De Panne – 2. März 2026 – Schon der Gedanke war verlockend. Zu Fuß von Frankreich in die Niederlande. Sicherlich, man könnte einen Teil des Europäischen Fernwanderweges E2, der von Nizza nach Hoek von Holland führt, nutzen, jedoch passend zum diesjährigen Frühlingsintermezzo gibt es eine spannende Alternative, nämlich einen der belgischen Grote Routepaden, den 103 Kilometer langen Streek GR Kust.
Bart de Ruytter, der verantwortliche Streckenkordinator hat es auf den Punkt gebracht: “Die belgische Küste ist ein 67 Kilometer langer Sandstreifen mit einer Reihe von gut ausgebauten Badeorten und einigen Hafengebieten. Das Ganze wird von einer stark befahrenen Küstenstraße begrenzt. Und ja, manchmal findet man sogar noch einen schmalen Dünenstreifen. Auf den ersten Blick klingt das nicht besonders einladend für eine mehrtägige Wanderung! Aber wir von Grote Routepaden denken ganz anders. Die Küste: Wasser, Strand und Deich, aber noch so viel mehr! Unsere Freiwilligen kennen die Küste wie ihre Westentasche und haben mit viel Liebe zum Detail einen wunderschönen Wanderweg angelegt: den Streek-GR Kust. Dieser 103 km lange Weg bietet abwechslungsreiche und kontrastreiche Wanderungen. Er ist zudem vollständig mit den bekannten gelb-roten Streifen ausgeschildert. Von De Panne bis Het Zwin in Knokke führt der Streek-GR Kust über wunderschöne, größtenteils unbefestigte Wege durch Dünen, Dünenwälder und andere Naturschutzgebiete. Stellen Sie sich auf anspruchsvolle Sandabschnitte über die Dünenkämme ein. Die natürliche Umgebung bildet einen starken Kontrast zu den Deichen, deren geschmacklose Hochhäuser uns zum Nachdenken über unseren Umgang mit dem historischen Erbe aus der Zeit des Küstentourismus anregen. Glücklicherweise finden sich in einigen Badeorten noch immer Schätze aus der Belle Époque.“
Hinzu kommt noch ein weiterer spannender Aspekt. Die ganze belgische Küste ist mit der längsten Straßenbahnlinie der Welt, der Kusttram verbunden. So kann man, auch wenn man nicht gut zu Fuß ist für kleines Geld von Knokke nach De Panne in 145 Minuten die gesamte belgische Küste mir einer Straßenbahnlinie entdecken. Spannender natürlich, wenn man den tollen Grote Routepad unter die Wandersohle nimmt und sich auf eine spannende Entdeckunsreise einlässt.
Los geht es an der Tramstation De Panne. Von hier aus geht es hinüber zum Oostergrenspad um in das Naturschutzgebiet Westhoek einzutauchen. Dank Dünensand ist Wadenmuskeltraining angesagt und am Aussichtspunkt Helmpad kann man die riesige Wanderdüne, die hier Sahara heißt, ergründen. Weiter geht es auf dem Grenspad – einGrenzpfad der direkt an der französischen Grenze zum nördlichsten Punkt Frankreichs, der direkt am Strand liegt, führt.











Der Grenspad, direkt an der französischen Grenze endet am Nordseestrand. Nun wandert man entlang des Slufterpades der zum Westerpunt, einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Naturschutzgebiet auf der einen Seite und die Nordsee und den breiten Strand gegenüber, führt. Über den Strandboulevard von De Panne ist zunächst eine Strandwanderung gen Koksijde angesagt. Offiziell verzieht sich der Kustweg südlich von von De Panne durch die Oosthoekduinen um Sint Idesbald zu durchqueren. Da an diesem Tag jedoch vierzig Kilometer auf dem Wandertacho stehen werden, erscheint die die Nordseepassage in diesem Abschnitt wesentlich attraktiver, zudem in Koksijde auf Höhe des Abtei Ten Duinen der Anschluß in den spannenden Abschnitt zur höchsten Düne Belgiens und den darauf folgenden Naturschutzgebiet Doornpanne wiederum gegeben ist.












Vom Naturschutzgebiet Doornpanne geht es vor Oostduinkerke zurück zur Nordsee um die Kustwegpassage gen Nieuwpoort aufzunehmen. Hier setzt auch ein weiteres Highlight ein, denn man wandert nicht nur auf dem Kustweg sondern auch auf einem Kunstweg. Unter dem Signet Beaufort findet seit 2003 alle drei Jahre eine Kunstveranstaltung an der belgischen Küste statt. Präsentiert werden zeitgenössische Kunstwerke, ausschließlich im Freien, zumeist Skulpturen und Installationen. Diese sind an Stränden, im Meer, auf Deichen und anderen Küstenabschnitten zu finden. Viele dieser Werke wurden von Gemeinden und Städten erworben und haben somit einen festen Standort, der den Kustweg zusätzlich bereichert.




In Nieuwpoort erreicht man die Ijser-Müdung, dort wo auch der weitläufige Jachthafen eingebracht ist. Die IJzermündung umfasst eine Landschaft aus Dünen, Wattflächen, Salzwiesen und Mooren und ist damit ein wichtiges Ökosystem für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Das Zusammentreffen von Süßwasser und Salzwasser schafft ein einzigartiges Naturschutzgebiet. Zehntausende Zugvögel nutzen es als Rast- und Überwinterungsgebiet. Hinter dem Jachthafengelände wandert man entlang eines belgischen Militärgeländes hinüber zum Lombardsijdstrand, der bis nach Middelkerke führt, dem Ziel dieser Tagesetappe und gleichzeitig zweckmäßiger Standort für die Übernachtung, da die Ortschaft ziemlich genau in der Mitte der Kusttramlinie liegt, was die Logistik im Rahmen der Streckenplanung erleichert.







Von Middelkerke startet die zweite Etappe der Kustwanderung mit Tagesziel Blankenberge – natürlich zeitig vor dem Sonnenaufgang, denn es wäre schlichtweg grob fahrlässig die morgendliche Atmosphäre in den Raversyde-Dünen nicht einzufangen.









Wandern bei Ebbe hat auch etwas, denn man kann den Kustweg axial in die Nordsee verschieben und gelangt nach neun Kilometern zur Koning Boudewijnpromenade in Oostende. “Die Perle der belgischen Küste”, so nannte man einst die ehemals prachtvolle Stadt. Sicherlich – die Besucher schätzen die Mischung aus Stadtleben und Strandurlaub, jedoch wenn man entlang der Promenade wandelt, so erdrückt der Beton-Dschungel, der im Regelfall aus fünfzehn Stockwerke auskragenden Bettenburgen besteht, die kilometerlang aneinandergereiht sind. Oostende besticht durch seine einmalig hässliche Hochhausbebauung schrieb einst die taz – aber scheinbar ist dieser extreme Spannungsbogen für Viele besonders reizvoll. So wandert man vorbei zu den Königlichen Stallungen und der Königlichen Gallerie.








Die kostenlose Oostendefähre hubt Fußgänger und Radler über das Hafenbecken auf die nördliche Seite der Stadt. Hier trifft man auf die Slipways. Die beiden hölzernen Slipanlagen wurden einst in den Vereinigten Staaten gebaut und 1931 installiert. Jahrzehntelang dienten sie der Trockendockung von Schiffen. Aufgrund des Rückgangs der Fischereiflotte sank auch die Anzahl der Dockaufenthalte, und 2008 wurden die Slipanlagen stillgelegt und stehen mittlerweile unter Denkmalschutz. Durch die Dünen von Bredene erreicht man nach zwei weiteren Kilometern Fort Napoleon. 1811 befahl Napoleon den Bau von drei Festungen zur Verbesserung des Hafens, darunter Fort Impérial, später Fort Napoleon genannt. Die fünfeckigen Turmfestungen wurden innerhalb von zwei Jahren errichtet. Nach Napoleons Sturz gaben die Franzosen die Festung 1814 auf. Von Bredene wandert man im Anschluß durch die Dünenwälder von De Haan auf schönen Waldpfaden. Der Gang durch die noch entlaubten Wälder ist zu dieser Jahreszeit ein regelrechter Genuß und eine willkommene Abwechslung auf dem Kustweg. De Haan selbst ist der attraktivsten Ort an der belgischen Küste. Hier sind noch viele Anwesen aus dem Belle Epoque-Stil vohanden, der zur Jugendstil- und Art-Deco-Zeit seine Hochblüte hatte.

















Fast konnte man meinen die Wetterlage wurde speziell für diese Wanderung geschnitzt. Am dritten und letzten Tag dieser Küstenexkursionen wanderten die Nachttemparaturen zunächst in den Keller, was zunächst für einen eindrucksvollen Nebelvorhang im Küstenbereich sorgte, bevor das Frühlingsintermezzo im Tagesverlauf wieder einsetzte. So ging es zunächst für drei Euro mit der Kusttram entlang der Nordsee von Middelkerke nach Blankenberg, welches nach einer Stunde Fahrzeit erreicht wurde. Was der Ballermann auf Malle ist Blankenberg an der belgischen Küste. Die Promenade des Badeortes ist nicht wirklich kameratauglich. So wundert es auch nicht, dass hier ein Etablissement unter dem Namen “Oberbayern” firmiert. Glücklichweise stülpt sich zu früher Stunde die Nebelwand über dieses Elend und man konzentriert sich wieder auf die wohltuenden küstennnahen Ein- und Ausblicke. Das touristische Moloch Blankenbergs verlassend taucht man ein in das herrliche Naturschutzgebiet Fonteintjes. Eine tolle Seenlandschaft prägt den schmalen Dünengürtel. Zwar sind die Wege verschlammt, jedoch auch im Kontext mit dem morgendlichen Nebel entfaltet die Landschaft eine außergewöhnliche Atmosphäre. Kaum zu glauben, dass just hinter der Partymeile von Blankenberg solch ein Ort der Stille und Ruhe anzutreffen ist.









Hinter dem Naturschutzgebiet erreicht man die Industrie- und Hafenzone von Zeebrugge. Offiziell führt der Kustweg rund um das gewaltige Hafenbecken des Welthafens, immerhin der zweitgrößte Hafen Belgiens nach Antwerpen, und der größte Autohafen der Welt. Entweder folgt man dem offiziellen Verlauf oder man zieht die Risikokarte. An diesem Tag überwiegt die Lust auf Risiko und am langen Ende waren es gerade einmal dreißig Sekunden, die für diese Variantenwahl sprachen. Denn just bei Erreichen der Klappbrücke der Pierre Vandamme-Schleuse war der rechte Brückenausleger schon hochgefahren. Und wenige Sekunden nach Betreten des linken Auslegers, dort wo auch der Fußgängerüberweg angebracht ist, wurden die Schranken geschlossen. Kurzum Glück gehabt- denn das Informationsboard informierte dass nach Hochfahren der Brücke die Anlage mehr als eine Stunde offen bleibt, da einige größere Kutter die Schleusenanlage passieren.




Hinter Zeebrugge wandert man hart Kante Nordsee zunächst nach Heist-aan-Zee- bevor man nach einem Abstecher in den Direktor General Willemspark in die Umlauf von Knokke einschwenkt. Gewaltig das Bettenburgenareal welches sich auf einer Länge von knapp sechs Kilometern von Duinbergen bis zum Ortsrand von Knokke zieht. Knokke gilt als mondäner Badeort. Neben den klassischen Bettenburgen entlang der Strandpromenade sind auch sehr viele Ferienimmobilien vorzufinden. Luxusboutiquen und Feinschmeckerlokale runden dabei das Angebot für das gehobene Klientel ab. Jedoch als Kustwanderer, der Anfang März unterwegs ist, beeindruckt eher die noch jahreszeitbedingte Ruhe, die das Strandsareal ausstrahlt.









Offiziell verschwenkt der Kustweg hinter Knokke-Heist durch ein Golfplatzareal hinüber zum Naturreservat Het Zwin und endet zwei Kilometer vor der holländischen Grenze. Jedoch man kann das ganze noch ein wenig attraktiver und konsequenter ausgestalten und erweitert die Tour um fünf Kilometer. Man folgt dem Strandboulevard von Knokke und bleibt auf Linie der Nordsee um oberhalb der Zwindünen dort hinzuwandern wo die Niederlande anfangen. Nach einer ausgedehnten Dünenwanderung steht man trotz Flut mit beiden Beinen auf niederländischem Boden und gegenüber kann man bereits die ersten Häuser vov Cadzand ausmachen. Der Rückweg führt über den “offiziellen Hinweg” durch das Naturreservat Het Zwin zurück zur Tramstation nach Knokke. Die Zwinduinen (im Volksmund Zwinbosjes genannt) bilden ein 222 Hektar großes Dünengebiet, das einen natürlichen Übergang zwischen Meer, Strand und den dahinterliegenden Wiesen schafft. Es grenzt an das Naturschutzgebiet Zwin und den internationalen Deichen. An der Seeseite erstrecken sich Küstendünen, während im Landesinneren Wiesen, Sträucher und angepflanzte Wälder zu finden sind.









Der belgische Kustweg – eine Wandertour der Superlative – insbesondere zu dieser Jahreszeit. Abwechslungsreich und kulturell sowie historisch reichhaltig beladen. Interessante Kunstinstallationen bereichern darüber hinaus diese Tour zusätzlich. Als kostenlose Dreingabe genießt man die Nordseeluft, auch wenn an diesen drei Tagen mehr oder minder Flaute herrschte und der Seegang mehr als gemäßigt war. Grundsätzlich empfiehlt es sich die Route von West nach Ost, als von De Panne nach Knokke anzugehen, denn üblicherweise herrscht an der belgischen Küste der Südwestwind vor. Dank der exzellenten Kusttramlinie, die seit 1885 in Betrieb kann man jedoch, sofern sich die Windlage kurzfristig drehen sollte auch kurzfristig die Wanderrouten in umgekehrter Richtung angehen.



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