
Aschaffenburg, den 28. Dezember 2019 –
Mittlerweile sind es knapp einhundert Wanderstrecken die man im Spessart unter dem Signet “Europäische Kulturwanderwege” konzipiert hat. Mit insgesamt sieben Kulturwegen ist dabei die die unterfränkische Metropole Aschaffenburg würdig vertreten – Grund genug zum Jahresende zwei dieser Wege zu einer gepflegten Tagestour zu verbinden.
Gestartet wird an der Kleinen Schönbuchallee, seit 1775 die Verbindungsachse des Landschaftsparks Schönbusch und Aschaffenburg, die auf dem Alten Schaafheimer Weg angelegt wurde. Bis in das späte 19. Jahrhundert krakeelten die hier ansässigen Bauern über die hier eingeflanschte Alleenstraße, da man diese als Behinderung in der landwirtschaftichen Arbeit sah. Der Hafenbau verdrängte die Landwirtschaft und die Kleine Schönbuschallee entwickelte sich als grüne Lebensader zwischen der Aschaffenburger Innenstadt und dem lLandschaftspark. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden hier sogar Motorradrennen durchgeführt.


Linker Hand des ehemaligen Promenadenweges ist ein regelrechtes Sportzentrum entstanden. Zahlreiche Sportvereine haben hier ihre Areale entwickelt – ansonsten ist ist die Schönbuschallee bereits zu früher Morgenstunde eine beliebte Strecke auf der die unterfränkischen Jogger ihre Runden drehen.



Das Aschaffenburger Schloß buchstäblich links liegend lassend geht es zunächst in südlicher Richtung mainabwärts um am Rande des Aschaffenburger Ortsteils Schweinheim den Einstieg in den Aschaffenburger Kulturpfad zu finden, der rund um den Erbig führt. Jahreszeitbedingt ist Winterschlaf am Main angesagt. Die hier im und am Wasser ansässigen gastronomische Betriebe sind eingemottet, die Boote am Yachthafen eingehaust, Einzig Hunde die ihre Besitzer am anderen Ende der Leine durch die dunstverhangenen Mainauen zerren bereichern das winterliche Leben am Mainufer.


Durch die Obernauer Kolonie geht es dem Häsbach folgend am südlichen Ortsrand von Schweinheim hinauf Richtung Sternberg, der Aschaffenburger Aussichtsterasse. Vorbei geht es am Bildstock “Ruhstock“. Der Name stammte von der Begebenheit, daß hier Bäuerinnen ihr Krauttuch auf dem Rückweg aus dem Wald hier abstellten um Rast zu halten. Zügig geht es zum Aschaffenburger Aussichtsberg Die hier angebrachten drei Kreuze sind ein sichtbares Zeichen für die damals populären Spessarter Passionsspiele, die in Schweinheim stattfanden. Ab 1919 wurden regelmäßig Aufführungen veranstaltet, die bis ins Jahr 1957 andauerten, und von der örtlichen Presse sogar als “Oberammergau am Main” geadelt wurden.






Auf aussichtsreichen Pfaden umrundet man den 285 Meter hohen Erbig. Bei aussichtsreicher Wetterlage hat man beste Sicht auf den gegenüberliegenden Odenwald, den Höhenzügen des Taunus, der Skyline von Frankfurt und den benachbarten Burgen Breuberg und Otzberg, die sich allsamt auf dem Gebiet der hessischen Nachbarn befinden.


Am südlichen Zipfel der Runde, dort wo man die ersten Behausungen von Obernau ausmachen kann, erreicht man einen markanten Kreuzweg der durch eine Birkenallee zur Obernauer Kapelle führt. Eine Symbiose aus moderner Kunst und traditioneller Gestaltung kennzeichnet die 1956 gestalteten Wegestationen des Krezweges.

Vorbei an der Friedrichsruh führt der Weg hinab in den Aschaffenburger Ortsteil Schweinheim – die ehemals größte Gemeinde Unterfrankens. Die Geschichte des Orts war schon immer stark geprägt durch die katholische Gemeinde. Es waren einerseits die unterfränkischen Passionsspiele die hier ihren Ursprung fanden, andererseits der prägende Kirchenbau. Erst 1894 wurde eine neogotische Kirche errichtet, die just einhundert Jahre später für eine katholische Kirche revolutionär umgestaltet wurde. Derzeit ist die Bestuhlung des Innenraums als Stuhlkreis konzipert -einzig fablich akzentuierte Fenster bereichern den ansonst schmucklos gestalteten Innenraum. Dort wo andernorts barocke Opulenz den Kirchenraum überlädt, konzentriert man sich konzeptionell auf den Inhalt des Gottesdienstes – so die gesetzte Botschaft.


In Schweinheim endet die Passage des ersten Kulturweges, wobei es sich auch aus kulturellen Gesichtspunketn anbietet einen zusätzlichen Schwenk einzulegen. So geht es Schweinheim Richtung Norden querend durch den östlichen Zipfel von Aschaffenburg hinauf auf den Godelsberg, dort wo ein kurioses Bauwwerk, die Kippenburg, im Volksmund benannt nach dem Bauherrn, vorzufinden ist. 1839 wurde eine Ruinenstaffage im gotischen Stil errichtet und als Weinbergshäuschen und Aussichtsturm genutzt. Auf dem Turm flatterte die bayrische Fahne und die Bogenfenster waren mit Glasmalereinen verziert, Ein gemütliche Inneneinrichtung im “altfränkischen Stil” entsprach der äußeren Erscheinung. Das erste Fest auf der Kippenburg fand am 25. August 1839, dem Namens- und Geburtstag Ludwigs des Ersten von Bayern, statt. Alljährlich werden hier oben Stadtfeste ausgerichtet, wo traditionell das heimische Bier in Strömen fließt. Einige Meter weiter führt der Weg zur Teufelskanzel, dort wo man die Blicke über Aschaffenburg bis zum angrenzenden Taunus schweifen lassen kann.






Von der Teufelskanzel folgt man der Wegekennzeichnung “Spessartweg 1” um wenige hundert Meter weiter in die 75 Hektar große Aschaffenburger Fasanerie einzutauchen. Einst lieferte die Fasanerie Wild, Fisch und Geflügel für die Hofküche im Schloß Johannisburg. Ein eigens dafür angestellter “Fasanenjäger” war für die Lieferung von jährlich bis zu 1.000 Fasanen zuständig. Heute ist das Areal ein beliebtes Naherholunsggebiet in der Region. Hinter der Fasanerie gliedert sich die Östereicher Kolonie an. Der Name “Österereicher Kolonie ist eine Ableitung vom hier errichteten Österreicher Denkmal. Es erinnert an das Gefecht vom 14. Juli 1866 wo preußische Regimente über die österreichischen Truppen herfielen. Weiter geht es durch die Östereicher Kolonie zur Großmutterwiese, die ursprünglich ein Bestandteil der gegenüberliegenden Fasanerie war. Vorbei am Ludwigsbrunnen bietet es sich an zu einer Zwischenrast im benachbarten Hofgarten einzukehren, dort wo feinste Biere ausgeschenkt werden, und dort wo in der nebenangelegenen gleichnamigen Spielstätte der unterfränkische Kabarettist Urban Priol regelmäßig wie ein Derwisch über die Bühne seines Wohnzimmers fegt.










Weiter geht es durch den Hofgarten, offiziell Park Schöntal genannt. Ursprünglich 1450 als Tiergarten angelegt, dann als Hofküchengarten umgewidmet, zuletzt als Landschaftsgarten umgestaltet. Bis 1552 befand sich hier auch eine Klosterkirche. Zügig geht es durch die Fußgängerzone der sich anschließenden Innenstadt hinüber zum Juwel der Stadt dem Schloß Johannisburg, 1614 fertiggestellt und zweihundert Jahre lang Residenz der Mainzer Kurfürsten und Bischöfe.




Man könnte sich durchaus intensiver mit dem Schloß beschäftigen, jedoch der Auftrag der heutigen Tour ist ein anderer. So geht es entlang der sonnenverwöhnten Main- und Weinterassen. König Ludwig war es einmal mehr, der hier ein Pompejanum nachbauen lies. Die Villa des Castor und Pollux aus der durch den Vesuvausbruch untergegangenen Stadt Pompeji ist ein Nachbau des Original-Gebäudes in Pompeji. Unterhalb wird fränkischer Riesling angebaut, den man in den dem Schloß angegliederten Schloßweinstuben verköstigen kann. Über die benachbarte Ebertbrücke geht es zum dritten Teil der heutigen Passage, dem Kulturweg des Ortsteils Leider der mit dem Leitthema “Von der Dorfschmiede zum Industriehafen” betitelt ist.




Leider. Leider ist ein Aschaffenburger Stadtteil mit vielen Gesichtern. An der Mainseite geprägt durch ein Schulzentrum und dem Bayernhafen, auf der anderen Seite begrenzt durch die Kleine Schönbuschallee. Hinter der Mainbrücke quert man das weitläufige Schulareal. Bereits 1833 gründete man hier eine Königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule. Vorbei geht es an der Siechenhauskapelle, dort wo im 15. Jahrhundert ein Leprahaus unterhalten wurde. Nur noch einige wenige erhaltene historische Bauten erinnern an den alten Ortskern. Wechselvoll auch die Geschichte der ortsansässigen Kirchen. Aus der alten katholischen Laurentiuskirche Kirche wurde eine evangelische Lukaskirche und der provisorische Kirchturm der neuen Laurentiuskirche wurde aus Geldmangel niemals ausgebaut. Der Kulturweg führt durch die unspektakuläre Randzone des Hafengebietes – einzig die hier angebrachte Informationstafel mag zur informellen Abrundung des Kulturweges dienen – für das Auge ist dieses Areal weniger zweckdienlich. Omnipräsent ist hier eine mittlerweile weltweit agierende Spezialfirma die 1894 als Dorfschmiede durchstartete.





Die B26 querend geht es hinüber in das ansehliche Areal von Schloß Schönbusch – heute das beliebteste Freizeitareal der Ascheberscher, wie man hier im Unterfränkischen mit einer unverkennbaren südhessischen Einfärbung zu sagen pflegt. Sicherlich – jahreszeitenbedingt ist die Strahlkraft des Parks eingeschränkt, was jedoch die Bevölkerung nicht abhält einen Rundgang durch den 160 Hektar umfassenden Park zu unternehmen und sei es nur um neben der Orangerie im dortigen Biergarten einen Glühwein und einen Imbiss zu sich zu nehmen. So endet nach 32 Kilometern und übersichtlichen 400 Höhenmetern eine interessante Tour auf kulturellen Pfaden rund um Aschaffenburg – bestens gangbar auch zur winterlichen Jahreszeit.







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