Streek-GR Kust

De Panne – 2. März 2026 – Schon der Gedanke war verlockend. Zu Fuß von Frankreich in die Niederlande. Sicherlich, man könnte einen Teil des Europäischen Fernwanderweges E2, der von Nizza nach Hoek von Holland führt, nutzen, jedoch passend zum diesjährigen Frühlingsintermezzo gibt es eine spannende Alternative, nämlich einen der belgischen Grote Routepaden, den 103 Kilometer langen Streek GR Kust.

Bart de Ruytter, der verantwortliche Streckenkordinator hat es auf den Punkt gebracht: “Die belgische Küste ist ein 67 Kilometer langer Sandstreifen mit einer Reihe von gut ausgebauten Badeorten und einigen Hafengebieten. Das Ganze wird von einer stark befahrenen Küstenstraße begrenzt. Und ja, manchmal findet man sogar noch einen schmalen Dünenstreifen. Auf den ersten Blick klingt das nicht besonders einladend für eine mehrtägige Wanderung! Aber wir von Grote Routepaden denken ganz anders. Die Küste: Wasser, Strand und Deich, aber noch so viel mehr! Unsere Freiwilligen kennen die Küste wie ihre Westentasche und haben mit viel Liebe zum Detail einen wunderschönen Wanderweg angelegt: den Streek-GR Kust. Dieser 103 km lange Weg bietet abwechslungsreiche und kontrastreiche Wanderungen. Er ist zudem vollständig mit den bekannten gelb-roten Streifen ausgeschildert. Von De Panne bis Het Zwin in Knokke führt der Streek-GR Kust über wunderschöne, größtenteils unbefestigte Wege durch Dünen, Dünenwälder und andere Naturschutzgebiete. Stellen Sie sich auf anspruchsvolle Sandabschnitte über die Dünenkämme ein. Die natürliche Umgebung bildet einen starken Kontrast zu den Deichen, deren geschmacklose Hochhäuser uns zum Nachdenken über unseren Umgang mit dem historischen Erbe aus der Zeit des Küstentourismus anregen. Glücklicherweise finden sich in einigen Badeorten noch immer Schätze aus der Belle Époque.

Hinzu kommt noch ein weiterer spannender Aspekt. Die ganze belgische Küste ist mit der längsten Straßenbahnlinie der Welt, der Kusttram verbunden. So kann man, auch wenn man nicht gut zu Fuß ist für kleines Geld von Knokke nach De Panne in 145 Minuten die gesamte belgische Küste mir einer Straßenbahnlinie entdecken. Spannender natürlich, wenn man den tollen Grote Routepad unter die Wandersohle nimmt und sich auf eine spannende Entdeckunsreise einlässt.

Los geht es an der Tramstation De Panne. Von hier aus geht es hinüber zum Oostergrenspad um in das Naturschutzgebiet Westhoek einzutauchen. Dank Dünensand ist Wadenmuskeltraining angesagt und am Aussichtspunkt Helmpad kann man die riesige Wanderdüne, die hier Sahara heißt, ergründen. Weiter geht es auf dem Grenspad – einGrenzpfad der direkt an der französischen Grenze zum nördlichsten Punkt Frankreichs, der direkt am Strand liegt, führt.

Start an der Tramstation De Panne
Vorbei geht es am Plopsaland – einen der größten Vergnügungspark Belgiens, der natürlich besonders bei Familien beliebt ist
Just zum Sonnenaufgang geht es hinein in das Naturschutzgebiet Westhoek
Das gleisende Licht der aufgehenden Sonne untermalt das Dünenszenario besonders eindrucksvoll
Frisch abgeworfen und sogar noch dampfend. Schade – denn Minuten zuvor müssen diese Anwohner hier durchgefräst sein…..
… jedoch weit und breit keine Spur von den Vierbeinern am Aussichtspunkt Helmpad
Die Beschilderung ist durchgehend exzellent und in den Küstenstädten gibt das Meer die Marschrichtung vor
Am belgisch/französischen Grenzpfad
Die komplette Übersicht des Wegeverlaufes von De Panne nach Knokke. 67 Tramstation erleichtern dabei die individuelle Tourenplanung
Am nördlichsten Punkt von Frankreich…
Blick hinüber gen Dunkerque (Dünkirchen) in Frankreich

Der Grenspad, direkt an der französischen Grenze endet am Nordseestrand. Nun wandert man entlang des Slufterpades der zum Westerpunt, einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Naturschutzgebiet auf der einen Seite und die Nordsee und den breiten Strand gegenüber, führt. Über den Strandboulevard von De Panne ist zunächst eine Strandwanderung gen Koksijde angesagt. Offiziell verzieht sich der Kustweg südlich von von De Panne durch die Oosthoekduinen um Sint Idesbald zu durchqueren. Da an diesem Tag jedoch vierzig Kilometer auf dem Wandertacho stehen werden, erscheint die die Nordseepassage in diesem Abschnitt wesentlich attraktiver, zudem in Koksijde auf Höhe des Abtei Ten Duinen der Anschluß in den spannenden Abschnitt zur höchsten Düne Belgiens und den darauf folgenden Naturschutzgebiet Doornpanne wiederum gegeben ist.

Was die Flut so heranspült
Entlang der riesigen Sandstrände verlieren sich jahreszeitbedingt die Menschen, die hier unterwegs sind
Westerpunt, einer von 25 Aussichtsplattformen, die in Westflandern unter dem Projekt Horizion geschaffen wurden
Walkersignete in unterschiedlicher Form und Farbe
Bei ordentlicher Brise kann man hier entlang der Strände flitzen…..
..jedoch bei der aktuellen Flaute ist Schicht im Schacht
Das König-Albert-Monument am Strand von De Panne
Mit nur einem Sockel als Körper und ihren identischen Gesichtern trotzen die Heiligen Drei Könige von De Panne Wind und Wetter. Die klugen Köpfe blicken übereinander hinweg nach England, Frankreich bzw. ins belgische Landesinnere, den Blick auf die Unendlichkeit gerichtet
In Flandern spricht man niederländisch, was umgangssprachlich auch als flämisch bezeichnet wird. So wundert es auch nicht, dass man hier Windmühlen, wie hier die Zuid-Abdijmole antrifft
In der Blütezeit lebten in der Abtei Ten Duinen im 13. Jahrhundert 370 Chormönche und Laienbrüder
Der Hoge Blekker ist ein mehrere Kilometer langes, 18 Hektar großes Naturgebiet mit der höchsten Düne der belgischen Küste (33 m). Seefahrer nutzten die Düne einst als markantes Seezeichen
Anstieg ohne Sauerstoffmaske. Bepflanzung und Bebauung, die die Dünenkuppe schon von Weitem sichtbar machten, führten schließlich dazu, dass die Düne sich beruhigte und ausbleichte. Einst war sie eine Wanderdüne, die vom Wind an ihren Platz getrieben wurde.

Vom Naturschutzgebiet Doornpanne geht es vor Oostduinkerke zurück zur Nordsee um die Kustwegpassage gen Nieuwpoort aufzunehmen. Hier setzt auch ein weiteres Highlight ein, denn man wandert nicht nur auf dem Kustweg sondern auch auf einem Kunstweg. Unter dem Signet Beaufort findet seit 2003 alle drei Jahre eine Kunstveranstaltung an der belgischen Küste statt. Präsentiert werden zeitgenössische Kunstwerke, ausschließlich im Freien, zumeist Skulpturen und Installationen. Diese sind an Stränden, im Meer, auf Deichen und anderen Küstenabschnitten zu finden. Viele dieser Werke wurden von Gemeinden und Städten erworben und haben somit einen festen Standort, der den Kustweg zusätzlich bereichert.

Kunst am Meer….
..sowie im Meer
Die Skulptur, die zur ersten Beaufort-Ausgabe gehörte, zeigt eine riesige Schildkröte, auf der der Künstler selbst reitet. Das Werk symbolisiert die Suche nach Utopia, wobei die Schildkröte für Trägheit und Unbeweglichkeit steht. Ursprünglich stand das Werk auf dem Deich, doch Wind, Sand, Salz und Vandalismus zwangen es zur Versetzung an einen geeigneteren Standort. Die Skulptur ist mit Blattgold überzogen und wiegt über fünf Tonnen
Das 25 Meter hohe Denkmal in Nieuwpoort ehrt König Albert I, der während des Ersten Weltkriegs für seine Führung und Tapferkeit bekannt war

In Nieuwpoort erreicht man die Ijser-Müdung, dort wo auch der weitläufige Jachthafen eingebracht ist. Die IJzermündung umfasst eine Landschaft aus Dünen, Wattflächen, Salzwiesen und Mooren und ist damit ein wichtiges Ökosystem für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Das Zusammentreffen von Süßwasser und Salzwasser schafft ein einzigartiges Naturschutzgebiet. Zehntausende Zugvögel nutzen es als Rast- und Überwinterungsgebiet. Hinter dem Jachthafengelände wandert man entlang eines belgischen Militärgeländes hinüber zum Lombardsijdstrand, der bis nach Middelkerke führt, dem Ziel dieser Tagesetappe und gleichzeitig zweckmäßiger Standort für die Übernachtung, da die Ortschaft ziemlich genau in der Mitte der Kusttramlinie liegt, was die Logistik im Rahmen der Streckenplanung erleichert.

Auf dem Weg Richtung Lombardsijdstrand
Kunstobjekt The Navigator
OLNETOP – so der Name dieser acht Meter hohen künstlerische Installation, die sich auf plätschernde Wellen bezieht. . Diese Skulptur ist von der natürlichen Dynamik inspiriert, gleichzeitig aber durch die Kraft des Virtuellen belebt – sagt zumindest der Künstler
Alte Bilder belegen die ehemalige Schönheit der belgischen Küstenorte vor den beiden Weltkriegen. Heute erinnern nur noch Reste, wie hier die Villa Les Clochettes an die Pracht vergangener Tage
Für Schwerhörige ist die Installation “I can listen it” gesetzt worden. Die künstlerische Botschaft: “Entfliehe der Hektik des Alltags und werde eins mit den Elementen”
Caterpillar nebst Flatbed Trailer – 21 Meter lang, gefertigt aus Corton-Stahl, wobei die gotischen Muster mit Lasertechnologie ausgeschnitten wurden. Für die einen ein profaner Schrotthaufen – für die anderen das tollste Baukastenwerk
SILT – seit 2024 steht in Middelkerke das pollerförmige Casino, welches zudem mit einem Hotel, einem Restaurant und einem Veranstaltungssaal bestückt ist. Der name Silt bezieht sich auf den salzigen Geschmack des Meeres, auf das das Gebäude gerichtet ist

Von Middelkerke startet die zweite Etappe der Kustwanderung mit Tagesziel Blankenberge – natürlich zeitig vor dem Sonnenaufgang, denn es wäre schlichtweg grob fahrlässig die morgendliche Atmosphäre in den Raversyde-Dünen nicht einzufangen.

Start am Casino SILT in Middelkerke
Middelkerke ist Belgiens Comic-Zentrum – hier findet jährlich auch ein entsprechendes Festival statt. So hat man diesem Genre zahlreiche Installationen entlang des Weges gewidmet
Der Strandsand holt sich die Tramgleise zurück. Da jedoch werktags im Zehnminuten-Takt die Straßenbahn durchrumpelt, ist die Versandungsgefahr gering
Durch den Naturpark Raversyde
Veranschaulicht wird die Verteidigungslinie aus dem Zweiten Weltkrieg, die aus Bunkern, Schützengräben und anderen Befestigungsanlagen bestand
Die Namensgebung der Straßen in Raverside ist naturgegeben
1894 wurden Pläne für eine Stadterweiterung Oostendes geschmiedet, die den Abriss der malerischen Kirche von Mariakerke zur Folge hatte. Hotels und Villen sollten dem Tourismusansturm begegnen
Glücklicherweise konnte der Abriss verhindert werden und die Kirche gehört noch zu den wenigen historischen Resten an der belgischen Küste

Wandern bei Ebbe hat auch etwas, denn man kann den Kustweg axial in die Nordsee verschieben und gelangt nach neun Kilometern zur Koning Boudewijnpromenade in Oostende. “Die Perle der belgischen Küste”, so nannte man einst die ehemals prachtvolle Stadt. Sicherlich – die Besucher schätzen die Mischung aus Stadtleben und Strandurlaub, jedoch wenn man entlang der Promenade wandelt, so erdrückt der Beton-Dschungel, der im Regelfall aus fünfzehn Stockwerke auskragenden Bettenburgen besteht, die kilometerlang aneinandergereiht sind. Oostende besticht durch seine einmalig hässliche Hochhausbebauung schrieb einst die taz – aber scheinbar ist dieser extreme Spannungsbogen für Viele besonders reizvoll. So wandert man vorbei zu den Königlichen Stallungen und der Königlichen Gallerie.

Lange Zeit als grausige „Bausünden“ und Synonym für Betonwüsten oder Umweltzerstörung kritisiert, erlebt der Betonbrutalismus eine Renaissance. Die heute oft als „Betonmonster“ bezeichneten Bauten werden sogar zunehmend unter Denkmalschutz gestellt und saniert
Dreht man sich hingegen um und richtet sein Blick aufs Meer dann sieht die Welt schon anders aus
Die Open-air-Kunstausstellung lässt grüßen
Man kann sich aber auch ganz profan an den Sandkörnern erfreuen – windgetrieben geformt….
Die zwischen 1902 und 1906 erbauten Königlichen Galerien sind ein Wahrzeichen der belgischen Küste. Sie wurden von König Leopold II. in Auftrag gegeben. Die überdachte Galerie erstreckt sich über 380 Meter und verbindet das Königliche Chalet mit der Pferderennbahn von Wellington. Die Galerien dienten der königlichen Familie und ihren adeligen Gästen als Schutz vor Regen, Wind und Sonne
Einmal mehr ein Bild des Jammers….. oder wie es Bart de Ruytter in seinem Wanderführer beschreibt: “een schrijend voorbeeld van mislopen monumenmtenzorg”
Als die flämische Zeitung De Standaard ihre Leserschaft aufrief, über die hässlichsten Orte Belgiens abzustimmen, belegte Platz eins die belgische Küste mit Oostende als Aushängeschild. Auf Platz zwei: die Doseninstallation an der Promenade von Oostende. Die Inspiration des Künstlers: Die Dosen sollen die Hässlichkeit der Hochhäuser kontrastieren. Alleine dieser Gedanke ist künsterisch beeindruckend…
Man kann auch den Kopf wenden und der Hafengeometrie folgen……

Die kostenlose Oostendefähre hubt Fußgänger und Radler über das Hafenbecken auf die nördliche Seite der Stadt. Hier trifft man auf die Slipways. Die beiden hölzernen Slipanlagen wurden einst in den Vereinigten Staaten gebaut und 1931 installiert. Jahrzehntelang dienten sie der Trockendockung von Schiffen. Aufgrund des Rückgangs der Fischereiflotte sank auch die Anzahl der Dockaufenthalte, und 2008 wurden die Slipanlagen stillgelegt und stehen mittlerweile unter Denkmalschutz. Durch die Dünen von Bredene erreicht man nach zwei weiteren Kilometern Fort Napoleon. 1811 befahl Napoleon den Bau von drei Festungen zur Verbesserung des Hafens, darunter Fort Impérial, später Fort Napoleon genannt. Die fünfeckigen Turmfestungen wurden innerhalb von zwei Jahren errichtet. Nach Napoleons Sturz gaben die Franzosen die Festung 1814 auf. Von Bredene wandert man im Anschluß durch die Dünenwälder von De Haan auf schönen Waldpfaden. Der Gang durch die noch entlaubten Wälder ist zu dieser Jahreszeit ein regelrechter Genuß und eine willkommene Abwechslung auf dem Kustweg. De Haan selbst ist der attraktivsten Ort an der belgischen Küste. Hier sind noch viele Anwesen aus dem Belle Epoque-Stil vohanden, der zur Jugendstil- und Art-Deco-Zeit seine Hochblüte hatte.

Hafentypisches Ambiennte in Oostende
Moderne Bauten prägern das Hafengebiet von Bredene
Die historischen Trockendocks – heute stillgelegt und unter Denkmalschutz
Der Atlantikwall besteht aus 2.000 Betonbunkern und Küstenbatterien. Die Verteidigungslinie erstreckte sich von Norwegen bis Spanien auf einer Länge von 6.200 Kilometer. Die abgebildeten Batterien Hundius und De Halve Maan waren Teil dieses Systems
Fort Napoleon – außerhalb der Saison geschlossen
Treppenabgang – hoffnungslos versandet..
Noch herrscht hier Ruhe
Durch einen Krüppeleichenhain wandert man gen De Haan
Das Consessie-Viertel in De Haan liegt in einer idyllischen, parkähnlichen Land­schaft. Die Architektur der Häuser im anglo-normannischen Landhausstil mit eindrucksvollen weißen Backstein- oder Fachwerkfassaden und steilen Giebelwänden strahlt eine Eleganz aus, die an vergangene Tage der „Schönen Epoche“ erinnert
Durch den Dünenwald von De Haan
Hier kann man bestens ablesen, woher der Wind weht…
Einmal mehr eine Windmühle
Ein Spionkop. Der ursprüngliche Dünenpavillon, auch bekannt als „Le Pavillon Elisabeth“, wurde 1902 auf der zweithöchsten Düne (31 m), im Volksmund Betten Hull (Hull – Düne) genannt, errichtet. Diese Düne diente in früheren Jahrhunderten häufig als strategischer Aussichtspunkt für Armee und Zoll
Einmal mehr Kunst am Meer
The Surfing-Elephant – noch ist die Strandhütte abgesperrt
Holz ist neben Beton an der Küste ein beliebter Werkstoff
Tagesendstation Paravang in Blankenberg. Der Name dieses Wandelganges aus der Belle Époque stammt vom französischen Paravent, was Windschutz bedeutet. Das Bauwerk ist Zeugnis aus der Zeit des elitären Bädertourismus als man hier noch schreitete und wandelte und nicht als Powerwalker durch die Landschaft fräste….

Fast konnte man meinen die Wetterlage wurde speziell für diese Wanderung geschnitzt. Am dritten und letzten Tag dieser Küstenexkursionen wanderten die Nachttemparaturen zunächst in den Keller, was zunächst für einen eindrucksvollen Nebelvorhang im Küstenbereich sorgte, bevor das Frühlingsintermezzo im Tagesverlauf wieder einsetzte. So ging es zunächst für drei Euro mit der Kusttram entlang der Nordsee von Middelkerke nach Blankenberg, welches nach einer Stunde Fahrzeit erreicht wurde. Was der Ballermann auf Malle ist Blankenberg an der belgischen Küste. Die Promenade des Badeortes ist nicht wirklich kameratauglich. So wundert es auch nicht, dass hier ein Etablissement unter dem Namen “Oberbayern” firmiert. Glücklichweise stülpt sich zu früher Stunde die Nebelwand über dieses Elend und man konzentriert sich wieder auf die wohltuenden küstennnahen Ein- und Ausblicke. Das touristische Moloch Blankenbergs verlassend taucht man ein in das herrliche Naturschutzgebiet Fonteintjes. Eine tolle Seenlandschaft prägt den schmalen Dünengürtel. Zwar sind die Wege verschlammt, jedoch auch im Kontext mit dem morgendlichen Nebel entfaltet die Landschaft eine außergewöhnliche Atmosphäre. Kaum zu glauben, dass just hinter der Partymeile von Blankenberg solch ein Ort der Stille und Ruhe anzutreffen ist.

Auf ein Neues in Blankenberg
Jetzt ist die beste Zeit um die Strände für die neue Saison zu ertüchtigen
Blankenbergs Seebrücke im Nebel versunken
Ebenso wie die Nordsee…
Ab in das Naturschutzgebiet….
…jenseits von Jubel und Trubel..
Entschleunigt auch die Jungs hinter der Rute….
Atmosphärisch dicht – von oben schubt Sonnenlicht durch……
…während bodennah die Nebelwand sich noch ausgebreitet hat

Hinter dem Naturschutzgebiet erreicht man die Industrie- und Hafenzone von Zeebrugge. Offiziell führt der Kustweg rund um das gewaltige Hafenbecken des Welthafens, immerhin der zweitgrößte Hafen Belgiens nach Antwerpen, und der größte Autohafen der Welt. Entweder folgt man dem offiziellen Verlauf oder man zieht die Risikokarte. An diesem Tag überwiegt die Lust auf Risiko und am langen Ende waren es gerade einmal dreißig Sekunden, die für diese Variantenwahl sprachen. Denn just bei Erreichen der Klappbrücke der Pierre Vandamme-Schleuse war der rechte Brückenausleger schon hochgefahren. Und wenige Sekunden nach Betreten des linken Auslegers, dort wo auch der Fußgängerüberweg angebracht ist, wurden die Schranken geschlossen. Kurzum Glück gehabt- denn das Informationsboard informierte dass nach Hochfahren der Brücke die Anlage mehr als eine Stunde offen bleibt, da einige größere Kutter die Schleusenanlage passieren.

Käptn Blaubär läßt grüßen
Durch den Jachthafen….
…von Zeebrugge
Das war auf dem allerletzten Drücker…..

Hinter Zeebrugge wandert man hart Kante Nordsee zunächst nach Heist-aan-Zee- bevor man nach einem Abstecher in den Direktor General Willemspark in die Umlauf von Knokke einschwenkt. Gewaltig das Bettenburgenareal welches sich auf einer Länge von knapp sechs Kilometern von Duinbergen bis zum Ortsrand von Knokke zieht. Knokke gilt als mondäner Badeort. Neben den klassischen Bettenburgen entlang der Strandpromenade sind auch sehr viele Ferienimmobilien vorzufinden. Luxusboutiquen und Feinschmeckerlokale runden dabei das Angebot für das gehobene Klientel ab. Jedoch als Kustwanderer, der Anfang März unterwegs ist, beeindruckt eher die noch jahreszeitbedingte Ruhe, die das Strandsareal ausstrahlt.

Hinter dem Hafenareal von Zeebrugge fängt die Entspannung an….
Nach einer Stippvisite in einem kleinen Dünenpark..
..geht es vorbei an zwei Strandwächtern
…die ebenso die Beschaulichkeit der Jahreszeit genießen…
…in den Silos herrscht auch noch Ruhe
……..ebenso wie auf der Strandseite….
..so heißt es einfach entschleunigen….. Entweder am Strand…
..oder in entsprechenden Rückzugsorten….
Überschaubar die Anzahl der Passanten am Boulevard

Offiziell verschwenkt der Kustweg hinter Knokke-Heist durch ein Golfplatzareal hinüber zum Naturreservat Het Zwin und endet zwei Kilometer vor der holländischen Grenze. Jedoch man kann das ganze noch ein wenig attraktiver und konsequenter ausgestalten und erweitert die Tour um fünf Kilometer. Man folgt dem Strandboulevard von Knokke und bleibt auf Linie der Nordsee um oberhalb der Zwindünen dort hinzuwandern wo die Niederlande anfangen. Nach einer ausgedehnten Dünenwanderung steht man trotz Flut mit beiden Beinen auf niederländischem Boden und gegenüber kann man bereits die ersten Häuser vov Cadzand ausmachen. Der Rückweg führt über den “offiziellen Hinweg” durch das Naturreservat Het Zwin zurück zur Tramstation nach Knokke. Die Zwinduinen (im Volksmund Zwinbosjes genannt) bilden ein 222 Hektar großes Dünengebiet, das einen natürlichen Übergang zwischen Meer, Strand und den dahinterliegenden Wiesen schafft. Es grenzt an das Naturschutzgebiet Zwin und den internationalen Deichen. An der Seeseite erstrecken sich Küstendünen, während im Landesinneren Wiesen, Sträucher und angepflanzte Wälder zu finden sind.

Die letzten Spuren….
…von Zivilisation
Nach insgesamt 108 Kilometern ist die niederländische Grenze erreicht
Spätestens hier merkt man wieder dass man auf belgischem Boden ist
Zurück in den Dünen erwartet den Wanderer Barry Flanagans „Hospitality“ (Gastfreundschaft). Dieser hüpfende Hase symbolisiert Freiheit, Unabhängigkeit, Dynamik, Fruchtbarkeit, Stärke und Gastfreundschaft. Viele Einwohner von Knokke-Heist wagen sich nicht so weit und nennen ihn, etwas respektlos, einfach „het keun“ (westflämischer Dialekt für Kaninchen)
Auch die ersten Störche haben sich bereits eingerichtet
Und noch ein Exemplar….
Wasserkunst am Golfplatz von Knokke
Das Rathaus von Knokke – Etappen- und Schlußziel dieser Exkursion

Der belgische Kustweg – eine Wandertour der Superlative – insbesondere zu dieser Jahreszeit. Abwechslungsreich und kulturell sowie historisch reichhaltig beladen. Interessante Kunstinstallationen bereichern darüber hinaus diese Tour zusätzlich. Als kostenlose Dreingabe genießt man die Nordseeluft, auch wenn an diesen drei Tagen mehr oder minder Flaute herrschte und der Seegang mehr als gemäßigt war. Grundsätzlich empfiehlt es sich die Route von West nach Ost, als von De Panne nach Knokke anzugehen, denn üblicherweise herrscht an der belgischen Küste der Südwestwind vor. Dank der exzellenten Kusttramlinie, die seit 1885 in Betrieb kann man jedoch, sofern sich die Windlage kurzfristig drehen sollte auch kurzfristig die Wanderrouten in umgekehrter Richtung angehen.

Zwischendurch sollte man sich mit dem Genuß der hervorrragenden aber auch hochprozentigen belgischen Biere zurückhalten. Jedoch nach Abschluß der Tour ist eine Verprobung durchaus angebracht. Auf nachdrückliche Empfehlung eines sehr kompetenten Gastronomen in Middelkerke können die abgebildeten Biere wohlweislich empfohlen werden, wobei das Gouden Carolus Whisky infused mit einer Drehzahl von 11,7% einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterläßt….
Auch nach der Bierverprobung kann man die belgische Küste noch genießen…



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