Der Malerweg

Pirna im September 2020 – “Jeder der hierher kommt, ist gewöhnlich einige Augenblicke wie außer sich, und weiß nicht wie er sich äußern soll. Da steht man wie in eine andere Welt versetzt, in einer schmalen Kluft, von zwei Reihen Felswänden eingeschlossen, am Rande eines kleinen ganz heiteren Bächleins….” Noch heute spürt man die 1801 niedergeschriebene Faszination des Verfassers, ein gewisser Carl Heinrich Nicolai, seines Zeichens Pfarrer, Fremdenführer und Autor des ersten Wanderführers mit dem Titel “Wegweiser durch die Sächsische Schweiz.

Just fünfzig Jahre zuvor waren bereits Künstler aus der Schweiz, aus Italien und der heimischen Dresdner Kunstakademie mit Skizzenpapier und Zeichenstiften unterwegs, um die spektakuläre und wundersame Landschaft für nachfolgende Generationen festzuhalten. Ende des 18. Jahrhunderts entstand zudem der “Fremdenweg” als touristischer Haupterschließungsweg des Elbsandsteingebirges. Jedoch mit Etablierung der Elbdampfschifffahrt sowie der Böhmischen Eisenbahn, die zwischen Dresden und Prag durch das Elbtal rauschte, geriet der Weg mehr und mehr in den Hintergrund. So dauerte es bis 2006, bis der historische Fremdenweg, nun als Malerweg aufgebohrt und als Qualitätswanderweg geadelt wurde, eben auch eine Hommage an die einst hier aktiven Landschaftsmaler. Wer heute einschlägige Hitlisten der Top-Wanderwege Deutschlands studiert, wird zwangläufig, aber auch zu Recht, immer wieder mit dem Malerweg konfrontiert. Demnach ist es, aus der Wanderbrille betrachtet, keine Frage ob, sondern wann der Malerweg begangen werden soll.

Offiziell ist der Malerweg in acht Etappen eingeteilt und führt als fast komplette Rundwanderung im Gesamten durch die markantesten Abschnitte der einmaligen Naturlandschaft. Wanderangebote und Ausgestaltungsmöglichkeiten gibt es zur Genüge. Wandern mit Gepäcktransport, Pick-up Service von Herbergen oder Zelttrail – ich entscheide ich mich für eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Lösung: vier Touren im Gesamten, Standortübernachtung in Pirna einschließlich kostenfreier Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im gesamten Areal.

Pirna ist eine ausgezeichnete Wahl für eine Standortwanderung, jedoch auch Bad Schandau bietet sich durchaus als zentraler Stützpunkt an

Trail 1 Liebethal -Hohnstein

Traditionell startet man den Malerweg in Pirna-Liebethal. Der Einstiegspunkt wird vom Busbahnhof in Pirna im 30-Minuten-Takt bedient.
Bereits die Wander-Ouvertüre im Liebethaler Grund beeindruckt in mehrfacher Hinsicht. Schon am Einstieg in das Liebethal sind die Spuren der ehemaligen Sandsteinabbrüche erkennbar. Einst wurde hier Material für prächtige Bauten wie beispielsweise der Meißner Dom, die Frauenkirche in Dresden, der Berliner Reichstag oder das Brandenburger Tor abgebaut. Heutzutage wird das ehemalige Abbaugebiet vom Sächsischen Bergsteigerbund betreut und dient als Trainingsareal für angehenden Freeclimber.

Mächtige Felswände flankieren den Einstieg in den Liebethaler Grund

Wohlgefällig schlängelt sich der Liebethaler Grund als engeingeschnittenes Tal entlang der Wesenitz. Vor Fertigstellung der Elbtalbahn startete der Fremdenweg ursprünglich in Pillnitz und verlief über Graupa in das Tal hinein. Einst nutzten hier vier Mühlen die Kraft des Wassers. Wildromtisch gestaltet sich die Wegeführung und bereits nach einem Kilometer passiert man das weltgrößte Richard-Wagner-Denkmal. Inspiriert von regelmäßigen Ausflügen zur Bastei kompinierte der Meister hier Tannhäuser und Lohengrin. Was die Reiseführer verschweigen: nicht zum komponieren zog es das Musikgenie hierher – der Komponist war platt, und hatte einen Burn-out und suchte einen Ort zur Regeneration – mit Erfolg wie die Musikgeschichte heute belegt.

Wassermühlen aber auch eines der ersten Elektrizitätswerke Sachsens wurden hier betrieben
Folgt dem Wanderzeichen, wie hier, ein roter Punkt, dann befindet man sich zugleich auf dem historischen Fremdenweg
Ein stimmungsvoller Auftakt
Direkt entlang der Wesenitz
Großes Kino: Gegenüber dem Wagnerdenkmal ist ein Lautsprechermast installiert. Auf Knopfdruck schallert das Prelude von Lohengrin durch das Liebethal.
Trotz Regenarmut der vergangenen Jahre sprudelt die Wesenitz kräftig durch das Tal

51 Grad Nord 14 Grad Ost, markiert ein hinter Mühldorf angebrachter Koordinatenstein. Von hier aus, auf dem Weg Richtung Lohmen und Uttewald eröffnen sich weitreichende Blicke in die Landschaft der Sächsischen Schweiz. Wohlgefällig und lieblich entfaltet sich das Landschaftsszenario und täuscht arglastig das Auge des Betrachters. Kaum zu glauben mit welcher Dramaturgie sich das Areal entfalten wird, wenn man eintaucht zwischen bizarren Felstürmen, steil abfallenden Schluchten und canyonartigen Tälern. Lohmen südöstlich querend betritt man den 96 Quadratkilometer großen Nationalpark Sächsische Schweiz, der einzige Felsennationalpark Deutschlands. Atemberaubend recken sich zahlreiche Sandsteinboliden hoch, schirmen den Himmel ab und verdunkeln die engen Täler in einer magischen Art und Weise. Bei Kilometer 9 ab Einstieg ab Libethaler Grund passiert man das Uttewalder Felsentor. Vergleicht man den weltbekannten Stich von Tromlitz aus dem Jahre 1836 mit dem tatsächlichen Felsgebilde, so kann man an diesem Beispiel durchaus die ausgeprägte Darstellungskraft der malenden Zunft bewundern. Nicht umsonst hießt der Malerweg eben Malerweg.

Am Koordinatenpunkt kann man seine Gerätschaften kalibrieren
Was in Frankreich die Französische Revolution, war hier der Sächsische Bauernaufstand in 1790 mit einer klaren Forderungsliste: Abschaffung der Frondienste und Jagdprivilegien und keine Umwandlung der Naturalabgaben in Geldabgaben
Qual der Wahl – beide Richtungen führen zur Bastei
Vor 145 Millionen Jahren toste hier das Meer durch…
..und 50 Millionen Jahre später hoben Eruptionen die Sandsteinplatten. Das Kreidemeer zog sich zurück, Wind-Wasser-und Frosterrosionen formten in Folge die bizarren Felsformationen und Menschenhand fräßte sich durch das Gestein
In diesem Abschnitt ist der Malerweg noch turnschuhgeeignet
Durch das Uttewalder Felsentor. Die berühmte Ansicht von Tromlitz entstand von der anderen Torseite
Frühstarter werden bestraft – noch ist die Waldidylle abgeschlosssen

Im letzten Drittel des Uttewalder Grundes lohnt ein Abstecher durch den Teufelsgrund, der ein erstes Feeling auf die elbsandsteintypischen Urformationen vermittelt. Eindeutig ist man mit 193 cm Körperlänge und Schuhgröße 46 gehandicapt. Schmalste Felstritte und nadelöhrenge Felsdurchgänge, die maximal drei Ellen betragen, minimieren den aufrechten Gang auf das minimal möglichste.

Durch den Teufelsgrund….
hangelt und zwängt man sich durch das bizarre Sandsteinareal

Vom Teufelsgrund geht es hinab zur Stadt Wehlen. Hier empfiehlt es sich den Bypass über die Burgruine zu nehmen um von der dortigen Aussichtsplattform den Blick in das Elbtal aufzunehmen. Wehlen selbst ist für Viele der Einstiegspunkt hinauf zur Bastei, wobei eine nicht unbeträchtliche Anzahl von mit Wanderstöcken und bergtourtauglichen Equipment bewaffnete Wanderer den Busshuttle-Service bevorzugen. Moderat aber stetig ansteigend geht es durch den Schwarzberggrund hinauf zum bekanntesten Aussichtspunkt der Sächsischen Schweiz. Bereits 1800 wurde die Bastei touristisch erschlossen, zunächst mit einer Holzbrücke, und fünfzig Jahre später wurde die weltbekannte steinerne Basteibrücke errichtet. Touristisch wird natürlich jede markante Stelle in diesem Areal ausgeweidet. Der 1710 für eine Jagdgesellschaft errichtete Steiner Tisch entpuppt sich als profane Steinplatte die nicht einmal die Dimension eines Esszimmertisches erreicht. Die hier befindliche ehemalige Waldgaststätte ist geschlossen und macht einen verwahrlosten Eindruck. Über den Fremdenweg, der hier gemäß Flurkarte tatsächlich noch Fremdenweg heißt, gelangt man in das Epizentrum eines bundesdeutschen Touristenhotspots. Parkplätze sei Dank ist die Bastei auch für kurzatmige Tagesbesucher unproblematisch zu erschließen. Jedoch. mit der Stille ist hier vorbei. Obschon außerhalb der Ferienzeit, obschon montags: regelrechte Menschenmassen schuben sich über die Basteibrücke und annektieren die Plätze auf der hier oben befindlichen Gastronomie. Natürlich – auch ein Rundgang durch die Felsenburg Neurathen gehört hier zum Pflichtprogramm – jedoch angesichts des Trubels ziehe ich behende durch das beeindruckende Areal. Auch wenn Nicolei in seiner 1801 veröffentlichen Schrift bemerkt “Welche hohe Empfindungen gießt das in die Seele! Lange steht man, ohne mit sich fertig zu werden (.…) schwer reißt man sich von dieser Stelle fort”. Es wird andere Gelegenheiten geben, sich in Ruhe intensiv mit der Bastei zu beschäftigen. Zu anderer Stunde und unter anderen Rahmenbedingungen.

Blick hinab auf Wehlen und der Elbfähre
Der wunderbare Schwarzbergweg führt hinauf zur Bastei
Ein Bruchteil der Felsformation Bastei
Blick hinüber auf die Tafelberge der Region
Seit 170 Jahren überspannt die 76 Meter lange Basteibrücke in sieben Bögen die vierzig Meter tiefe Mardertelle
Alarmstufe dunkelrot auf der Basteibrücke: Mindestabstand Fehlanzeige – Mund-Nasenschutz wird nicht benötigt – heller Sandstein absorbiert Coronaviren
Tiefenentspannt dagegen genießt der Kletter auf der rechten Nadel des gegenüberliegenden Gansfelsens das Umfeld
Die Pioniere des Wandertourismus sind am Fels vis a vis der Basteibrücke verewigt.
Blick auf den Lilienstein von der Basteibrücke aus
Die markante Basteibrücke
Blickrichtung Böhmische Schweiz

Von der Bastei aus gibt es mehrere Möglichkeiten abwärts zu steigen. Gemäßigt abwärts führt der Malerweg hinab zum Amselgrund, welcher sich nördlich vom Luftkurort Rathen befindet. Auch hier tobt touristisch gesehen der Bär. Von Rathen aus spazieren viele Tagesgäste zum 500 Meter langen Amselsee, der einst zur Eisgewinnung und zur Fischzucht angelegt wurde. Heute kann man per Ruderboot durch das Gewässer gondeln. Dank Trockenheit hat der folgende Amselfall, eine weitere touristische Attraktion, seinen Wasserbetrieb mehr oder minder eingestellt. Spätestens hier verebbt der Besucherstrom, denn es geht steil aufwärts nach Rathewalde. Über den Hockstein führt der Malerweg in einem einem spektakulären Schlußspurt zum Tagesziel. Scheinbar zum Greifen nahe blickt man auf das gegenüberliegende Hohnstein, dort wo die markante Burg auf einem Felszipfel throhnt. Der Weg hinüber kostet jedoch einige Schweißtropfen. Über die Teufelsbrücke führt die Passage steil abwärts durch die sehr enge Wolfsschlucht um auf der Gegenflanke ebenso steil aufwärts hinauf nach Hohnstein zu ziehen. Von hier kann man mit einer 45minütigen Transferzeit per Bus zurück nach Pirna fahren.

Bootstour am Amselsee gefällig?
Durch das Amselloch hinauf nach Rathewalde
Ein Blick hinüber nach Hohnstein, jedoch..
zunächst geht es durch die enge Wolfsschlucht
und weiterführend gefühlt unter Meeresspiegelniveau abwärts
..um nach einen kräftigen Gegenanstieg das Tagesziel zu erreichen.

Trail 2 Hohnstein-Neumannmühle

Knackig der erste Tag – doch man kann noch eine Schippe drauflegen. Am Ende dieses Tages werden 36 spannende Kilometer und mehr als 1.100 Höhenmeter auf dem Wandertacho stehen. Einziger Nachteil der ÖVM-gestützen Wanderplanung – man muß sein Zeitschema (Pausenzeiten und Marschtempo) – speziell bei solchen Tourenlängen immer im Auge haben. So fällt das Frühstück an diesem Morgen aus, um mit den ersten Bus von Pirna nach Hohnstein zu schaukeln. Vergessen der Bastei-Trubel des Vortages – in dieser Kante kann man zum Sonnnenaufgang die Anmut der markanten Felsformationen im Polenztal für sich alleine vortrefflich genießen. Nicht umsonst ist hier auch ein bemerkenswerter Lehrpfad eingerichtet. Unterhalb der Burg Hohnstein führt der Malerweg durch den Bärengarten über einen Höhenweg vorbei an der Gautschgrotte hinauf zur Brandscheibe, dort wo man eine der markantesten Aussichten auf die Sächsische Schweiz genießen kann. Hier heißt es Kräfte sammeln, denn es folgen 800! Stufen steil abwärts hinab zum Tiefen Grund. Damit die Beinmuskeln nicht einseitig belastet werden, ziehen gefühlt 1.200 Stufen auf der gegenüberliegenden Seite hinauf nach Waitzdorf. Jedoch nicht immer wird der Aufstieg belohnt. Das ansässige Dorfgasthaus hat an diesem Tag Ruhetag.

Burg Hohnstein – illuminiert von der aufgehenden Morgensonne
Die Reste der Mauern im Bärengarten legen Zeugnis ab: hier hielt der Dresdner Hof um 1600 Bären, die für die Hetzjagd eingesetzt wurden
Der Gang durch das Polenztal – vom Allerfeinsten
Bereits in den 60er Jahren wurden, wie hier an der Gautschgrotte, Bergungsboxen für verletzte Klettersportler aufgestellt –
Nicht gerade wirtschaftliche Wegekennzeichnung
Blick vom Brand hinüber zum Lilienstein
Und gen Osten blickt man auf den 619 Meter hohen Rosenberg der in Tschechien liegt
Mehr als steil geht es vom Brand abwärts – über 800 Stufen aus Holz, Stein und Stahl..
um auf der Gegenseite aufwärts nach oben zu blicken
Dienstags Ruhetag…
Der Waitzdörfer Blick ist dagegen immer offen

Von Waitzdorf geht es über die Berggruppe Ochel, den Mühlenweg folgend tendentiell abwärts durch ein elbsandsteintypisches Areal, hinab nach Kornmühle, dort wo ein mächtiges Linoleumwerk das Ortsbild des 100-Seelen zählenden Weilers prägt. Weiter führt der Malerweg zwischen Senitz und den Bahngleisen der Sächsisch-Böhmischen Nationalparkbahn nach Altendorf. Scheinbar ist in der Sächsischen Schweiz der Dienstag ein heiliger Tag. Auch hat der Dorfladen und das Wirtshaus die Türen abgesperrt.

Einmal mehr wandert man auf historischen Pfaden
Vorbei am Industriedenkmal in Kohlmühle
..nach Altendorf, wo dienstags die Bürgersteige hochgeklappt werden

Von Altendorf aus steigt man ein in das wahre Zentrum der Sächsischen Schweiz. Hier verdichten sich die bizarren Felsformationen, hier ist das Eldorado für Kletterfreunde, hier kann man, wenn man möchte, vielfältigste und spannende Rundtouren kombinieren. Hinab zur Ostrauer Mühle führt der Malerweg, der hier auf dem Steinbrecherweg verläuft, hinein in die mächtigen Schrammsteine. Imposant wirkt dabei die Eintrittspforte, das Große Schrammtor. Von hier aus empfiehlt es sich über Steigleitern die Schrammsteinaussicht zu erklimmen. Hochwertig der weitere Wegeverlauf der nahtlos zu den benachbarten Affensteinen führt. Alleine in diesem Areal könnte man sich einige Tage regelrecht austoben.

Hier kommt richtiges Gebirgsfeeling auf ….
Aufwändige Gehhilfen ermöglich dabei die unkomplizierte Erschließung der Steinformationen
..besser als jede Fußreflexzonenmassage
Erosionen ließen die bizarren Formen des Elbsandsteingebirges entstehen
Während manch ein Wanderer sich regelrecht die Stufen hochquält..
..sind Kletterfreaks auf einem ganz anderen Niveau unterwegs
Durch das Große Schrammtor
Auf fast 17.000 Kletterrouten können Bergsteiger über 1.100 anerkannte Klettergipfel im Elbsandsteingebirge erklimmen……
Für den Rest der Welt stehen 2.200 Kilometer Wander- und Radwege zur Verfügung
Von den Schrammsteinen geht es steil abwärts…
..hinüber zu den Affensteinen

Der Affensteinweg führt durch den Wildensteiner Wald hinab zum Lichtenhainer Wasserfall ein Fixpunkt der im Dunstkreis von Bad Schandau kommerzialisiert wurde. Mit der Kirnitzschtalbahn lassen sich von Bad Schwandau aus Tagesgäste hochkarren, um die halbstündig inszenierte Öffnung des Schwallwehrs zu bewundern. Ansonsten plätschert das Gewässer mit der Intensität einer feinperligen Duschbrause herab. Kein Ort, an dem man sich länger aufhalten muß. Allemal spannender ist es dem Malerweg der sich entlang des Münzborns hinauf zum Kuhstall schlängelt zu folgen. Im Vergleich zu den vorhergehenden Abschnitten ist der Anstieg zum Neuen Wildstein sehr moderat. Nach einer knappen halben Stunde vom Lichtenhainer Wasserfall gerechnet ist der Kuhstall, das zweitgrößte Sandsteintor Europas erreicht. Über die schmale Himmelsleiter könnte ich noch den markanten und empfehlenswerten Gipfelpunkt erklimmen, jedoch das schmale Zeitfenster (25 Minuten für 2,5 Kilometer Abstieg zur Busstation an der Neumannmühle – alternativ zwei Stunden Wartezeit) setzt diesmal andere Prioritäten. So erreiche ich drei Minuten vor Abfahrt die Busstation. Vom weitesten Einstiegspunkt des Malerweges benötigt man per Bus immerhin 1 Stunde und 15 Minuten zurück nach Pirna. Zeit genug um diese faszinierende Tagespassage nochmals Revue passieren zu lassen.

Touristenattraktion Kirnitzschtalbahn
Der berühmte Lichtenhainer Wasserfall
Der Kuhstall – eines der Wahrzeichen des Elbsandsteingebirges
Abwärts zur Neumannmühle

Trail 3 Neumannmühle – Gohrisch

Auch der heutige Tourenverlauf ist transportbedingt mit einem engen Zeitkanal belegt, jedoch es gibt durchaus zweckmäßige Ausgestaltungsmöglichkeiten. Der erste Bus zur Neumannmühle startet um 7:45 in Pirna, so daß der Einstieg in diese Tour spät, erst um 09:00 Uhr ab Neumannmühle möglich ist. So bietet sich diesmal eine Streckenanpassung an. Den östlichen Zipfel über das große Pohlshorn auslassend (was nach Studium einschlägiger Unterlagen keine Bildungslücke hinterläßt) quere ich den Großen Tschand via Zeughausstraße um am historischen Zeughaus wiederum auf den Malerweg zu stoßen. Vom Zeughaus geht es nur noch aufwärts zum Großen Winterberg. Vielfach ist zu lesen, daß der Große Winterberg mit 556 Metern der größte Berg der Sächsischen Schweiz sei. “Falsch” sagt die andere Fraktion, die den Großen Zschirnstein mit 560,3 Meter als höchste Erhebung dokumentiert wisssen will. ” Stein ist Stein – sagen die Einen, Berg ist Berg sagen die Anderen. Ungeachtet dieser Scharmützel, der Große Winterberg ist nicht wirklich spektakulär, da ringsrum eingewaldet – zudem das hier oben gebaute mächtige Wirtshaus bereits seit zwei Jahren geschlossen ist. Ein Imbiss, der als fliegender Bau eingerichtet ist, versorgt aktuell die Gipfelbesteiger mit dem Notwendigsten, jedoch offensichtlich nicht vor elf Uhr morgens. Einzig die Kipphornaussicht, die zehn Gangminuten unterhalb des Gipfels liegt, ermöglicht weitreichende Aussichten. Von hier führte einst der historische Fremdenweg hinüber zum größten Sandsteintor Europas, dem tschechischen Prebischtor. Aus Naturschutzgründen wurde der Weg jedoch gesperrt. Mächtig knackig gestaltet sich der Abstieg hinab nach Schmilka. Unzählige Natursteintreppen und Holzbohlenstufen stählen die Waden jedes Wanderers. Wer diese Variante als Aufstieg nimmt, kann wahrlich stolz auf sich sein. Das schmucke Schmilka, der direkt an der Elbe gelegenen Grenzort, ist ein touristischer Fixpunkt in der Sächsischen Schweiz. Jährlich sollen 500.000 Besucher die 75 Seelen zählende Gemeinde besuchen.

Impression aus dem Bus Richtung Neumannmühle
Start an der Neumannmühle…
Die historische Sägemühle. Dort wo ein 400 Jahre altes Ein-Blatt-Sägegatter steht und im Originalzustand erhalten ist – weltweit einmalig
Ende September gilt immer noch Waldbrandgefahr
Hinauf zum Großen Winterberg
An der Goldsteinaussicht
Das Eishaus am Gipfel des Großen Winterbergs
Steil abwärts geht es hinab nach Schmilka
Zur Erinnerung – hier wandert man in einem Nationalpark
Schmilka – eine schmucke Häuseransammlung
Auch nett – ein grenzüberschreitendes Wanderschiff
Mit der Fähre geht es über die Elbe

Wie sollte es auch anders sein. Vom Großen Winterberg geht es steil abwärts nach Schmilka. Die Elbe querend geht es auf der linkselbischen Seite über den Aschersteig wiederum hinauf nach Schöna. Hier ist allemal ein Abstecher zur Kaiserkrone aus zwei Gründen hochgradig zu empfehlen. Hier oben fertigte ein gewisser Caspar David Friedrich – das berühmteste Bild des Elbsandsteingebirges “Wanderer über dem Nebelmeer” an und hier genießt man wunderbare 360 Grad Rundumblicke über das Elbsandsteingebirge. Normalerweise führt der Malerweg über den Wolfsberg – zeitlich bedingt kürze ich die Strecke jedoch ab um direkt nach Reinhardtsdorf zu wandern, dort wo sich auf jeden Fall ein Besuch der historischen Dorfkirche lohnt.

Entlang des Caspar-David-Friedrich-Weges führt auch der Malerweg
Hier maschierte bereits vor 202 Jahren der große Maler Caspar Friedrich hoch
Der kleinste und außergewöhnlichste Tafelberg der Sächsischen Schweiz – der Zirkelstein
Tafelberg reiht sich an Tafelberg
Die außergewöhnliche Kirche von Reinhardtsdorf

Auf einem Hochplateau schlängelt sich der Malerweg in westlicher Richtung. Vorbei an Krippen führt der Weg über die bewirtschaftete Liethenmühle Richtung Kleinhennersdorf. Ein Blick hinüber zur anderen Elbseite zeigt die Schrammsteinformation von ihrer scheinbaren harmlosen und wohlgefälligen Seite. Kleinhennerdorf umkreisend geht es unterlegt mit sehr moderaten Anstiegen hinauf zum Pabststein. Von hier aus genießt man weitreichende Aussichten in die Sächsische Schweiz. Es folgt wiederum das bewährte Spiel, einmal abwärts vom Hügel und auf der Gegenflanke hinauf zum Gohrisch – der letzte Tafelberg der erst 1886 touristisch erschlossen wurde. Allemal lohnt aber auch hier der Aufstieg. Alleine schon der Anstieg ist ein Erlebnis, gekrönt von markanten Ausblicken. Der Rest – die Kür. Diese Etappe endet offiziell unterhalb des Gohrisch gelegenen gleichnamigen Luftkurortes, dort wo alle zwei Stunden ein Bus hinab nach Königstein führt, um von dort per S-Bahn Pirna zu erreichen. Hier bietet es sich jedoch an die Tour zu verlängern um über den Muselweg direkt nach Königstein abzusteigen.

Blick vom Hochplateau hinüber zu den Schrammsteinen
Zweifelsohne – der Herbst ist da
Vorbei an der bewirtschafteten Liethenmühle..
…hinauf zum Pabststein…
Einmal mehr begeistert die Landschaft
Im Fokus der nächste Hügel der morgigen Tour
Weitreichende Aussichten – auf 10 Uhr die Festung Königstein
Hinauf zum Nachbarhügel Gohrisch
..auf den letzten Metern zur Gohrischspitze
Und vom Gohrisch blickt man zurück auf den Pabststein
Ein Berg ist ehrlich – wo es rauf geht, geht es auch wieder runter
Via Muselweg kann bis nach Königstein absteigen

Trail 4 Gohrisch-Pirna
Bestimmte an den Touren zuvor der Busfahrplan das Zeitbudget, so übernahm diesmal das Wetter die Planungsvorgabe. “Kräftige Gewitter in den frühen Nachmittagsstunden” so die prognostizierte und am langen Ende auch eintretende Wetterlage. Vom Luftkurort Gohrisch erreicht man, wenn man die Ortschaft in westlicher Richtung quert rasch das benachbarte Pfaffendorf. Bereits von Weitem erblickt man den mächtigen Pfaffenstein, dort wo auch ein Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, die markante Felsnadel “Barbarine” vorzufinden ist. Auf dem Weg Richtung Pfaffenstein eröffnen sich markante Blicke auf ein Highlight der Sächsischen Schweiz, der mächtigen Festung Königstein, ein außergewöhnliches Zeugnis der damaligen Festungsbaukunst. Alleine für die Besichtigung dieser Anlage wird ein Zeitfenster von zwei Stunden empfohlen. Angesichts der bevorstehenden Gewitterlage ist die Entscheidung gefallen, auf die Festungsanlage zu verzichten, frei nach dem Motto “Eigenschutz geht vor Eigennutz”. Kurz aber knackig gestaltet sich der lohnenswerte Aufstieg zum Pfaffenstein. man zwängt sich durch das enge Nadelöhr und sollte keinenfalls den Abstecher auf dem Plateau zur Barbarine versäumen. Markant der Aufstieg und nicht minder faszinierend der Abstieg hinüber zum sich anschließenden Quirl, eine nicht minder beeindruckende Felslandschaft.

Stilvolle Gebäude prägen den Luftkurort Gohrisch
Blick hinauf zum Pabststein dem ersten markanten Teilziel des Tages
Und nebenan trohnt die mächtige Festungsanlage Königstein auf dem Königstein oberhalb der Stadt Königstein
Hier gibt es nur eine Richtung – hinauf zum Pfaffenstein
Auf halber Strecke ein Blick hinüber zum Lilienstein und dahinter versteckt sich die Bastei
Jetzt geht es erst richtig aufwärts
Das Plateau ist erreicht
Vom Plateau aus geht es weiter hinauf zur Südflanke des Berges
Oben ist, wenn keine Leiter mehr kommt
Das berühmte Postkartenmotiv
Hinüber Richtung Quirl
Ein stilvoller Rastplatz

Vom Quirl aus geht es hinab nach Königstein mit Blick auf die die Festung Königstein. Es juckt schon mächtig den Festung mitzunehmen, jedoch die Wetterlage ist eindeutig und mittlerweile ist die Luft drückend schwül aufgeheizt. So wähle ich die Variante über den Kronenweg, um unterhalb der Burg direkt nach Thürmsdorf zu wandern. Vorbei am gleichnamigen Schloß, welches seine besten Jahre offensichtlich schon hinter sich hat,wähle ich als wetterbedingte Alternative eine Passage über den Kleinen Bärenstein, wohlweislich die Variante Weißig und Rauenstein ausklammernd.

2.200 Meter lang ist die Brustwehr der Festungsanlage
Königstein im Vordergrund, im Hintergrund kragt der einzige Tafelberg der auf der rechtselbischen Seite liegt, heraus
Individuelle aber zweckmäßige Wegbeschreibung
In früheren Zeiten war es Usus, die Streckenangaben in Stunden auszudrücken. Leider hat man auf der Malerwegskennzeichung diese Unsitte übernommen. So sind die Auszeichnungen teilweise falsch und führen tendentiell in die Irre da auch die Zeitbemessung fraglich und teilweise deutlich überzogen ist
Einmal quer durch Königstein..
Vorbei am Thümdorfer Schloßgarten
Ein in Stein gehauenes Kreuz am Kleinen Bärenstein

Der Rest – ein wohlgefälliger Auslauf. In Naundorf setzte ich wiederum in den Malerweg ein. Von hier aus wandert man auf einem schönen Höhenweg oberhalb der Elbe nach Obervogelsang. Hier wechselt man auf die einzig längere Asphaltstrecke des Malerwegs, denn hier verläuft der Malerweg auf dem Elbradweg, der hinein nach Pirna führt, dem offiziellen Schlußpunkt des Malerweges. Just mit dem ersten Donnerschlag erreiche das Refugium in Pirna, eine außergewöhnliche und sehr zu empfehlende historische Schänke, dort wo man in einem passenden Rahmen, die Absolvierung des Malerweges angemessen begehen kann.

Von Naundorf Richtung Obervogelgesang
Immer wieder kann man Blicke hinab in das Elbtal genießen
Mit den sächsischen Dampfschiffen läßt sich das Elbtal sehr bequem erschließen
Ein passender Abschluß im Refugium: vier Biersorten vom Faß – pro Tagesetappe ein Schoppen…

Wandern auf höchstem Niveau. Der Malerweg – 121 Kilometer -3700 Höhenmeter, so die Bilanz dieser Tour. Zweifelsohne – das Elbsandsteingebirge ist eines der spektakulärsten Naturlandschaften Europas. Auch wenn die politischen Grenzen bestehen – hüben die Sächsische Schweiz und drüben die Böhmische Schweiz – das Auge vereint die spektakuläre Landschaft, welche mit Formenreichtum bestehend aus Tafelbergen, Felsnadeln- und -riffen, steile Schluchten, Tälern und Hochflächen gesegnet ist und von der Elbe durchzogen wird.  Der Malerweg ein Natur- Kunst- und Kulturweg, einmalig und außergewöhnlich in seiner Textur. Um in den Worten des Tourismusverbandes zu bleiben: Ein Märchen aus Stein.

Zweifelsohne ist man grundsätzlich gut beraten sich in der Tourengestaltung an die offizielle Etappenführung zu halten. So hat man die Option, die ein oder andere Zusatzschleife streßbefreit einzubauen. Sicherlich ambitioniert und sportlich herausfordernd, aber auch sehr beeindruckend, ist die hier vorgestellte verdichtete viertägige Tour. Die Beschilderung ist in toto gut, im Detail jedoch optimierungsfähig. Fernab der Hauptknotenpunkte ist die Symbolkennzeichnung oftmals spärlich, bis nicht vorhanden. Getrost verzichten kann man auf einschlägige Reiseführer. Hier bietet der Tourismusverband kostenfrei eine 60seitige Broschüre an. Hilfreich dagegen ist das 8teilige Wanderkartenset, welches im Maßstab von 1:30.000 aufgelegt wurde. Am langen Ende bleibt zudem die Erkenntnis, daß man sich nicht in dem Glauben wiegen sollte, nach Absolvierung des Malerweges die Gegend zu kennen. Vielmehr ist der Malerweg ein hervoragender Einstieg um das vielschichtige Elbsandsteingebirge intensiver zu ergründen. So bietet es sich regelrecht an, zur besten Herbstzeit mit ausgewählten Rundtouren eingehender die Sächsische Schweiz, nebst der benachbarten Böhmischen Schweiz zu erkunden. Eingeplant wird dabei auch ein Start an der Bastei natürlich eine Stunde vor Sonnenaufgang. Hervorragende Aussichten für einen farbenfrohen und spannenden Wanderherbst in 2021.

2 Kommentare

  1. Guten Tag, 🙂
    Welch wunderbarer Bericht aus der sächsischen Schweiz! Vieles wieder erkannt und Neues entdeckt. Einige Ziele wurde direkt notiert für den nächsten Aufenthalt dort im Oktober 2020. Wahrlich ist die sächsische Schweiz im Herbst ein wahres “Feuer” der Farben! Aber auch die böhmische Schweiz ist ein wunderbares Ziel, alleine der vielen Kneipen wegen! Schade, dass der Fremdenweg nicht freigegeben wird von der Nationalparkverwaltung, aber dies ist ein anderes Thema. Auch von Hrensko/Herrnskretschen (S-Bahn bis Schöna, dann Fähre) aus lässt es sich hervorragend starten.

    Wie glücklich schätze ich mich einen Freund zu haben, der aus Dresden stammt und früher fast jedes Wochenende dort wandern “durfte”. Seine Familie kennt die sächsische Schweiz sehr gut und besitzt allerhand Karten. Die von Herrn Rolf Böhm sind besonders empfehlenswert!

    Viele Grüße aus Urberach,
    Svenja

    • Herzlichen Dank Svenja. Hochgelobt wird übrigens auch der Forststeig, der als Gemeinschaftsprojekt von den Tschechen und den Sachsen entwickelt wurde. Ein 100 Kilometer langer grenzüberschreitender Naturtrail. Unter forststeig.sachsen.de sind hierzu gute Infos hinterlegt. Beste Grüße und viel Spaß im Elbsandsteingebirge -Martin-

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