. Jahrhunderts erinnert erscheint in unserem Zeitalter mehr als fraglich. Zwischen den Kuppen des Fahrenbergs und des Mühlschwangs führt ein Taleinschnitt zum Weiler Breitenbach. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts verteilten sich hier 120 Bewohner auf 12 Bauerngehöfte. Eine ausbrechende Hungersnot führte zur Flucht aus dem Tal, der letzte Bauer ließ seine Egge im Jahre 1836 fallen. Heute ist wieder ein Gehöft besiedelt. Ein Kleinod ist die hier im Tal befindliche Breitenbacher Kirche, von außen ein schlichter Sandsteinbau, im Innenbereich prunkvoll [read more…]