Laubach, den 24. August 2026 – Ein Residenzring, im Herzen der Natur. Klingt gut und macht neugierig. O.K. – im Herzen der Natur, abgewandelt und zweckentfremdet vom Werbeslogan einer Brauerei, die in der Residenzstadt Lich liegt und seit mehr als 50 Jahren den bundesdeutschen Wohnzimmern die Botschaft einimpft, daß dort wo das hessische Bier herkommt auch das Herz der Natur zu verorten ist.
Im westlichen Vogelsberg haben sich die vier Kommunen Laubach, Grünberg, Hungen und Lich zusammengetan und vermarkten in einem Tourismusverbund die Gemeinsamkeiten, nämlich die vorhandenen Fachwerkkulissen und die mittelalterliche Historie, die von Residenzen und Klöstern geprägt wurde und zuvor schon zu römischen Zeiten annektiert wurde, obschon das Areal in dieser Ära noch unbewohnt aber bewaldet war und daher Buchonia von römischen Geschichtsschreibern genannt wurde.
So lag es auf der Hand vor mehr als zwanzig Jahren den Residenzring aus der Taufe zu heben, um die vier Residenzstädtchen, die allsamt über ein eigenes Schloß verfügen, zu verbinden. Mit 73 Kilometern und 1.300 Höhenmetern lässt sich dieser Weg in zwei übersichtlichen Tagesetappen unter die Wandersohle zu nehmen. Die erste Tagesetappe führt von Laubach über Grünberg nach Lich, dort wo man idealerweise übernachten kann, um am Folgetag von Lich aus via Hungen zurück nach Laubach zu wandern.




Durch den Schloßpark Laubach wandernd geht es ab in die Natur und hinein in den Wald. Moderat der Anstieg zum fünf Kilometer entfernten und 240 Meter hoch gelegen Süßkopf – ab dann geht es bis nach Lich mehr oder minder strukturell abwärts. Auf stillen Pfaden, die teilweise auch Bestandteil des 120 Kilometer langen Vogelsberger Vulkanrings sind, führt die Passage in die Weickartshainer Schweiz, dort wo bis 1940 noch Erz gewonnen wurde. Heute kann man sich auf einem Erzweg über die reiche Geschichte des Eisenerztagebaus im westlichen Vogelsberg informieren.






Hinter der ehemaligen Bergbaulandschaft wird es lichter und man umrundet auf der südwestlichen Achse Weickertshain, bevor die nächste Waldpassage ansteht und man die Residenzstadt Grünberg erreicht. Grünberg ist mit Abstand die schönste Stadt der vier Residenzstädtchen. Man fühlt sich auf Anhieb wohl im kleinen mittelalterlichen Stadtkern, der zudem von drei ehemaligen Klosteranlagen eingefaßt ist, wobei eine davon im 16. Jahrhundert als Schloß umgebaut wurde. Der markante Diebesturm, der zunächst als Gefängis genutzt wurde, ist aktuell nicht fotogen, da er derzeit komplett eingehaust ist und saniert wird.









Raus aus Grünberg und wiederum rein in die Natur. Die Agrarlandschaft öffnet sich und der Wanderweg begleitet nördlich den Verlauf der Vogelsbergbahn im gebührenden Abstand. Als Dreingabe haben die Wegegestalter den Weiler Wirberg eingearbeitet, was zwei Vorteile hat. Endlich geht es einmal wieder aufwärts und man stattet dem ehemaligen Standort einer ehemaligen Klosterkirche einen Besuch ab.Von hier oben erlaubt sich zudem ein Blick in das Gießener Becken. Vom nördlichsten Punkt des Residenzrings geht es nun mehr oder minder stetig abwärts zunächst durch die offene Agrarlandschaft vorbei an Ettingshausen und weiterführend durch den Mischwald hinein nach Lich. Natur pur ist angesagt – ohne Einkehrmöglichkeit, dafür angereichert mit ausreichend Frischluft, da man hier am langern Ende von Autoverkehr, Lärm und Krach verschont bleibt. Einfach im Herzen der Natur….














Der zweite Wandertag – von Lich zurück nach Laubach über die Residenzstadt Hungen. Eine dreiviertel Stunde vor Sonnenaufgang, die beste Zeit zu starten. Noch verschluckt die Dunkelheit den historischen Stadtturm. Einzig ein sich hebender Lichtfetzen der gegenüber sich hebenden Sonne illuminiert die Gär- und Lagertanks der Licher Brauerei, die die größte Brauerei in Hessen ist und mittlerweile der Bitburger Brauereigruppe angehört. Auf dem Weg gen Hungen wandert man streckenweise auch entlang des Lutherwegs 1521, der von Worms bis nach Eisenach führt, und über den bereits auf diesem Blog ausführlich berichtet wurde. So erreiche ich erneut eine beeindruckende Station, nämlich die Klosteranlagen von Arnsburg, ein Areal was lohnenswert für eine vertiefende Besichtigung ist. Restaurierte Spuren der Römer und Hügelgräber aus der Bronzezeit flankieren die Passage gen Hungen. Hungen selbst ist insbesondere als Schäferstadt bekannt, den man beschäftigt sogar einen hauptamtlichen Schäfer, und das schon seit 1606. Das stattliche Barockschloß prägt das Erscheinungsbild der Stadt, wobei der restliche Bereich des Stadtkerns gegenüber den drei anderen Residenzstädtchen deutlich abfällt. Jedoch hat sich Hungen mittlerweile als attraktiver Industriestandort in der Region etabliert.

















Die Schlußpassage des Residenzweges führt in östlicher Richtung hinaus und via Schottener Straße hinein in ein weitläufies Waldgebiet. Dies ist vielleicht der drögeste Abschnitt des gesamten Residenzringes, denn auf den ersten beiden Kilometern ist der Weg asphaltiert und geht anschließend in einen breiten Wirtschaftsweg über. Auf der Höhe des Weiler Vilingen wandert man erneut in die Agrarlandschaft des westlichen Vogelsberg. Im Weiler Ruppertsburg lohnt es von der offiziellen Streckenführung abzuweichen und den kleinen Friedhof Ruppertsburg anzusteuern, denn hier ist das Grabmal eines gewissen Johann Wilhelm Buderus II, der Sohn des Mannes, der hier am 14. März 1731 ein Eisenhüttenwerk pachtete, was als Gründungsdatum von Buderus gilt. Über die Friedrichshütte, dort wo die Geburtsstätte der Eisengießerei liegt, geht es aufwärts und zurück nach Laubach.



Kulturhistorisch reich bestückt -und landschaftlich in einen ruhigen Naturraum eingebettet, den man poetisch im Herzen der Natur verortet. Keine Frage, das Gebiet ist ein adretter Rückzugsort im Hinterhof des Frankfurter Einzusgbereiches und es lohnt sich durchaus auf Entdeckungsreise zu gehen. Zahlreiche weitere Wanderwegsalternativen komplettieren das Angebot in der Region.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar