Mümling – von der Quelle bis zur Mündung

Mümlingquelle

 

Mümlingquelle
Mümlingquelle

Flußwanderung die Zweite innerhalb von drei Tage diesmal die Mümling. Tags zuvor erreichten die Wasserstände Höchstniveau knapp unterhalb der Meldestufe 2.

Jedoch nicht Hochwassertourismus, sondern die Flußverlaufsergründung von der Quelle bis zur Mündung stand im Fokus dieser Exkursion.

Die Quellfassung der 49,7 Kilomter langen Mümling ist ein Zwölf-Röhrenbrunnen im 405 Meter hoch gelegenen Beerfelden. Der Brunnen ist eine kulturhistorisch bedeutende Laufbrunnenanlage aus dem Jahre 1810 mit Löwenköpfen.

Brunnenanlage in Brensbach
Brunnenanlage in Brensbach

Schon die Streckenplanung verdeutlichte, dass dem Flußverlauf folgend die Notwendigkeit besteht überwiegend auf das bestehende asphaltierte Radwegnetz zurückzugreifen. Unter Einbeziehung von  besser gangbaren Waldpfaden wäre die Streckenlänge um mindestens 25% länger (mit entsprechend zusätzlichen Höhenmetern) ausgefallen, was für eine Tagestour schon sehr anspruchsvoll ist.

Hetzbach
Hetzbach

Von Beerfurth aus ging es nordwestlich Richtung Braumbach, den Kirchbuckel umrundend nach Hetzbach,  wobei sich im Nachgang eher die östliche Variante empfohlen hätte. Rasch ist die Kommune erreicht, die immerhin über einen Golfplatz und eine kleine aber feine Badeanstalt verfügt.

Kurz hinter Hetzbach führt der Weg auf den Nibelungensteig. Imposant erhebt sich das Himbächer Viadukt in den Odenwälder Himmel.  Das 1881 errichtete Bauwerk hat mittlerweile den Status „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ erhalten, ist 250 Meter lang und kommt auf eine Höhe von 43 Metern in der Spitze.

Himbächer Viadukt
Himbächer Viadukt

Hinter Ebersberg wird die B45 gequert, um auf naturbelassenen Wegen  an Haisterbach vorbei Richtung Günterfürst zu wandern. Ungewohnt von hier aus die Perspektive auf die Odenwälder Kreisstadt Erbach.

Blick auf Erbach
Blick auf Erbach

Kaum eine andere Kommune wird durch die Mümling so stark geprägt wie die Kreisstadt. Der Fluß schlängelt sich durch die Ortsmitte der Elfenbeinstadt und bildet aus städtebaulicher Brille betrachtet einen ansprechenden Pendant zum Schloßensemble und den historischen Gebäuden im Ortskern. Ruhezonen am Fluß werden dabei gerne von Einheimischen und Tagestouristen  frequentiert. Auch das unmittelbar am Mümlingufer gelegene Erbacher Brauhaus ist eine gut frequentierte Oase der Erholung.

Mümling in Erbach
Mümling in Erbach

Die massiven Regenfälle der letzten Tage haben den Pegel der Mümling deutlich anschwellen lassen. Eine braune Wassermasse rauscht mit hoher Geschwindigkeit durch den Innnenstadtbereich. Manch ein besorgter Geschäftsmann hatte bereits durch Sandsackschutzwälle erste Sicherungsmaßnahmen betrieben.  Ein in den letzten Jahren umsichtiges Rententionsflächenmanagement im Mümlingtal hat jedoch zu einer grundsätzlichen Entspannung der Hochwassergefährdung geführt, wobei die aktuellen Geschehnisse dokumentieren, dass die Natur nur vermeintlich beherrschbar ist.

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 Erbacher Mümlingimpressionen

Der Mümling folgend geht es durch das Erbacher Industriegebiet auf einem schmalen Pfad weiter Richtung  Michelstadt-Steinbach zur Einhardsbasilika, dort wo der 132  Kilometer lange Alemannenweg beginnt. Dem Kulturinteressierten sei übrigens auch ein Besuch des außergewöhnlichen Schlosses Fürstenau nahegelegt.

Einhardsbasilika
Einhardsbasilika

Von hier aus folgt man den Radweg R 4 der sich bis nach Höchst zieht. Das breite Flußbett bietet der Mümling in diesem Abschnitt beste Möglichkeiten  die umliegenden Auen zu fluten. An der Hammerwehr, eine seinerseits künstlich angelegte Staustufe die zum Antreiben der Hämmer und Gebäuseeinrichtung der damaligen Schmiede eingesetzt wurde, wird die Dynamik der Mümling offenbart. Wassermassen mit Springflutencharakter stürzen dem Wehrverlauf entlang. Durch die Wassermengen entwickelt sich die

Hammerwehr
Hammerwehr

Gersprenz zu einem reißenden Strom.  Bei Zell wird die Mümlingeseite gewechselt. Von hier geht es durch gut gangbare Auewege am Rande des Kursparks an Bad König vorbei. Hinter Bad König wird erneut die B45 gequert . Durch die Weiler Etzengesäß und Mümling-Crumbach wird der Ortsrand von Höchst angesteuert. Nach Dusenburg geht es hinauf auf den Galgenberg, oberhalb der Kommune Neustadt, die geprägt wird von den weitreichenden Industrieanlagen eines nahmhaften Reifenherstellers.

Biergartenidyll
Biergartenidyll

Auf  den oberen Waldwegen kann man das Regendesaster der vergangen Tage nachvollziehen. Wassergesättigte eingeschlämmte Waldböden, unzählige Rinnsaale, die den Weg nach unten suchen  speisen nach wie vor die Wasserläufe im Tal. An der Waldeslichtung erhebt sich majetätisch die bestens erhaltene Burg Breuberg. Nach einem Anstieg über den Judenrain, der westlich der Burg entlangführt geht es weiter Richtung Hainstadt. Hinter der bayrischen Grenze entdeckt man auf den topografischen Karten eine Namenswandlung des Flusses. Aus der hessischen Mümling ist die bayrische Mömling geworden. Seltsam aber wahr.

Burg Breuberg
Burg Breuberg

Mit Übertreten der bayrischen Staatsgrenze wird man mit Blickrichtung Main auf einem Schild mit der Angabe „Willkommen in Mömlingen, das Tor zum Odenwald begrüßt. Gut zu wissen, dass sogar der Odenwald im fränkischen Einzugsgebiet seine gebührende Würdigung erfahren hat. Lange zieht sich der Weg hin Richtung Eisenbach. Bereits weit zuvor sind die rauchenden Schornsteine der Glanzstofffabrik zu erkennen. Die Begehung der Mümlingmündung ist jedoch an diesem Tage ausgeschlossen. Just 200 Meter vor dem Main, auf der Höhe des Obernburger Wasserwerkes signalisieren Hinweisschilder, dass die Mainauen geflutet sind und nicht betreten werden können. Nach 51 Kilometern ist der Flußgang beendet. Alles in allem eine unspektakuläre Wanderung auf nicht gelenkeschonenden Asphaltwegen. Eine interessensbekundende  Flußinspektion sei eher der radfahrenden Fraktion vorbehalten, zudem die Logistik der öffentlichen Verkehrsmittel die Anbindung an hessische Gefilde tunlichst ignoriert.

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Endstation Flut bei Obernburg

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