Walking Special

Berliner Mauerweg

Berlin im Juni 2020 – Sie war das Symbol des Kalten Krieges. Durch das Politbüro der SED als “antifaschistischer Schutzwall” deklariert, durch den West-Berliner Senat als “Schandmauer” identifiziert und für mindestens 136 Menschen als Todesmauer endend – die Berliner Mauer. Gemauerte Symbolik einer Nachkriegsweltordnung – ein bitterer Preis, der Deutschland 28 Jahre spaltete, Leid und Opfer mit sich brachte. Nach dem Mauerfall war es engagierten Umwelt- und Naturschützern, dem Fahrradclub ADFC, Denkmalschützern und vorausschauenden Politikern zu verdanken, die Freiräume am unbebauten Mauerstreifen zu renaturieren, um den ehemaligen Postenweg der DDR-Grenztruppen als Rad- und Wanderweg zu erschließen. So können heute auf einem Rundweg 160 Kilometer steigungs- und gefahrenlos zu Fuß erkundet werden. Radreiseanbieter offerieren Touren, die für fünf Tage ausgelegt sind, für erfahrene Langstreckenwanderer genügen vier Tage um intensiv in die dunkle Zeit der deutschen Geschichte einzutauchen. Einschlägige Mauerwegsführer empfehlen den Einstieg am Berliner Hauptbahnhof, oder am Brandenburger Tour. Es gibt auf dem Rundweg keinen offiziellen Startpunkt, jedoch gibt es sehr gute Gründe diese Tour am Großen Wannsee, fernab von der Betriebsamkeit der Innenstadt zu starten. Friedlich und naturbelassen der Einstieg. Man nähert sich mit Abstand und Respekt dem historisch schwer beladenen Fernwanderweg. Vom Standorthotel in der Innenstadt erreicht man rasch per S-Bahn die Bahnstation Wannsee. Ich nehme die erste Fähre, die bereits um 06.00 Uhr morgens von Wannsee hinüber nach Kladow übersetzt, um zwanzig Minuten später in die erste Etappe des Berliner Mauerweges zu starten. Eine Handvoll Radfahrer auf der Fähre und die üblichen Verdächtigen, die als Hundebesitzer bzw. Jogger [read more…]
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Leutascher Winterweitwanderung

Schnee. Schnee per se ist aus der Wanderbrille betrachtet nicht unbedingt prickelnd, zumindest in den flachen heimischen Gefilden. Schnee gehört in die Berge. Im benachbarten Tirol, in der Olympiaregion Seefeld hat man den Trend der Zeit erkannt und den ersten Tiroler Winterweitwanderweg in 2019 aus der Taufe gehoben. So hat der Touristikverband ein attraktives Gesamtpaket geschnürt. 56 Kilometer im Schnee, drei Übernachtung inclusive Gepäcktransport und einer Hüttenübernachtung auf 1.700 Meter Höhe, buchbar jeweils von Mitte Januar bis Mitte März – dann also, wenn im Allgemeinen das sechzehn Kilometer sonnendurchflutete Leutaschtal mit hin und ausreichend Schnee versorgt ist. 142 Winterwanderwegskilometer und 256 Loipenkilometer eingemantelt zwischen Wetterstein- und Karwendelgebirge eröffnen dabei für Winterwanderer und Skilangläufer herrliche Panoramasichten. Gestartet wird im Weiler Burggraben auf 1.100 Meter Höhe am Gasthof Mühle, dort wo das Gepäck abgegeben werden kann. Idealerweise bietet es sich an bereits am Vortag anzureisen, die köstliche Tiroler Küche zu genießen und ausgeruht in die erste Etappe nach Weidach einzusteigen. Zur Orientierung hat der Ausrichter ein 70seitiges!!! Booklet übersandt. Akribisch wurde jeder Wegzeichnungsstandort abgelichtet und mit einer Streckenrichtungsangabe versehen. Wirklich gut gemeint, aber für den Wandereinsatz nicht notwendig. Tendentiell genügt es der Wegekennzeichnung und den gespurten Wegen zu folgen auch wenn drei, vier Stellen hinsichtlich der Kennzeichnung optimiert werden können, für all diejenigen die ohne Trackingunterstützung unterwegs sind. In Burggraben, die erste Ortschaft hinter Mittenwald, ist das Leuttaschtal noch eng. In Sommermonaten empfiehlt es sich den Wasserfallweg entlang der Geisterklamm zu wandern – im Winter ist die Klamm geschlossen. Ungünstig und ungewöhnlich [read more…]
Walking Special

Ein Palmenmarathon durch Palma

Palma, den 27. November 2019 – „Das macht keinen Sinn! Das macht gar keinen Sinn!“ so die Entgegnung der Hotelrezeptionistin auf meine Frage für eine griffige spanische Übersetzung  für „Ein Wandermarathon durch Palma“ als Titel dieses Blogs. „Marathon und Wandern schließen sich aus. Marathon ist Marathon und Wandern ist Wandern!“ Vergebens die Überzeugungsversuche, dass in den nördlichen Gefilden Europas Wandermarathons und Strecken darüber hinaus sich nicht wirklich ausschließen – aus Sicht der Rezeptionisten gibt es in der spanischen Sprache keine angemessene Bezeichnung hierfür. In Wanderkreisen hat Mallorca dank der vorhandenen Infrastruktur einen guten Ruf. Traumstrecken wie der GR 221, der durch das Tramuntagebirge führt, gehören zu den beliebten Zielen internationaler Wanderfreunde. Der bundesdeutschen Novembergtristesse entfliehend bietet es sich aber auch im stadtnahen Bereich an, unter besten Konditionen über der 20-Grad-Marke, eine ausgedehnte Wanderexkursion einzuplanen. Gestartet wird im Epizentrum des Ballermanntourismus an der Playa de Palma, mehr als eine Stunde vor Sonnenaufgang. Um diese Jahreszeit herrscht Ruhe an der Partyfront. Die meisten Shops, Schankstuben und Hotels haben geschlossen. Lediglich die Top-Hotels haben geöffnet und sind ausgebucht, überwiegend frequentiert von Gästen die hier überwintern oder einen zwei- bis dreitägigen Break vom grauen Alltag zu Hause nutzen. Zu dieser Jahreszeit ist der Strand aus- und aufgeräumt. Die Strandbuden, die 15 Balnearios , sind abgesperrt – nichts erinnert an die legendäre Partymeile. In 2019 wurden zwischen El Arenal und El Molinar 900 LED-Leuchten installiert, so dass sich man als Novemberwanderer ohne Probleme zu früher Morgenstunde auf die Piste gehen kann. So geht es bestens ausgeleuchtet dem langen [read more…]
Themenwanderung

Ein grenzWERTIGER Trail

Süderjütland/Flensburg im September 2019 – Ein Wandertrail der Superlative. 175 geballte Kilometer, ausgestattet mit einer deutsch-dänischen Natur- und Kulturvielfalt, belegt mit geschichtlichen Tiefgang, eingemantelt in die wunderbare Ostseeregion der Flensburger Förde und geadelt mit einem bemerkenswerten Prädikat. Der dänische Teil des Trails, der Gendarmenpfad, ist als  „Leading Quality Trail – Best of Europa“ zertifiziert und zählt zu Europas besten Wanderwegen.  Seit 2015 ergänzt zudem der Flensburger Fördesteig auf der deutschen Seite den gegenüberliegenden Pendant. So liegt es auf der Hand  sich mit dem Gesamtpaket eingehend zu beschäftigen. Gestartet wird mit der dänischen Passage, dem Gendarmstien, wie man offiziell im Nachbarland sagt. Just vor 99 Jahren entschieden sich die Anwohner des Grenzgebietes nach einem Volksentscheid für den heutigen Grenzverlauf. Nordschleswig wurde dänisch, Südschleswig wurde deutsches Gebiet. So hat man zudem bis heute hüben eine dänische und drüben eine deutsche Minderheit und lebt in partnerschaftlicher Koexistenz in einem wunderbaren Lebensraum. Nach dem Grenzentscheid sicherte die dänische Grenzgendarmerie die Grenze. Mit Wegfall der Grenzkontrolle nutzten die dänischen Nachbarn die historische Bedeutung des Gebietes  und entwickelten den Grenzpfad als gangbaren Wanderweg.  Als Wanderzeichen wird dabei ein blauer Gendarm abgebildet, der an die Originaluniform der einstigen Grenzgendarmerie erinnert. Begonnen wird am offiziellen Startpunkt des Qualitätswanderweges im dänischen Grenzort Padborg mit Tagesziel Egernsund. Der erste Teilabschnitt führt zunächst in einem munteren auf und ab  durch ein Tunneltal Richtung  Krusau. Auf diesem Abschnitt kreuzt man den historischen Ochsenweg, der im Mittelalter von Trondheim bis nach Rom führte. Nach knapp sechs Kilometern hat man „Den krummen Vej“ – den „krummen [read more…]
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Der Kerry Way

Irland im Juli 2018 – Failte!  Failte – der irische Ausdruck für Willkommen. Nicht nur zu lesen auf jedem Ortsschild, aufgedruckt auf zahllosen Fußabtretern in den B&B-Lokationen und  angebracht in den einschlägigen Gasträumen von Pubs sondern auch praktizierte Willkommenskultur eines herzlichen irischen Volkes. Irland ein grüner Inseltraum mit unkomplizierten gastfreundlichen und lebensfrohen Menschen ist als Wanderinsel noch relativ jung. 1982 wurde als erster Wanderweg der Wicklow Way eingerichtet. Mittlerweile verfügt  man über mehr als 40 markierte Wanderwege mit einer Streckenlänge von über 4.000 Kilometern  und der Längste von allen, der Kerry Way beläuft sich in der Langversion auf 230 Kilometer. Irlandbesucher schwärmen vom legendären Ring of Kerry, die spektakulärste Autoroute, die die grüne Insel zu bieten hat.  So hat es sich angeboten, entlang alter historischer Pfade auf der Iveragh-Halbinsel eine Low-Level-Long-Distance-Walking-Route, kurz LDWR genannt, zu entwickeln. LDWR,s zeichnen sich dadurch aus, dass man in der Regel unter 300 Höhenmeter bleibt, und die Textur der Strecke keine größeren Schwierigkeiten beinhaltet,  was beim Kerry Way grundsätzlich der Fall ist. Jedoch, man sollte sich nicht täuschen lassen.  Durchschnittlich an 230 Tagen regnet es mindestens einmal täglich an der Westküste Irlands. Die Konsequenz: die torf- und moorhaltigen Bodenschichten verwandeln sich sumpfige Schlamm-und Matschlandschaften. Alle einschlägigen Wanderführer weisen eindringlich darauf hin, sich auf knöcheltiefe Schlammexkursionen einzustellen und sich wohlweislich zu präparieren. Aber:  auf der Insel gilt die Lebensweisheit: „Wenn dir das Wetter nicht passt, so warte einfach fünf Minuten“.  Startet man mit  dieser Einstellung, dann sind die besten Voraussetzungen für eine rundherum gelungene Wanderexkursion gegeben. [read more…]
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Genußwandern im Valle Maira

Macra im Juli 2017 – „Il buco nero del Europa“ . Valle Maira – das schwarze Loch Europas, gelegen in einem engen Talschlauch der Cottischen Alpen des Piemonts nahe der französischen Grenze. Dort wo pro Quadratkilometer weniger Menschen (2/qkm) als in Alaska (4/qkm) leben, dort wo das höchste Schmetterlingsaufkommen Europas zu verzeichnen ist, dort wo die okzitanische Küche auf piemontesische Weine trifft, dort wo feinstes Wasser scheinbar im Überfluss von den Bergen fließt und dort, wo seit nunmehr 25 Jahren ein außergewöhnlicher Wanderweg, der Percorsi Occitani, ein besonderes Wandererlebnis garantiert. Der Percorsi Occitani, offiziell P.O. genannt, ist ein Rundkurs über insgesamt 177 Kilometer, der standardmäßig in 14 Etappen aufgeteilt ist. Insgesamt 22 Posta Tappas, urige Unterkünfte mit angeschlossenen Küche, stehen dem Wanderer zur Verfügung, wobei die Slow-Food Bewegung in diesem Landstrich eine besondere Rolle spielt. Ausgezeichnet auch die logistische Struktur im Maira-Tal. Mit dem in Acceglio ansässigen Unternehmen „Sherpabus“, besteht auch die Möglichkeit eines begleitenden Gepäcktransportes. Beste Voraussetzungen also für ein besonderes Wandererlebnis. Im Fokus dieser Wanderexkursion steht dabei der westliche Talabschnitt, inclusive einer talüberschreitenden Hochgebirgswanderung in das Valle Grana zum berühmten Kloster Castelmagno. Gestartet wird in Macra, ein auf knapp 900 Höhenmeter gelegener Weiler. 1911 waren hier noch 1.058 Einwohner ansässig, heute sind es noch 59. Nach dem Krieg setzte eine regelrechte Landflucht in den Gebirgsdörfern ein. Die Bewohner verzogen sich Richtung Cuneo und Turin. Zurück blieben die Alten und Gebrechlichen. Mittlerweile kehrt der Trend jedoch um und die Täler hinter Cuneo werden langsam wieder als Wochenenddestination bevölkert. Abenteuerlich die Suche [read more…]
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Trans Tramuntana

Mallorca im  April 2016 Erzherzog Ludwig Salvator, adeliger Spross aus dem Hause Habsburg sei Dank. Der hochgebildete Naturwissenschaftler, der 15 Sprachen beherrschte, siedelte 1870 nach Mallorca um, bereiste  jahrzehntelang das Mittelmeer per eigenem Schiff, oft in Begleitung von einer 20köpfigen Entourage und allerlei Getier und verfasste unzählige Schriften über den balearischen Lebensraum. Praktizierte Nachhaltigkeit artikulierte sich in den Umstand dass er einen  16 Kilometer langen Küstenstrich  zwischen den Orten  Deià und Valldemossa  erwarb, auf dem kein Baum gefällt und kein Haus errichtet werden durfte.  Er legte ein 12 Kilometer langes Wegenetz bis in die Berge der Sierra del Teix an, das noch heute erhalten ist. An den schönsten Aussichtspunkten wurden Miradores, kleine Mäuerchen mit Sitzbänken eingerichtet, von denen aus man die Schönheit der Küste und den Sonnenuntergang bewundern konnte. „Der Wandertrieb ist dem Menschen angeboren. „Durch neue Spaziergänge, wird ein Mittel zum Ausruhen während der Arbeit geschaffen, was man bei einem festen Wohnsitz vergeblich suchen würde.“ Fürwahr ein weiser Mann! Knapp 150 Jahre später folgt eine dreizehnköpfige Wandergruppe unter Leitung von Aina Escriva, einer exzellenten mallorquinischen Wanderführerin, den Spuren des Erzherzogs, um die mit 14 Gipfeln über 1.000 Höhenmetern gespickte Serra de Tramuntana, einem spektakulären Gebirgszug, 90 Kilometer lang, seit 2011 amtlich als UNESCO Weltkulturerbe ausgewiesen, von Südwesten nach Nordosten  in einer Woche zu durchqueren.   Anreisetag, Sonntag 3. April 2016. Bereits am Check-In-Counter des Frankfurter Flughafens lässt sich vortrefflich die Struktur der Reisenden studieren, die zum Frühlingsstart die beliebte Urlaubsinsel ansteuern. Herren im gesetzten Alter, schwer bewaffnet mit Golfgepäck,  [read more…]
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Wainwright,s Coast to Coast Walk

GB 13.7. – 25.7.2015 Auf dem zweitschönsten Weitwanderweg der Welt – so zumindest nach Meinung des Country-Walking-Magazines im Jahre 2004 –  begibt man sich, wenn man den  Spuren von Alfred Wainwright folgt, um in Nordengland von der Irischen See bis zur  Nordsee zu wandern. Auf der 190 Meilen oder 309 Kilometer langen Strecke quert man dabei drei Nationalparks und überwindet mehr als 10.000 Höhenmeter. Jährlich stellen sich tausende Wanderer dieser Herausforderung, um Teile der Strecke oder den kompletten Trail von St. Bees in der Grafschaft Cumbria bis nach Robin Hood,s Bay in Yorkshire zu absolvieren. Wer war eigentlich dieser Alfred Wainwright? Der 1907 geborene Brite war gelernter Buchhalter und ein begnadeter Illustrator. Wainwright,s Passion war das Wandern. Im Laufe seines Lebens legte er mehr als 100.000 Meilen zurück. Begeistert von der Schönheit des Lake Districts entwickelte er die Vision einen Weitwanderweg zu entwickeln, der die Nationalparks Lake District, Yorkshire Dales und North York Moors verbindet, nach Möglichkeit jeden aussichtsreichen Berggipfel berücksichtigt und sich fern ab jeglicher Zivilisation befindet. Der Komplexität des britischen Grundstücksrechts geschuldet, dass es grundsätzlich nicht gestattet ist fremde Grundstücke zu betreten, war es eine besondere Herausforderung gangbare Passagen zu finden, um von der Irischen See im Westen zur Nordsee im Osten zu gelangen. 1974 publizierte der Engländer sein Skizzenbuch nebst akribischer Beschreibung, welches heute noch als Faksimileausgabe nachgedruckt wird und allgemein als Bibel für Coast-to-Coast Walker gilt. Die Route  selbst wurde von Wainwright in zwölf Etappen eingeteilt, wo bei es sich bis heute um keinen offiziellen Fernwanderweg handelt. Grundsätzlich ist der [read more…]
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Exkursion auf dem 50. Breitengrad

Mainz, 20. Juni 2015 Projekt 50 /50. 50 Kilometer auf dem 50. Breitengrad unter dem Arbeitstitel „Breitengradwanderung. Ein spannendes Wanderthema, einerseits dem Anspruch gerecht werdend eine gangbare Variante dicht am Breitengrad zu finden, andererseits den Gedanken aufnehmen nicht katalogisierte und klassifizierte Breitengradmemorials entlang der Strecke zu entecken. Schon die Vorbereitung war mindestens genauso spannend wie die eigentliche Wanderexkursion. Quer durch Europa und somit auch mit rund 450 Kilometern durch Deutschland, verläuft der 50. Breitengrad. Weinexperten bezeichnen ihn auch als Weinäquator, da der Breitengrad die nördlichste Grenze markiert,  an der Weinbau möglich ist – und darunter nicht die schlechtesten Sorten, wie beispielsweise die  edelste Weißweinsorte, der Riesling, unter Beweis stellt. Die Länge des 50. Breitengrades beträgt rund 25.700 km, ein Grad (60 Bogenminuten mit je 60 Bogensekunden) entspricht 71,44 km, eine Bogenminute 1.190 m und eine Bogensekunde 19,8 m. Gestartet wird in Mainzer Bahnhof, der hart Kante des 50. Breitengrads liegt. Rasch ist der Gutenbergplatz erreicht, dort wo im Planum des Platzes der Breitengradverlauf durch zwei parallele Eisenschienen mit der Bezeichnung  50. GRAD NÖRDLICHER BREITE markiert ist, auch wenn dieser einige Bodensekunden vom tatsächlichen Verlauf entfernt ist – doch dazu später mehr. Ungeachtet dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse, heißt es zunächst den  Rhein queren, vorbei an den Mainzer Stränden, um dem Verlauf des 50. Breitengrades folgend auf die hessische Seite zu wechseln. Vorbei an der Reduit-Kaserne des Brückenkopfes Kastel, dort wo sich gegenüber der gleichnamige Strand befindet, geht es den Floßhafen entlang durch die Maaraue, um bei Kostheim diesmal den Main Richtung Gustavsburg zu [read more…]
Odenwald

Eine wahrhaft weinselige Weinlagenwanderung

Groß-Umstadt,den 31. Mai 2015 Ein Erlebnis der besonderen Art im wahrsten Sinne ist eine Wanderung mit einhergehendem Weingenuss, auch wenn grundsätzlich beim Wandern der Weg das Ziel sein sollte. Das sich Beides vortrefflichst kombinieren lässt, hat wiederum einmal mehr der Groß-Umstädter Odenwaldklub unter Beweis gestellt. Die Rezeptur ist einfach. Man nehme die vorhandene Infrastruktur in Form der drei Groß-Umstädter Weinlagen, markiere bedürfnisgerecht vier unterschiedliche Wanderstrecken zwischen fünf und 14 Kilometern, flankiere das Ganze mit einer hin- und ausreichenden Anzahl an Ausschankstationen mit immerhin 15 verschiedenen Weinen, bestelle allerfeinstes Wanderwetter und wähle ein hervorragendes Ambiente, um nach erfolgreich absolvierter Wanderung bei Speis und Trank einen wunderbaren Wandertag ausklingen zu lassen. Ehrensache, dass natürlich die längste im Angebot befindliche Strecke, aufwändig und ausgezeichnet mit einer roten Traube als Wegweisung gewählt wurde. Ehrensache natürlich auch, dass der Start im zehn Kilometer entfernten Münster erfolgte. Via Altheim, durch einen Lichtungsstreifen, der zwischen Altheim und Semd liegt, ist nach eineinhalb Stunden Groß-Umstadt erreicht. Bereits 15 Minuten vor dem offiziellen Start am Parkplatz Altstadt ist das Tagesticket gelöst. Eine 10er Karte wahlweise nutzbar für  zehn  0,1 Weinschöppchen, Wasser oder Verpflegung können am Start gelöst werden. Als Dreingabe erhält der Wanderer dazu ein Winzerfestgläschen. Das Wanderwetter – perfekt  bestellt und arrangiert. Nach einem herrlichen Sonnenaufgang, übernehmen Hochwolken das Regiment, so dass die direkte Sonneneinstrahlung abgemildert wird, was für die weinkonsumierenden Wanderer durchaus zweckdienlich ist. Vom Parkplatz Altstadt geht es zunächst nördlich in den Kappesgärtenweg. Entlang des Richer Baches wird die Weinbergslage Stachelberg in Angriff genommen, mit Ziel Wendelinuskapelle. [read more…]
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Wandern im Valle Varaita

Valle Vairaita im Juli 2014 Wandern im “Schwarzen Loch Europass – für viele noch ein Geheimtipp. Gemeint ist die Region der piemontesischen Westalpen, dort wo das Areal mit zwei Einwohnern pro Quadratkilometer dünner  besiedelt ist, als Alaska. Kulturgeographieprofessor und Alpenforscher Werner Bätzing, der just in diesen Tagen seine Abschiedsvorlesung hielt, und sich  seit über 25 Jahren für den piemontesischen  Weitwanderweg „Grande Traversata delle Alpi/GTA“ engagiert, hatte seinerseits diesen Begriff gewählt. Wer Entschleunigung sucht, verlassene historische kaum begangene Pfade entdecken möchte, sich faszinieren lassen will vom morbiden Charme verfallener Weiler, fernab von touristischen Epizentren die mit Dreck, Lärm und Gestank behaftet sind , und einige Tage ohne latente Zivilisationsbewegung auskommen kann, der findet sich gut aufgehoben in dem westalpinen Bereich, dort wo nach den Kriegswirren im 20.Jahrhundert eine regelrechte Landflucht einsetzte und ganze Regionen sich in den Einzugsbereich Turin niederließen. Seit einigen Jahren wird in dieser Region ein sanfter Tourismus mit einer adäquaten Infrastruktur aufgebaut. Einfache Posta Tappas als Übernachtungsherbergen, stilvolle Rifugios und Albergos die entdeckt haben, dass eine qualitative hochwertige okzitanische Küche (die nach Insiderinformation besser ist als die Piemontesische) für den Wandertourismus nicht unabträglich ist, unterlegt mit einem Aufbau einer gut gekennzeichneten Wegestruktur auf Basis historischer Pfade, eine Bevölkerung, die Gastfreundschaft lebt und nicht nur proklamiert – hervorragende Voraussetzungen also ein-und abzutauchen in eine der faszinierensten Regionen Europas. Nach abenteuerlichen Vorjahresexkursionen in der Valle Maira, in der Valle Stura, im Valle Grana und im Valle Pesio stand dieses Jahr die Entdeckung der Valle Varaita auf der Agenda. Seit zwei Jahren hat man hier [read more…]
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Extremtrail II

Füssen, 25. Mai 2014 Extremwandern Teil II. Eine Woche nach der Wanderbegleitung von Extremwanderer Matthias (Matze) Fußy bot sich erneut die Möglichkeit in drei Tagen auf einer extrem schönen Strecke unter extrem herrlichen Bedingungen den ostfriesischen Extremwanderer zu begleiten. Start war Landsberg an der Lech.  Entlang der Hauptroute Romatische Straße -Vom Main bis zu den Alpen- führte der Trail entlang der Lech auf ausgewogenen Pfaden durch ein herrliches Wildparkareal nach Hohenfurch.  Von Peiting nach Rottenbuch verlief der Wanderweg auf abenteuerlichen Pfaden durch die Ammerschlucht, über Stufen, Stege und Brücken und teilweise seilgesichert durch einen herrlichen Mischwald. Die Ammerschlucht wurde schon als Grand Canyon von Oberbayern tituliert.  Hier mußte die Ammer einen Molasseriegel durchschneiden und so entstand ein erstaunliches Naturbild. Die vorhandenen Nagelfluhblöcke zeugen von der Quartärzeit  der letzten zwei Millionen Jahre. Zwischenetappenziel war das ehemalige Klosterdorf Steingaden.  Nach dem spektakulären Wegverlauf  des Vortages kam für Wanderbruder Matze nach eigenen Angaben die schönste Strecke der bislang gelaufenen 1.320 Kilometer durch das deutsche Heimatland. Frühmorgens ging es  durch ein herrliches Hochmoorgebiet über einen Bohlenweg, den so genannten »Brettleweg«  Auf Holzbohlen durchquert man das herrliche Landschaftsareal um nach fünf Kilometern  die Wallfahrtskirche “zum Gegeißelten Heiland auf der Wies” zu erreichen, weltbekannt unter dem namen Wieskirche.  Durch eine der schönsten Regionen Europas, Pfaffenwinkel, führte der Trail Richtung Forggensee, dem größten Stausee Deutschlands Richtung Schwangau.  Der eingeplante Aufstieg über die sehenswerte Pöllatschlucht zum Schloß Neuschwanstein musste infolge Sperrung der Schlucht  geändert werden. So ging es via Hohenschwangau – Schloß Neuschwanstein über den Schwansee weiter Richtung Lechfall hinein nach [read more…]