Dodentocht Bornem 2017

Bornem, der 11. August 2017.

Dodentocht – internationale Long-Distance-Walker zucken ehrfurchtsvoll zusammen, wenn sie diesen Namen hören. Dodentocht – eine Tortur? – ein Kultmarsch? – ein Volksfest? – oder eine jener Dinge die auf der langen Liste „1000 things you should do before  you die“ stehen? Makaber zunächst der Name.  „Dodentocht“ auf flämisch – übersetzt „Todesmarsch“. Mittlerweile ist der rote Totenkopf mit dem Signet „DODENTOCHT KADEE BORNEM“ eingetragenes Warenzeichen und wird bereits kommerziell eingesetzt und vermarktet.

Man schreibt den 19.Oktober 1968. Ein gewisser Luc Rijck gründete im belgischen Bornem, unweit von Antwerpen und Brüssel entfernt, einen Wanderverein namens „Wandelclub Kadee Bornem“ 1969 nahmen Luc und einige Mitwanderer an den „4 Daagse von Nijmwegen“ teil und waren fortan infiziert vom Virus der Langstreckenwanderer.  So beschloss man 1970 im heimischen Bornem erstmals eine 100 Kilometer Wanderung durchzuführen. Mehr oder minder unbedarft zogen 72 Wanderer aus dem „Kelderke“ (Kellerchen) los. Nach 100 Kilometern kamen 47 Teilnehmer an das Ziel, darunter eine Frau aus den Niederlanden, was dieser Veranstaltung schon einen internationalen Touch verlieh. Niemand konnte damals erahnen, daß damit der Grundstein zu der berühmtesten 100-Kilometer-Wanderung in Europa gelegt wurde.

Ankunft in Bornum: Von hier aus, der Bahnstation, sind es noch 200 Meter bis zum Zentrum
13 Stunden vor dem Start: Ein Blick vom Logenplatz, dem gegenüberliegenden Hotel T,Land Bornem, auf das Hauptzelt der Veranstaltung.
„Er wordt getakeld“ Die Innenstadt ist vor dem Marsch zu räumen
Die Fußgängerzone ist schon eingerüstet mit den Jahresteilnehmerzahlen der letzten 47 Veranstaltungen

Man schreibt den 11. August 2017, 21:00 Uhr. Dreizehntausenddreißig registrierte Teilnehmer aus 34 Ländern starten in eine laue Nacht um innerhalb von 24 Stunden 100 Kilometer zu absolvieren. 13.030 Teilnehmer – ein absoluter Rekord in der 48jährigen Dodentochtgeschichte.  Wurde bereits 1974 in der fünften Veranstaltung die magische Zahl von 1.000 überschritten, 1987 der Marsch mit 4.518 bereits zur größten 100-Kilometer-Wanderveranstaltung Europas,  verbuchte man 1992 5.000 Teilnehmer und 2009 lag die Anzahl der Starter über 10.000.

11:00 Uhr: Die Einrüstung des Hauptzeltes (Anmeldung/Ziel) läuft auf Hochtouren. Man merkt, die Stadt ist im Dodentochtfieber
11:00 Uhr: Der Dodentochtshop ist eröffnet – Heiß begehrt sind T-Shirts und sonstige Utensilien mit dem Dodentochtlogo
11:30 Uhr: Noch eineinhalb Stunden bis zur Öffnung der Registrierungsstelle. Bis zum Schluß wird noch Hand gelegt – augenscheinlich läuft alles Hand in Hand
Das markante Symbol des Kultmarsches

Die Veranstaltung selbst ist hochprofessionell organisiert. Mehr als 1.300 ehrenamtliche Helfer betreuen die teilnehmenden Wanderer.  Davon sind 475 Rote-Kreuz-Helfer im Einsatz, zusammen mit fünf Schnelleinsatz-Interventionsteam. Beeindruckend alleine die Zahlen des Equipments der Rot-Kreuz-Helfer: 5.000 Pflegepakete, 10.000 Verbände, 3.000 Nadeln (um Blasen aufzustechen), sechs Kilometer Verbandsmaterial und 30 Liter Massageöl.

12:30 Uhr: 30 Minuten noch bis zum Start der Registrierung. Anstehen in der Schlange ist jedoch im Nachgang betrachtet absolut überflüssig. Bereits eine Stunde später kann man ohne Wartezeiten locker zur Anmeldung durchmarschieren.
Personenvereinzelungskorridore wie im Disneyland, jedoch…..
..immerhin ist in zehn Minuten auch bei diesem Andrang die Registrierung abgeschlossen…..
..und das Startpaket inklusive RFID-Chip und T-Shirt gesichert.
Cleveres Marketing – ein deutscher Ausrichter macht Werbung in eigener Sache für 2018
Noch fünf Stunden bis zum Start. Die Fußgängerzone ist mittlerweile eingerüstet für die Wander- und Zuschauerschar.
Noch sind die Wetterbedingungen ideal – trocken, 20 Grad, ein leichter lauer Wind

Zur Betreuung der Wanderer sind dabei 14 Kontrollpunkte eingerichtet mit mehr als ausreichender Verpflegung einschließlich entsprechender WC-Einrichtungen  für die Teilnehmer. Bereits hier kann man erahnen, welcher logistische Aufwand notwendig ist, um eine derartige Veranstaltung reibungslos durchzuführen. Jeder Wanderer wird darüber hinaus elektronisch begleitet. Der Umhänger mit der Startnummer ist mit einem RFID-Chip bestückt, wobei an den jeweiligen Kontrollstellen einschließlich Start und Ziel, Ort und Uhrzeit gescannt werden. Mittels einer speziellen Web-App ist somit ein Real-Time-Tracking möglich, damit Freunde und Familienangehörige nachvollziehen können, wo der Wanderer gerade unterwegs ist, inklusive Vorausberechnung der Ankunft zum nächsten Kontrollpunkt. Betreutes Wandern eben auf hohem Niveau.

Ein Plausch mit dem Mann am Mikrofon, der die nächsten 24 Stunden moderieren wird: Die Top 5 der ältesten Teilnehmer zwischen 80 und 88 Jahre alt, bei den Frauen liegt die Bandbreite zwischen 73 und 79 – und die Jüngsten starten ab 15
Die Hitliste der Teilnehmer, die am öftesten dabei waren: 39 mal Dodentocht – wobei der Rekordhalter hier nicht sichtbar ist (siehe Bericht)
Vier Stunden vor dem Start: Die Einen vertreiben sich die Zeit mit Sudoku….
..die Anderen genießen das leckere belgische Bier (was der Kameramann festhalten mußte)…
..und ein Odenwälder Wanderer zieht sich nochmals zur Ruhepause in das gegenüberliegende Hotel zurück…
Zwei Stunden vor dem Start: Die Massen strömen vom Bahnhof und fluten das 21.000 Einwohner zählende Bornem
Noch 1 Stunde und 30 Minuten bis zum Start: Das Spektakel wird mit dem traditionellen Sargumzug eröffnet. Der Sarg als Metapher für die Schmerzen und Qualen die der Wanderer zu erwarten hat… irgendwie makaber
Immerhin die Kistenträgerin nimmt es humorvoll….
Die Zuschauer positionieren sich und suchen die besten Plätze vor dem Start. Es läuft rund an den Grillständen, den Büdchen, und der Außengastronomie
19.45 Uhr: Die Teilnehmer machen sich auf zum Startplatz. Am Wanderequipment vieler Teilnehmer ist unschwer zu erkennen, dass hier Profiwanderer unterwegs sind
Die Teilnehmer haben die Möglichkeit ein Gepäckstück aufzugeben, um zur Halbzeit bei Kilometer 53 das Equipment zu wechseln
Letzte Vorbereitungen vor dem Start: Raus aus den Flip-Flops, rein in die Wanderschuhe
Unvorstellbar die Massen die zum Startplatz strömen
Manch einer hat gleich sein Zweitpaar mitgenommen
Jeder Rucksack wird kontrolliert, denn in Belgien herrscht nach wie vor Terrorwarnstufe 3
Nach der Kontrolle ein Securityband, als Kontrollnachweis
Auch zur Sicherheit: Der letzte Gang vor dem Start

Apropos Wandern. Kann der Dodentocht als Wanderung klassifiziert werden? Hier gibt es unterschiedliche Ansichten. Wandern im klassischen Sinn ist eine Form des weiten Gehens (ja), verbunden mit einem Naturerlebnis (eher weniger), eine gemäßigte Sportart (eher nein), die mit einer angepassten Ausrüstung (sicherlich) absolviert wird.  So könnte man eher geneigt sein, den Begriff „Marsch“ für diese Veranstaltung zu verwenden. Marsch (französisch marche (Gang, Wanderung) bezeichnet zumeist einen geordneten Aufzug von Menschen. Dabei kann auch ein längerer Spaziergang als Marsch bezeichnet werden.  Militärisch kennt man auch den sogenannten Eilmarsch. So ließ beispielsweise 1805 ein französischer General die Infantrie von Wien nach Austerlitz 120 Kilometer in 50 Stunden marschieren. Dodentocht –Todesmarsch diese Bezeichnung ist letztendlich  auch historisch mit schrecklichen Beispielen belegt. Hierzu gibt es jedoch auch seitens des Veranstalters ein klares Bekenntnis. „Der Dodentocht ist eine besondere Anforderung an sich selbst. Vergessen Sie nicht, die Veranstaltung zu genießen. Wandern ist kein Krieg, sondern ein Fest“.

19.55 Uhr: Noch eine Stunde und fünf Minuten bis zum Start
Auch Soldatenverbände sind am Start
Im Nachgang betrachtet sollte man die Empfehlung des Veranstalters eine Stunde vor Startbeginn anzutreten schlichtweg ignorieren. Man erspart sich eine Stunde Herumsteherei und kann locker zum Schluss das Feld von hinten aufräumen, da 30 Minuten auf 100 Kilometer keine Rolle spielen.
Trotz allem – um 21.10 Uhr habe ich schon die Möglichkeit einen Fuß vor dem anderen zu setzen…..
Und von Anbeginn säumen Zuschauer die Bürgersteige
Einwandfrei und tadellos die Markierung
High-Tec auf dem Trail: Dank RFID-Technologie ist jeder Teilnehmer auf dem Schirm
Für die Anwohner ist die Veranstaltung natürlich ein Riesenspektakel
..und Humor haben sie auch die Belgier……
Idealtypisches Bild am Rande des Trails: Man macht es sich im Vorgarten gemütlich und wundert sich über die Massen derer, die an diesem Wahnsinn teilnehmen…..
Erstmals geht es durch durch die Fußgängerzone von Bornem….
Jung und Alt ist auf den Beinen……
Selbst in den Nebenstraßen drängen sich die Schaulustigen
Hinter dem Ortsausgang von Bornem ist schon Streckenteilung angesagt: Entweder am Deich entlang, oder entlang unterhalb davon
Auch auf freiem Feld stehen Zuschauer
Verboten für Radfahrer und Fußgänger – heute nur Wanderer…..
Einige Kilometer später: die Einen wandern am Deich, die Anderen parallel an der Häuserfront. Tipp: Oben ist es luftiger
Auf dem Weg Richtung Branst
Und im Stechschritt geht es durch den ersten Kontrollpunkt
Vorgesorgt ist für Alle: Wasser aus der Leitung zum Nachfüllen…
50 Meter Trinkbecherstraße….

Mit dieser Einstellung behaftet ist man sicherlich auf der richtigen Seite, wobei man als Teilnehmer zwei Punkte zu beachten hat. Der Asphaltanteil der ausnahmslos flachen Gesamtstrecke beträgt 95%. Bänder und Knochen werden demnach strapaziert.  Die Zeitfenster der einzelnen Kontrollstationen sind streckenadäquat gesetzt. So war beispielsweise der erste Haltepunkt frühestens eine Stunde nach Start für drei Stunden geöffnet. Wer zu früh oder zu spät kommt, hat am langen Ende Pech. Da erfahrungsgemäß 30 Minuten benötigt werden, bis der letzte Starter durch den Erstscan gegangen ist, endet die Veranstaltung offiziell um 21:30 Uhr in Bornem, also 24,5 Stunden nach dem offiziellen Start.

Nach der Trinkpause ist vor der Trinkpause: Mit einer guten Schlagzahl geht es weiter
Partyzone Branst…
Ob Discolight-Show….
….Musikkapellen….
…Jungrocker….
… ELVIS……..
…Trommler…..
…oder Akustikexperten….
..hier tanzt der Bär und zwar rund um die Uhr….
Nach 18 Kilometern ist Bornem wieder erreicht
Mitternacht in Bornem: ..das Seniorenheim wurde kurzer Hand geräumt und die betagten Bürger freuen sich sichtlich über diese Abwechslung
..und nebenan dampft der Kessel….
….hier ist ein Logenplatz für die Zuschauer (by the way: Fotografieren ist lebensgefährlich, man läuft Gefahr von hinten überrannt zu werden)
Am zweiten Kontrollpunkt: Die Ersten die am Boden mit lädierten Füßen liegen – die kämpfenden Truppen……

Traditionsgemäß findet die Veranstaltung am zweiten Freitag eines jeden August statt. Man merkt dass in der ganzen Region Ausnahmezustand herrscht. Die Anwohner in Bornem und um Umgebung sind in regelrechter Volksfeststimmung. Gastronomische Einrichtungen rüsten sich ein für den Massenansturm. Nach inoffiziellen Angaben verzeichnet man jährlich 100.000 Zuschauer entlang der Strecke. Anwohner verlagern ihre Wohnzimmer nach draußen. Musikbeschallungsanlagen berieseln die vorbeirauschenden Wanderer, manch ein Anwohner stellt zusätzlich Wasser, Obst oder Chips zur Verfügung. Ungeachtet der Uhrzeit – auf der Strecke ist permanent etwas los. Dies mag natürlich auch für eine Vielzahl der Teilnehmer ein besonderer Anlass sein, diese Veranstaltung zu besuchen. Per se handelt es sich dabei nicht um eine Wander- oder Marschveranstaltung,  sondern um eine große Party, die von tausenden von Langstreckenwanderern durchquert wird.

00:02 Uhr Scan bei Kilometer 18,1 – 2 Stunden 58 Minuten – ein gutes Marschtempo zu Anbeginn
Abwechlsungsreich auch die Verpflegung an den einzelnen Stationen
Gute Orientierungsmarke: 7,4 Kilometer zur nächsten Kontrollstelle . Aktueller Zeitpuffer: Zwei Stunden und 47 Minuten – durchaus machbar für diese Distanz
Genial: Das Wohnzimmer wird kurzerhand nach draußen verlegt
Eine Band hat sich nebenan positioniert
..und in den umliegenden Kneipen wird scheinbar rund um die Uhr gefeiert
Das größte Manko dieser Veranstaltung: Asphalt- und Hartbelagsquote: 97%
In Wintam ist die Hölle los. Die Glocke des Kirchturms läutet im Marschtakt während 13.000 Wanderer vorbeiziehen
Der schönste Teil des Trails……
..vorbei am Schloss d,Ursel – Sitz einer belgischen Adelsfamilie. Feuerschalen sind entlang des Parcours aufgestellt – eine gigantische Atmosphäre

So gesehen vergeht die Zeit wie im Fluge. Die Straßen hell erleuchtet und angesichts der Massen die sich auf dem Trail befinden kann man getrost auf eine Stirn-/Taschenlampe verzichten. Die Wegekennzeichnung ist Spitzenklasse – verlaufen unmöglich.  Aus Vereinfachungsgründen folgt man seinen Vorderleuten. Gefühlt 5.000 Mitwanderer vorne und 8.000 Wanderfreunde hintendran – verlaufen kann man sich hier nicht wirklich.

Ankunft in Wintam um 1:21 Uhr – Zeitpuffer für 5,4 Kilometer 3 Stunden und 40 Minuten – das sollte genügen
Verpflegung on the fly…..
Morgens um 01.30 feuern die Jungs die vorbeiziehenden Wanderer kräftig an….
…während der alte Häuptling mit stoischer Gelassenheit die Herde an sich vorbeiziehen läßt….
Einige Meter weiter wird Party pur gefeiert
Eine Oase der Stille: Kanalwanderung Richtung Ruisbroek
Zur Abwechslung gibt es hier mal Kraftfutter
Just in time: Ein Drittel geschafft: 31 Kilometer in exakt fünf Stunden

Zweifelsohne ist die Nachtpassage die Attraktivste. Spektuläres kann man auf der Partymeile entlang der Strecke entdecken, die ruhigen Abschnitte zwischen den Ortschaften kann man auf dem Deich entlang der Schelde genießen. Vor Tagesanbruch setzt leichter Niesel ein, der sich entlang der Tagstrecke weiter fortsetzt. So bleibt tagsüber die Hauptpassage trist  und grau – wobei die Attraktivität der Streckenführung entlang der asphaltierten Wege deutlich zu wünschen übrig lässt. Würde man selbst eine Wandertour durch diese Region wählen, dann sicherlich nicht mit solch einer Streckenführung. Aber den Umstand respektierend, dass eine derartige Massenveranstaltung nur auf entsprechenden Abschnitten zu bewältigen ist, muss man die Brille „Wandergenuß“ ablegen.

Irgendwie sympathisch: Braukessel als Kreiseldekoration
Stirnlampe ist hier absolut überflüssig
Eine große Verpflegungsstation ist bei Kilometer 37,4 eingerichtet
Wer Lust hat, kann die Kletterwand erklimmen….
als Alternative bietet sich ein warmes Süppchen….
..ein lauwarmes Wässerchen….
…oder ein kühles Bierchen an…….
03:29: Die härteste Nachtpassage setzt ein

Mehr als beeindruckend ist die hervorragende logistische Organisation der Veranstaltung. Selbst bei großem Andrang wickeln die Helfer an den Kontrollpunkten den Ansturm reibungslos und ohne Störungen ab. Ohne lange Wartezeiten kann man sich mit Getränken und Essen versorgen. Vorbildlich auch das Verhalten der Teilnehmer. Kein Gedrängel, kein Geschubse,  diszipliniert auch die Abfallentsorgung – was bei anderen Sportveranstaltungen nicht selbstverständlich ist. Reibungslos auch die hervorragende Unterstützung der Polizeikräfte, die bei Querung von Verkehrsstraßen für die notwendige Sicherheit der Teilnehmer sorgen.

Hinaus geht es in die Nacht – eine Regenzone rückt an…
..ungeachtet dessen: unverdrossen wird Party am Wegesrand gefeiert – zur Not mit Regenschutz
Der Regen jedoch moderat bei insgesamt milden Temperaturen
Ankunft bei Kilometer 53. Hier warten auf die Teilnehmer die deponierten Gepäckstücke. Schon spannend welch Reisegepäck manch ein Wanderer geschnürt hat. Persönliches Empfehlung: Ein paar Wechselsocken, eine Regenjacke, eine Flasche Wasser am Mann – haben vollauf genügt
6.45 Uhr: Familienangehörige, Freunde und Zuschauer erwarten die Wandermatadoren zur Halbzeit
Nach 53 Kilometern sind einigen Teilnehmern die Strapazen anzusehen…
Für mich ist nach 9 Stunden und 30 Minuten die erste Sitzpause angesagt….
Manch einer hält ein Nickerchen oder entlüftet die Schuhe
..während die kämpfenden Einheiten schon wieder am Boden liegen…..

Auch wenn von den mehr als 13.000 Teilnehmern 11.803 aus Belgien kommen, ist die internationale Beteiligung beachtlich. Mit 958 Startern steht Deutschland auf Platz 2, gefolgt von den Niederlanden mit 713 Wanderfreunde und 168 Dänen. Ebenso beeindruckend ist das Altersspektrum. Zwei 88jährige sind als Starter gemeldet und die jüngsten Teilnehmer sind gerade einmal 15 Jahre alt.  as man auch beeindruckt, ist die Anzahl der Wanderer, die im hohen Alter noch ein beachtliches Marschtempo vorlegen. Allen voran der 76jährige Hugo Bonnyns, der nach 18 Stunden und 30 Minuten!!!!!! zum 46. Mal!!!!! die Ziellinie des Dodentochts überquert. So gibt es auch einen Club der 30er – hierbei sind all diejenigen vertreten,  die bereits 30 mal und mehr den Dodentocht gefinisht haben.

Nach 45 Minuten erholsamer Rastzeit gilt es den inneren Schweinehund zu überwinden
Eine der wenigen Waldpassagen durch Flandern…
Ab und an macht der Regen eine Pause….
Eine Unsitte: Eine Vielzahl von Freunden und Angehörigen folgen den Wanderern mit dem Auto, um neben den in ausreichender Anzahl bestehenden Verpflegungsstationen noch eine Individualversorgung zu gewährleisten. Wobei gegen eine Leberwurstsemmel wäre jetzt auch nichts einzuwenden……
Relativ trist der Gang durch eine Vielzahl von kleineren Ortschaften
Opdorp – eine größere Kommune ist erreicht
Das könnte fast ein Kölner Spruch sein…..
Ein kleiner Durchhänger bei Kilometer 67……
..jedoch ein Zeitpuffer von 4 Stunden und 20 Minuten für 5,4 Kilometer, das erscheint machbar
Asphaltplatte reiht sich an Asphaltplatte….
..hier wird es eng für die Wanderschar….
und dieser Wandergeselle ist tiefenentspannt….
11.30 Uhr: 75 Kilometer sind geschafft
Es gibt schon tolle Schilder……
Gedaan 80 km – not ge gaan 20 km
Asphaltfrühstück – bei Kilometer 80 werden manche Konventionen gebrochen
Gut zu tun hatte das Rote Kreuz. Nach offiziellen Verlautbarungen waren bei dieser Veranstaltung extrem viele Blasenopfer zu behandeln. Kein Wunder: bei der Vielzahl von dünnen Sportschlappen sind feuchte Füße bei nassem Wetter vorprogrammiert
Ein Farbtupfer bei tristem Wetter
Langsam bricht die Sonne durch und die Straßengang feiert munter weiter
Dem ist nichts hinzuzufügen…..
Kaffee und Kuchen an der letzten Konttrollstation
Gezeichnet von den Spuren des Marsches….
13:47 Uhr: Zielankunft vor 21 Uhr sollte machbar sein
Regenschirminnovation

Spektakulär ist natürlich der Zieleinlauf flankiert von dichten Zuschauerreihen.  Mit lautstarken Ovationen werden die Finisher in  das Ziel geklatscht. Besonders aufmunternd insbesondere die Reaktionen bei denjenigen die sich mit blasenübersähten Fußsohlen und oder muskelverhärteten Beinen unter sichtlichen Schmerzen in das Ziel quälen. Man leidet bei jedem Schritt sichtlich mit und muss sich auch die Frage stellen, ob im ein oder anderen Fall der Punkt des Ausstiegs verpasst wurde. Oftmals mangelt es aber auch an entsprechender Einsicht. Kurz nach Zielleinlauf erlebe ich alleine drei Mitwanderer, die kollabieren und vom Roten Kreuz versorgt werden müssen.  2010 wurde der 41. Dodentocht von einem Todesfall überschattet. 300 Meter vor der Ziellinie erlitt ein 59jähriger einen Herzstillstand. Natürlich nehmen auch Ausnahmesportler an solch  einer Veranstaltung teil. Bereits um 07.00 Uhr morgens erreichte nach 10 Stunden ein 28jähriger Belgier das Ziel. 300 weitere Speedhiker waren bereits bis  10.00 Uhr angekommen – während der letzte Finalist um 21:36 das Ziel erreichte. Am Ende haben 8.593 Teilnehmer, respektive 66 Prozent das Ziel erreicht

Unglaublich – auch einige Rollstuhlfahrer haben erfolgreich den Dodentocht absolviert
Alles Banane…
Die letzten Kilometer – eine schöne Strecke auf dem Deich…..
15:15 Uhr: Die letzte Kontrollstelle…..
Der Countdown läuft: noch 5 Kilometer
Zieleinlauf in Bornem bei Sonnenschein
Die letzte Kurve vor dem Ziel
16:12 Uhr Check in-  scan out – von hier noch 15 Meter bis zur Dusche….
100 Kilometer in 19 Stunden und zwei Minuten. Drei große Vorteile die hier durchschlagen: Wandern ohne Rucksack bei flacher Strecke (immerhin stolze 177 Höhenmeter) und sehr angenehmer Witterung

Der Dodentocht – allemal eine außergewöhnliche Veranstaltung – in der Gesamtbetrachtung ein großes Volksfestspektakel mit angeschlossener 100-Kilometer-Wanderung.  Auf der Strecke bleibt der Wandergenuss, letztendlich läuft man gegen die Uhr und gegen sich selbst. Die Strecke in der Gesamtbetrachtung unattraktiv und ungesund. Die Organisation der Veranstaltung  – absolute Spitzenklasse. Besonders herauszustellen ist die Herzlichkeit der Helfer die Begeisterung der Zuschauer und das schmackhafte belgische Bier. Man kann durchaus davon ausgehen, dass in zwei Jahren, zum 50jährigen Jubiläum, die 15.000 Teilnehmermarke geknackt wird. Gefahr auf Wiederholung: Definitiv ausgeschlossen! Dennoch das Credo im Sinne des Veranstalters: „Lang leve de Dodentocht!“ – und Allen, die sich dafür begeistern: Spaß und Freude an einer außergewöhnlichen Veranstaltung.

Ein Blick aus dem Hotelzimmer: In Bornem…..
…ist die Hölle los
21:36: Der letzte Finisher ist eingetrudelt, der Dodentocht ist offiziell zu Ende.

Für potentielle Teilnehmer gibt es acht Tipps für eine erfolgreiche Teilnahme:

Allicht lig je languit in de zetel, voeten op de salontafel. Om ze nog even de rust te gunnen die ze nodig hebben om deze avond (start om 21 uur) de Dodentocht aan te vangen. Tijd dus om nog even volgende checklijst te overlopen en een aantal tips in het achterhoofd te houden. Succes alvast! Wahrscheinlich liegen sie auf der Couch, die Füße ausgestreckt auf dem Couchtisch. Nehmen Sie sich die Zeit und Ruhe die Sie benötigen um sich zum Start (ab 21 Uhr) auf den Dodentocht vorzubereiten. Folgende Checkliste und Tipps sollten Sie beherzigen. Viel Erfolg!

  1. De eerste tip is misschien wel de belangrijkste (en meest vanzelfsprekende): zorg voor degelijke wandelschoenen die al ingelopen zijn en span je schoenen vooral niet te hard aan. Wie nu nog om nieuw schoeisel moet, is eraan voor de moeite en maakt best nu al een kruis over de 100 kilometer. Ziehen Sie eingelaufene Wanderschuhe an. (Es war schon beachtlich mit welch dünn besohlten Sportschuhen einige Teilnehmer unterwegs waren)
  1. Bepampel je voetjes als baby’s: hou ze eerst en vooral droog. Zorg ook voor extra kousen en ververs die regelmatig. Probeer zweetvoeten en door regen doordrenkte sokken te allen tijde te vermijden. Dat wil ook zeggen: neem geen voetbaden tijdens de tocht. Verfrissen mag wel, maar droog de voeten goed af. Blaren ontstaan sneller in een vochtige en warme omgeving. Behandeln Sie  Ihre Füße wie ein Baby: sie lieben es trockenen zuerst. Nehmen Sie Ersatzsocken mit und nutzen diese. Meiden Sie nasse Strümpfe.
  1. Heb je toch blaren? Doorprik ze en plak er een pleister op. Het Rode Kruis is op elke controlepost aanwezig en kan elk soort wondjes verzorgen. Denk er weliswaar ook aan een naaldje en wat pleisters van thuis mee te nemen. Haben Sie noch Blasen? Stechen Sie sie auf und kleben ein Pflaster drauf. Das Rote Kreuz unterstützt entsprechend.
  1. Zorg niet alleen voor pleisters op de tenen, enkels, hielen of onderkant van de voeten. Denk ook aan je… tepels, jawel! Want een nylon looptruitje kan behoorlijk gaan schuren. Plak dus ook de tepels af. Tapen Sie nicht nur Zehen, Knöchel, Fersen und Fußsohlen, sondern auch die Brustwarzen
  1. Wie z’n voeten even wat rust wil gunnen of het gewoon even niet meer ziet zitten, bijt toch best even keihard op de tanden. Kijk naar het uur wanneer je pauze neemt en zorg ervoor dat je zeker niet langer dan vijf minuten stilzit! Dit om stramme spieren en verzuring tegen te gaan. Bevor Sie am Zahnfleisch gehen erlauben Sie Ihren Füßen ab und zu etwas Ruhe. Sitzen sie aber nicht mehr als fünf Minuten! Dies vermeidet verhärtete  Muskeln und Übersäuerung.
  1. Eet en drink regelmatig. Probeer onderweg drie keer iets te nuttigen. En overbodig om te zeggen, maar vermijd alcohol (een trappist drink je beter op de overwinning). Hou het dus bij sportdrank en water. Opgelet: drink geen gekoelde dranken tijdens de tocht of vlak erna. En denk af en toe ook aan een snuifje zout, om niet te veel zout te verliezen tijdens het zweten. Essen und trinken Sie regelmäßig . Unnötig zu erwähnen: vermeiden Sie Alkohol (inkosequenterweise wurde bei Kilometer 37 das bewährte Duvelbier ausgeschenkt (sic))und bevorzugen Sie Sportgetränke und Wasser. Achtung: keine gekühlten Getränke während der Wanderung.  Und gelegentlich empfiehlt sich  eine Prise Salz.
  1. Het weer vanavond, deze nacht en morgen belooft niet veel goeds. Een zonnepet mag je achterwege laten, net als de zonnecrème, maar berg wel een lange broek en regenjasje op in de rugzak zodat je niet teveel afkoelt. Denken Sie an Sonnenschutz, Sonnencreme, lange Hosen und Regenjacke.
  1. Aan de start ziet alles er nog rooskleurig uit: veel supporters aan de zijkant van het parcours, een echte feeststemming in Bornem. Maar loop niet te hoog van stapel: de eerste tien kilometer loop je best op je gemak. Onthou dat het om een lange, volgehouden inspanning gaat (voor als je dat toch stiekem zou vergeten zijn). Am Anfang sieht alles rosig aus: viele Zuschauer am Wegesrand, eine echten Party-Atmosphäre in Bornem. Stellen Sie Ihre Anforderung nicht zu hoch: Laufen Sie die ersten zehn Kilometer in Ihrem Schritt. Denken Sie daran, es ist eine lange, anstrengende Wanderung 

 

 

5 Kommentare

  1. Hallo und guten Abend zusammen,
    ich war auch ein Teilnehmer des diesjährigen Dodentocht 100km 2017 …. es war meine 3te erfolgreiche Teilnahme und mein 6ter 100km-Marsch …. ich war Vollendens Zufrieden mit den Leistungen des Veranstalters, Respekt dem Veranstalter. Es wird nicht meine letzter Dodentocht oder 100er bleiben.

  2. Hallo Martin,
    toller Bericht und spitzenmäßige Bilder – herzlichen Glückwunsch.
    Ich hätte fast gesagt, ich bin es ja von Dir nicht anders gewohnt.
    Wir liegen in der Betrachtung der Veranstaltung „Dodentocht“ sehr dicht beieinander. Ich war 2015 dort, konnte es auch zweifelsohne genießen, staunen und bewundern, aber schon während der Rückfahrt war mir klar, dass es vermutlich ein einmaliges persönliches Ereignis sein wird, wenn auch die vielen teilnehmenden hübschen Mädels wieder ansporn geben könnten. 😉
    Es ist einiges zu weit vom eigentlichn Wandern entfernt und 100 km in ruhiger Mittelgebirgslage bieten mehr – und mehr nachhaltende Entspannung, Zufriedenheit und Erlebniswert.
    Wir werden uns in diesem Jahr am Edersee nicht sehen, denn ich kämpfe derzeit mit Fußgelenksproblemen längerfristiger Art. Ich habe mich für die 80 km abgemeldet und mußte vor 2 Monaten bei ExtremExtrem bereits nach gut 20 km aufgeben.
    Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir uns spätestens im kommenden Jahr bei ExtremEtrem wiedertreffen.
    Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe auf Nachricht zu Deinen schönen Wanderberichten.

    Beste Grüße aus Soest
    Wilhard

    • Danke für Deine Resonanz Wilhard. Dir muss ja das Herz bluten nicht die Wanderstiefel anziehen zu können. Schade, dass es am Edersee nicht klappt. Ich drücke alle Daumen, dass wir in 2018 gemeinsam wieder auf Trail gehen können. Beste Grüße Martin

  3. Hallo, das ist eine schone reportage mitmit tolle bilder und informationen. Danke dafur. Nur eine correction wolte ich einbringen, das +30 club ist nicht fur 30 teilnahmen, aber fur jeden die mindestens 30 finishes erreicht habe. Freindliche wandergrussen, (es war fur mich dieses jahr meine 38ste finish)

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