Marathon

Limestour durch die Kornkammer Hessens

Altenstadt, den 13. Januar 2022 – Den Taunus zur Linken, der Vogelsberg zur Rechten, so geht es weiter auf dem römischen Limeswanderweg durch die Kornkammer Hessens. Schon die Römer schätzten die fruchtbaren Böden der Region. Heute spricht man von der “Goldenen Wetterau” dank der leuchtenden Kornfelder, die hier im August ihre Pracht entfalten. Jedoch Hochnebel taucht an diesem Januartag die Landschaft in eine jahreszeitbedingte Tristesse, was jedoch nicht daran hindert weiter auf den Spuren der römischen Grenzbefestigung zu wandern. Gestartet wird in Altenstadt um weiter dem Verlauf des Limes in nördlicher Richtung zu folgen. Im Gegensatz zur vorhergehenden Tour fallen die sichtbaren Spuren der römischen Besatzungszeit deutlich spärlicher aus. Dagegen trifft man in den folgenden Ortschaften Stammheim, Staden und Bingenheim auf Schlösser und Burgen der neueren Zeit. Hinter Echzell wandert man durch die flache dünnbesiedelte Agrarlandschaft weiter durch die Mittlere Horloffaue, vorbei an einer Seenlandschaft, die durch Braunkohleabbau in den 70/80er Jahren entstanden ist. gegenüber von Inheiden schwenkt man ein in den Limes-Rundwanderweg Hof Grass, der zum dort ansässigen Limes-Informationszentrum des Landkreises Gießen führt. Zwar sind hier die Relikte der Römerzeit nicht mehr sichtbar, jedoch informieren die hier angebrachten Informationstafeln über die Kulturgeschichte des Römischen Reichs. Am Waldesrand des Fechtheimer Waldes wandert man durch die weitreichende Ackerlandschaft nach Langsdorf zum Tagesziel dieser Limesetappe. Der Limesweg zwischen Altenstadt und Langsdorf – eine eher beschauliche 38 Kilometer lange Provinzwanderung durch das Grenzgebiet von Germania superior wie die Römer die Provinz Obergermanien bezeichneten.
Marathon

Auf Römerpfaden in die Wetterau

Seligenstadt, den 6. Januar 2022 – Die zweite Wanderung entlang des römischen Grenzwalls führt von Seligenstadt Richtung Norden, dort wo der Main als “nasse Limesgrenze” durch einen gebauten Grenzwall bestehend aus drei Meter hohen Palisaden und hölzerne Wachtürme, die später durch steinerne Bauten ersetzt wurden, abgelöst wurde. Die Seligenstädter Mainfähre bremst zunächst frühmorgens die Aufnahme der offiziellen Wegeführung des Limeswanderweges aus, denn hierzu müsste man zunächst den Main queren, um auf der östlichen Seite dem Flußverlauf folgend Richtung Großkrotzenburg zu wandern. So bleibt man zunächst für acht Kilometer auf der hessischen Seite um bei Kleinkrotzenburg die Querung der dortigen Bootsschleuse zu nutzen. Vor Großkrotzenburg erinnert eine steinerne Stele an den ursprünglichen Standort einer römischen Steinpfeilerbrücke, die bereits in den dreißiger Jahren des 2. Jahrhunderts errichtet wurde. Hinter der Kirche sind zudem noch heute Reste eines ehemaligen Kohortenkastells zu sehen. Hier beschäftigte man auch sogenannte Auxiliartruppen , also Bewohner der Grenzprovinzen, die als einzige Truppe des römischen Militärs in Obergermanien in einer Militärziegelei Bauziegel herstellte. Wer sich in die römische Geschichte vertiefen möchte kann darüber hinaus das hier ansässigen Limes-Informationszentrum des Main-Kinzig-Kreises besuchen. Großkrotzenburg wird in nördlicher Richtung verlassen, um im nachfolgenden Naturpark des Hessischen Spessarts das Hanauer Kreuz an der A45/A66 zu queren. Die Fluten des Mains haben es bereits angekündigt, in der Gemarkung Erlensee werde ich just 800 Meter vor dem gleichnamigen See mit feuchten Tatsachen konfrontiert. Die wassertragende Kinzig hat das gesamte Waldgebiet komplett geflutet, ein vermeintlicher Bypass über eine Kleingartenanlage scheitert ebenso, die Gartenhäuschen stehen auch im Wasser. [read more…]
Marathon

Crea(k)tivwandern 22

Frankfurt, den 1. Januar 2022 – Ungewöhnlich – aber spannend, so der diesjährige Start in das neue Wanderjahr 2022. 48 Stunden zuvor lag als Steilvorlage für diese Tour ein Zeitungsartikel über eine abendliche Lichtkunstveranstaltung im 22 Hektar großen Frankfurter Palmengarten auf dem Tisch. Der Rest – pure Fleißarbeit. Rasch war eine vorgeschaltete Wanderung durch die Mainmetropole Frankfurt zusammengestellt, der ein einziges Leitthema zugrunde lag: die Zahl 22 als Metapher für das neue Jahr und eine inspirierende Alternative um eine vertraute Umgebung unter einem neuen Blickwinkel aufzunehmen. Neujahrtag 07:45 Uhr. Die Finanzmetropole liegt noch im Koma. Regelrecht ausgestorben sind die Straßenzüge der Stadt. Autoverkehr: Fehlanzeige, Hundegänger und Jogger: Fehlanzeige. Selbst die städtischen Reinigungsfahrzeuge sind nicht auf der Piste da mangels Feuerwerksböllerei besondere Reinigungseinsätze nicht erforderlich sind. So geht es vom Startpunkt, dem Stadtteil Bockenheim, zunächst Richtung Norden auf die Jagd nach der magischen Zahl 22, die in spirituellen Kreisen auch als Engelszahl bekannt ist und nach Einschätzung von Experten höchste Schwingungsenergien besitzt. So geht es eben mit morgendlichen Schwung auf eine Entdeckungswanderung der besonderen Art. Über die Kleingärtenanlagen die im Schatten des Europaturms liegen, geht es die A66 unterquerend in südlicher Richtung stadteinwärts. Dabei geben die markanten Hochhausboliden im neuen Europaviertel, allen voran der prägnante Messeturm, die Marschrichtung vor. So ist es grundsätzlich relativ einfach sich in Frankfurt zu orientieren. “Fixer konsumieren ihre Drogen auf offener Strasse, Hotels werden zu Puffs, und Restaurants brauchen private Sicherheitsdienste” schrieb Mitte letzten Jahres die NZZ. Auch wenn das Bahnhofsviertel in den letzten Jahren durch [read more…]
bis 35 km

Auf römischen Spuren

Seligenstadt, den 20. Dezember 2021 – Das längste Bodendenkmal Europas, das Zweitlängste der Welt. Ein Bauwerk der Superlative, bestens geeignet als Wanderthema für die karge Winterzeit. Die Rede ist vom 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes.  Vom Ende des 1. Jahrhunderts n. C. trennte er für rund 150 Jahre die römischen Provinzen Obergermanien und Raetien von den Barbaren, wie üblicherweise in römischen Kreisen Germanien bezeichnet wurde. Mauern und Palisaden sind seit langem abgetragen, die Erinnerungen jedoch nicht. Heute kann man auf einem der größten Kulturwege Europas entlang der Grenzlinien des Altertums entlangwandern. Mental sollte man sich auf eine Wanderung durch die Provinz einstellen, da sich ehemals und auch heute noch keine größeren Städte entlang des einstigen Limes befinden. Zum Auftakt der Limesreihe wird im benachbarten Seligenstadt Richtung Obernburg gestartet, dort wo die römischen Baumeister auf eine Grenzbefestigung aus Vereinfachungsgründen verzichteten, galt der Main denn als natürliche Grenze. Da man schlecht über Wasser wandeln kann hat der Odenwaldklub bereits vor Jahren parallel zur Wasserstraße den Östlichen Limesweg durch die Spessartlandschaft ausgeschildert. Der Limeswanderweg des Odenwaldklubs führt durch den Großen Kirchwald zum Königsee bei Zellhausen. Wer neugierig ist folgt nicht dem asphaltierten Weg der durch das Zellhäuser Industriegebiet, sondern wandert auf einem von Wildschweinen regelmäßig traktierten Pfad entlang der Mainflinger Sendeanlage. Von hier aus werden Millionen von Funkuhren in Mitteleuropa mit der aktuellen Zeit versorgt, denn die Sendeanlage DCF77 gibt hier den Takt vor. Mit einem angemessenen Marschtakt geht es dem Fischerweg folgend, die A3 am Seligenstädter Dreieck und die hessisch/bayrische Landesgrenze querend [read more…]
Themenwanderung

Im Wandercheck: Der Diemeltaler Schmetterlings-Steig

Warburg/Bad Karlshafen im September 2021 – “152 Kilometer artenreicher Naturgenuss”. Mit diesem Untertitel vermarktet eine Nordrhein-Westfälisch/Hessische Kommunalallianz den Diemeltaler Schemtterlingssteig, der just vor einem Jahr offiziell aus der Taufe gehoben wurde. Der Schmetterlingssteig, der sich auf insgesamt 152 Kilometer über die Naturparks Reinhardswald, Solling-Vogler und Teutoburger Wald erstreckt, verläuft dabei über ein Kalkmagerrasenparadies, bestehend aus mehr als zwanzig diesbezüglicher Areale und ist zudem mit dem Prädikatssiegel “Prime Butterfly Area in Europa” bedacht worden. Mehr als hundert Tagfalterarten wurden hier bereits nachgewiesen. Gründe genug, um diesen relativ neuen Wanderweg unter die Wanderschuhsohle zu nehmen. Die Gesamtstrecke wurde dabei in vier überschneidungsfreie und tagesetappentaugliche Rundtouren portioniert. Die Vorteile: man kann an einem Standort übernachten, ist nicht in Abhängigkeit des aktuellen Bahnstreiks und hat spätestens nach der zweiten Tour eine vertrauensvolle Beziehung zum Gastronomen seiner Wahl aufgebaut. Tour 1: Warburg – Haueda- Warburg Gestartet wird in der Hansestadt Warburg, eine in mehrerer Hinsicht außergewöhnliche Stadt. Die ostwestfälische Kommune besteht aus einer historischen Altstadt, und was ungewöhnlich ist, aus einer historischen Neustadt. Nicht umsonst bezeichnet man die Stadt daher auch als Rothenburg Westfalens. Mächtige Fachwerkbauten, die aufwändig erhalten und restauriert wurden, legen heute noch ein sichtbares Zeugnis der schon im Mittelalter wohlhabenden Hansestadt ab. Vom Marktplatz der Neustadt geht es zunächst abwärts zur Diemel, die im Rothaargebirge entspringt um nach 110 Kilometern in Bad Karlshafen in die Weser zu münden. Von Anbeginn ist der Schmetterlingsteig hervorragend ausgeschildert – einzig trübt ein spätsommerlicher Morgennebel die ansonsten herrlichen Aussichtsmöglichkeiten ein. Vier Kilometer außerhalb von Warburg passiert [read more…]
Spessart

Auf den Spuren eines Erzwilddiebes

Spessart, den 30. Juli 2021 – Gauner, Banditen, Lumpen, Betrüger, Strolche und Diebe gab es schon immer, gibt es immer noch und wird es auch immer geben. Wenn jedoch rund 250 Jahre nach dem Wirken einem dieser zwielichtigen Gattungssorten zugehörigen Exemplars ein Wanderweg gewidmet wird, dann muss es sich um einen durchaus bemerkenswerten Vertreter dieser juristisch bedenklichen Zunft handeln. Die Rede ist dabei von Johann Adam Hasenstab, 1716 als Sohn eines Jägers in Rothenbuch geboren, als Erzwilderer glorifiziert und im Laufe der Geschichte als Robin Hood des Spessarts geadelt. So kann man heute im ehemaligen Wirkungskreis des Wilderers auf 77 Kilometern und gesalzenen 1.800 Höhenmetern durch die dunklen Wälder des Hochspessarts ziehen. Gestartet wird in Rothenbuch im Spessart, dort wo einst für den kurfürstlichen Hof in Aschaffenburg die Fleischversorgung mit Wildbret übernommen wurde, dort wo sich der Marktflecken als Zentralort des Innerspessarts entwickelte und die Forstverwaltung und der Glashüttenbetrieb organisiert wurde, und dort wo der legendäre Erzwilderer das Licht der Welt erblickte. Ende des 17. Jahrhunderts wurde zudem ein Wasserschloss errichtet, um einen Eckpunkt der Handelsstraße von Lohr über Aschaffenburg bis zur Frankfurter Messe zu setzen. Das Schloß in Rothenbuch, welches als Seminarhotel aufgebohrt wurde, ist mittlerweile geschlossen und nicht zugänglich und unterliegt offensichtlich einer schleichenden Verwahrlosung. Über den Ölberg steigt man aufwärts, hinauf zu einer schönen Kastanienallee um anschließend in den hier spessartypischen Mischwald einzusteigen. Eines vorneweg. Wenn man in den Spessart eintaucht, muss man ein Freund des Waldes sein. Die Region ist dünn besiedelt, die Ausblicke sind rar, [read more…]
Marathon

Zwischen Ölschiefer und Urpferdchen

Messel, 25. Oktober 2010 – Was der Grand Canyon in den USA oder die Galapogasinseln vor Südamerika ist die Grube Messel im Südhessischen. Allsamt handelt es sich dabei um UNESCO-Weltnaturstätten, wobei Messel speziell für Erforscher der Erdgeschichte eine einzigartige Stätte von Weltruf ist. Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenfossilien, darunter außergewöhnlich gut erhaltene Vollkörperskelette, wurden aus dem vor 48 Millionen Jahre entstandenen Maarvulkan-See geborgen. Und dass auch die Ölförderung in Messel eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielte , (1924 wurden hier 25% der deutschen Rohölförderung erzeugt) ist eine besondere Geschichte. Wandertechnisch hat der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald das Areal rund um die Weltnaturstätte mit vier Qualitätsrundwanderwege erschlossen. So bietet es sich an, diese Rundwanderwege, die sich teilweise überschneiden, zu einer auch kulturell angereicherten knapp vierzig Kilometer langen Tagestour aufzubohren. Es bietet sich an, auf dem höchsten Punkt der Dieburger Gemarkung, der Moret, einzusteigen. Hier, am Naturfreundehaus, führt der Ölschieferweg vorbei, und hier kann man zum Abschluß der Wanderung ein schönes Wanderbier zu zivilen Preisen genießen. Zunächst kann man, dem Ölschieferweg gen Westen folgend, eine kleine Runde durch den bunten Dieburger Herbstwald drehen. Über den Herrnweg geht es via Jakobsbornschneise und Kleeplattenschneise zurück zur Moret um im Anschluß oberhalb des Steinbruchs Mainzer Berg die Fährte Richtung Darmstadt einzuschlagen. Wer auf die Runde verzichtet hat 2,5 Kilometer eingespart und kann die Zeit im Besucherzentrum der Grube Messel investieren, um dort beispielsweise an einer Grubenführung mit Naturpark-Rangern teilzunehmen. Vom Mainzer Berg, dem nördlichsten Zipfel des Odenwaldes, geht es zunächst vorbei am Areal der ehemaligen Rifle [read more…]
bis 20 km

Waldkunst 2020

Darmstadt, den 02. Oktober 2020. Kunst im Wald – kein ungewöhnliches Thema für Wanderinnen und Wanderer. Immer wieder findet man Gelegenheiten sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. In konzentrierter Form kann man auf dem Internationalen Waldkunstpfad alte und neue Arbeiten von Künstlern aus allen Herren Ländern besichtigen. Veranstalter ist das Internationale Waldkunstzentrum in Darmstadt , welches im Rhythmus von zwei Jahren diese Frischluftkunstveranstaltung durchführt. Der Waldkunstpfad selbst ist drei Kilometer lang. Damit es sich lohnt, die Wanderstiefel zu schnüren wird an der Rosenhöhe in Darmstadt gestartet, dort wo der der Sieben-Hügel-Steig einsetzt. Im Park selbst befindet sich ein historischer Rosengarten, der derzeit ertüchtigt wird, aber allemal ein Besuch zur Blütezeit wert ist. Der Sieben-Hügel-Steig führt vorbei am Hofgut Oberfeld, am Botanischen Garten und am Vivarium der Stadt Darmstadt. Vorbei an der Lichtwiese führt die Passage durch den Darmstädter Stadtwald, über die Anhöhen Dachsberg, Dommersberg und Herrgottsberg. An der Klappacher Straße, gegenüber dem südhessischen Polizeipräsidium, startet man mit dem Einstieg in den Waldkunstpfad. Der Weg wurde grundsätzlich als Rundkurs angelegt, mit der südlichen Spitze auf der Ludwigshöhe. Im Laufe der Veranstaltungsreihe hat man einige Verästelung eingefügt, allerdings ist es dem Veranstalter bis heute nicht gelungen eine klare und eindeutige Wegekennzeichnung umzusetzen. Manch ein Besucher irrt umher um den Pfad der Künste zu folgen. So sind sie halt die Kunstveranstalter : ab und an entrückt in der Welt der Künste und gleichzeitig die wesentlichen Dinge ausblendend. Die hier gezeigte Auswahl einiger Objekte zeigt durchaus die Intensität mit der sich internationale Künstler mit dem [read more…]
Themenwanderung

Mandelpfad reloaded

Schweigen-Rechtenbach, den 17. März 2020 – Just ein Jahr nach meiner ersten Mandelpfadtour in der Pfalz lockte wiederum die Region zu einer Exkursion durch die jahreszeitbedingt mit rosaroten Blütenwolken eingehüllten Landschaft – und dafür gab es mehrere gute Gründe. Der Pfälzer Mandelpfad wurde aktuell aufgebohrt und um 20 Kilometer in nördlicher Richtung bis nach Bockenheim an der Weinstraße erweitert Gestartet wurde diesmal am südlichsten Zipfel des Mandelpfades um mit einem neuen Blickwinkel bekannte Pfade neu zu entdecken Blütezeit ist eine ausgezeichnete Wanderzeit im Generellen und Labsal für die geschundene Seele, gerade in Zeiten wie diesen Wandern als Frischluftaktivität auch in der schwierigen Corona-Pandemiephase stärkt das Immunsystem, erfrischt den Geist und revitalisiert den Körper Im Exkursionsbericht des vergangenen Jahres wurde die Streckenführung bereits detailliert beschrieben. Da lagebedingt aus verständlichen Gründen diesmal die Infrastruktur deutlichst eingeschränkt war standen diesmal Stadtexkursionen und die Besichtigung kultureller Einrichtungen nicht im Fokus. Offizieller Start- oder Endpunkt des mittlerweile 100 Kilometer langen Pfälzer Mandelpfades ist Schweigen-Rechtenbach, dort wo das imposante Deutsche Weintor das Erscheinungsbild der Gemeinde prägt. Rational wäre es sogar angezeigt aus logitischen Überlegungen heraus im drei Kilometer entfernten elsässischen Wissembourg zu starten, dort wo sich eine Bahnstation befindet. Jedoch wurde 24 Stunden zuvor die Grenze nach Frankreich dicht gemacht. So schnüre ich meine Wanderstiefel am noch im rosa Licht eingetauchten Deutschen Wandertor um die Fährte des ersten 40 Kilometer langen Abschnittes nach Gleisweiler, unweit von Edenkoben aufzunehmen. Sanft hügelig die sich vom Pfälzer Mittelgebirge abflachende Landschaft. Unterhalb des Mundatwaldes und des 561 Meter Hohen Dest [read more…]
Themenwanderung

Ein grenzWERTIGER Trail

Süderjütland/Flensburg im September 2019 – Ein Wandertrail der Superlative. 175 geballte Kilometer, ausgestattet mit einer deutsch-dänischen Natur- und Kulturvielfalt, belegt mit geschichtlichen Tiefgang, eingemantelt in die wunderbare Ostseeregion der Flensburger Förde und geadelt mit einem bemerkenswerten Prädikat. Der dänische Teil des Trails, der Gendarmenpfad, ist als  „Leading Quality Trail – Best of Europa“ zertifiziert und zählt zu Europas besten Wanderwegen.  Seit 2015 ergänzt zudem der Flensburger Fördesteig auf der deutschen Seite den gegenüberliegenden Pendant. So liegt es auf der Hand  sich mit dem Gesamtpaket eingehend zu beschäftigen. Gestartet wird mit der dänischen Passage, dem Gendarmstien, wie man offiziell im Nachbarland sagt. Just vor 99 Jahren entschieden sich die Anwohner des Grenzgebietes nach einem Volksentscheid für den heutigen Grenzverlauf. Nordschleswig wurde dänisch, Südschleswig wurde deutsches Gebiet. So hat man zudem bis heute hüben eine dänische und drüben eine deutsche Minderheit und lebt in partnerschaftlicher Koexistenz in einem wunderbaren Lebensraum. Nach dem Grenzentscheid sicherte die dänische Grenzgendarmerie die Grenze. Mit Wegfall der Grenzkontrolle nutzten die dänischen Nachbarn die historische Bedeutung des Gebietes  und entwickelten den Grenzpfad als gangbaren Wanderweg.  Als Wanderzeichen wird dabei ein blauer Gendarm abgebildet, der an die Originaluniform der einstigen Grenzgendarmerie erinnert. Begonnen wird am offiziellen Startpunkt des Qualitätswanderweges im dänischen Grenzort Padborg mit Tagesziel Egernsund. Der erste Teilabschnitt führt zunächst in einem munteren auf und ab  durch ein Tunneltal Richtung  Krusau. Auf diesem Abschnitt kreuzt man den historischen Ochsenweg, der im Mittelalter von Trondheim bis nach Rom führte. Nach knapp sechs Kilometern hat man „Den krummen Vej“ – den „krummen [read more…]
Themenwanderung

Rund um Amrum

Amrum im August 2019 – „Atemberaubend der Kniepsand, davor die Dünen mit tausenden von Seevögeln. In der Inselmitte die Geest mit Wald und Heideflächen, und am Watt atmet das Meer im Wechselspiel der Gezeiten.“ Schon beeindruckend wie Amrums Touristikverband die Schokoladenseite der kleinen nordfriesischen Insel, die lagetechnisch als erweiterter Anhängsel von Sylt und als südwestliches Bollwerk von Föhr zu den drei nordfriesischen Geestkerninseln zählt. Die Geest ist eine Sandablagerung, die während der Eiszeit entstand. Auch die Lüneburger Heide ist eine typische Geestlandschaft. Klare Botschaft vorneweg:  die Kleinste der drei Inseln ist landschaftlich gesehen die Vielfältigste und überrascht auf jedem Kilometer. Vom Festland aus startet man in Dagebüll, geeigneter Weise mit der ersten Fähre, die um 05.00 Uhr ablegt, zunächst Föhr ansteuert, um nach knapp zwei Stunden im Hafen der Amrumer Inselhauptstadt Wittdün einzulaufen.  45 Minuten Zeit kann man mit der Katamaran-Verbindung sparen – jedoch startet der erste schnelle Kutter erst um 9.30 Uhr –  ergo wandertechnisch am frühen Nachmittag. Inselüblich geht es von Osten gegen den Uhrzeigersinn startend von der Inselhafenstadt Wittdün, vorbei an Steenodde zum benachbarten Nebel. Vorbei am schmalen Nordstrand von Wittdünn überrascht von der angenehme Streckenbelag. Während man in Föhr fast ausschließlich mit Asphalt konfrontiert wird, erwartet den Fußgänger und Wanderer bereits von Anbeginn befestigte Sandbödenwege. Entlang des Wattenmeers führt der Wegeverlauf durch den Bereich Kliff ual Aanj. Gemeint ist hier das Steenooder Kliff als Teil des Naturschutzgebietes der Amrumer Ostküste. Das Gebiet ist bei Vogelkundlern ein sehr beliebter Beobachtungsplatz. Wieso ausgerechnet hier ein Tontaubenschießstand eingerichtet wurde, mag [read more…]
Themenwanderung

Rund um Sylt

Sylt im August 2019 – Sylt – klangvoll der Name, polarisierend wie kaum eine andere deutsche Insel. Schickimicki-Insel, Champagner und Kaviar, Schlauchbootlippenblondinen die mit dem Porsche Cabrio Kampens Straßen frequentieren, Immobilienpreise die jenseits jeglicher Schmerzgrenzen liegen. Sylt – eine nordfriesische Insel mit zehn Naturschutzgebieten, beeindruckenden Heidelandschaften, an der schmalsten Stelle gerade einmal 320 Meter breit, seit 1927 per Eisenbahndamm mit dem Festland verbunden, eigenwillig die Inselform und unberechenbar wie die Nordsee. Latent ist die Gefahr, daß die Insel irgendwann auseinanderbrechen wird. Experten verorten dabei die Sollbruchstelle auf der Höhe von Rantum. Bedenklich bedrohlich der Umstand, daß jährlich über eine Millionen Kubikmeter Sendimentsverluste zu verzeichnen sind. Grund genug die nördlichste Insel Deutschlands unter die Schuhsohle zu nehmen. 2018 veranstaltete erstmals die Megamarsch-Company einen 24 Stunden-100 Kilometermarsch rund um die Insel. Aus  leistungssportlicher Sicht  ein interessantes Angebot. Spannender ist es jedoch die Insel intensiv zu erkunden und mit den eigenen Füßen zu lesen. So werden es am langen Ende 103 Kilometer werden, aufgeteilt in drei passable Touren. Vom Festland aus ist es ein Katzensprung auf Sylt. In Niebüll am Bahnhof kann man für sieben Euro pro 24 Stunden bequem parken um per Bahn die Insel zu erreichen. Bereits der  5.31 Uhr-Zug ist gut gefüllt. Einzelhandelsangestellte und Arbeiter, die auf dem Festland wohnen, pendeln täglich auf die Insel. Nach 21 Minuten ist die erste Bahnstation, Morsum, als Ausgangspunkt für eine die erste Exkursion erreicht. Gut beraten ist man sich an das bewährte Muster bei einer Inselwanderung zu halten, von Ost nach West gehend [read more…]