Blickachsen – sofern man sie sehen möchte – sind essentieller Bestandteil einer gepflegten Wanderung. So hat es sich regelrecht angeboten, die aktuelle Skulpturenbiennale die im zweijährigen Rhythmus im Bad Homburger Umfeld stattfindet, in eine gepflegte Marathonwanderung einzubetten. 42 Blickachsen auf 42 Kilometer, so der sportliche Auftrag dieser Exkursion.
Vom Startpunkt der KonstablerWache in Frankfurt geht es zunächst zum Campus der Johann-Wolfgang-Goethe-Universtiät, dort wo sechs der insgesamt 60 Gegenwartsskulpturen installiert sind. Jedoch auch ohne Ausstellung kann man auf dem Weg entlang der Kunstobjekte genügend Blickachsen entdecken. Frankfurt als Metropole, die sich ständig weiterentwickelt, bietet hierzu genügend Entdeckungsmöglichkeiten und insbesondere am frühen Morgen, dann wenn die Mainstadt noch regelrecht entvölkert ist, und man sich auf das Stadtbild konzentrieren kann.
Blickachse I: Die vielleicht teuerste Blickachse in der Frankfurter ZeilBlickachse II: Downtown Frankfurt an der HauptwacheBlickachse III: Mobiler Zeitgeist 2019Blickachse IV: Schweizer Großbank im Spiegelbild einer Deutschen
Nach zweieinhalb Kilometern ist der Campus erreicht. Noch heute beeindruckt die scheinbar zeitlose Architektur des I.G.-Farben-Hauses. Von hier aus koordinierte der spätere US-Präsident Eisenhower den Wiederaufbau Westdeutschlands, heute ist hier eine Bildungsstätte von Weltruf untergebracht. Anläßlich der Kunstausstellung wurden auf dem Campusgelände insgesamt sechs Kunstobjekte installiert. Ohne fachliche Unterstützung ist es dabei schon eine Kunst zu verstehen was der Künstler mit seinem Werk an dem gewählten Standort ausdrücken möchte. Allemal Kunst polarisiert – in welche Richtung ist am langen Ende nicht maßgeblich und es bleibt dem Auge des Betrachters überlassen seine persönlichen Schlüsse daraus zu ziehen – frei nach der trivialen Erkenntnis: „Was wollte der Künstler uns damit sagen“
Blickachse V: „Die lose Anordnung der Formelemente dieser Skulptur kontrastiert an ihrem Aufstellungsort die strenge Geometrie des Universitäts-Gebäudes“ so der Wortlaut des AusstellungskatalogesBlickachse VI: Passend zur aktuellen Diskussion: Plastiktürme die sich in den Himmel strecken?Blickachse VII: Acht ungewöhnliche Säulen aus bunten Plastikeimern bilden auf dem Campus Westend mitten auf einer Wiese einen Kreis. „Kush Yard Totem“ ein Methapher für Äthiopien – die Wiege der MenschheitBlickachse: VIII: „Die Arbeit reflektiert ihr Umfeld in zahllosen Detailansichten, die sich zu einem vielstimmigen, beim Umgehen ständig sich transformierenden Gesamtbild verdichtet“Blickachse IX: Dieses Objekt ist dauerhaft am Campus installiert und einem der klügsten Köpfe der hier lehrte, nämlich Adorno, gewidmet
Nach den künstlerischen Blickachsen auf dem Hochschulgelände bietet es sich auf dem Gang Richtung Bad Vilbel, dort wo weitere Installationen aufgestellt sind, regelrecht an, eine besonders markante Frankfurter Blickachse, den Frankfurter Lohrberg, mitzunehmen. Vom Frankfurter Hausberg, dort wo der einzig verbliebene Weinberg im Stadtgebiet vorzufinden ist, eröffnet sich eine besonders spannende Blickachse auf die Skyline der Bankenmetropole.
Blickachse X: Der Lohrbergblick als Dauerausstellung: eine der schönsten Blickachsen auf die Frankfurter SkylineBlickachse XI: Blickachse Weinberg auf dem Lohrberg: alles eine Frage des Vertrauens was hier rausgeblasen wirdBlickachse XII: Auch die Natur bietet feinste Blickachsen – wie hier am Lohrberg Richtung Bad Vilbel
Vom Lohrberg aus ist es ein regelrechter Katzensprung in das benachbarte BadVilbel. Die an der Nidda gelegene Stadt hatte sich insbesondere durch ihre zwanzig Heil- und Mineralquellen einen Namen gemacht. Mit insgesamt drei Skulpturen eines niederländischen Künstlers hat man dabei den eingefassten Bereich der Hassia-Quelle bereichert, ohne jedoch damit eine auffälligeInszenierung zu bewirken. So mag man es schon als Kunst anzusehen die Kunstobjekte unauffällig im Kulturraum zu platzieren.
Blickachse XIII gen Himmel: Vorvorboten des Herbstes
Von Bad Vilbel aus geht es weiter westwärts Richtung Taunus. Zweifelsohne ist BadHomburg, wo insgesamt mehr als die Hälfte der insgesamt sechzig Kunstobjekte aufgestellt wurden, das Zentrum der Blickachsen-Veranstaltung. Letztendlich war der opulent gestaltete Kurpark des mondänen Bäderortes mit seinen gestalteten Blickachsen Namensgeber der nunmehr zwölften Blickachsenausstellung.
Blickachse XIV: Abstrakte Raumkompositionen am Niddaufer aus Stahlbeton im Bad VilbelBlickachse XV: Und auf dieser Bad Vilbener Baustelle gibt es eine Stahlbaustelle der besonderen ArtBlickachse XVI: Sechs-Meter-Strohlballenturm – kein Kunstobjekt sondern gelebte Agrarkultur
Spektakulär der Einstieg in Bad-Homburg. 200 gebrauchte Jacketts sind über der Brunnenallee im Bad Homburger Kurpark aufgereiht voluminös aber dennoch leer, so die Botschaft des finnischen Künstlers. So geht es weiter durch das 44 Hektar große Areal des Kurparks zu den dort installierten Objekten. Im veröffentlichten Ausstellungsplan sind die Standorte rudimentär hinterlegt, so dass durchaus die Vermutung nahe liegt dass man den Besucher bewußt auf Entdeckungsreise schickt. Letztendlich ein gutes Training um mit offenen Augen sein Umfeld zu entdecken.
Blickachse XVII: 200 gebrauchte Jackets schweben über den KurparkeingangBlickachse XVIII: Blick zurück: Ein ungewöhnlicher Rahmen für den HochzeitsfotografenBlickachse IXX: Vor dem Kurhaus hat die Künstlerin mit diesem Objekt folgende Inspiration: „Der oval-röhrenförmige „Urraum“ zeigt dagegen eine dynamische Spannung zwischen den außen sichtbaren Konstruktionsmodulen und der Innenhaut – und er wirkt, als würde er schaukeln, wenn man ihn beträte.“Blickachse XX: Monumentale konische Formen die bereits 2012 in New York ausgestellt wurden, wo die Besucher eingeladen waren, die Lage der Objekte zu verändern um neue Konstellationen zu schaffen.Blickachse XXI: Für einen Wanderer besonders interessant: Big half footBlickachse XXII: Den Kopf in den Sand stecken verschließt die Blickmöglichkeiten…..Blickachse XXIII: „Die Arbeit mit dem Titel „Donnerstags ist alles gut“ eignet sich sowohl als Ort der Begegnung wie auch zum Ausruhen und Genuss des Ausblicks auf die Wasserfontäne. Bei Sonnenschein offenbaren die 900 Getränkekisten ihre überraschende Schönheit, wenn sie das Licht aufnehmen, es in kleine Lichtpunkte filtern und ihre Farbe voll erstrahlen lassen.“Blickachse XXIV: „Double dribble“ bezeichnet im Baskettball ein unerlaubtes Dribbling – so suggeriert das Kunstwerk, dass jenseits der Regeln das freie Spiel beginnt und Unvorhergesehenes geschehen kann. Es geht um das Unkontrollierbare, die vertrauten Bälle, die an einem unbekannten Ort gelandet sind, ihren eigenen Sprung gemacht haben, ihre eigenen Grenzen durchbrochen haben, weg vom Offensichtlichen, Vorhersehbaren, hin zum schwindelerregenden Zustand, in dem alles möglich ist.“Blickachse XXV: „ Auf einem über fünf Meter breiten Aluminiumrahmen ist mit dem in der Videotechnik heute üblichen Bildseitenverhältnis 16:9 ein Netz gespannt, in dem Tausende von reflektierenden Plättchen hängen. Die Pailletten bewegen sich im Wind und jede von ihnen spiegelt einen kleinen Ausschnitt der Umgebung, wirkt aus der Ferne wie ein einzelner, sich ständig verändernder Bildpunkt auf der Fläche. So entsteht ein Gemälde aus Licht und Bewegung – ein endloser abstrakter Film, in dem die Bewegung des Windes und die changierenden Farben der umgebenden Natur zu sehen sind.“ Darauf muß man erst einmal kommen!Blickachse XXVI: Spieglein Spieglein an der Wand…….Blickachse XXVII: „Giant Log“ ein 13 Meter hoher GlasmonolithBlickachse XXVIII: Die Glasstele, in sich axial verschoben legt je nach Blickwinkel immer wieder neue Blickachsen freiBlickachse XXIX Die Ausmaße…gigantisch
Vom Kurpark geht es hinüber zum Schloßpark, dort wo weitere Exponate eingebracht wurden. Just an diesem Tag hat sich eine Hochzeitsgesellschaft als Blickachse der besonderen Art versammelt, die in Mitten des öffentlichen Raumes vor der Kulisse des Schlosses diesen Tag gebührend feiert. So wirken die Ausstellungsobjekte an diesem Platz mehr oder minder als unauffälliges Beiwerk. Verläßt man den Schloßpark in westlicher Richtung so beschließt die vielleicht prominenteste Gestaltung der Ausstellung den Rahmen. Keine geringere als die Konzeptkünstlerin Yoko Ono hat hier in Bad Homburg als Bestandteil der seit 1996 weltweit eingerichteten „Wish trees“ ein diesbezügliches Areal gestalten lassen.
Blickachse XXX: Man muß schon sehr genau hinschauen um diese Kunstinstallation zu entdecken. Besucher werden aufgefordert, entschlossenen Schrittes einzutreten – wie bei einem Bühnenauftritt.Blickachse XXXI: Außerhalb des Programmes aber innerhalb von Bad Homburg: Hier leben die meisten EinkommensmillionäreBlickachse XXXII: Randnotiz zur Ausstellung – eine ungewohnte BlickachseBlickachse XXXIII: Teil der Bad Homburger Dauerausstellung: eine ungewohnte Blickachse auf die Erlöserkirche. Es ist eben alles eine Frage des BlickwinkelsBlickachse XXXIV: Wer wagt es?Blickachse XXXV: Hochzeitsgesellschaft als Teil des KunstraumesBlickachse XXXVI: Eingezäunt – die Arbeit eines schwedischen KünstlersBlickachse XXXVII: Annual rings: Nach Interpretation des Künstlers eine Installation zahlreicher lose aufeinanderliegender Holzstämme, deren Schnittflächen mit Farbkreisen bemalt sind, die sichtlich ‚Jahresringe‘ andeuten und ein buntes Innenleben der Bäume suggerieren. So wird der grüne Aufstellungsort auf humorvolle Weise durch ein farbenfrohes Detail kommentiert und ergänzt.Blickachse XXXVIII Yoko Onos Wish TreesBlickachse XXXIX: Das fortlaufende Projekt „Wish Trees“ hat Ono seit 1996 weltweit an zahlreichen Orten eingerichtet. Die Wünsche sammelt sie alle im “Imagine Peace Tower” auf Island. Die Installation dort besteht aus einer Lichtsäule, die jährlich zwischen dem 9. Oktober und dem 8. Dezember, John Lennons Geburts- und Todestag, bis zu 4 000 Meter in den Himmel aufsteigt.Blickachse XXXX: Blickachse auf die Blickachsen
Die Blickachsen zum benachbarten hessischen Feldberg im Auge habend geht es ein Stück entlang der Regionalparkroute zum Hofgut Kronenhof, dort wo ganzjährig Bierspezialitäten gebraut werden. In der Finalrunde führt die Passage in das benachbarte Oberursel, dort wo mit dem Alten Oberurseler Brauhaus, welches unter den 40 besten Bierlokalen Deutschlands gelistet ist, ein würdiger Abschlußpunkt der Blickachsentour vorzufinden ist.
Blickachse XXXXI: Blick auf den FeldbergBlickachse XXXXII: Zu tief in das Glas geblickt?
42,3 Kilometer mit Kunstobjekten angereicherten 42 Blickachsen in Marathonqualität – eine Exkursion der außergewöhnlichen Art die einmal mehr zeigt, dass es immer wieder Anreize gibt um interessante Wanderungen zu konzipieren.
Frankfurt, den 4. Juni 2016 „Deutschlands schönster Metropolwanderweg 2014“, so die Auszeichnung des Wandermagazins, welches den Frankfurter GrünGürtel (offizielle Schreibweise) auf Platz 1 vor dem Berliner 66-Seen-Weg und dem Kölnpfad rund um die Karnevalsmetropole sah. Nach Einschätzung der Jury ist der rund 65 Kilometer lange GrünGürtel-Wanderweg ein Musterbeispiel für einen stadtnahen Wanderweg mit höchstem Unterhaltungswert. Obschon Frankfurt eine flächenmäßig kleine Metropolregion ist, und der Nutzungsdruck auf unbebaute Flächen unverändert hoch ist, verwundert es Besucher immer wieder, dass Frankfurt eine sehr grüne Stadt ist. Immerhin 8.000 Hektar Fläche , ein Drittel der Stadtfläche Frankfurts umfasst dabei der weitgehend geschlossene Grünring. Der 66 Kilometer lange Rundwanderweg (es gibt auch noch einem 63 Kilometer langen (ehemals 75 km) Radweg) ist offiziell in acht überschaubaren Etappen eingeteilt. Motivation genug um über einen Wanderlackmustest durchzuführen – unter dem Motto „Wandern soweit die Füße tragen“. Die Voraussetzungen für diese Exkursion waren nahezu ideal. Fronleichnamsfeiertag, mit knapp 15 Stunden Sonnenschein, Temperaturen oberhalb von 25 Grad und einen mäßigen Windeintrag aus südöstlicher Richtung. Gestartet wurde sinnigerweise an einer S-Bahn-Station in Frankfurt-Berkersheim, um alle Optionen offenzuhalten jederzeit zum Ausgangsort zurückzukehren. „Frankfurts schönsten Sonnenaufgang erlebt man am Lohrberg“, sagen Eingeweihte. Demgemäß war es nicht verboten, bereits gegen 04:00 Uhr, wo noch nicht einmal der bürgerliche Sonnenaufgang eingesetzt hat, sich bei lauen 13 Grad auf den Weg zum 6,5 Kilometer entfernten Hausberg der Frankfurter, dem Lohrberg zu machen, um 5.16 Uhr die ersten Sonnenstrahlen zu begrüßen. Rasch hat man Berkersheim in östlicher Richtung verlassen, um vorbei an noch im Dunkeln liegenden Baum- [read more…]
Frankfurt, den 1. Januar 2022 – Ungewöhnlich – aber spannend, so der diesjährige Start in das neue Wanderjahr 2022. 48 Stunden zuvor lag als Steilvorlage für diese Tour ein Zeitungsartikel über eine abendliche Lichtkunstveranstaltung im 22 Hektar großen Frankfurter Palmengarten auf dem Tisch. Der Rest – pure Fleißarbeit. Rasch war eine vorgeschaltete Wanderung durch die Mainmetropole Frankfurt zusammengestellt, der ein einziges Leitthema zugrunde lag: die Zahl 22 als Metapher für das neue Jahr und eine inspirierende Alternative um eine vertraute Umgebung unter einem neuen Blickwinkel aufzunehmen. Neujahrtag 07:45 Uhr. Die Finanzmetropole liegt noch im Koma. Regelrecht ausgestorben sind die Straßenzüge der Stadt. Autoverkehr: Fehlanzeige, Hundegänger und Jogger: Fehlanzeige. Selbst die städtischen Reinigungsfahrzeuge sind nicht auf der Piste da mangels Feuerwerksböllerei besondere Reinigungseinsätze nicht erforderlich sind. So geht es vom Startpunkt, dem Stadtteil Bockenheim, zunächst Richtung Norden auf die Jagd nach der magischen Zahl 22, die in spirituellen Kreisen auch als Engelszahl bekannt ist und nach Einschätzung von Experten höchste Schwingungsenergien besitzt. So geht es eben mit morgendlichen Schwung auf eine Entdeckungswanderung der besonderen Art. Über die Kleingärtenanlagen die im Schatten des Europaturms liegen, geht es die A66 unterquerend in südlicher Richtung stadteinwärts. Dabei geben die markanten Hochhausboliden im neuen Europaviertel, allen voran der prägnante Messeturm, die Marschrichtung vor. So ist es grundsätzlich relativ einfach sich in Frankfurt zu orientieren. “Fixer konsumieren ihre Drogen auf offener Strasse, Hotels werden zu Puffs, und Restaurants brauchen private Sicherheitsdienste” schrieb Mitte letzten Jahres die NZZ. Auch wenn das Bahnhofsviertel in den letzten Jahren durch [read more…]
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