Lutherweg 1521 Friedberg – Mücke

Friedberg, den 11. Februar 2017 –

Die Wetterau. Dank guter Böden als Kornkammer klassifiziert, dank der geologischen Fortsetzung der rheinischen Tiefebene eine gewachsene Kulturlandschaft, dank der noch moderaten Grundstückskosten ein beliebter Rückzugsort für Frankfurter Pendler. So führt die fünfte Passage quer durch diesen Landstrich  und bietet immer wieder Gelegenheit zu weitreichenden Aussichten in der kultivierten Agrarlandschaft.

Gestartet wird in der Kreisstadt Friedberg. Vor Sonnenaufgang ist, wie nicht anders zu erwarten, die Stadtkirche noch verriegelt. So geht es weiter durch die breite Promenadenstraße vorbei am Anwesen der Kaiserstraße 32, dort wo Luther nachweislich auf seiner Passage 1521 übernachtete. Am Beginn der Kaiserstraße thront die im 12. Jahrhundert errichtete Burg Friedberg mit dem mächtigen Adolfsturm auf einem Basaltbergsporn. Namensgeber des besagten Turmes war Graf Adolf von Nassau, der von Friedberger gefangen genommen wurde. Das erpresste Lösegeld, verwandte man für den Turmbau, den man nach der freigelassenen Geisel benannte. Respektable Ganovenehre! Just vor dem Schloß residiert standesgemäß das Finanzamt im ehemaligen Renaissance-Schloss des Burggrafen.

Verrammelt und verriegelt – die Stadtkirche von Friedberg
Eine riesiger Steinklotz an der Burganlage
Die Burg Friedberg
Und hier residierte Luther bei seiner Durchreise – sinnigerweise heute ein Bettenhaus in der Kaiserstraße 32
Friedberger Erkenntnis, angebracht an einem irischen Pub

Zwei Lutherwegspassagen führen von hier aus nach Eisennach. Gewählt wird die Ostroute Richtung Grünberg. Drei dicht an dicht gebaute Eisenbahnbrücken unterquerend geht es weiter dem Flüsschen Usa folgend Richtung Dornheim, dort wo heute noch ein Herrenhaus des ehemaligen Dornheimer Schlosses steht. Außerhalb von Dornheim, mit Blick Richtung Bad Nauheim führt die Passage vorbei an zwei Mineralbrunnen, dem Löwen- und den Sauerbrunnen. Das Wasser ist salzig und mit einer eigenwilligen Geschmacksnote unterlegt. Ein Hinweisschild weist darauf hin, dass man nicht mehr als 200 ml von diesem Brunnen pro Tag zu sich nehmen sollte. Nach einer Geschmacksprobe ist dieser Hinweis durchaus nachvollziehbar.

Durch drei Brücken mußt Du gehen……
An jedem Ortsausgang wird in Friedberg an den großen Elvis erinnert
Selbst am frühen Morgen sind bei leichtem Schneetreiben die Wetterauer auf Achse
Das Dornheimer Herrenhaus
Kein Leinwandgemälde, sondern Katzen unplugged hinter Fliegengitter…..
Traurige Erkenntnis am Pilgerpfad im 21. Jahrhundert
Durch die Wetterau über die Wetter…
Die Löwenquelle…
..und nebenan der Sauerbrunnen. Natrium-Calcium-Chlorid-Hydrogenkarbonat-Säuerling – so schmeckt es auch…..

Weiter geht es in einer langgezogenen Passage durch freies Feld Richtung Wölfersheim, dort wo 187 Jahre im Tagebau Braunkohle abgebaut wurde. Heute scheint in Wölfersheim die Zeit stehen geblieben zu sein. Samstag vormittags – die Stadt ist verwaist, fast ausgestorben. Vorbei am Weißen Turm geht es zur Stadtkirche mit der imposanten barocken Fassade, die bereits zu Mutmaßungen führte, dass die Kirche ursprünglich als Schloss geplant war, was jedoch falsch ist. Leider findet die Kirche im Pilgerführer keinerlei Erwähnung, noch hat man Gelegenheit die Sakralstätte zu besichtigen. So geht es, auch mangels Möglichkeit einer Kaffeerast, unverrichteter Dinge weiter in die Wetterauer Seenlandschaft, dort wo bis 1994 noch Braunkohle gefördert wurde. Mittlerweile hat sich das Areal zu einer Seenplatte mit einem hohen Freizeitwert entwickelt.

Kilometerlang fräsen sich die Wirtschaftswege durch die Agrarlandschaft
Standen früher noch renommierte Persönlichkeiten Pate……
Alles zu am Kirchplatz in Södel
Klare Botschaft
Der Weiße Turm in Wölfersheim
Ein Kreativkasten
Was denn nun? Brauhof- oder Wasser….
..und nebenan der Schwarze Turm von Wölfersheim
Eine außergewöhnliche Barockfassade, jedoch hermetisch abgeriegelt
70 Millionen Tonnen Braunkohle wurden einst rund um Wölfersheim gefördert
Ein Blick auf das ehemalige Braunkohlerevier, heute der Wölfersheimer See
So entwickelt sich das Revier – Freizeitareal Seenplatte

Entlang ruhiger Wirtschaftswege geht es in nordöstlicher Richtung, die A45 querend nach Berstadt, dem ersten „Lichtblick“  am Pilgerpfad. Die Kirche geöffnet, und man ist sichtlich vorbereitet für den Lutherwegspilgerer. Hier hat sich eine rührige Pfarrgemeinde sehr engagiert mit dem Thema auseinandergesetzt. Auf der folgenden Achse Utphe, Trais-Horloff, Inheiden schlängelt man sich durch die Wetter Seenlandschaft. Ein ideales Umfeld für Wanderer und Radler. Rund um den Inheidener See hat sich ein ausgedehntes Freizeitareal mit zahlreichen Wochenendhäusern entwickelt. Wo früher Braunkohle abgebaut wurde, ahlen sich heutzutage bei schönem Wetter Sommerfrischler und Wassersportler.

Einmal mehr Ackerbauarchitektur
Hat auch etwas meditatives
Die Berstadter Kirche
..wohlweislich eingerichtet…
für Lutherwegspilgerer…
..mit einer vorbereiteten Dreingabe
Dieses Haus stand schon zu Luthers Zeiten – errichtet 1480
On the road again…….
Durch Uthphe – links das Fachwerkrathaus, rechts Solms-Laubacher Hofgut
Blick über die Seenlandschaft
Bepplerfritze, ein markanter Spitzname, am Wohnhaus verewigt
Freizeitparadies am Inheidener See
Zu Luthers Zeiten gab es hier keinen einzigen See
Vom Braunkohrevier zum Badespaßareal
Und im Februar das erste Weißbier am Pilgerpfad – auch wenn die Benediktiner der anderen Fraktion angehören

Nach einem ersten Outdoor-Luther-Weißbier am Seenufer geht es zum Schlußsport durch die „Hungener Schweiz“ hinein nach Hungen, der Schäferstadt im Wetterau. Drei Highlights sollte man sich in Hungen nicht entgehen lassen. Eine Besichtigung der Stadtkirche, eine Inaugenscheinnahme des Hungener Schlosses, welches in den 70er Jahren von einer zwölfköpfigen Eigentümergemeinschaft zu Wohnzwecken restauriert wurde, und ein Besuch der Hungener Käsescheune, die mit einer ausgezeichneten Feinschmeckerküche aufwartet.

Die Horloff hat sich hier durch eine Basaltdecke gefräst und die Hungener Schweiz geschaffen
Die Hungener Stadtkirche….
..eine der ältesten Kirchen in der Wetterau
Hervorragend restauriert…
..das Hungener Schloß
Hungen, DIE Wetterauer Schäferstadt
Auch Luther ist in Hungen angekommen
Man kann dem Schäfer in Hungen nicht entrinnen
Die Käsescheune – die Produktionsstätte..
..und hier eine Auswahl der Endprodukte..
..und nebenan sehr ansprechende Gasträume…
…mit einem außergewöhnlichen kulinarischen Angebot
..und auch die Pilgerherberge ist allemal zu empfehlen

Nach einer geruhsamen Nacht in der offiziellen Lutherwegsherberge „Hotel am Markt“ heißt es Abschied nehmen von der flachen Wetterauer Landschaft. Auf der Passage Richtung Grünberg kündigen sich langsam die ersten Ausläufer des Vogelbergsareals an – es wird nun endlich hügeliger.Von Hungen aus geht es durch die Hubbachwiesen vorbei am weitläufigen Areal des heimischen Angelsportvereins mit drei angelegten Großfischteichen. Nach einer Waldpassage öffnet sich langsam das Gelände und legt einen bemerkenswert Blick auf die oberhalb von Nonnenroth gelegene Dorfkirche frei. Schade, dass die Väter des Lutherweges nicht die Schleife über den Kirchenhügel eingebaut haben. Scheinbar wollte man den Pilgerer vor einem „beschwerlichen“ Anstieg bewahren. Vor der Kirchenmauer ist eine neue imposante Luther-Holzstatue aufgestellt. Die Kirche – nicht wirklich überraschend- jedoch geschlossen.

Der Zigarrenmann am Hungener Marktplatz
Ein guter Start in einen neuen Wandertag Richtung Grünberg/Mücke
Ob das „Tier“ das auch versteht….
An den „Drei Teichen“ im Hungener Waldabschnitt
Früher schon an später denken…….
Ein Postkartenidyll….
Die Nonnrother Kirche nebst Lutherstatue
Lutherwegs- Wortspielerei

So geht es weiter über den Weiler Röthges zum Hessenbrückenhammer, einem ehemaligen Eisenhüttenbetrieb, dort wo die Ost- und Westroute sich wieder vereinen. Nach einer Waldpassage quert man die Wetter und es eröffnet sich ein imposanter Blick auf das sechs Kilometer entfernte Grünberg.

Die Waldabschnitte mehren sich Richtung Vogelsberg
Aus der Waldeslichtung mit Direktblick auf Röthges
Aufwändige Fachwerkssanierung
Wo die Westroute..
auf die Ostroute trifft…
Ungewisss jedoch welche Route der Reformator wählte….

Die Passage durch die sanfhügelige Landschaft nach Grünberg ist abwechslungs- und aussichtsreich. Grünberg, auf einem Basalthöhenzug gelegen, besticht durch die sehenswerte historische Altstadt. Enttäuschend jedoch, dass das Thema Luther scheinbar nicht in der Kommune angekommen ist. Die mächtige Stadtkirche, (gemäß Pilgerführer als „bemerkenswert“ deklariert) ist am Sonntag zur Mittagszeit geschlossen. Die Informationsständer im Eingangsbereich des Rathauses lassen jeglichen Hinweis auf den angelegten Lutherweg vermissen. Schade für die Initiatoren des Lutherweges, dass Grünberg, wie viele andere Kommunen auch, die Thematik nicht erkannt und aufgegriffen hat.

Immer wieder interessant zu beobachten, einzelstehende Bäumen entwickeln sich grundsätzlich kräftig, kernig
Auf dem Weg nach Grünberg mit aufwändig errichteten Ruhezonen
„Eine Besonderheit ist die Grünberger Stadtkirche“ – ein netter Hinweis, der jedoch nutzlos ist, da selbst Sonntags die Kirche verschlossen ist
Der Marktplatz in Grünberg, im Sommer mit zahlreicher Außenbestuhlung bestückt
Wer gerne Fachwerksstudien betreibt, kann hier Vieles entdecken
Der historische Ziehbrunnen am Marktplatz, im Hintergrund die verschlossene Kirche
Zweifelsohne, es ist Narrenzeit

Der Rest der Passage, ein unspektakulärer Auslauf via Lehnheim in das im Vogelsbergkreis liegende Mücke. Alles in allem eine bequem zu laufende Zwei-Tagespassage mit insgesamt 65 Kilometern und nicht anstrengenden 880 Höhenmetern. Bleiben noch 163 Kilometer bis nach Eisennach, wobei die nächste Tagestour nach Alsfeld mit 44 Kilometern und guten Höhenmetern eine wandertechnisch schöne Herausforderung sein wird.

Nicht wirklich spannend, dieser Markierungsposten wurde an eine Baum genagelt,
Endstation Mücke: von hier aus geht es via Gießen zurück nach Friedberg. Transferzeit: eine knappe Stunde

 

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