Rheinbrohl den 20. Januar 2026 – Der Rheinsteig im Winter. Weiter geht es durch das das Obere Mittelrheintal auf eine 107 Kilometer langen Exkursion, angereichert mit knackigen 3.200 Höhenmetern Von Rheinbrohl bis nach Kamp-Bornhofen so der Wanderplan. Bevor man jedoch die Eintrittspforte zum UNESCO-Welterbeareal in Ehrenbreitstein erreicht, ist zunächst der vielleicht unspektakulärste Abschnitt des gesamten Rheinsteigs von Rheinbrohl bis nach Sayn zu absolvieren. Sicherlich – die Talweitung im Neuwieder Becken ist traditionell ein bedeutender Industriestandort. So erschließt es sich von selbst, daß sowohl der Erfinder des Rheinhöhenweges vor mehr als einhundert Jahren, als auch die Entwickler des Rheinsteiges vor einundzwanzig Jahren eine ausladende nordöstliche Schleife, die durch die Anhöhen des Naturparks Rhein-Westerwald führen, gezogen haben.
Gestartet wird in der Römerstadt Rheinbrohl. Flugs erreicht man die Anhöhe des Rheinbrohler Leys. Der Gang durch die entlaubten Schiefersteinhügel hat zu dieser Jahreszeit durch etwas mystisches und bildet auf diesem Abschnitt das eigentliche Highlight. Unterhalb der Burgruine Hammerstein wandert man oberhalb der Weinterassen zum Weinort Leutesdorf. Hier lohnt es einen Abstecher einzulegen, um dem historischen Weinort einen Besuch abzustatten und selbst in der kargen Winterzeit hat man hier die Chance ein Gläschen von dem hochwertigen Leutesdorfer Rheinriesling zu genießen.



















Von Leutesdorf aus umrundet man die Ortsteile der Großkommune Neuwied großflächig. So geht es vorbei an den Ortsteilen Feldkirchen, Rodenbach und Segendorf nach Altwied, dort wo der längste Fluß des Westerwaldes, die 102 Kilometer lange Wied vor sich hingurgelt. Unspektakulär die Streckenführung in diesem Abschnitt. Man quert Rengsdorf und wandert über den 182 Meter hohen Wingertsberg strukturell leicht abwärts führend nach Sayn, dort wo es wieder spannender wird oder zumindest werden sollte. Der Schloßberg mit Burg Sayn, das Wohnzimmer der Fürstenfamilie Sayn-Wittgenstein – das Schloß selbst-, der Fürstliche Schloßpark. Allesamt Landmarken die einen Besuch lohnen – jedoch nicht um diese Jahreszeit. Der Gang auf die Burg – ein Fehlschuß. Die Burganlage abgeriegelt, der Wirtschaftsbetrieb geschlossen. Das untenliegende Schloß Sayn im Winterschlaf bis Mitte März. So gibt es nur eine Losung: weiter Richtung Abtei Sayn und vorbei an einem gewaltigen Kletterpark, der als einer der besten Deutschlands gilt, mit Zielrichtung Ehrenbreitstein.



“Wer aber das Rheingebiet in seinen intimsten Reizen kennen lernen will, der muß hinaufsteigen auf die Berge. Er muß die prächtigen Wälder durchwandern, er muß vor allem die herrlichen Aussichten kennen lernen, die bald unerwartet dem schönheitstrunkenen Blick erscheinen, bald auf längeren Strecken die Wanderung begleiten. Gewiß hat auch die Wanderung auf der Landstraße am Rhein ihre Reize durch die Nähe des Stroms und der Schiffe. Aber die Freude wurde dem Wanderer vergällt durch die staubenden und stinkenden Automobile. Und bist du müde vom Wandern und kommt der Abend herbei, dann kehre ein in einem Dörfchen am Rhein und lerne die lustigen Rheinländer kennen, wie sie so rührig, so umgänglich, oft auch so leichtlebig sind, so ganz anders geartet, als die Norddeutschen. Die Rheinländer sind eben ein Volk, das gewissermaßen schon in der Wiege mit Wein getränkt ist, und bei dem in allen Lebenslagen der edle Traubensaft eine erheiternde Wirkung ausübt.” – so nachzulesen in der VII. Ausgabe des historischen Rheinwanderbuches aus dem Jahre 1926.











Von Sayn wandert man auf der Hochebene oberhalb von Bendorf gen Vallendar, ein “herrliches Rheinstädtchen mit schönen alten Fachwerkbauten”, wie einst Hans Hoitz vor einhundert Jahren in seinem Büchlein niederlegte. Jedoch heute ist der Eindruck ein anderer. Die Start wirkt blutleer, im Ortskern sind viele Leerstände zu verzeichnen, obschon hier die WHU Beisheim, der Pallotinerorden mit seinen Einrichtungen und das Weltzentrum der internationalen Schönstattbewegung hier angesiedelt ist.








Vallendar querend verzieht sich der Rheinsteig aufwärts zum Mallendarer Berg und vorbei an der Ellinger Höhe, schlängelt man sich durch zur Festung Ehrenbreitstein, einem der Highlights auf dem ganzen Rheinsteig. Hier setzt seit 2002 auch offiziell das UNESCO-Welterbeareal an, welches sich von Rheinkilometer 526 bei Bingen/Rüdesheim bis nach Koblenz zum Rheinkilometer 593 entlang zieht. Ab hier geht es Schlag auf Schlag, ein Highligt nach dem anderen kann man hier – natürlich am besten zu Fuß- erkunden. Die preußische Festung, die größte historische Festungsanlage Europas nach Gibraltar beeindruckt in vielfacher Sicht. Selbst die Amerikaner sahen davon ab die Festungsanlage zu schleifen, denn sie waren äußerst beeindruckt vom kulturellen Wert dieses außergewöhnlichen Bollwerkes. Die Burganlage – eine Festung mit zwei Gesichtern. Nach außen erschreckend und bedrohlich wirkend, innen jedoch, und gerade im oberen Schloßhof, mit dem Charme einer herrschaftlichen Residenz belegt. Eine Besichtigung ist obligatorisch und rundet jede Rheinsteigexkursion vortrefflich ab.







Über den Reiterweg, einem wunderbaren Pfad unterhalb der gewaltigen Festungsmauer, führt der Rheinsteig abwärts zum Rhein. Von hier aus folgt man zunächst dem Rheinuferweg um hinter der Pfaffendorfer Brücke in das Bienhorntal einzuschwenken. Obschon man sich in einem Taleinschnitt befindet ist hier der Lärmeintrag hoch. Die Verkehrsbelastung des Großraums Koblenz drückt auf die Ohrenmuscheln von hinten und das permanente Dauerfeuer, welches von der vorausliegenden Standortschießanlage herüberprasselt, belegt die Nachteile eines entblätterten Waldgebietes. Erst an der Kreisgrenze auf der Höhe des 336 Meter hohen Liedches Berges taucht man wieder ab in die winterliche Beschaulichkeit des Mittelrtheintals. Hier setzt auch eine der schönsten Abschnitte des gesamten Rheinsteiges ein. Auf der Horchheimer Höhe lockt ein Schild zur Ruppertsklamm, welches man jedoch gefl. übersehen sollte und muß, denn ansonsten würde man den spektakulären Abschnitt mit einem der schönsten Rastplätze auf dem Rheinsteig oberhalb der Lahn verpassen.











Weiter geht es auf dem Alten Burgenweg und dem nachfolgenden Panoramaweg durch das Naturschutzgebiet zum eigentlichen Highlight des Tages der Ruppertsklamm. Ein toller Klammsteig, der auf 1,2 Kilometer 235 Höhenmeter überwindet. Zimperlich darf man nicht sein und bei Wetterlagen wie diesen ist Achtsamkeit angesagt, denn rutschig wird es auf dieser Passage allemal. Es ist übrigens einem Eisenbahner zu verdanken, der 1912 die Ruppertsklamm gangbar gemacht hatte.








Man ist ja lernfähig. Nach dem Sinnlosaufstieg hinauf zur Burg Sayn, (im Januar) steht am Ortsende von Braubach der Aufstieg zur Marksburg – der einzigen unzerstörten Höhenburg am Mittelrhein an. Ein japanischer Vergnügungspark kam übrigens auf den abstrusen Gedanken, die Burg Stein für Stein abzutragen, um Selbige in Nippons Reich wieder aufzuubauen. Jedoch wurden offzielle Anfragen abschlägig beschieden. Die Marksburg selbst ist im Januar abgeriegelt und nicht zugänglich. Schade -aber es gibt die flussnahe Alternative gen Osterspai, auch wenn im historischen Rheinwanderwegführer darauf hingewiesen wird, dass die Wanderung durch die Rheintäler zu bevorzugen ist, da es prinzipiell ermüdend sei, wenn man den Rhein immer vor Augen hat. Dennoch ist die Wanderung direkt am Rhein in diesem Abschnitt besonders spannend, denn man wandert entlang dem Engen Türchen – ein Naturkino der besonderen Art. Hier zieht sich eine mehr als 3,5 Kilometer lange Sandbank, die im Sommer auch gerne als Badestrand genutzt wird, durch den Rhein.







Einhundert Treppenstufen geht es aufwärts bis man von Osterspey aus wieder am Rheinsteig andockt. Die Streckenführung auf dem Kamphauser Feld – ein Traum. Man folgt der Rheinschleife, die bei Filsen zum Filsener Ley führt. Die Aussicht – einmal mehr ein Genuß. Gegenüber verzieht sich Boppard entlang der Rheinschleife Richtung Vierseenblicklift. Und wer den Rheinburgensteig schon gewandert ist, kann bestätigen, dass dort oben am Gedeonseck die Aussicht besonders attraktiv ist, was im Allgemeinen auch für weite Teile des Rheinburgenweges gilt, denn die schönere Aussicht hat man im Regelfall von der linksrheinischen Seite und nicht vom Rheinsteig aus – aber dass ist natürlich Ansichtssache. Vom Filsner Ley geht es abwärts hinab nach Kamp-Bornhofen, dort wo diese Winterrheinpassage endet.





Die zweite Winter-Rheinsteigexkursion – abermals ein Erlebnis der besonderen Art. Man darf gespannt sein auf die nächste Wintertour, die über die Königsetappen des Rheinsteigs führen wird, wie sie einst der Rheingauer Wanderpabst Wolfgang Blum als solche bezeichnete, Ein Rheinsteigwanderbotschafter, der selbst schon spektakuläre 24- und 36 Stunden Wanderungen durch dieses Gebiet durchführte. So gilt: R(h)ein in das Welterbe – demnächst mehr auf diesem Kanal.

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