Ein grenzWERTIGER Trail

Süderjütland/Flensburg im September 2019 –

Ein Wandertrail der Superlative. 175 geballte Kilometer, ausgestattet mit einer deutsch-dänischen Natur- und Kulturvielfalt, belegt mit geschichtlichen Tiefgang, eingemantelt in die wunderbare Ostseeregion der Flensburger Förde und geadelt mit einem bemerkenswerten Prädikat. Der dänische Teil des Trails, der Gendarmenpfad, ist als  „Leading Quality Trail – Best of Europa“ zertifiziert und zählt zu Europas besten Wanderwegen.  Seit 2015 ergänzt zudem der Flensburger Fördesteig auf der deutschen Seite den gegenüberliegenden Pendant. So liegt es auf der Hand  sich mit dem Gesamtpaket eingehend zu beschäftigen.

Gestartet wird mit der dänischen Passage, dem Gendarmstien, wie man offiziell im Nachbarland sagt. Just vor 99 Jahren entschieden sich die Anwohner des Grenzgebietes nach einem Volksentscheid für den heutigen Grenzverlauf. Nordschleswig wurde dänisch, Südschleswig wurde deutsches Gebiet. So hat man zudem bis heute hüben eine dänische und drüben eine deutsche Minderheit und lebt in partnerschaftlicher Koexistenz in einem wunderbaren Lebensraum. Nach dem Grenzentscheid sicherte die dänische Grenzgendarmerie die Grenze. Mit Wegfall der Grenzkontrolle nutzten die dänischen Nachbarn die historische Bedeutung des Gebietes  und entwickelten den Grenzpfad als gangbaren Wanderweg.  Als Wanderzeichen wird dabei ein blauer Gendarm abgebildet, der an die Originaluniform der einstigen Grenzgendarmerie erinnert.

Begonnen wird am offiziellen Startpunkt des Qualitätswanderweges im dänischen Grenzort Padborg mit Tagesziel Egernsund. Der erste Teilabschnitt führt zunächst in einem munteren auf und ab  durch ein Tunneltal Richtung  Krusau. Auf diesem Abschnitt kreuzt man den historischen Ochsenweg, der im Mittelalter von Trondheim bis nach Rom führte. Nach knapp sechs Kilometern hat man „Den krummen Vej“ – den „krummen Weg“ erreicht. Hier, am alten Grenzübergang bei Rönsdam, ist ein Erdtelefon installiert. So verständigte man sich im analogen Zeitalter fernab von Smartphones via Trichter und Metallrohr.

Es gibt immer wieder gute Gründe mindestens 45 Minuten vor Sonnenaufgang zu starten
Padborg – Sonderhav – der erste Abschnitt des Pfades
Waldseeidyll unweit der Küste
Klare Sache: Sonnenaufgang schlägt Sonnenuntergang
Solch eine Morgenstimmung sorgt für einen wahren Energieschub
Erdtelefonie: Selbst ein Flüstern kann man durch das Erdtelefon wahrnehmen
Die deutsche Seite des „krummen Weges“
Weiter geht es durch den Schlagbaum in das Krusautal hinein

Von Krusau folgt man dem gleichnamigen Fluß Richtung Förde um Richtung Kollund in einen hügeligen Küstenwald einzuschwenken. Tiefe Schluchten und steile Abhänge als Ergebnis der letzten Eiszeiterosion. Immer wieder blitzt zwischen den Bäumen die Ostsee durch. Wanderspaß auf Höchstniveau. Richtung Kollund schwenkt der Gendarmenpfad in einen küstennahen Verlauf ein. Tendenziell hat man, wenn man sich umdreht, Flensburg an der Fördespitze als Orientierungsposten im Blick. Die Ostsee selbst, wetterlagenbedingt im Ruhezustand. Würde man sich Berge hinzudenken, dann könnte man meinen am Bodenseeufer entlang zu wandern.

Von wegen flach – auch in Süddänemark kann es hügelig zugehen
Man merkt, dass es langsam in den Herbstmodus geht

Weiter führt die Passage nach Sonderhav. Just gegenüber liegt auf der deutschen Seite Schloß Glücksburg, welches auch für das dänische Königshaus ein bedeutungsvolles Anwesen war und bleiben wird. Zwischendrin liegen die beiden  Ochseninseln, die einer Sage zufolge aus abfallenden Lehmklumpen vom Schuh eines Riesen entstanden sein sollen, als dieser versuchte die Flensburger Förde zu überspringen. Gegenüber den Inseln kann man im Kultimbiss  „Annies Kiosk“ einkehren, ein beliebter Durchgangstreff für Biker, Radler und Grenzwanderer.

Gegenüber erblickt man die Flensburger Marineschule Mürwik mit dem imposanten „Roten Schloß am Meer“
Quer durch ein Hagebuttenparadies
Und immer wieder finden sich entlang des Gendarmenpfades wunderbare Rastmöglichkeiten…
unterlegt mit abwechslungsreichen Wanderwegen, ob wie hier über den Strand….
..oder wie hier kurz danach durch einen Alleenweg
„Wenn es staubt  fährt du zu schnell“ – frei nach Google-Translator
Vorbei an den Ochseninseln
An der dänischen Ostseeküste kann man es schon aushalten
Der Kultimbiss entlang des Trails

Immer der Küste folgend geht es nach Sandager. Steinesammler sei empfohlen einen großen Rucksack mitzunehmen. Hier findet man unter anderem Lochsteine, die man gerne auf einer Schur aufreiht und aufhängt um mit magischen Kräften Haus, Hof und Mensch zu schützen. Nach weiteren sechs Kilometern ist das Tagesziel  Egernsund erreicht. Abenteuerlich gestaltet sich Rückfahrt per Bus. In dieser Region  verkehrt der dänische Busbetreiber Sydtrafik zwar bis Flensburg, jedoch benötigt es schon einer sorgsamen Vorbereitung um an den Zielort zu gelangen. Grundsätzlich sind die Haltestellen namentlich nicht bezeichnet und verfügen i.d.R. über keinen Aushang. Haltestellenanzeigen im Bus selbst, oder automatisierte Ansagen: Fehlanzeige,  Nicht alle Linien fahren bis in die späten Nachmittagsstunden und an Wochenenden ist der Fahrplan ausgedünnt. So ist es anzuraten die Streckenplanung auf die Busfrequenz abzustellen. Dank der sehr freundlichen Busfahrer ist es auch nicht schwierig die passende Bushaltestelle wieder zu finden.

Ein dichtes Wolkenbank fegt über die die Ochseninseln hinweg
Ein Gerücht besagt dass die legendäre Königin des Nordens auf eine der Ochseninseln heimlich bestattet worden sei
Ein mächtiger Baumstumpf reckt sich gen Ostsee
Das hat schon Stil…..
Sensationell:…“…bitte nicht laut sprechen oder schreien…“
Leading Quality Trail……….
Lochsteinsammler werden hier fündig
Weiter geht es durch einen küstennahen Streifen….
um dann über einen Wurzelweg weiter zu wandern…..
..der dann in einen weichen Bodenbelag übergeht…
Abenteuer Busfahren mit Sydtrafik

Bushaltestellengerecht starte ich am zweiten Tag in Egernsund um traditionell dem alten Gendarmenpfad, der entlang der Küste verläuft, zu folgen. Vorbei an Rendbjerg geht es Richtung Brunsnäs. Hier befindet man sich im Zentrum der ehemaligen Ziegelsteinindustrie. Dank den lehmreichen Böden etablierte sich bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein mächtiger Industriezweig mit bis zu siebzig Ziegeleien in der Spitze.  Vorteilhaft auch die Lage an der Ostse. Man war in der Lage die Ziegelsteine in alle Herren Länder, bis in die Karibik, zu exportieren. Begleitend zum Gendarmenpfad wurde ein Ziegelweg mit sehr umfangreichen Informationstafeln angelegt. Zudem bietet das hier eingerichtete Ziegeleimuseum Cathrinesminde die Möglichkeit sich aus erster Hand über die Produktionsabläufe der Ziegelsteinindustrie zu informieren.

Unterhalb der Brücke von Egernsund kann man kostenfrei parken – die Buslinie hält oberhalb auf der Schnellstraße
1991 wurden über 100 Jahre alte Ziegelsteine entlang der dänischen Küste gesammelt, dekoriert, glasiert, neu gebrannt und als Skulptur zur Erinnerung an die heimische Ziegelindustrie aufgestellt
Die skandinavische Architektur überrascht immer wieder, wie dieses Bild unter Beweis stellt, welches durchaus rätselhaft erscheint
Von der Nordsee drückt ein Tiefdruckgebiet herein
..während es bei Rendbjerg noch beschaulich zugeht
Nicht immer muß es Farbe sein, um Stimmung zu vermitteln
Wetterbedingt stülpt sich diffuses Licht über Broager
Rund um das Broagerland
Eine Minileuchte….
Tiefdruckalarm von hinten
Hochdruckzone von vorne
Im Land der Ziegelsteinindustrie
Allemal: Küstenwanderungen sind immer abwechslungsreich
Ein ehemaliger Ziegelwerkstandort. Die hinteren Lehmhügel sind mittlerweile überwuchert. Hinten auf einem Hügel hatte der Besitzer eine Villa, jedoch keine Fenster zur Küstenseite, da er die Arbeiter im Ziegelwerk nicht von seinem Heim aus sehen wollte…..
Integrativer und informativer Bestandteil des Gendarmenpfades ist die Ziegelwerksroute
Ein wunderschönes Piktogramm
Kunstwerke bereichern den Ziegelweg

Broaser, die Stadt mit den mächtigen Doppeltürmen der dortigen Kirche wird nur am Rande gestreift. Abwechslungsreich gestaltet sich die weitere Wegeführung. Bis nach Brunsnäs ist Küstenwanderung angesagt, anschließend verzieht sich die Streckenführung partiell in das Landesinnere um via Kragesand wiederum auf die Küste zu treffen.

Gute Fahrt!!
Best of wandern……..
Und dieser Baum hat sich zum Wachsen hingelegt
Bei der Flensburger Touristeninfo erhält man kostenfrei einen wunderbaren Wegweiser für den Gendarmenpfad – mehr braucht es nicht
Selten solch einen Blödsinn gelesen: Auch der gutmütigste Stier kann einen schlechten Tag haben
Und diese vierbeinigen Freunde genießen das entspannte Umfeld
Durch den „Liebestunnel“
Nach einem kurzen kräftigen Regenguß zeigen sich die Strandsteine von ihrer schönsten Seite…
Kerngesunde Fußzonenreflexmassage auf knapp zwei Kilometer

Hinter Kragesand wird es spannend. Die Großstadt Sonderborg auf der gegenüberliegenden Seite schon im Auge haben verschwenkt zunächst eine Bucht in westlicher Richtung. Über spektakuläre Steilufer führt die Passage bei Stensigmose, für ein Ostseeufer in ungewohnte Höhen ein. Aus taktischen Gründen wurde als Tagesziel der kleine Ferienort Vemmingbund gewählt. Von hier aus erreicht man nämlich innerhalb von zehn Minuten die Verbindungsstraße die Sonderborg mit dem Rest der Welt verbindet, einschließlich Bushaltestelle.  Nach 40 Minuten und einmaligen Umsteigen ist der Ausgangsort in Egernsund wieder erreicht.

Ein toller Abschnitt – hier verläuft der Gendarmenpfad oberhalb der Steilküste
Kein Fluß – sondern die Ostsee
Glück gehabt, daß keine „high tide“ ist
Lediglich Muschelschwemme ist hier angesagt
Einfach gigantisch
Ausstieg in Vemmingbund auf der zweiten Etappe
..und diesmal der Blick nach Westen auf die markante Doppelturmspitze von Broager

Die letzte Passage des Gendarmenstegs führt zunächst von Vemmingbund nach Sondernborg vorbei am geschichsträchtigsten  Ort auf der Passage der Anhöhe Dybböl Bänke, dort wo es 1864 zu einer furchtbaren Schlacht zwischen Döänen und Preußen kam, die katastrophal für das dänische Volk endete.

Sturmtief voraus: ein heftig mächtiges Tief kündigt sich an…
…genau das richtige Wetter für beste Impressionen
Die Dybbol Bänke: Wo heute friedlich Kühe grasen wurde 1864 nach fünfwöchigen Beschuß hier der deutsch-dänische Krieg entschieden

Nach weiteren drei Kilometern ist Sonderborg erreicht, eine Stadt mit rund 28.ooo Einwohnern. Sehenswert ist der Stadthafen und historisch bedeutsam das hier befindliche Schloß Sonderburg. Mal dänisch, mal deutsch, analog der regionalen Entwicklung  wechselvoll die Geschichte des Schlosses. Heute ist im Schloß ein Museum untergebracht und man kann sich hier aus erster Hand über die bewegte Geschichte des Landstrichs informieren.

Sonderborg – die Stadt mit dem schmucken Hafen
„Der Butt“ nach Günter Grass – im Hintergrund  Schloss Sonderburg

Vorbei am Sonderborger Hafen geht essentiale der Küste entlang eines Boulevards in das Naturgebiet Trillen. Trillen ist ein herrliches naturbelassenes Areal, bepflanzt mit alten Schwarzkiefern ein Highlight auf der Strecke.

Unterwegs auf königlichen Pfaden
Langsam mobilisiert sich die ansonst ruhige Ostsee
Ein markantes Szenario
..und nach einem Regenguß wirkt alles frischer
..spannender als blauer Himmel

Vor einigen Jahren endete der Gendarmenpfad im Weiler Horuphav. Im Rahmen einer Erweiterung hat man den Pfad bis nach Skovby um zehn Kilometer erweitert. So hat man auf dem letzten Streckenabschnitt Gelegenheit die 1756 errichtete Wassermühle von Vibaek Vandmolle zu besichtigen. Busverbindungsgerecht kann man auf die letzten vier Kilometer nach Skovby getrost verzichten um an der Verkehrsstraße bei Viböge Toft nach zeitlicher Vordisposition die Rückfahrt mit Umstieg in Sonderborg anzugehen. Achtsamkeit ist an Wochenenden angesagt, denn dann verkehren die Busse teilweise im zwei- bis dreistündigen Turnus.

Bei Horaphav der ursprünglichen Endstation des Gendarmenpfades ist eine historische Grenzstation aufgebaut
Dieses Hinweisschild ist irreführend. Über den Zaun klettern verboten, rechts vorbei ist dagegen in Ordnung
Geschichten ranken sich um diese Bunker. Angeblich wurden hier geheimnisvolle Versuche durchgeführt. Die Wahrheit: hier wurden Radarnavigationssysteme von den Deutschen entwickelt um feindliche Flieger und U-Boote zu stören
Der neueste Abschnitt des Gendarmenpfades – gesegnet mit Wegekennzeichnungen
Steinesammlung am Ostseeufer
An dieser Stelle kann man sich entscheiden. Der Restweg nach Skovby ist nicht wirklich spannend. Exit über die die Mühle und dann weiter Richtung Busstation
1756 als Wassermühle erbaut und 1832 mangels Wasser als Windmühle umgewidmet.
Die dänische Busstationen. Unterstand, Sitzgelegenheit, Busfahrplan, Haltestellenbezeichnung – alles überflüssig. Einzig die Hoffnung, daß ein Bus kommt stirbt zuletzt

Szenenwechsel. Nach der  beeindruckenden dänische Seite der Flensburger Förde steht der nördliche Pendant an. Offizieller gestartet wird in Wassersleben unweit der dänischen Grenze. Selbstverständlich gehört es sich, nach dem das Auto unweit einer taktisch gut gelegenen Bushaltestelle abgestellt wurde, zum idyllisch gelegenen deutsch-dänischen Grenzübergang Schusterkate zurückzugehen. Hier mündet die Krusau in die Ostsee und hier war der Grenzübergang bis zum dänischen Beitritts Dänemarks zum Schengener Abkommen die Grenze nur saisonal geöffnet.

Die Nacht geht – der Tag kommt
Die beste Zeit um mit dem Fischkutter unterwegs zu sein
Der Grenzübergang Schusterkate. Das „D“ steht für Dänemark und der 15.6.1920 für das Datum der offziellen Grenzlegung nach dem Volksentscheid

Entlang der Förde geht es zunächst der Küste entlang, vorbei an der Flensburger Werft durch das üblich dröge Industrieggebiet zum Flensburger Hafen. Zu gesitteten Zeiten ist hier auf Fälle ein Besuch des historischen Museumshafen anzuraten. Rund um die Hafenspitze geht es auf der andereren Seite hinauf zum Volkspark. Hier wird erst- und einmalig der „Fördesteig“ seinen Namen gerecht – ansonsten ist ein Marsch auf der flachen Ebene angesagt. 1925 wurde der Volkspark angelegt, jedoch oberflächlich betrachtet macht der Park einen ungepflegten Eindruck.

Vorbei an der Flensburger Museumswerft
Im Schatten des drohenden Sonnenaufgang ein Flensburger Wahrzeichen – die St. Jürgenkirche
Guten Morgen Flensburg
Das Gegenstück am Hafen zum berühmten Flensburger Nordertor
Flensburger Hafenpanorama in der Morgensonne
Allemal ist es lohnenswert die sehenswerte Flensburger Altstadt zu erkunden
Im Gegensatz zum Gendarmensteig ist im Gesamten die Wegekennzeichnung des Fördesteigs versifft und mangelhaft
Der Volkspark macht keinen gepflegten Eindruck

Auffällig ist, dass grundlegend die Beschilderung des Fördesteigs zu wünschen übrig läßt und teilweise gänzlich fehlt. Hier sollte man sich von den dänischen Nachbarn eine Scheibe abschneiden, denn auf dem Gendarmensteig ist die Wegekennzeichung exzellent – verlaufen ist schier unmöglich. Vorbei am modern gestalteten Areal der Sonwik-Marina umrundet man Richtung Fahrensodde das weitläufige Gebiet der Marineschule Mürwik. Schade daß man keine Gelegenheit hat, das imposante Marinegebäude zu besichtigen.

Insbesondere Ro-Ro-Schiffe werden hier gebaut
Starke Bauweise  an der Sonwik Marina:  wohnen am Steg
Von diesem Verein bekommt man nicht gerne Post

Zwischen Fahrensodde und Glücksburg eröffnet sich ein wunderbar wanderbarer Küstenweg entlang der ruhigen Ostsee. Gegenüber von Kollund und den Ochseninseln kann man teilweise kilometerweit entlang der Strände flanieren. Augenfällig ist, daß trotz sommerlicher Wetteranlage Anfang September der Badebetrieb fast eingestellt ist. Auch darf man sich keine Chance auf eine strandnahe Kaffeerast ausrechnen, zumindest nicht vor 14 Uhr, wie es den Anschein hat.

Beste Pfade Richtung Glücksburg
Ein kreatives Verbotsschild
Saisonende: In Glücksburg selbst hat man scheinbar alle Systeme zurückgefahren

So geht es dem Küstenverlauf folgend zum Leuchtturm Holnis, der Eingangspforte zum gleichnamigen Naturschutzgebiet. Abkürzungsgfetichisten könnten vor Schausende einen Bypass Richtung Bockholm wählen, jedoch ist der Spaziergang rund um das Naturschutzgebiet hochgradig zu empfehlen. Wie auf der gegenüberliegenden dänischen Seite gab es auch hier einige Ziegeleibetriebe.

Schildermania am Fördesteig
Vogelparadies NSG Holnis
Klare Luft, gute Wanderwege
…und Tausende von Flugobjekten

Einmalig ist der Blick vom 23 Meter hohen Holnis Kliff, vielleicht der beste Aussichtspunkt über die gesamte  Flensburger Förde. Abweichend vom regulären Fördesteigweg empfiehlt es sich den verlängerten Bypass entlang des äußersten Strandes zu wandern, um am ehemaligen Fährhaus, wo bis 1875 eine Fährlinie nach Brunsnäs unterhalten wurde wieder auf den Fördesteig zu stoßen.

Teilblick vom Holnis Kliff
Entlang des erweiterten Strandweges geht es ab und an eng zu
….was Strandgänger aber nicht abschreckt
Harmlose Cumuluswolken bereichern die ruhe Ostsee

Auf ruhigen Küstenwegen geht es nach Bockkolm. Da infrastrukturell der Fördesteig nicht mit passablen Busverbindungen erschlossen werden kann ist eine bedarfsbezogene Streckenplanungen mit Einbeziehungen entsprechender Zu- und Abwege einzuplanen, da die Hauptbuslinie auf der im Süden gelegenen Nordstraße, der B199 zwischen Kappeln und Flensburg verkehrt. Demgemäß bietet es sich an die 41 Kilometer lange Tagestour via Bockholmwik, von dort aus durch ein Waldstück Richtung Langballig/Unewatt abzuschließen.

Golfer und Wanderer sollten sich nicht in die Quere kommen
Bockholmwik in Sicht
Nach so viel Wasser sind ein paar Bäume auch willkommen
Unkonventionelle Wegeschilder
Urige Häuschen Richtung Unewatt

Unewatt ist strategisch exzellent gelegen, da am dortig gelegenen Landschaftsmuseum sich ein idealer Einstieg mit einer lohnenswerten Zusatztour anbietet. So startet die zweite Fördesteigpassage im sehenswerten Dörfchen. Real betrachtet ist dabei das ganze Dorf ein Museum. Empfehelswert ist hier ein Gang durch das bewaldete Langballigautal – ein Genuß zu früher Morgenstunde. Hinter Westerholz wird die Fahrte zum Fördesteig wieder aufgenommen.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang Start am Museumsdorf Unewatt
Hinein in das Langballigautal
Bei Westerholz – zwischen Tief- und Hochdruckgebiet
Vom Strand geht es aufwärts in das Hinterland

Auffallend sind die vielen Dorfnamen, die hier auf -holz enden. Ein Beleg für die relativ dichte Bewaldung an der hiesigen Ostseeküste. Via Dollerupholz zieht der Fördesteig über  Kalleby Richtung Philipstal. Zweifelsohne ist dieser Abschnitt der unattraktivste der gesamten Fördesteigstrecke, jedoch scheinbaar mehr oder minder alternativlos, es sei denn man hatte bei der Streckenplanung bewußt die sich anschließende Passage durch das Habernisser Moor als Belohnung für diesen tristen Abschnitt ausgewählt.

Hier geht es schon holzig zu

Die Habernisser Au, das größte zusammenhängende, naaturnah erhaltene Auegebiet an der Flensburger Förde. Gut gangbare Bohlenwege führen durch die sumpfige Landschaft. Allemal – hier macht Wandern richtig Spaß. So schließt sich eine tolle Strandwanderung an. Dank normalen Wasserstand kann man bis nach Steinberghaff den Strandweg entlang wandern, auch wenn ab und an das ein oder andere Geäst als natürliches Hindernis im Wege steht.

Durch das Habernisser Moor
Einmal mehr ein wassernaher Abschnitt
Platzprobleme hat man in diesem Landstrich nicht
Gelting Mole in Sicht
Abteilung mickrig: Sonnenblumen haben an der Ostsee einen schweren Stand
Norddeutsche Territorialkunde

Durch einen kurzen bewaldeten Abschnitt führt die Passage zur Gelting Mole. Bis 199 war hier reger Fährbetrieb in Sachen Butterfahrten zu verzeichnen. Die EU zog die Reißleine, der Fährverkehr zwischen Deutschland und Dänemark wurde eingestellt. Entlang der Geltinger Bucht kann man das nächste Ziel, die imposante Mühle Charlotte bereits anavisieren.

Perfekt: Graben – nicht eintüten!
Geltinger Birk – ein exzellentes Naturschutzgebiet

Ursprünglich war eingeplant hier die Tagestour zu beenden, einen Bypass zur nächsten Busstation nach Gelting zu nehmen und von hier aus am Folgetag den restlichen Abschnitt bis nach Kappeln an der Schlei zu wandern. Nach intensivem Studium der Wegestruktur hat sich jedoch eine interessante Alternative angeboten.

Fortgesetzt wird die Passage mit einer kompletten Umrundung der Geltinger Birk, einem außergewöhnlichen Naturschutzgebiet. Vorbei an der holländischen Mühle aus dem Jahre 1824 lohnt es sich regelrecht einzutauchen in das älteste Naturschutzgebiet in dieser Region. Verlandete Schilfsümpfe, Salzwiesen, Tümpel, Strandwälle und Wälder als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Vogelfreunde beobachten hier mehr als 170 verschiedene Vogelarten. Inmittten des Gebietes ist eine große NABU-Schutzhüttte eingerichtet, die auch regelmäßig besetzt ist. So geht es einmal die Halbinsel umrundend nach Falshöft und via Nieby die Halbinsel querend zum Herrenhaus Grahlenstein nordwärts nach Gelting.

Die historische Mühle Charlotte im Geltinger Birk
Ein Naturschutzgebiet vom Feinsten
Hier kann man zu jeder Jahreszeit bestens wandern
Blick hinüber zur dänischen Seite
Die NABU-Hütte – tagsüber i.d.R. besetzt
No plastic – NSG-gerechte Beschilderung
Hoffentlich verstehen das die Vierbeiner
Klare Sache wo hier der Wind her weht
Am Birk-Nack – der nördlichen Spitze des NSG
Hier ist das Land ständig in Bewegung

Zweifelsohne war die Geltinger Birk-Umrundung ein würdiger Abschluß der Felnsburger Fördesteigtour. Der Rest Richtung Kappeln:  geschenkt. Geologisch gesehen läuft die Förde am Geltinger Birk aus. Auch wenn der Steig offiziell bis nach kappeln geht, wechselt die Bezeichnung bei Falshöft in Ostseesteig. Hinter Massholm verzieht sich die Strecke in das Landesinnere um anschließend parrallel zur B199 zu verschwenken, was die Atrraktivität der Streckenführung nicht wirklich erhöht.

Reetsdorf Geltinger Birk : 110 qm Quadratmeter für 180 EURO die Nacht
Marmelade kann man hier an jeder Ecke kaufen
…aber Gasthöfe die offen haben sind rar gesäht
Endstation Gelting

Rückblickend bleiben sehr spannende 175 Kilometer rund um die Flensburger Förde in bleibender Erinnerung. Der Gendarmenpfad ein außergewöhnlicher dänischer Part und ein abrundender Fördesteig von Flensburg bis zur Geltinger Birk, gangbar zu jeder Jahreszeit. So muß man als bekennender Mittelgebirgswanderer dem Norden Deutschlands und dem Süden Dänemarks Respekt zollen für diese außergewöhnliche Infrastruktur. Wanderparadies Schleswig Holstein und Süderjütland? Aber sicher!

Grün der Gendarmenpfad, rot der Flensburger Fördesteig

 

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