Mittelhessen

Der Residenzring

Laubach, den 24. August 2026 – Ein Residenzring, im Herzen der Natur. Klingt gut und macht neugierig. O.K. – im Herzen der Natur, abgewandelt und zweckentfremdet vom Werbeslogan einer Brauerei, die in der Residenzstadt Lich liegt und seit mehr als 50 Jahren den bundesdeutschen Wohnzimmern die Botschaft einimpft, daß dort wo das hessische Bier herkommt auch das Herz der Natur zu verorten ist. Im westlichen Vogelsberg haben sich die vier Kommunen Laubach, Grünberg, Hungen und Lich zusammengetan und vermarkten in einem Tourismusverbund die Gemeinsamkeiten, nämlich die vorhandenen Fachwerkkulissen und die mittelalterliche Historie, die von Residenzen und Klöstern geprägt wurde und zuvor schon zu römischen Zeiten annektiert wurde, obschon das Areal in dieser Ära noch unbewohnt aber bewaldet war und daher Buchonia von römischen Geschichtsschreibern genannt wurde. So lag es auf der Hand vor mehr als zwanzig Jahren den Residenzring aus der Taufe zu heben, um die vier Residenzstädtchen, die allsamt über ein eigenes Schloß verfügen, zu verbinden. Mit 73 Kilometern und 1.300 Höhenmetern lässt sich dieser Weg in zwei übersichtlichen Tagesetappen unter die Wandersohle zu nehmen. Die erste Tagesetappe führt von Laubach über Grünberg nach Lich, dort wo man idealerweise übernachten kann, um am Folgetag von Lich aus via Hungen zurück nach Laubach zu wandern. Durch den Schloßpark Laubach wandernd geht es ab in die Natur und hinein in den Wald. Moderat der Anstieg zum fünf Kilometer entfernten und 240 Meter hoch gelegen Süßkopf – ab dann geht es bis nach Lich mehr oder minder strukturell abwärts. Auf stillen Pfaden, [read more…]
Marathon

Schinderhannes gegen Schinderhannes

Kastellaun, den 22. Mai 2022. Just einige Tage nach der Erwanderung des Taunus-Schinderhannes-Steiges wird die Akte “Schinderhannes” aus gegebenen Anlass nochmals aufgeschlagen, denn im benachbarten Hunsrück, dort wo der gefürchtete Räuber ebenso sein Unwesen trieb, wird der Schinderhannespfad unterhalten. Die Analogie beider Wege ist bestechend. Beide Wege sind gleich lang, der Taunus-Schinderhannes-Steiges ist vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert, der Hunsrück-Schinderhannespfad als Premiumwanderweg vom Deutschen Wanderinstitut geadelt, und beide sind dem bekanntesten Erzgauner der Region gewidmet. So liegt es auf der Hand in einem vergleichenden “Wanderwege-Battle” auch diesen Premiumwanderweg unter die Sohle zu nehmen. Gestartet wird am Busbahnhof der Hunsrückstadt Kastellaun, dort wo Wanderer zum Einstieg eine Infotafel über den Steig vorfinden. Bereits der erste Kilometer überrascht, denn die vorhandene Infrastruktur ist absolut erstklassig. Ein aufwändig gestalteter Barfußpfad, der Sturmwurfpfad Kyrill, ein Wald-Klettergarten und der Beginn der Traumschleife Burgstadt vermittelt bereits zu Anbeginn: hier ist ein Wanderparadies. Und wahrlich – auf ausgesprochen schönen Pfaden wandert über Waldwege vorbei an Laubach, um in der gleichnamigen Gemarkung dem Flussverlauf des Oberkülzerbachs zu folgen. ​ ​Im Laubacher Wald verabschiedet man sich von der Traumschleife Burgstadtpfad um auf Höhe der Gesellschaftsmühle einen neuen Wegepartner, die Traumschleife Klingelfloß aufzunehmen, die den Schinderhannespfad ein Stück begleitet. Tunlichst waren die Wegeplaner, wie beispielsweise in Neuerkirch oder in Kümbdchen darauf bedacht, die Ortschaften strategisch zu umrunden. Kein Wunder, jeder Asphaltmeter kostet wertvolle Zertifizierungspunkte, da das Deutsche Wanderinstitut im Gegensatz zum Deutschen Wanderverband mit einem offiziellen Punkteraster arbeitet. Jedoch ist es nicht verboten, ab und an durch eine Hunsrückgemeinde [read more…]
Mittelhessen

Rosen, Römer, Ritter und Ruinen

Bad-Nauheim, den 26. Mai 2016 – Wer eine gepflegte Langstreckenwanderung mit kulturhistorischen Höhepunkten und weitreichenden Panoramablicken sucht, dem sei dringendst die erste Hälfte des insgesamt 96 Kilometer langen Taunus-Rhönweges empfohlen. Auch wenn der VHC, der Vogelsberger Höhenweg-Club, für die Teilstrecke von Bad-Nauheim nach Laubach zwei Wandertage veranschlagt, ist es nicht verboten die Strecke für einen ausgedehnten Wandertag zuzüglich ÖVM-getriebener Verlängerungsoption einzuplanen. Gestartet wird am Bahnhof der Kurstadt Bad Nauheim, die für ihre Solequellen bekannt ist und die von namhaften Kurgästen wie Otto von Bismarck, der Kaiserin Sissi oder u.a. Roosevelt besucht wurde. Angesichts des bevorstehenden Wanderpensums ist eine vertiefenden Besichtigung der interessanten Stadt nicht möglich, und aufgrund der frühen Morgenstunde auch nicht sinnvoll. So geht es zunächst durch den Goldsteinpark, dort wo 2010 eine Landesgartenschau stattfand und die Nachbildung eines Limesturmes an die römischen Zeiten in der Wetterau erinnert. Beeindruckend die hier im Park angebrachten außergewöhnlichen Installationen des Planetenweges. Durch ein schmales Waldstück geht es durch Feld und Flur in das fünf Kilometer entfernte Steinfurth, die Kommune, die sich als Rosenstadt auszeichnet. Hier wurde 1868 Deutschlands erste Rosenschule gegründet, die heute mit über 1.000 Rosensorten eines der weltweit größten Rosenangebote offeriert. Weiterhin kann ein Rosenmuseum (sonntags ab 11.00 Uhr) besichtigt werden, welches auch den weltweit umfangreichsten Literaturbestand über die Edelblume beherbergt. Das hochgewachsene Gras auf den ausgewiesenen Wanderwegen legt Zeugnis ab, dass dieser Wanderweg eher selten begangen wird. Die gesamte Strecke ist mit einem blauen Kreis auf weißem Spiegel gekennzeichnet, wobei man sichtlich bemüht war, die Wanderstrecke auszuzeichnen, was nicht immer gelungen ist. Teilweise irreführend, [read more…]