Main stromaufwärts -Gemünden-

Gemünden, der 20. Januar 2021 – Wandergeometrie ist auf dieser Tour angesagt. Bei Gemünden geht das Mainviereck in das Maindreieck über. So spannen sich die beiden Schenkel des Maindreiecks zwischen Marktbreit und Schweinfurt sowie zwischen Ochsenfurt und Gemünden auf. An der Stelle, wo das Viereck in das Dreieck übergeht, schlägt zudem die Wendung des Flusses einen engen Bogen. Und mit drei Mainquerungen, die bei Flußquerung jeweils eine gerade Linie auf dem GPS-Tracker hinterlassen, ist die Wandergeometrie formvollendet.

Gestartet wird in der Märchenstadt Lohr, dort, wo, wie bereits im vorhergehenden Tourenbericht dargelegt, drei Lohrer Fabulogen zur Erkenntnis kamen, daß Schwewittchen historisch gesehen eine Lohrerin gewesen sein muß. Die Krönung dieser Bewegung, eine eher schauerhafte als märchenhafte Skulptur, die die Stadt für sage und schreibe 110.000 Euro vor der Stadthalle installieren ließ. Hinter dem Freibad verschwenkt der Mainweg in die Maiauen, um nach vier Kilometern an der Schleuse Steinbach bei Mainkilometer 200 über den Fluß zu führen. 8.000 Schiffe befahren jährlich diese Schleuse und seit 1992 ist die Anlage Teil der durchgehenden Wasserverbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Einige Kilometer weiter unterquert man die weltweit zweitlängste Eisenbahnbalkenbrücke, die Maintalbrücke Nantenbach.

Der Maintal-Bummler dümpelt am nächtlichen Ankerplatz in Lohr vor sich hin
Eher Horrorwittchen als Schneewittchen. 110.000 Euro ließ sich die Stadt Lohr dieses mehr als umstrittene Objekt kosten
Über die Mainschleuse Steinbach
8.000 Schiffe ziehen hier jährlich vorbei
Die Maintalbrücke Nantenbach – ein knapp siebenhundert Meter langer Stahlbetonbolide

Man könnte den Hofstettener Maintalbogen sauber im Innenkreis auslaufen, jedoch witterungsbedingt ist der asphaltierte Weg immer wieder vereist, so daß es sich geometrisch anbietet, den Bogen zu glätten, um über Hofstetten in die Umlaufbahn von Gemünden am Main einzuschwenken. Gemünden, vierzig Mainkilometer von Würzburg entfernt, schmiegt sich langgezogen entlang des westlichen Ausläufers am Mainbogen entlang. Die mächtigen Gleisanlagen und die unmittelbar anliegende Bundesstraße beeinträchtigen das Stadtbild von der Flußseite aus gesehen. Auch die im Krieg stark zerstörte Altstadt konnte nur in Fragmenten getreu dem historischen Vorbild wieder hergestellt werden, so daß am langen Ende für Tagesbesucher die Stadt Lohr sicherlich die bessere Alternative darstellt.

Für den mobilen Seefunk gibt es separate UKW-Kanäle
Wasserki gemäß Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung gestattet. Fehlt nur noch das Flußwandererlaubnisschild…..
Gemünder Verkehrstrassen “erdrücken” das Stadtbild
Wie kaum ein anderer prägte Julius Echter kirchlich, politisch, baulich und kulturell die Spessartregion
Ob Mainwanderweg, Spessartweg, oder Birkenhainer Straße – auch wandertechnisch ist Gemünden ein Verkehrsknoten

Pandemiebedingt wird auf den Abstecher zum Gemünder Kloster verzichtet und so geht es unterhalb von Adelsberg hinab zum Mainufer, dort wo der Mainradweg unterhalb der Bahntrasse verläuft – ein bauliches Ärgernis. So hat man beispielweise die Kommune Gambach komplett vom Zugang zum Mainweg abgeriegelt. Spaziergänger und Fußgänger queren, wie man hört, immer wieder die Gleisanlagen, um an den Main zu gelangen. Ein weiteres Ärgernis: Die Stadt Karlstein hat für Radfahrer und Fußgänger die Staustufe Harrbach von November bis März gesperrt – blöde wenn man hier den Wendepunkt eingeplant hat.

Zur Abwechslung geht es durch ein Waldstück von Gemünden oberhalb des Mains weiter
Selbst schuld, wer zu dieser Jahreszeit unterwegs ist: Zwischen Gemünden und Karlstein ist man am Mainweg hermetisch abgeriegelt

Jenseits des Mains geht es über den Ständelberg zurück zur gegenüberliegenden westlichen Mainbogenseite. Wiesenfeld querend weisen im Anschluß Schilder auf den Wanderweg Rettersbach/Mariabuchen hin. Bei Wiesenfeld öffnet sich die Landschaft des Hochplateaus, die Sonne lugt partiell heraus, und man hat Gelegenheit ein Vorvorfrühlingfeeling zu entwickeln. Ein Highlight dieser Tour ist sicherlich eine der bekanntesten Walllfahrtskirchen des Spessarts Mariabuchen. Daß hier noch Lokalkolorit gepflegt wird beweist folgende Geschichte: Vor drei Jahren hat ein hier ansässsiger polnischer Pater im benachbarten Rettenbach den Maibaum umgesägt, wohlweislich im Glauben, daß es sich hier um einen legitimen Brauch handele. Der Dorfrat, der zusammentrat nahm die Sache mit Humor, legte dem Pater allerdings ein Bußopfer auf. Ein Kasten Bier, wie von diesem vorgeschlagen, sei ihnen zu wenig gewesen. Sie einigten sich auf ein 50-Liter-Fass Kreuzbergbier – vom Pater auf der Schulter bergan nach Rettersbach zu bringen.

Eine der vielen baldachinförmigen Bildstöcke wie sie hier in der Region anzutreffen sind
Einmal quer durch Wiesenfeld
Steinschleuder neu definiert….
Auf der Fränkischen Platte zwischen Lohr und Karlstein
Glückliche Spessartlämmer
Blick auf Mariabuchen

Wegen coronabedingter Klosterschließung geht es unverrichteter Dinge nach Steinbach. Sehr zu empfehlen ist es den felsdurchsetzten Pfad entlang des Buchenbachs zu wählen. In Steinbach selbst beeindruckt das Ensemble der örtlichen Barockkirche und der gegenüberliegenden Schloßanlage. Weiterführend geht es diesmal stromabwärts dem Main folgend zurück nach Lohr am Main um nach 39 Kilometern und übersichtlichen 500 Höhenmetern zur Erkenntnis zu gelangen, daß der hinterste Zipfel der Mainspessartregion von einer zurückhaltenden Beschaulichkeit eingemantelt ist.

Entlang des Buchenbachs nach Steinbach
Arbeitsmaterial für Waldarbeiter um frische Setzlinge zu markieren und zu fixieren
Die Steinbacher Kirche….
..opulent vom berühmten Balthasar Neumann ausgestaltet
…und nebenan die Schloßanlage der Freiherren von Hutten
Bis man das alles durchgelesen hat……………………
Der 50. Breitengrad, der Aschaffenburg mit Prag und Krakau verbindet, wird hier gequert
Zurück in Lohr, dort wo der Maintal-Bummler sich keinen Millimeter bewegt hat

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