Im Wandercheck: Rund um Aschaffenburg

Aschaffenburg, den 20. Mai 2024 – Unterfranken ist um eine neue Wanderstrecke bereichert. Mit einem 68 Kilometer langen Rundweg hat man ab sofort Gelegenheit in den Einzugsbereich der größten Stadt am Bayrischen Untermain einzutauchen, dort wo schon zu Zeiten von König Ludwig dem I. vom bayrischen Nizza gesprochen wurde, dort wo der Sprachakrobat Urban Priol regelmäßig auf der heimischen Bühne herumtobt, dort wo die lokale Biersorte Schlappeseppel heißt, und dort wo die Einwohner sich selbst als Ascheberscher bezeichnen und damit auch sprachlich dokumentieren dass die südhessische Schattierung des Dialektes nicht zu verleugnen ist. Zudem wusste einst die Süddeutsche Zeitung zu berichten, dass Aschaffenburg die unbayrischste Stadt im Freistaat ist, denn hier spricht man nicht einmal unterfränkisch und überhaupt ist die Stadt eher als Vorort von Frankfurt zu betrachten, da diese zudem erst 1841 in das Königreich Bayern aufgenommen wurde und schon geologisch durch den Spessart mehr oder minder vom Rest des schönsten Bundeslandes dieser Republik (O-Ton des amtierenden Ministerpräsidenten) absorbiert ist.

So bietet der neue Rundwanderweg Gelegenheit sich selbst ein Bild zu verschaffen, um im Rahmen einer zweitägigen Tour auf eine spannende Entdeckungsreise zu gehen. Gestartet wird im Park Schönbusch, einem 160 Hektar großen Landschaftsgarten, der bereits 1775 im Auftrag eines Mainzer Kurfürsten als Lust- und Wandelgarten angelegt wurde. Entlang der Kleinen Schönbuschallee führt die Strecke von den Randausläufern des Bayernhafens durch den Aschaffenburger Ortsteil Leider direkt zum Main. um nach einem weiteren Kilometer die Mainseite mit Zielrichtung Mainaschaff zu wechseln.

Zu früher Stunde herrscht noch Ruhe im Park Schönbusch
Brandneu sind die Standortschilder des Naturparks Spessart die den Weg weisen
Die rechten Gleise verschwenken zum Bayernhafen, die linken nach Aschaffenburg Süd und über die Gleise hinweg geht es schnurgerade zum Main
12 Minuten nach Sonnenaufgang kündigt sich über der Leidener St. Lukas-Kirche ein freundlicher Wandertag an….
..auch wenn sich im Umfeld des Mains auf den ersten Kilometern noch ein Nebelteppich ausbreitet
Ein gewachsener Baumbestand bereichert das Mainufer des Aschaffenburger Stadtteils Leider
Bis zu 40.000 Fahrzeuge frequentieren täglich die Ebertbrücke. Als Fußgänger und Radler ist man bei Mainquerung jedoch bestens von dieser Verkehrslast absorbiert
Auf der gegenüberliegenden Mainseite geht es zunächst weiter gen Mainschaff auf einem der beliebtesten Radwege Deutschlands – dem Mainradweg. Von hier aus könnte man nach vierzig Kilometern die Eiserne Brücke in Frankfurt erreichen
Hochwasser ist ein Dauerthema am Main. Nicht umsonst sind wie hier die Stromkästen hochgebockt
Naherholungsgebiet Main
Und unweit der Aschaff-Mündung geht es naturbelassen zu…
…während in der gegenüberliegenden Freifläche sich die aufsteigende Sonne langsam durch die Nebelschichten fräst

Am Vereinsheim des Wasserskiclubs Mainaschaff verlässt man den Main, um Mainaschaff zu queren. Eine Siedlung, die mit einer Novität belegt ist, denn der Ortsname speist sich aus zwei Flüssen, dem Main, und der Aschaff. Die Wegweiser an der Alten Aschaffwehr geben als nächste Zielrichtung den Kapellenberg vor, jedoch haben die Wegeplaner inkonsequenterweise die Strecke um den Berg herumgeschleift. Besser ist es, am Waldesrand den Weinbergweg zu verlassen um geradeaus einem schönen Pfad hinauf folgend zur Kapelle zu wandern, um im Anschluss dem Kreuzweg zu folgen, der darüber hinaus an einem historischen Bierkeller vorbeiführt. Die A3 unterquerend führt der Rundweg über einen besonders schönen Abschnitt hinüber zum Steinbachtal. Hier taucht man erstmals in den spessartypischen Flair an, denn zuvor war die Strecke bis zum Kapellenberg überwiegend asphaltlastig, was jedoch bei einer Rundstrecke im urbanen Umfeld nicht außergewöhnlich ist.

Befehlsverweigerung: Am Waldesrand zum Kapellenberg ist man besser beraten nicht der offiziellen Wegweisung, sondern den Pfad aufwärts zum Hügel zu folgen
Bereits im 13. Jahrhundert wurde auf dem Kapellenberg Wein angebaut. Noch heute suchen gläubige Pilger gerne diese Stätte auf
Einst unterhielt hier der Gastwirt Nikolaus Ofenstein unterhalb des Kapellenbergs einen Bierkeller und später wurde sogar eine Schankhalle errichtet. Jedoch 1917 brannte die Tränke ab, der Felsenkeller wurde verfüllt, jedoch 1999 in eine Mariengrotte umgewidmet, die allerdings verschlossen ist
Auch Hardcore-Mountainbiker kommen hier auf Ihre Kosten. Vor dem Steinbachtal hat man hier Downhill- und Endurostrecken angelegt
Nicht mountainbiketauglich hingegen ist diese Hohlwegspassage, die hinüber zum Steinbach führt

Wandertechnisch ist das Steinbachtal ein Genuss. Der Steinbach mäandert durch das felsige Tal, moosbeflanktes Totholz und kleine Tümpel, die sich natürlich ausgebildet haben bereichern das Landschaftsbild. Nach historischer Bezeichnung ist man hier in der Ossenheimer Mark, nach heutiger Leseart im Strietwald unterwegs. Den markantesten Felsen im Steinbachtal hat man vor knapp einhundert Jahren dem Turnvater Jahn gewidmet, der seitdem mit einer Bronzetafel bereichert als Jahnfelsen eine markante Landmarke darstellt. Einige hundert Meter weiter kann man sich über die Legende des “Menzenmüllers” informieren, der hier eine Mühle betrieben haben soll, was jedoch bis heute nicht wirklich eindeutig belegt wurde.

Einmal mehr bestätigt sich die triviale Weisheit: Die schönsten Bilder malt die Natur
Der markante Jahnfelsen – ein Fixpunkt im Steinbachtal
Geschichtsglitterung an der Menze-Mühl: Die hohe Mauer die hier als Indiz herangezogen wurde ist Teil einer Straßenbefestigung. Jedoch wenn es der Legendenbildung dient…….
Spätestens hier verdeutlich sich, wieso das Steinbachtal Steinbachtal heißt…..

Moderat aufwärts führt die Passage durch den Strietwald hinauf zur Steinbacher Straße und weiterführend zum Wohngebiet Im Himbeergrund, dort wo nicht nur die Namensgebung des Areals überzeugt. An der Staatsstraße 2309 verschwenkt der Rundweg offiziell zunächst in südwestlicher Richtung um am Schützenheim zum Biotop Geiswald gen Norden einzuschwenken. Ich entscheide mich jedoch für einen schönen oberhalb führenden Waldpfad, der vorbei an einem Forsthaus zum Glattbach führt, der wiederum im Biotop Geiswald entwässert. Weiter geht es, zunächst Richtung Kreuzhöhe Richtung Glattbach, um auf schönen Pfaden Richtung Goldbach zu wandern. Auch hier, insbesondere im Gebiet des Grauen Steins, bietet es sich an ab und an naturbelassene Pfade als Alternative zu wählen, denn die offizielle Wegeführung orientiert sich an den bekannten Waldautobahnen, respektive auch Wirtschaftswege genannt. Oberhalb des Geländes des MSC Goldbach genießt man herrliche Aus- und Weitblicke in die Spessartlandschaft. Ein Blick hinüber zum Franzosenkopf, der das dahinterliegende Kinzigtal absorbiert, ein Blick gen Osten in den hügeligen Sailaufer Forst – Landschaftsbilder die man in dieser aussichtsreichen Form nur selten im dichtbewaldeten Spessart vorfindet. Weiter geht es gen Südwesten über eine Schleife oberhalb von Goldbach. Auch hier kann man wunderbare Aussichten genießen. Ein Rundumschlag über das Aschaffenburger Schloß hinweg, hinüber zum Odenwald und zur Bergstraße, weiterführend bis zum Taunus.

Klangvoll ist nicht nur der Name, sondern auch spektakulär die Lage und die Villen, die hier errichtet wurden. Nicht umsonst hat die Immobilienbranche die Begriffe “Himbeerly Hills und “Aschaffenburger Hollywood” Hills” in die Welt gesetzt.
Jedoch fernab von Luxusimmobilien mit integriertem Autolift – dieses Forsthaus im Wald ist unschlagbar
Orkan Wiebke fegte hier am Gaiswaldweg 1990 alles weg. Dank aufwändiger Renaturierungsmaßnahmen hat man nun eine schöne Biotopslandschaft realisiert
Was nützt es, wenn die Wegeplaner als Wegedestination die sehenswerte St.-Nikolaus-Kirche anpreisen, selbige jedoch im Regelfall verschlossen ist, und man keine Chance hat die sehenswerten Sandsteinkuppeln zu besichtigen
Fast schon eine Symbiose
Oberhalb von Goldbach – ein schöner Ausblick in die hügelige Spessartlandschaft
Und just eintausend Meter weiter eröffnet sich ein tolles Panorama – vielschichtig vom Spessart über den Odenwald inklusive Bergstraße, hinüber zur Rheinebene einschließlich Taunus
..und dank Teletüte kann man auch prüfen ob der Aschaffenburger Schlossherr die Fenster zum Durchlüften geöffnet hat

Vorbei an der zugesperrten Nikolauskirche (und das an einem Pfingstmontag!!) quert man Goldbach und den vielleicht teuersten Abschnitt der zweitlängsten Autobahn Deutschlands. Mach ein Wanderer könnte mit Blick auf den kommenden Streckenverlauf auf den Gedanken kommen, dass die Wegeplaner hier eine Schikane eingebaut haben, jedoch die Wegeführung über den Kugelberg ist ausdrücklich zu empfehlen. Nach dem überschaubaren Kurzanstieg entfaltet sich auf dem Weg abwärts zum Obstgartenhof ein tolles Panorama über die Ausläufer von Goldbach, hinweg über die Österreichische Kolonie gen Aschaffenburg, dem Bachgau und hinüber zum Binselberg, dort wo in Südhessen Windkrafträder rotieren, was für Aschaffenburger Verhältnisse ein ungewohnter Anblick ist, denn im gesamten Kreis Aschaffenburg wird kein einziges Windrad betrieben.

Windkraft kann man in Bayern nicht – aaaber hier wird die längste Photovoltaikanlage der Welt betrieben. Denn oberhalb der Goldbacher und Hösbacher Lärmschutzeinhausung der A3 hat man sinnvollerweise 13.500 Solarmodule befestigt. Die Luxuseinhausung wurde mit 1.600 Fenstern versehen, die sich im Brandfall öffnen. Außergewöhnlich daher der Benefit für “Rund-um-Aschaffenburger-Wanderer”: ein nicht alltäglicher Ein-und Ausblick
Auch wenn man vom offiziellen Streckenverlauf her geneigt sein könnte, die zweieinhalb Kilometer lange Rundpassage auszulassen, der Gang hinauf zum Kugelberg lohnt sich…..
…denn die Ausblicke, die sich hier eröffnen sind durchaus bemerkenswert

Ein Schlussspurt der besonderen Art ist nach der Kugelbergspassage angesagt. Drei außergewöhnliche Biergarten können auf den restlichen zwölf Kilometern der insgesamt vierzig Kilometer langen Tagespassage als wunderbare Einkehroptionen angesteuert werden. Über die Mollebuschallee wandert man hinüber zur Fasanerie im Wiesental, noch heute ein Überbleibsel eines historischen Grünzuges, denn hier wurde Ende des 18. Jahrhunderts eine ausgedehnte Sichtachse die sich von der Fasanerie über Schöntal, Schloßgarten und Park Schönbusch erstreckt, ausgestaltet. Ein landschaftsarchitektonisches Meisterstück wie alte Karten belegen. Heute wird die Fasanerie als beliebtes Naherholungsgebiet gerne genutzt. Nach einer ausgedehnten Pause im hochfrequentierten Biergarten der Fasanerie geht es frisch gestärkt hinüber zur Großmutterwiese und einer sich anschließenden taktischen Einkehr im schönsten Gasthaus der Stadt, dem Hofgarten, der dort, wo sich auch Bayerns größter Magnolienhain befindet, einen Biergarten in angenehmer Atmosphäre eingerichtet hat. Vorbei am Blickfänger des Hofgartens, der Ruine der Kirche zum heiligen Grab, quert man den Main an der Willigisbrücke. Hier kann man die Schokoladenseite der Stadt bewundern, mit einem kurtaxenfreien Blick auf das Stadtschloß und dem dahinterliegenden Pompejanum.

Unterhalb der Mollebuschallee hat man ein Turmfragment der Kugelburg-Ruine nachgebildet – ein Erinnerungsposten an die Burg, die im 12. Jahrhundert auf dem gleichnamigen Berg errichtet wurde
Mangels Pflege versandete der See in der Fasanerie nahezu. Mit Unterstützung der ansässigen US-Army wurde die urprüngliche Seenlandschaft wieder aktiviert und abgedichtet.
Ein herrlicher Biergarten in der Fasanerie. Kredenzt wird neben bayrischen Schmankerln das beste Bier, was die Region zu bieten – das legendäre Schlappeseppel
Auch wenn München weit entfernt ist – König Ludwig wacht, wie hier auf der Großmutterwiese, nach wie vor über die Geschicke der unterfränkischen Metropole
“Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd – in Bayern ist es umgekehrt” Nachzulesen am schmiedenen Kranz der Hofgarten-Gaststätte. Und direkt nebenan hat sich im Hofgartenkabarett Urban Priol sein Wohnzimmer eingerichtet. Kein Wunder bei diesem Umfeld….
Draußen im Biergarten wird neben dem Lokalfavoriten Schlappeseppel zudem das zweitbeste Bier dieses Erdballs ausgeschenkt…..
Einer von vielen Blickfängern im Hofgarten/Schöntal
Über den Dalberg geht es vorbei am Aschaffenburger Schmuckkästchen, dem Stiftsplatz….
..zur Willigisbrücke, dort wo man den Aschaffenburger Postkartenblick ernten kann

Der Weg von der Fasanerie zur Willigisbrücke ist auch von der Wegeplanung offiziell als Zubringerstrecke deklariert, um bedarfsgerecht die Gesamtstrecke zu portionieren. Der offizielle Wegeverlauf setzt sich an der Ostkante der Kleinen Schönbuschalle fort, und verschwenkt hinter dem Stadion nach Nilkheim. Kann man machen, jedoch die Wegeführung durch den Aschaffenburger Stadtteil ist nicht wirklich attraktiv. Um im Einklang mit der Wanderwegskonzeption “Rund um Aschaffenburg” zu bleiben, umrunde ich den Ortsteil und folge dem Mainradweg. Zweifelsohne ist diese Wegeführung attraktiver und man hat zudem den Vorteil die “Perle zwischen Schönbusch und Main”, den ehemaligen Nilkheimer Hof nebst Park, der lange in Vergessenheit geriet, in diese Passage einzubauen. Bleibt die Schlussrunde im Park Schönbusch, über den man einen eigenen Bericht anfertigen könnte. Im 18. Jahrhundert wurde der Park im Stile eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Auf einem ausgedehnten Netz von zwanzig Spazierwegskilometer kann man die Anlage, die mit Schlösschen, Aussichtsturm, Orangerie, einem Philosophenhaus, Brücken, Staffagebauten sowie einem Irrgarten und natürlich einem Biergarten bestückt ist ausgiebig entdecken. Hier endet auch nach vierzig Kilometern die erste Runde des neu konzipierten Wanderweges.

Die Adenauerbrücke unterquerend geht es entlang des Mains gen Nilkheim
Punktuell kommt sogar Strandfeeling auf
Die 1910 errichtete Nilkheimer Eisenbahnbrücke erschloss seinerseits die Anbindung des Staatshafens an die Wirtschaftsregionen in Bayern, Thüringen und Hessen. Da sie zudem im Weltkrieg unzerstört blieb, konnten die Amerikaner die Verbindung als strategisch wichtigen Brückenkopf nutzen
Ein kleines Idyll tut sich zudem im Nilkheimer Park auf…..
..der noch mit einigen Exponaten, wie beispielsweise diese Hermenstatue bestück ist
Vis a vis schließt sich Park Schönbusch, der mit zahlreichen Bauten, wie hier der Speisesaal, gespickt ist an
Und zum krönenden Tagesabschluss bietet sich natürlich eine Einkehr im Biergarten an

Tag II der “Rund um Aschaffenburg”-Exkursion startet direkt am Main an der Willigisbrücke, dort wo am Volksfestplatz gegenüber den Schloß kostenfreie Parkplätze zur Verfügung stehen. War die “Nordrunde” der Wanderstrecke zum Großteil noch vom urbanen Umfeld der unterfränkischen Stadt geprägt, wird die “Südrunde” Gelegenheit bieten in die ländliche Struktur der Untermainebene einzutauchen – kurzum praktizierte Stadtflucht und beste Gelegenheit abzutauchen. Stromaufwärts geht es zunächst dem Main folgend vorbei am Hafengelände der Stadt gen Süden. Einzig einige Streetfisher haben sich zum Sonnenaufgang am Floßhafen niedergelassen. Vorbei an den letzten Häusern der Obernauer Kolonie geht es hinauf zum Ludwigstempel, der ersten Aussichtsplattform dieses Tages.

Just zum Sonnenaufgang herrscht noch gepflegte Ruhe am Main – einzig die Turmspitzen des noch im Schatten liegenden Aschaffenburger Schlosses setzen einen ersten Akzent
..und der frühe Angler fängt den Fisch…
Der Ludwigstempel am Bischberg – die Aussichtsplattform Richtung Bachgau

Über den Oberen Bischbergweg wandert man durch die offene Agrar- und Wiesenlandschaft auf sehr schönen Wegen um die Höhenzüge des Sternbergs und des Erbigs herum. Noch ein kurzer und durchaus ungewohnter Blick hinüber zum Aschaffenburger Schloß entlang einer Süd-Nordachse. Aschaffenburg entschwindet für die nächsten Kilometer und man taucht ein in eine abwechslungsreiche Landschaft, die zudem spessartuntypisch zahlreiche Aussichtsmöglichkeiten bietet. Leider haben die Streckenplaner den markanten Aussichtspunkt am Sternberg “An den drei Kreuzen” nicht mit einbezogen, jedoch der Aufwand ist gering, um im Rahmen einer fünfhundert Meter langen Schleife den Aussichtsberg oberhalb von Schweinheim einzubeziehen. Der weitere Wegeverlauf zieht sich um den Erbig herum, um im Anschluss zum Judenberg, dort wo ein Judenfriedhof eingerichtet wurde, zu verschwenken. Der Wanderweg mäandert unter anderem über eine schöne Aussichtsschleife oberhalb eines ehemaligen Steinbruchs abwärts gen Obernau, wo man an der dortigen Staustufe den tiefsten Punkt der Tagesstrecke erreicht.

Per se die schönste Tageszeit. Die Luft noch frisch und das Licht der aufgehenden Sonne setzt eigene Akzente
Schöne Ausblicke in den Spessart auf dem Weg Richtung Sternberg und Erbig
Ein nicht alltäglicher Blick auf das Aschaffenburger Schloß – und oberhalb kann man Aschaffenburgs Hollywood, den Himbeergrund ausmachen, den man Tags zuvor durchquert hat
95 Bildstöcke, Flurdenkmale und Kreuze (ohne die diversen Kreuzwegsstationen) verteilen sich in und um Aschaffenburg
Einer der markantesten Aussichtspunkte in der Aschaffenburger Gemarkung. 1948 errichtet, einerseits als Erinnerungsposten für die Toten beider Weltkriege, andererseits ein Ausdruck des Dankes für die Rückkehr vieler Männer aus der Kriegsgefangenschaft und zudem ein sichtbares Zeichen für die Spessarter Passionsspiele, die in Schweinheim stattfanden
Vom 15. Jahrhundert bis 1942 wurden hier oberhalb von Obernau Juden aus dem Untermaingebiet bestattet
Auf schönen Pfaden wandert man abwärts nach Obernau…
..dort wo der Spruch umgeht “In Obernau da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau”. So wundert es nicht, dass man hier einen Geißenbrunnen errichtet hat, denn in Obernau waren früher Ziegen in vielen Hausgärten anzutreffen
Insgesamt vierzig Schleusen überbrücken einen Höhenunterschied von insgesamt 62 Meter auf dem schiffbaren Mainabschnitt. Eine davon befindet sich in Obernau
Einmal mehr steht man an der Obernauer Kirche vor verschlossenen Türe. Was schade ist, denn ein umlaufender Giebelfensterahmen entfaltet seine schönste Wirkung vom Innenraum heraus. So kann man nur von außen erahnen welche Wirkung die schillernden Glasmosaiken entfalten

Obernau östlich durchquerend nimmt man den Kappellenweg unter die Wandersohle, ein weiterer von insgesamt fünf Kreuzwegen, den man auf der gesamten Rundwegspassage komplett oder partiell begehen kann. Vom Endpunkt des Kreuzweges an der Obernauer Kapelle, dort wo sich eine Sieben-Wege-Kreuzung befindet, führt die Passage über den Gailbacher Weg zur “Schweinheimer Exe” den 1914 errichteten Exerzierplatz der bayrischen Armee, der im weiteren Zeitverlauf bis 2007 als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Heute kann man, wenn man Glück hat, sogar hier angesiedelte Wildpferde beobachten, die auf dem 300 Hektar großen Areal genügend Auslauf haben.

Die Standhaftigkeit dieser Andachtsstation ist durchaus zu hinterfragen
Ein schöner Ort zum Innehalten – die moosüberzogene Mariengrotte
Es ranken sich schon einige Sage rund um die Obernauer Kapelle Marie Frieden, deren Errichtung auf 1712 verortet wird
Aber nicht nur sakrale Bauwerke sind Bestandteil die Streckenführung – einmal mehr bereichert die Symbiose aus Licht und Natur die Wanderung
Einst rollten hier Panzer und schweres Gerät
Heute hat man hier ein Naturschutzgebiet unter dem Arbeitstitel “Nationales Naturerbe Aschaffenburg” entwickelt und unter anderem einen ehemaligen Bunker als Aussichtsplattform umgewidmet
Jedoch muss man schon Glück haben, die Wildpferde die sich auf dem 300 Hektar großen Areal tummeln, anzutreffen

Auf dem Weg zum Stengerts wölbt sich hinter dem Naturschutzgebiet ein vielschichtige Geräuschkulisse über die bewaldete Zone. Kein Wunder, denn hier ist in exponierter Lage das Jugend- und Kulturzentrum Buntberg untergebracht – ein tolles kommunales 20.000 qm” großes Abenteuerland für die heimischen Kinder und Jugendliche. Stetig aber moderat geht es aufwärts zum höchsten Punkt des gesamten Rundweges, zum 346 Meter hohen Stengerts, dort wo sich der zweiundzwanzig Meter hohe Dr. Hönlein-Turm befindet. Die nächsten Kilometer umrunden über einen Höhenpfad den Aschaffenburger Stadtteil Gailbach. Wenn man sich hinter dem Weißen Bildstock auf eine der Bänke am Waldesrand niederlässt entrückt man in eine andere Welt während man die Blicke zwischen Findberg, Kaiselsberg und Rehberg schweifen lässt Spätestens dann schalten die Betriebssysteme automatisch auf Entspannung. Fehlt nur noch dass irgendjemand eine Halbe vorbeibringen würde……..

Vorbei an einem kleinen Felsenmeer geht es weiter Richtung Stengerts
Wer auf den letzten Kilometern den Blick gen Aschaffenburg vermisst hat, kann dies hier nachholen. 103 Stufen trennen Wanderer vom Sichtkontakt auf das urbane Zentrum dieser Tour
Noch jungfräulich sind die zusätzlich angebrachten Wegekennzeichnung des Weitwanderweges “Rund um Aschaffenburg”
…zweckmäßig ergänzt um eine unterstützende Wegemarkierung, die symbolträchtig das Aschaffenburger Schloß, den Spessart und den Main beinhaltet
Hinter vielen Bildstöcken steckt eine Geschichte: Hier soll im Streit zweier Bauern einer den anderen erschlagen haben.

Ein wunderschöner Streckenabschnitt führt weiter zunächst zur Frühstückseiche, im Volksmund auch als “Dick Aasche” oder “Aaschbaom” bekannt. Aschaffenburger, die zur Hohen Wart wanderten, legten hier an exponierter Stelle gerne eine Frühstückspause ein und begründeten damit die Namensgebung des mächtigen Baumes. Den Weissberg umrundend und die Gailbachquelle querend erreicht man unterhalb von Dörrmosbach den ehemaligen Steinbruch Bensenbruch, einen ehemaligen Unterschlupf der die Einheimischen vor dem Bombenhagel des II. Weltkrieges schützte. Der Wanderweg schlängelt sich weiterführend zwischen Rehberg und Kaiselsberg durch Offiziell verschwenkt die Strecke vor Grünmorsbach westwärts gen Findberg, um im Anschluss quer durch Haibach zu verziehen. Hier kann man, wenn man möchte, nochmals in ehemalige Steinbruchareale eintauchen. Jedoch ich verzichte und minimiere die Länge der Siedlungsquerung und wähle alternativ einen wunderschönen naturbelassenen Streckenabschnitt vorbei am Büchelsteigmarterl, um am Schützenhaus der Haibacher Alpenjäger wieder auf die Originalstrecke zu treffen. Schön dass man hier die Gelegenheit genutzt hat über einen Bypass den Kreuzweg, der zur Kapelle am Buch führt, zu integrieren, bevor man in die Umlaufbahn der Haibacher Schweiz eintritt, dort wo man auf Schmauchspuren der einst hier ansässigen Ketzelburg, einem mittelalterlichen Burgstall, trifft.

Die Frühstückseiche. Alter und Pilzbefall machen dem Baum zu schaffen. Durch Ad-hoc-Sicherungsmaßnahmen versucht man das Risiko des Astbruchs zu minimieren
..und just an der Frühstückseiche bewegt man sich im Grenzgebiet
Der Schwind-Bildstock – errichtet von der alteingessenen Familie Schwind als eingelöstes Gelübde und Dank dass die Menschen, die im unterhalb liegenden Steinbruch Zuflucht vor dem Bombenhagel suchten, verschont blieben
Im Bensenbruch, dem ehemaligen Steinbruchgelände
Abweichend von der offiziellen Streckenführung geht es auf tollen Pfaden in die Haibacher Schweiz
…an deren Ende einst die markante Ketzelburg stand

An der Ketzelburg vereint sich der Wanderweg mit dem Qualitätswanderweg Spessartweg 1. Man passiert das mächtige Hohe Kreuz am örtlichen Friedhof von Haibach und wandert weiterführend abwärts zum Godelsberg, dort wo eine beliebte und sehr zu empfehlende Häckerwirtschaft zu ausgewählten Zeiten Einlass gewährt. Vorbei am historischen Wasserwerk gilt es die letzte kleine Anhöhe zu bewältigen, die vorbei an der Kippenburg zur markanten Teufelskanzel führt, einen der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Tour . Die Schlusspassage als Kür. Abwärts geht es hinab zur Fasanerie, dort wo sich der Kreis des Rundwanderweges schließt. Situationsgerecht kommt man zwangsläufig auf dem Weg zum Ausgangsort am Main wiederum an zwei hervorragenden Biergärten vorbei, die bereits Tags zuvor besucht wurden.

Kreuzwegsendpunkt Kapelle am Buch
Das Hohe Kreuz, 1844 einst als Aussichtspunkt auf einem Felsblock angelegt, unter dem sich heute ein Soldatenfriedhof befindet
Trockenmauern als Indiz dafür, dass am Goldelsberg schon früher Weinanbau praktiziert wurde
Eine feudale Raststation vor dem finalen und “kräftezehrenden” Anstieg zur Teufelskanzel
Alles Fake – wie man heutzutage zu sagen pflegt. 1839 errichtete man aus Bruchsteinen zur Belustigung der Bevölkerung die Kippenburg. Gegründet wurde ein “Unterverhaltungsverein”. Man spielte Theater, tanzte und goss sich einen hinter die Binde. Mittlerweile hat der ortsansässige Karnevalsverein übernommen und richtet an drei Terminen im Juli das allseits beliebte Kippenburgfest aus. “Genießen Sie unter kühlen Kastanien ein frisch gezapftes Schlappeseppel Bier oder unsere Leckereien vom Grill” Mehr als ein Grund sich auf den Weg zu machen…..
Ein fürwahr krönender Abschluss – die Teufelskanzel am Godelsberg….
Bester Ausblick über Aschaffenburg hinaus in die Rhein-Main-Ebene

“Rund um Aschaffenburg” im Wandercheck. Das Fazit: Eine vortreffliches und gelungenes Wanderangebot und beste Gelegenheit für Alle, die mit der Region nicht vertraut sind, einzutauchen um das breite Spektrum des Umfeldes der größten Stadt in der Region Bayrisch Untermain kennenzulernen. Wer sportlich ambitioniert ist, kann mit zwei ausgedehnten Touren den gesamten Weg unter die Wandersohle nehmen. Offiziell ist der Rundweg mit 68 Kilometern eingepreist. Die hier vorgestellte zweitägige Passage belief sich einschließlich Zubringerstrecken auf insgesamt 78 Kilometer mit 1.790 Höhenmetern in Gänze. Aber auch wer meint Aschaffenburg und sein Umland zu kennen, wird durchaus überrascht sein, die ein oder andere Facette neu zu entdecken oder die ein oder andere Geschichte hinter der Geschichte kennen zu lernen. Natürlich kann man die Gesamttour auch nach persönlichen Bedürfnissen aufteilen denn dank ÖPNV lässt sich das Gebiet gut erschließen und mit drei Zubringer hat man ein das Wanderangebot flexibilisiert.

Unter Marketinggesichtspunkten würde sich sogar die Durchführung einer 24-Stunden-Wanderveranstaltung anbieten. Die Infrastruktur hierzu ist ideal. Zwei hervorragend geeignete Wandermarktplätze, eine exzellente Tages- und eine ausgezeichnete Nachtstrecke, zudem eine abwechslungsreche Streckentextur, das ganze garniert mit etwas Lokalkolorit – fertig ist ein perfektes Wanderevent.

Einzig in Sachen Kommunikation wäre die Versetzung gefährdet, wenn man Schulnoten verteilen würde. Das Verhalten der Protagonisten, die für die Ausgestaltung des Weges verantwortlich zeichnen, ist zu hinterfragen. Anfang Mai wurde die neue Strecke in der Monatszeitschrift Spessart vorgestellt. Eine Anfrage an den Spessartbund bezüglich eines GPX-Tracks wurde von der Geschäftsführung wie folgt beantwortet:  „Nach Rücksprache bei der Stadt Aschaffenburg, dürfen wir die GPX-Daten nicht rausgeben. Tut mir leid. Sie können sich aber die Daten beim Main-Echo kaufen. Unter: www.main-echo.de/wandern 

Man stelle sich vor, der Spessartbund, der als kompetenter regionaler Wanderverband die Strecke konzipiert und ausgeschildert hat, lässt sich von der Kommune vorführen. Bemerkenswert ist zudem, dass das Main-Echo, als Herausgeber der Zeitschrift Spessart, bis heute keinen GPS-Track eingestellt ist. Mag sein, dass die Bayrische Staatskanzlei die Angelegenheit zur Verschlusssache erklärt hat, da es aus Prinzip nicht sein kann, dass die unterfränkischen Abkömmlinge Maßnahmen ergreifen könnten, die die Attraktivität des Standortes erhöhen.

Als pikante Fußnote sei noch anzumerken, dass Digitalabonnenten der Zeitschrift Spessart dort hinterlegte Wandertracks kostenfrei abrufen können, Käufer der wesentlich teureren Printausgabe jedoch eine Bezahltschranke vorgesetzt bekommen, wenn denn entsprechende Tracks tatsächlich hinterlegt sein sollten.

Die erste Fahrschule Deutschlands. Wo wurde sie gegründet? Natürlich in Aschaffenburg. So sollte man sich Zeit nehmen, nach der Tour “Rund um Aschaffenburg” in die Stadt selbst einzutauchen. Denn hier gibt es weitere spannende Geschichten zu entdecken…..
Die beiden Tagesstrecken “Rund um Aschaffenburg” – streckentechnisch punktuell wie beschrieben individualisiert und auf Anfrage gerne kostenfrei abrufbar

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