
Hennweiler, den 18. Juni 2016 –
Hennweiler, in der Langstreckenwanderszene wohlbekannt, für die meisten Rheinland-Pfälzer mutmaßlich nur mit Unterstützung von Google-Maps lokalisierbar. Einmal jährlich entwickelt sich das im südlichen Hunsrück gelegene, und ansonsten beschauliche Hennweiler, zu einem wahren Wandermekka. Bereits zum vierten Mal wurde die mittlerweile etablierte Veranstaltung “Die 24 Stunden von Rheinland-Pfalz ausgerichtet. Erfinder der Veranstaltung, Ewald Dietrich, berichtet stolz am Vorabend, wie er als Geburtshelfer auf die Idee zu solch einer Veranstaltung kam. Als Gründer und Vorsitzender der Kinderhilfsorganisation Human Help Network ist Dietrich als umtriebiger Geldeinsammler bekannt. Die Idee war trivial und genial. Man bediene sich einer hervorragenden Wanderinfrastruktur, eines starken potenzialorientierten Kommunalverbandes, nehme leistungsstarke Sponsoren und einen kompetenten Touristikverband mit ins Boot und biete eine außergewöhnliche Veranstaltung an. 444 Wanderer zahlen als Eintrittsgebühr EUR 72,– die komplett an zwei Hilfsorganisation fließen. Für einen Deckungsbeitrag von zusätzlichen EUR 10,-, zahlbar bei Abholung der Startunterlagen ist Wanderfrau/ und Wandermann dabei. So konnten auch in 2016 wiederum 30.000 Euro Spendengelder eingesammelt werden. Man hätte auf Grund der hohen Nachfrage locker eine zweite Veranstaltung durchführen können, doch würde das letztendlich den organisatorischen Rahmen, und damit auch die Qualität der Veranstaltung sprengen.

Bereits am Vorabend haben weitgereiste Odenwälder und andere Teilnehmer aus dem Bundesgebiet die Gelegenheit ihr Startpaket abzuholen. Dass der Veranstalter das Wanderevent eng begleitet, dokumentiert ein tagesaktuell erstellter Bericht zur Wetterlage im Hunsrück. Außergewöhnlich massive Regenfälle in den vergangenen Tagen und Wochen haben natürlich auch die heimischen Wanderwege strapaziert, jedoch die Aussichten für die nächsten 24 Stunden sind nicht die Schlechtestens.




Samstag, 07.00 Uhr. Ein perfekter Tagesstart. Die morgendlichen Temperaturen über 10 Grad, die Regentropfen des Vortages verdampft und die Sonne behauptet sich im dichten Cumuluswolkenverband. Dazu ein exzellentes Frühstück von einem der größten Caterer in Rheinland-Pfalz, der die Verpflegung am Wandermarktplatz als Sponsor einbringt. Bis kurz vor dem offiziellen Start um 08.30 Uhr lassen sich 428 von 444 angemeldeten Teilnehmer registrieren , um sich dann nach offizieller Begrüßung auf die Wanderpiste zu begeben. Die Durchführung orientiert sich dabei nach einem bewährten Konzept. Ausgehend vom zentralen Wandermarktplatz, der Lützelsoonschule in Hennweiler, werden drei Strecken angeboten, eine Tagesstrecke, die Dämmerungsschleife und die Nachtstrecke. Dabei ist man gut beraten, die Reihenfolge der Etappen einzuhalten, da Verpflegungs- und Programmstationen mit einem entsprechenden Zeitfenster versehen sind.










Pünktlich um 8.30 Uhr werden die mehr als 400 Wanderer von der Level Lots Guggemusik einer Mainz-Mombacher Stammtischband mit einer nicht zu verleugnenden Affinität zu Fastnachtsveranstaltungen, aus dem Ort regelrecht herausgespielt. Unter dem Motto „Durch den „Felsengarten zu Schlössern und Burgen“ wurde die Tagesstrecke mit einer Länge von 30 Kilometern und 840 Höhenmetern konzipiert. Durchaus für Irritationen bei manch einem Teilnehmer sorgte die im Roadbook herausgestellte Angabe der Gesamttour mit 77 Kilometer und 4.000 Höhenmetern. Entwarnung war allerdings angesagt, da man schlichtweg Auf- und Abstiegsmeter addierte – eine ungewöhnliche Darstellungsform für derartige Veranstaltungen.



Bereits auf den ersten Metern wurde manch ein Teilnehmer der Illusion beraubt, die Wanderung mit ansehnlich sauberen Schuhen zu überstehen. Lackmustest für Mensch und Material. Passagenweise gut eingeschlämmte Flurwege, die natürlich bei einer entsprechend hohen Wanderfrequenz auch nicht besser wurden. So manch ein Wanderfreund wird zur Erkenntnis gekommen sein, dass am langen Ende Sportschuhe für solche Veranstaltungen nicht zwingend die beste Wahl sind, aber hier spalten sich auch die Meinungen.











Den Muldebach zwischen Heinzenberg und Brauweiler querend, geht es zunächst durch eine Mischwaldpassage den schönen Felsenpfad im Felsengarten folgend hinauf zur Schutzhütte, dort wo Jagdhornbläser die 24-Stunden-Wanderer begrüßen. Von hier aus kann man auf der gegenüberliegenden Seite eines der nächsten Etappenziele, Schloss Dhaun lokalisieren. Zwischendrin markante Taleinschnitte im Staatsforst Kirn, welche einen beeindruckenden Tiefenblick ermöglichen. Ein Berg ist ja grundsätzlich ehrlich. Wo es aufwärts geht, geht es wieder hinab. Bereits nach drei Kilometern und einer steilen eingeschlämmten Abwärtspassage ist das Simmertaler Bürgerhaus erreicht, dort wo auf die Wanderer ein deftiger Erbseneintopf mit Würstchen wartet – Kraftfutter für die anstehenden Höhenmeter Richtung Schloss Dhaun. Aber auch hier gilt es je nach Konstitution und persönlichen Körnerpegel die innere Balance zu finden. Von manch einem Mitwanderer, der nach weiteren drei Kilometern Schloß Dhaun erreichte, war zu vernehmen „Die Erbsensuppe drückt aber gewaltig“ Allgemein empfiehlt es sich bei entsprechenden Langstreckenwanderer eher die Nahrungsaufnahme zu reduzieren und für einen ausreichenden Flüssigkeitspegel Sorge zu tragen, frei nach der Devise „Trinken bevor der Durst kommt“.















Viel zu früh, 45 Minuten vor dem offiziellen Zeitfenster ist die mächtige Schloßruine Dhaun erreicht. (Selbst schuld wenn man auf die Erbsensuppe verzichtet). Die Blaskapelle der Feuerwehr rüstet sich für ihren Auftritt, heimische Käseexperten präparieren gerade ihren Stand – ergo Zeit für eine Besichtigung des Schloßareals. Schön zu erkennen die unterschiedlichen Baustilepochen der sehenswerte Anlage, die im frühen 13. Jahrhundert errichtet wurde, und im 19. und 20. Jahrhundert nach einer wechselhaften Geschichte mit romanischen anmutenden Elementen bereichert wurde. Das Warten auf die Inbetriebnahme des Käsestandes hat sich allemal gelohnt. Das mit einer hervorragenden Rindersalami überbackene Käsebrot hallte noch kilometerlang in den Geschmacksknospen nach. Hinter Dhaun ziehen mächtige Wolken auf und bescheren einen kurzen, aber kräftigen Platzschauer. Der Erste von insgesamt vier auf der gesamten Passage. Rückwärts betrachtet eine gesunde Abkühlung und gute Gelegenheit zu erproben, ob es gelingt unter einer Minute Rucksack und Mensch regenfest zu machen; so rasch peitschen nämlich die Niederschlagsfronten heran. Rasch verziehen sich die Regenwolken und Dank des hohen Sonnenstandes ist der feuchte Gruß vom Himmel rasch vergessen. Einzig der steigende Matschpegel auf den Feldwegen bleibt als Erinnerungsposten bestehen.









Herrliche Pfade und angenehme Steigungen führen hinauf zu den Kirner Dolomiten, offiziell zu den Oberhausener Felsen. Offensichtlich handelt es sich hier um das Einzugsgebiet der marodierenden Schinderhannesbande, die die Teilnehmerschar zunächst grimmig empfängt, aber am langen Ende mit freundlichen Worten und guten Ratschschlägen zur abwärtsführenden seilgesicherten Schlammpassage entlässt. Mit einem Abstecher zur Kirner Kyrau-Schule passiert man den markanten Steinkallenfels mit den Resten einer Burgruine, um nach weiteren sechs Kilometern auf den Hennweiler Wandermarktplatz nach insgesamt dreißig Kilometern zurückzukehren. Ab 16.00 Uhr wird hier Abendessen als Präparation für die 24 Kilometer lange Dämmerungsschleife gereicht. Während Manche den Beinmassageservice in Anspruch nehmen, Andere fußpflegende Maßnahmen einleiten, und Einige ihren persönlichen Hopfenpegel regulieren oder schlichtweg einfach die Beine im Ruheraum hochlegen – letztendlich stehen noch 16 Stunden auf der Zeitachse an.



































„Durch das Tal der Jahrtausende“ unter diesem Leitthema führen die nächsten 24 Kilometer mit 540 Höhenmetern durch ein prachtvolles Wandergebiet. Vorbei an der Motocross-Strecke, dort wo die Motosportler sich mit sichtlicher Freude durch die Schlammpisten fräsen, geht es durch die mit Prädikatswegen gesegnete Region zunächst auf den Soonwaldsteig um dann eine Passage entlang des Saar-Hunsrück-Steiges zu wandern. Herzerfrischend dabei die vom Veranstalter entlang der Strecke aufgestellten Motivationstafeln. Hier spürt man, wie mit viel Engagement und Freude die Tour vorbereitet wurde. Nach sieben Kilometern ist das weitläufige Fischweiherareal am Forellenhof erreicht.










Günstig gelegen, und strategisch gut vom Streckenplaner eingebettet, setzt hier der als Deutschlands schönster Wanderweg 2012 ausgezeichnete Hahnenbachtalweg ein, was wieder einmal mehr belegt, welch wunderbar wanderbare Region der Hunsrück ist. Donnergrollen und ein mächtiger Regenguß „verhagelt“ die geplante Besichtigung der Schmidtburg, dort wo die Kirner Bergwacht eine Verpflegungsstation eingerichtet hat. Mit dem Entschluss bei anderer Gelegenheit die mächtige Fliehburg aus dem 10. Jahrhundert zu ergründen geht es weiter, dem Soonwaldsteig folgend. Wie dem Roadbook zu entnehmen ist findet man hier Reste des Schieferbergabbaus aus den vorherigen Jahrhunderten und der Blick auf die gegenüberliegende Kuppe, wo vor mehr als zwei Jahrtausenden schon Kelten siedelten, gaben dem „Tal der Jahrtausende“den Namen.








Bald trifft der Soonwaldsteig wieder mit der Hahnenbachtaltour zusammen und in nördlicher Richtung geht es entlang dem Ufer des Hahnenbachs, der bedingt durch die massiven Regenfälle der letzten Wochen massiv angeschwollen ist. Am Fuße der Ruine Hellkirch werden die Premiumwege verlassen und man hört bereits von weitem Alphörner erschallen. Alphörner im Hunsrück? – Auch eine nette Idee. Mit einem ausladenden Kuchenbuffet hat man am Sportlerheim Woppenroth die Chance, die drohende Unterzuckerung zu kompensieren. Nebenbei: dass der Zusammenhalt in der Region funktioniert, belegt der Umstand, dass mehr als 300 Helfer und Unterstützer zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Man kann nur mutmaßen, wieviele eifrige Kuchenbäcker hier im Werk waren um die insgesamt vier Kuchenstationen mit süßer Ware zu präparieren.







Von Woppenroth aus sind noch zehn Kilometer bis nach Hennweiler zu absolvieren. Die ersten sechs Kilometer geht es stetig aufwärts zum höchsten Punkt der 2016er Wanderung unweit der Womrather Höhe, die mit 597 Metern ausgewiesen ist. Auch wenn der Genuss der untergehenden Abendsonne im dichten Nadelwald eingeschränkt ist, sind immer deutlicher die mit Leuchtfarbe versehenen Markierungen auf erhabenen Wurzeln und Steinen entlang der Wegstrecke zu erkennen. Schlichtweg ein sensationeller Markierungsservice des verantwortlichen Wegewartes. Pünktlich zum Sonnenuntergang ist Hennweiler erreicht. Zeit für eine ausgedehnte Pause, wohlweislich wissend, dass für die Nachtstrecke nur noch 23 Kilometer anstehen und demnach mehr als genügend Zeit gegeben ist, um diese Passage innerhalb des gegebenen Zeitkorridors von 24 Stunden erfolgreich zu beenden.





Auch wenn eine halbe Stunde vor Mitternacht die in Aussicht gestellte Mitternachtssuppe ausgegangen ist, dank der insgesamt hin- und mehr als ausreichenden Verpflegung und einer angemessenen Rastzeit, geht es unter der Überschrift „Dunkel war,s der Mond schien helle“ in die Hunsrücker Nacht. Normalerweise ein absolutes “no-go” in diesem Falle aber unproblematisch, – -im Gegenteil sogar eine Bereicherung- war die redundante Streckenführung. Die ersten sechs Kilometer der Nachtstrecke waren identisch mit dem Verlauf Dämmerungsschleife. So hatte man die Chance, eine Passage der Nachtstrecke noch im Hellen kennen zu lernen und der Wiedererkennungsfaktor auf der Nachtroute hatte den Charme, dass man, da eine gewisse Grundorientierung bereits gegeben war, diese Passage gefühlt kurzweilig absolviert werden konnte.




Das Regengebiet hatte sich unterdess verzogen und zwei Tage vor Vollmond illuminiert immer mehr der Mond den Himmel. Knapp zwölf Kilometer nach Hennweiler ist die nächste Verpflegungsstation im Gemeindehaus Bollenbach aufgeschlagen. Drei Kilometer zuvor hatte eine Jugendgruppe das Areal um der über 350 Jahre alten „Dicken Eiche“ mit Lichtern als Besinnungsstätte mit Kerzen ansehnlich illuminiert. Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen – wohltund demnach die Einkehrstation um 02.00 Uhr morgens. Während die ausrichtenden Feuerwehrkameraden sich wohlverdient und priorisiert an hopfenhaltige Getränke orientieren ist Wandersfrau und Wandersmann dankbar für einen Koffeinputsch.

Frischt gestärkt geht es zunächst talabwärts um dann steil hoch das zwei Kilometer entfernte Bundenbach zu erreichen. Immer der ausgezeichneten gelben Markierung folgend (Kompliment an die Streckenauszeichner: auf die GPX-Streckenführung konnte getrost verzichtet werden!) geht es in die Hänge des Hahnenbachtals auf die Hahnenbachtaltour. Durch zwei kurze Stollengänge, die für die Schiefergewinnung in die Felsen getrieben wurden, geht es erneut vorbei am Forellenhof. Sowohl am Ortsausgang Bundenbach als auch vor dem Stolleneingang hatten Jugendgruppen zuvor die Wegesführung beeindruckend mit Kerzen ausgeleuchtet.


Kräftezehrend die letzte Steilpassage hinauf zum Gemeindehaus von Bruschied. Lohn der Anstrengungen – selbstverständlich Kaffee und Kuchen. Nach einem weiteren kurzen Steilanstieg und zusätzlichen drei Kilometern ist das am Waldesrand von Hennweiler gelegene Schützenhaus erreicht – mit Sekt wurden die Wandertitanen begrüßt. Nach weiteren zwei Kilometern, pünktlich zum Sonnenaufgang gegen 5:20 Uhr ist zum dritten und letzten Mal der Wandermarktplatz erreicht. Frisch der Morgen, wohlriechend der Rühreiduft der über den noch relativ verwaisten Wandermarktplatz wabert. Frühstück als Kraftspender – herzlichst gerne und Dank an die Helfer die zu dieser Zeit bereits kräftig am werkeln sind.







24 Stunden von Rheinland-Pfalz , eine außergewöhnliche und erlebnisreiche Veranstaltung, konfektioniert und ausgerichtet von einer Vielzahl von Ehrenamtlichen in einer hochprofessionellen Qualität. Alleine der Mitteleinsatz dokumentiert, mit welch immensen Aufwand eine derartige Veranstaltung betrieben wird. 1.100 gesetzte Wegepfeile, 4.700 Wasser- und Schorleflaschen, 2.200 Müsliriegel, 500 Rollen Traubenzucker, 80 Kilogramm Äpfel, das Ganze gemanagt von über 300 Helfern. Und das alles für 444 gemeldete Wanderfreunde, im Altersspektrum zwischen 16 und 74 Jahren, die sofern alle Strecken erfolgreich absolviert, 79,7 Kilometer und 2.094 Höhenmeter meisterten. Zu empfehlen ist allemal eine Teilnahme an der Neuauflage in 2017, am zweiten Juniwochenende, wenn zum fünften Mail zum 24-Stunden-Trail von Rheinland Pfalz aufgerufen wird. See you in 2017? See you in 2017!

War das erste mal dabei und habe trotz schwersten Bedingungen alle 3 Schleifen Geschafft.
Möchte mich bei allen Helfern und Organisatoren ganz,ganz herzlich bedanken.Es war eine super
24 stunden Wanderung,tolle Atmosphäre,spitze Verpflegung,einfach super,super,super…..
Werde 2017 wieder mitmachen und freue mich jetzt schon darauf.
Ganz liebe Grüße von einem begeisterten Wanderer aus Weil der Stadt,
Jürgen