Im Wandercheck: Der Oberhessensteig

Büdingen, den 08. April 2026 – Genial der Gedanke, gelungen die konzeptionelle Umsetzung und begeisternd der Streckenverlauf des neuen Oberhessensteiges, der sich aktuell im Finalisierungszustand befindet – so das vorweggenommene Fazit zum neuen Wanderweg. Anlässlich der hessischen Landesgartenschau, die 2027 in Oberhessen stattfinden wird, hat man die Einrichtung eines Fernwanderweges durch Oberhessen beschlossen. Bereits 2022 hat der rührige Vogelsberger Höhen Club eine Konzeption entwickelt, um einerseits die an der Landesgartenschau beteiligten Kommunen wanderwegstechnisch zu verbinden und andererseits die oberhessische Kultur- und Naturregion zu positionieren. Schon die Kelten ließen sich in der Region nieder, die Römer hinterließen mit dem Limes hier ihre Spuren, die Via Regio, ein historischer Handelsweg, der einst Frankfurt mit Leipzig verband, führte durch die Region und spirituell markiert der hier durchführende Bonifatiusweg den Verlauf des Leichenzugs des Heiligen, der von Mainz vor mehr als 1.270 Jahren zu seiner letzten Ruhestätte nach Fulda überführt wurde.

Stellts sich zunächst die Frage: Wo genau liegt eigentlich Oberhessen? Die Bezeichnung ist im Allgemeinen durchaus geläufig, jedoch gibt es nach amtlicher Leseart keine offizielle Regionsbezeichnung. Historisch gab es einmal eine Provinz Oberhessen, als Bestandteil des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Nach heutiger Leserart verortet man die Region im Landkreis Fulda, in Teilen des Kreises Hersfeld-Rothenburg, dem Wetteraukreis, und in Teilen des Vogelsbergkreises eingewebt zwischen der Rhön und dem Taunus, nördlich begrenzt vom Kellerwald und westlich vom Gladenbacher Bergland. Und um die Verwirrung komplett zu machen ordnet man geografisch Oberhessen der Verwaltungsregion Mittelhessen zu. Jedoch gefühlt bewegt man sich im geologischen Korridor des Vogelsberges, dort wo sich Deutschlands ältester Naturpark befindet und dort wo das größte zusammenhängende Vulkangebiet Europas vorzufinden ist.

Tour 1 Glauberg – Büdingen

Gestartet wird in Glauburg mit einem fulminanten Auftakt. Nach einem 1,2 Kilometer langen Aufstieg zum Glauberg kann man, wenn man frühzeitig unterwegs ist, einen herrlichen Sonnenaufgang just an der Keltenwelt am Glauberg einfangen. Das Museum nebst archäologischem Park ist selbst hochgradig zu empfehlen, jedoch an diesem Tag ist der Weg das eigentliche Ziel. Bereits hier oben kann man die faszinierenden Weit- und Ausblicke genießen, die am langen Ende immer wieder den gesamten Oberhessensteig prägen werden. Unweit der Frankfurter Metropolregion steht man hier in der Kornkammer Hessens, fernab von Fluglärm, Autobahnen, Großstadtmief und der Hektik des Alltages. Willkommen im Rückzugsraum der Rhein-Main-Region.

Der Steig heißt Steig weil man steigt – zunächst hoch zum Glauberg
Kurz vor Sonnenaufgang an der Keltenwelt
Ein genialer Start in einen wunderbaren Wandertag
20 Skulpturen sind als Botschafter des keltischen Kulturerbes vor dem Museum installiert worden
Eine Hammer-Atmosphäre zum Sonnenaufgang behaftet mit einigen Rätseln. Ein keltischer Grabhügel, angeordnete Pfosten und Gräben. Ein Kalenderbauwerk oder ein astronomischer Beobachtungsposten? Noch heute ist man sich nicht wirklich sicher

Ausblicke ernten – so die Devise auf den nächsten Kilometern gen Düdelsheim und weiterführend gen Rommelhausen. Schwere Löß- und Lehmböden prägen diesen Abschnitt. Man kann die Erde förmlich riechen. Die samthügelige Landschaft strahlt dabei eine angenehme Wohlgefälligkeit aus. Man wandert vorbei an den “Steinern”, dort wo ein Aussichtsturm auf dem Weinberg installiert ist. Der Flurname irritiert jedoch, da zumindest in der jüngeren Zeit hier kein Weinanbau betrieben wurde. Hier folgt man zunächst auch der Bonifatiusroute unterhalb des Pfaffenkopfs auf schönen Waldwegen zwischen Hainchen und Himbach hindurch gen Rommelhausen, dorthin wo der Oberhessensteig zunächst in südwestlicher Richtung verschwenkt.

Ein Blick zurück auf das Museum Keltenwelt, welches auffällig unauffällig in die Landschaft integriert wurde
Fotofreude wissen das morgendliche Licht just nach Sonnenaufgang zu schätzen
Bester Lößboden als elementare Grundlage für die Kornkammer Hessens
Auch eine Topwanderstrecke – der Bonifatiusweg. 183 Kilometer von Mainz bis nach Fulda
Start in den Frühling
Der Aussichtsturm auf dem Weinberg
Die sanfthügelige Landschaft – ein klassisches Indiz für die Vulkanlandschaft. Bis hierhin erstrecken sich die geologischen Ausläufer des Vogelsberges
Verdichtet man die Blickachse, so kann man sich auch an scheinbar unspektakulären Dingen erfreuen
Eine besondere Art der Gartenzaungestaltung in Düdelsheim…
..während an anderen Ecken der Zahn der Zeit nagt….
..aber gerade der morbide Charme in der ländlich geprägten Region beeindruckt mehr als versiegelte Vorgärten in Neubaugebieten
..und als Bereicherung beeindruckt zudem die Formensprache der Natur…
… in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen
Selbst Goethe hat, zumindest in Holz fixiert, seinen Weg nach Oberhessen gefunden

Hinter Rommelhausen folgt man den römischen Spuren, denn der Limeswanderweg übernimmt die Regie auf den nächsten Kilometern, wobei punktuell nachgebildete Bauten wie Pallisaden und Wachtürme an die Schmauchspuren der Vergangenheit erinnern. Vor Langen-Bergheim wandert man aus dem Waldgebiet heraus und touschiert zumindest mit seinen Blicken die Metropolregion rund um Frankfurt – sei es das Kraftwerk Staudinger bei Hanau oder der Ausblick auf die Skyline der Mainmetropole. Jedoch – ein Vorteil hat es, wenn man den Oberhessensteig im Uhrzeigersinn angeht – man kehrt dem städtischen Moloch den Rücken zu und konzentriert sich auf das Landschaftsbild der oberhessischen Region.

Frühjahr und Herbst – vielleicht die besten Jahreszeiten um diese Strecke anzugehen
Quasi um die Ecke liegt das Kraftwerk Staudinger bei Hanau
Trotz aller Technokratie der man nicht entfliehen kann…..
..nebenan ist ein anderes Weltbild angesagt….
Als Zebroide werden Hybriden aus Kreuzungen zwischen einem Zebra und einem Pferd bezeichnet. Hier befindet man sich augenscheinlich noch in der Testphase….
Links die Barbaren – rechts die Kultivierten, so zumindest niedergelegt vom römischen Senator Tacticus, der die Germanen als wild, stark, aber absolut unzivilisert beschrieb
Ein nachgebildeter Limeswachturm
Mächtig die Drususeiche, die hier seit mehr als dreihundert Jahren steht und einen Brusthöhenumfang von knapp sechs Meter aufweist
Das Frühjahr übernimmt die Regie in der Landschaft
Ein scharfes Auge oder ein Supertele holt Frankfurt heran – vom Henninger Turm bis zur EZB
und westlich hat man den Feldberg im Taunus auf dem Schirm

Hinter Langen-Bergheim wandert man auf der Hohen Straße, einem mittelalterlichen Handelsweg, der einst Frankfurt am Main mit Leipzig verband. In der Gemarkung Eckartshausen schraubt sich der Oberhessensteig moderat durch einen Waldabschnitt aufwärts zur alten Siedlung Herrnhaag. Anfang des 18. Jahrhunderts siedelten sich hier Glaubensgemeinschaften aus dem sächsischen Herrnhut an. Da man sich hier am Haager Berg befand, nannte man fortan die Siedling Herrnhaag. Weiter geht es zum Thiergartenweiher, der ursprünglich als Landschaftspark im englischen Stil angelegt wurde, später als Truppenübungsplatz zweckentfremdet und nun als Naherholungsgebiet genutzt wird. Vom Thiergartenweiher wandert man abwärts Richtung Büdingen, dort wo man am Basaltblock Wilder Stein einen schönen Blick auf die ehemalige Kreisstadt werfen kann.

Natur pur
Durch eine mächtige Allee geht es…
zum Grafenhaus Herrnhaag
Und vis a vis ein Blick hinüber zur Ronneburg
Bestes Erdreich
Auch im Naturschutzgebiet ist Blech vor Zerfall nicht geschützt….
Am Thierweiherteich
Hinauf zum Wilden Stein oberhalb von Büdingen…
..mit Blick auf die Stadt..
…bis hin in das Zentrum der historischen Altstadt
Büdingen hat eine der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigungen Europas.

Tour 2 Büdingen Herchenhain

Von Büdingen aus startet die zweite Etappe des Oberhessensteiges mit Zielrichtung Grebenhain -Herchenhain. Bis 1972 war Büdingen Kreisstadt. Nach der Gebietsreform ging der ehemalige Landkreis im Wetterkreis auf, dessen Kreisstadt heute Friedberg ist. Obschon die Kernstadt nur knapp 9.ooo Einwohner zählt, hat die Kommune durchaus einen städtischen Flair. Man merkt dies rasch, wenn man weiter auf dem Oberhessensteig unterwegs ist, denn dann geht es in die Hemisphähre von Jottwede, buchstäblich janz weit draußen. Spricht man dort mit den Bewohnern, dann bejammert man einerseits diesen Umstand, auf der anderen Seite genießt man aber auch die ländliche Atmosphäre – je nach Generation und Blickrichtung. Von Büdingen aus geht es zunächst stramm aufwärts durch den kopfsteinpflasterbelegten und gemauerten Berghohl. Es folgt ein unspektakulärer Waldabschnitt entlang eines breiten Wirtschaftsweges der bis nach Michelau führt, dort wo man augenscheinlich eine andere Welt betritt. Ein Hochplateau, aussichtsreich, prall gefüllt mit bester Luft, belegt mit feinen Aussichten bis hinüber gen Spessart und Rhön. Willkommen im JWD-Land. So wandert man auf angenehmen Pfaden bis nach Gedern, eine Kleinstadt, die im Nordosten des Wetteraukreises gelegen ist und sogar als anerkannter Luftkurort firmiert.

Just zum Sonnenaufgang geht es hinein in den nächsten Wandertag
Die Büdinger Stadtmauer mit ihren zwanzig Türmen trägt schon mächtig auf
Durch diese hohle Gasse geht es aufwärts
Fünf Kilometer durch einen drögen Waldabschnitt – einzig die Tümpel beleben die Atmosphäre
Das erste und derzeit noch einzige Schild, welches auf den Oberhessensteig verweist
Jedoch ist dieses Avis zur Landesgartenschau 2027 schon öfters anzutreffen
Wanderwolfe?????
Aussicht, Aussicht….
..Aussicht!
Mächtig und prächtig…
…sowie klein aber fein…
…und linker Hand ein Blick hinüber zum Altkönig und dem Feldberg – beide im Taunus gelegen
Im Zentrum des Schärfebereichs liegen die Reste der “Stumpfen Kirche” von Floßbach
..und zeitig zu Ostern formiert sich am Himmel ein Kreuz
Schauinsland gibt es nicht nur in Freiburg
Wahre Worte
Orientierungsrahmen für Ortsunkundige
Sicherlich etwas überladen – aber mit ungeheuer viel Aufwand und Herzblut hat man den Rastplatz am Wartkopf hergerichtet, was ein Lebensgefühl ausdrückt: Hier ist Heimat
So ist man stolz auf diese Region
Ein ehemaliger Basaltsteinbruch vor Gedern
Aktuell ist das Schloß in Gedern wegen Baustellenbetrieb nicht fotogen – dafür ein Blick auf die Stadtkirche
Wolkenbänder haben sich über die Landschaft zementiert
Blick auf den Hoherodskopf

Tour 3 Sichenhausen – Schotten

Wetterwechsel am dritten Tag. Just an dem Tag, dort wo der höchste Punkt des gesamten Oberhessensteigs erreicht werden wird, schubt eine morgendliche Nebelfront durch. Nicht dramatisch wenn man schon oben auf dem zweithöchsten Gipfel des Vogelbergs gewesen ist. So genießt man eben das Wetterintermezzo und sammelt Eindrücke der besonderen Art. Der ausgedünnten Nahverkehrsversorgung in diesem Landstrich Rechnung tragend, startet diese Tagestour in Sichenhausen, dem Nachbarort von Herchenhain. Offiziell führt der Oberhessensteig über die Herchenhainer Höhe, eine durchaus sinnvolle Streckenführung, jedoch nebelwandbedingt aussichtslos. So geht es alternativ auf offiziellen Wanderwegspfaden, die noch junge Nidder querend, moderat aber stetig aufwärts zum 764 Meter hohen Hoherodskopf, den man als Erlebnisberg klassifiziert hat. Kein Wunder, denn hier wird die gesamte Klavitur der Freizeitindustrie bespielt. Ski, Snowboard, Langlaufloipen, Rodeln, Fatbike, Sommerrodelbahn, Segeln, Kletterpark und natürlich auch Wandern. Wer noch nicht hier oben war, sollte jedoch auf eine gute Wetterlage achten um die hervorragenden Aussichtsmöglichkeiten einzufangen.

Start in Sichenhausen
Rund drei Dutzend Bäche entspringen am Vogelsberg
Vulkangestein prägt hier das Landschaftsbild
Zwei Hauptwanderwege und zahlreiche Schleichpfade führen aufwärts zum Hoherodskopf
Ein typisches Landschaftsbild
In Kürze dockt hier schildertechnisch noch der Osthessensteig an
Ski und Rodel gut….
Ziemlich nebulös….
Von wegen Ski und Rodel….
…hier fängt es an zu blühen…
Die Funkübertragungsstelle Schotten 1 – am frühen Morgen regelrecht abgetaucht
Willig war ja der Chef am Berggasthof Hoherodskopf – jedoch wenn ein Wanderer zwei Stunden vor Öffnung nach einem Kaffe nachfragt, wird eine Wartezeit von dreißig Minuten avisiert bis die High-Tech-Anlage hochgefahren ist….
..und der Baumkronenpfad ist noch zugesperrt….

Aber auch eine morgendliche Nebelwanderung hat ihre Reize. Vom Hoherodskopf geht es hinüber zum höchsten Gipfel des Vogelsberg, dem Taufstein, dort wo ein gewaltiges Basaltsteinmassiv als Restspuren der vulkanischen Tätigkeit übrig geblieben ist. Weiter geht die Tour, die man durchaus als Königstetappe des Oberhessensteigs klassifizieren kann, zur Breungeshainer Heide. Hier schnuppert man Moorluft und hier kommt man an der Niddaquelle vorbei, ein Fluss, der neunzig Kilometer weiter bei Frankfurt-Hoechst in den Main entwässert.

Hat sich hier irgend etwas verändert????
Basaltblöcke am Hoherodskopf
Links geht es abwärts zum Rhein, rechts hinab zur Weser
Der Taufstein – der höchste Gipfel am Vogelsbergplateau
Irgendwie passt das Wetter an diesem Tag…
Ein typisches Moorgebiet
An der Niddaquelle
Moor- und Heidegebiete bieten stets eine außergewöhnliche Atmosphäre
Und an einigen Ecken frostet es noch….
Beschilfte Torfhügel vermitteln eine eigene Dynamik der Landschaft

Von der Breungeshainer Heide führt der Steig vorbei am Flößerteich hinüber zur Taufsteinhütte, eine bemerkenswerte und sehr zu empfehlende Adresse zur Einkehr. Nach einer Kaffeepause geht es zum Tagesschlußspurt, über die Heidelandschaft, die sich rund um den Gackerstein auffaltet, weiterführend über den den Weiler Michelbach zur Tagesziel Schotten, eine hübsche Kleinstadt mit schönen historischen Bauten und nach eigener Darstellung im Herzen des Vogelsberg gelegen. Und tatsächlich, man fühlt sich sofort wohl wenn man die Altstadt von Schotten erreicht hat. Klein – aber fein.

An der Taufsteinhütte
Hier kann man auch in Fässern nächtigen
..oder alternativ auf dem Hochsitz ruhen….
Das erste Gipfelkreuz am Oberhessensteig auf dem 663 Meter hohen Gackerstein
Von nun an geht es abwärts….
mit Zielrichtung Schotten….
Ein gewaltiges Tentakel aus Holz
Einmal quer durch Michelbach – einem Ortsteil von Schotten
Die Alteburg – eine abgegangene Wasserburg in Schotten

Tour 4 SchottenNidda

Szenenwechsel am nächsten Wandertag. Nachdem die ersten drei Wandertage von fulminanten Ausblicken geprägt waren, verdichtet sich an diesem Tag zunächst das Blickfeld. Gestartet wird am Vulkaneum in Schotten, dort wo man im Rahmen einer interaktiven Ausstellung insbesondere den Nachwuchs für das Thema Vulkanismus begeistern kann. Die Nidda querend schraubt sich der Oberhessensteig gemächlich aufwärts zum Geotop Alteburgkopf, dort wo man sich ebenso vor Ort über die Vulkanregion und über eine frühgeschichtliche Ringwallanlage informieren kann. Auf schönen Waldpfaden geht es unterhalb des Saubergs zum Niddastausee der einst aus Gründen des Hochwasserschutzes vor mehr als fünfzig Jahren errichtet wurde und heute ein beliebtes Naherholungsgebiet nicht nur für Wassersportler ist.

Im Vulkaneum brodelt es nur noch virtuell
Schloß Nidda – eine ehemalige Wasserburg aus dem frühen 17. Jahrhundert
Die Schmauchspuren vulkanischer Tätigkeiten am Geotop Alteburgkopf
..wobei das kleine Plateau als Gedenkstätte genutzt wird
Ein kleiner Naturkorridor zwischen dem Geotop und dem Niddastausee
Das Morgenlicht ist schon brutal
Alle Sequoias fangen klein an….
Mit 87 cm augenscheinlich Niedrigstand am Niddastausee – die erste Meldestufe setzt bei 310 cm ein

Hinter dem Stausee ist zunächst für die nächsten neun Kilometer eine ruhige Waldpassage angesagt. Auf stillen Pfaden führt der Steig gemächlich aufwärts, um kurz vor Eichelsdorf abwärts zur Nidda zu verschwenken, dort wo man auf der Gegenflanke ebenso gemächlich wieder aufwärts steigt. Am Schmittener Blick kann man wiederum Ausblicke ernten. Oberhalb der Weiler Ober- und Unterschmitten weitet sich die Sichtachse bis hinüber zum gegenüberliegenden Taunus. Hier macht man gerne Rast und genießt die Wetterauer Hutungen, ein schafbeweidetes Magerrasenareal welcher hier sorgsam gehegt und gepflegt wird. Einzig was an diesem Tag fehlt sind die Schafe.

Hier hat man auf dicke Hose gemacht – die Rote Brücke ist ein profanes verrostetes Brückengeländer, die den kleinen Gierbach überspannt
Lediglich ein kleiner Tümpel sorgt für ein wenig Abwechslung auf dieser Waldpassage – jedoch auch gegen eine längere Waldpassage zur Abwechslung ist nichts einzuwenden
Im ländlichen Bereich ist Pragmatismus angesagt….
..und alte Schilder erfüllen immer noch ihren Zweck….
..und für harte Zeiten konserviert man sogar den Schaps in Dosen..
Am Schmitter Blick kann man wieder weitreichende Ausblickmöglichkeiten einsammeln
Durch die Wetterauer Hutungen

Spannend wird es nochmals vor dem Weiler Michelnau. Ein Dreierpack bestehend aus Geotop, Isotop und Industriedenkmal erwartet den Wanderer. Hier gibt es sogar den “Verein Freude des Steinbruch Michelnau”, der das aufgelassene Areal hegt, pflegt, ertüchtigt und im Rahmen von Führungen zugänglich macht. Auf jeden Fall ein markanter Point of Interest der einmal mehr den Oberhessensteig bereichert. Michelnau querend führt die Passage hinüber nach Nidda, dem Tagesendpunkt dieser vorletzten Oberhessensteig-Passage.

Stilvoll waren sie schon – die alten Wegweiser
Zum Steinbruch Michelnau
…dort wo Geräte und Maschinen mittlerweile als Industriedenkmäler klassifiziert sind
..und dort wo man die Technik des Abbaus bestens studieren kann
Auf dem Weg nach Nidda
Vermutlich eine der ältesten Niddabrücken – die Mühltorbrücke in der Kommune Nidda
Ein weiteres Unikat in der Stadt. Von der einstigen Johanniterkirche steht nur noch der spätgotische Glockenturm. Der Rest – geschliffen

Tour 5 NiddaGlauburgStockheim

Angemessen. Man kann die letzte Etappe auf dem Oberhessensteig durchaus als gelungene Abrundung des gesamten Trails bezeichnen. Der Kreis schließt sich – man kehrt zurück zum Glauberg, dort wo man zum Auftakt die Keltenwelt begegnete – und man wandert an der Westflanke der Vogelsbergausläufer gefühlt im Windschatten des gesamten Steiges, als dezenter Abgang im Gesamten. Los geht es am Bahnhof in Nidda. Von dort geht es nach einem Kurzanstieg in den Kurparkbereich von Bad Salzhausen. Aktuell wird hier mächtig gearbeitet, denn der Kurpark wird eines der Epizentren der Landesgartenschau 2027 sein, die offiziell in zwölf Monaten eröffnet wird. Von hier aus wandert man über einen kleinen Höhenzug hinüber in das benachbarte Geiß-Nidda, dort wo gepflegte Immobilien in aussichtsreicher Lage die Attraktivität dieses Gemeindeteils von Nidda unterstreichen.

Gestartet wird am Bahnhof von Nidda
Gehoben der Standard in Bad Salzhausen
Im Kurpark wird aktuell alles auf links gedreht
Jedoch kann man sich ohne Probleme am Gradierwerk stundenlang einsalzen lassen
Kunstobjekte dürfen natürlich in einem Kurpark auch nicht fehlen
Nach der Salzanwendung inhaliert man hinter Bad Salzhausen Agrarlandschaft pur

Westlich von Geiss-Nidda geht es in den Wald. Man unterquert die A45 und erreicht, kurz vor Echzell, dort wo sich wieder Sichtachsen gen Vogelsberg eröffnen, den Ottoteich – ein sehr idyllisches Fleckchen. Offiziell ist die Teichanlage als Angelgebiet deklariert, doch kann man auch hier eine schöne Pause einlegen und die Teichidylle inmitten des Waldes genießen. Entschleunigung auf hohem Niveau, was auch ein Angler bestätigt, der sogar die Nacht hier verbrachte. Raus aus dem Wald – rein in die Zivilisation. So führt die Passage durch Echzell, dem sich anschließenden Gittenau und vorbei am Bingenheimer Ried hinüber in das benachbarte Bingenheim.

Waldidyll Ottosee
Hier gilt die Devise: hinsetzten und entschleunigen….
…bis man anfängt zu halluzinieren….
Man muß sich schon quälen um diesen Platz zu verlassen
Eine beeindruckende Arbeit – das Holocaust-Mahnmal in Echzell
Vorbei am Schloß Bingenheim

Hinter Bingenheim steigt man, den Taunus im Rücken habend, aufwärts und taucht noch mal in die Weiten der Agrarlandschaft ein. Abermals die A45 querend erreicht man die Ortschaft Dauernheim. Hier könnte man sogar ein Mühlenmuseum besichtigen, wenn die Einrichtung geöffnet wäre. Hinter Dauernheim quert man die hier noch vor sich hin dümpelnde Nidda um in der Folge Ober-Mockstadt zu queren bevor man schlussendlich den Bahnhof von Stockheim erreicht, dort wo man im Stundentakt nach Nidda zurückfahren kann.

Wer auch immer das herausgefunden hat. Oberhalb von Bingenheim steht Deutschlands ältester Süßkirschenbaum
Und das nächste Superlativ kann man in Dauernheim erwandern. Hessens steilste öffentliche Straße
Entspannter geht es hingegen an der Nidda zu
Vor den Toren von Stockheim steht das beeindruckende Hofgut Leustadt
Der Kreis hat sich geschlossen – Blick auf den Glauberg auf dessen Rückseite die Keltenwelt steht

Der Oberhessensteig im Wandercheck: Oberhessen war in der Vergangenheit nicht zwingend im Fokus. Jedoch, das wird sich ändern, denn das Hessenland wird um eine neue Wanderdestination bereichert. 160 Kilometer und 4.090 Höhenmeter – und wie dargestellt in fünf angenehmen Tagesetappen gut gangbar. Sicherlich, prozentual erscheint der Anteil der befestigten Wege nicht unerheblich. Wenn man jedoch nicht zur Fraktion der Premiumswanderwegzertifizierungsfetischisten (ein herrliches Wort mit einundvierzig Buchstaben) zählt, so kann man geflissentlich darüber hinweg sehen. Denn der Oberhessentsteig begeistert und beeindruckt im Gesamtpaket – und einzig das zählt! Der Weg in Gänze ist ein Genuß für Alle, die Ausblicke genießen können und gewillt sind naturelle und kulturelle Kleinode zu entdecken. Offiziell wird der Oberhessensteig in neun Etappen konfektioniert werden. Mit der Markierung des gesamten Steiges, die im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden soll, wird demnächst gestartet. Lobenswert ist auch die offene Kommunikationskultur unter Federführung des Vogelsberger Höhen Clubs und des Vereins Oberhessen. Bereits jetzt werden schon Wanderveranstaltung angeboten, um Wanderbegeisterte frühzeitig für den neuen Wanderweg begeistern. Allemal ist der Oberhessensteig eine dicke Empfehlung in dem wunderbar wanderbaren Oberhessen, welches eigentlich in Mittelhessen liegt, aber alles daran setzt eine eigene Identität zu schaffen – und mit dem neuen Wanderangebot hat man einen klaren Akzent gesetzt. Und wenn eine oberhessische Brauerei ein Bier namens Schlammbeiser braut, dann verdeutlicht sich einmal mehr, dass mittlerweile alle Kanäle bespielt werden…..

So wird die Markierung des neuen Oberhessensteiges aussehen

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