360° Cami de Cavalls

Mahon, 16. März 2025 – Rundherum rund! Es war wirklich eine runde Sache. 360 Grad – eine Wanderrunde der außergewöhnlichen Art. Ein fulminantes Wandererlebnis, gespickt mit allen Facetten, die eine kontrastreiche Langstreckenwanderung bieten kann. 360 Grad Reizüberflutung entlang der gesamten Küstenlinie auf dem historischen Weg der zweitgrößten Baleareninsel. Eine intensive Begegnung mit dem Kultur- und Naturraum Menorcas, deren Namen auf katalanisch “Die Kleine” bedeutet. Jedoch, was man zunächst nicht wirklich vermutet, “Die Kleine” kommt ganz groß heraus. Zerklüftete fjordartige Passagen im Norden der Insel, versteckte Buchten im sanften Relief des Südens und des Öfteren hart Kante der Steilküsten – kurzum eine spannende Herausforderung.

Historisch verortet man den Ursprung des Küstenweges bereits im 14. Jahrhunder. Genaues ist jedoch nicht belegt. Die erste verfügbare Karte datiert aus dem Jahr 1781 und dokumentiert dass der Weg für berittene Patroillen angelegt wurde, die von Wachturm zu Wachturm ritten um die die Insel zu schützen, was sogar bis 1960 erfolgte. Danach geriet der Weg in Vergessenheit und dem Inselrat war es zu verdanken, dass der Pferdeweg, der Cami de Cavalls, im Jahre 2010 als Küstenwanderweg revitalisiert wurde. Offiziell ist der Wanderweg, der im Verzeichnis der spanischen Fernwanderwege Senderos de Grand Recirrido unter der Bezeichnung GR 223 eingetragen ist, in 20 Etappen eingeteilt und umfasst insgesamt 185 Kilometer und 3.100 Höhenmeter.

Vorgestellt wird eine erweiterte Inselumrundung , die am langen Ende bei 228 Kilometer und sieben Etappen auslief.

Mahon – Arenal den Castell [37 Kilometer 980 Höhenmeter]

Zumindest formell startet die 360 Grad-Passage in der Inselhauptstadt Mahon. Jedoch real ist der erste offizielle Leitposten in sa Mesquida aufgestellt, und man ist gut beraten mit dem Taxi die knapp sechs Kilometer lange Passage nach sa Mesquida zurückzulegen. Denn wer bereits vor Sonnenaufgang auf der Hauptverkehrsstraße ME 3, die ohne Randbestreifung versehen ist, unterwegs ist, muß schlichtweg lebensmüde sein. Schon ab dem kleinen ehemaligen Fischerdorf sa Mesquida wird bereits großes Wanderkino geboten. Vorbei am ersten mächtigen Wehrturm passiert man die erste Strandbucht um auf einer herrlichen küstennahen Felsenstrecke nach es Grau zu wandern, einem kleinen Ferienort, der sich jedoch jahreszeitenbedingt noch als Geisterstadt entpuppt. Lohnenswert ist auf jeden Fall ein Abstecher in den naheliegenden Naturpark s,Albufera de Grau, dort wo man eine tolle Lagunenlandschaft bewundern kann.

Start bei sa Mesquida just zum Sonnenaufgang
Klein aber fein: über eine Brücke gelangt man zum vorgelagerten Inselchen
Der erste von insgesamt siebzehn küstennahen Wehrtürmen
Es grünt so grün auf dem Weg in den Nationalpark
Eine pragmatische Variante zur Behebung eines Schlagloches….
Ein herrlicher Wandertag kündigt sich an
Klare Regeln: auf dem Pferdeweg haben Pferde nicht überall Zutritt
Der Weg ist auch in Feuchtgebieten ausgezeichnet präpariert….
..und die Wegekennzeichung perfekt. Mit 2.353 Wegepfosten, durchschnittlich alle 79 Meter einer, ist verlaufen fast nicht möglich. Im Zweifel gilt die Regel: immer weiter – links von der Wasserkante halten..
..bleiben noch 200 Gatter zu erwähnen, die es auf der Inselüberrundung zu überwinden gilt. Jedoch ist man gut beraten Zutrittsbeschränkungen tunlichst zu beachten – ohne Ausnahme
Beachtet man diese Spielregeln, dann steht einem ungetrübten Wandergenuß nichts entgegen
Die Insel ist kleiner als gedacht. Am Vorabend kredenzte Steve noch Bier in Mahon, heute genießt er am frühen Morgen den herrlichen Pfad mit seinen Hunden
Hinein in den Naturpark s,Albufera des Grau

Hinter dem aufwändig gestalteten Lagunenareal von es Grau wird es von Kilometer zu Kilometer felsiger auf der Wanderung gen Norden. Nach einem Abstecher zum mächtigen Torre de Rambla passiert man fünf abgelegene Buchten fernab der Zivilisation, bevor der erste Leuchtturm auf der Insel, Far Favaritx, erreicht ist. Der größte wilde Strand auf der Passage, der Playa d,en Tortuga, liegt abgeschieden und idyllisch gelegen, und es ist anzunehmen, dass selbst in den Sommermonaten hier der Betrieb überschaubar ist.

Kostenfreie Fußzonenreflexmassage ist auf solchen kilometerlangen Wegen garantiert
Zwei auf einem Streich: Torre de Rambla, und der Leuchtturm Far Favaritx. Obschon beide nicht direkt auf der Strecke liegen, ist es Ehrensache den beiden Landmarken einen Besuch abzustatten
..und zwischendurch geht es immer abwärts, vorbei an kleinen Buchten
Für Orientierungslose gibt es sogar den Torre de Rambla-Pfad
.. beseilte Leitpfosten führen durch das Naturschutzgebiet
Was fasziniert ist die abwechslungsreiche Streckenführung
Playa d,en Tortuga ein abgelegener Traumstrand mit kristallklarem Wasser
Leuchtturm in Sicht

Rund um den Leuchtturm dominiert eine verkarstete Mondlandschaft das Landschaftbild, jedoch das nächste Highlight lässt nicht lange auf sich warten. Zurück in das Landesinnere verschwenkt der Cami de Cavalls zu den Salines de Mongofra – eine außergewöhnliche und beeindruckende Naturschutzzone, dort wo man bizarre Felsformationen bestaunen kann, und dort wo an den alten Salinen sich die Natur bemerkenswert ausgedehnt hat. Einzig wasserscheu darf man nicht sein, denn nicht alle Wege sind lagebedingt trockenen Fusses zu überwinden.

Jeder Streckenpfosten ist mit dieser Metallplatte beplankt
Das Wolkenband – an der Meeresseite eingesperrt
Wetter und Wasser formen diese steinernen Kunstobjekte
Cami de Aqua statt Cami de Cavalls – mit dem Pferd kommt man hier angenehmer durch
Durch die ehemaligen Salinas
Immer wieder ein dezenter Hinweis – privado ist privado
Blick von den Salinen auf Addaia
Hier hat man vorgesorgt vor drohende Sturzfluten
Ein Blick zurück auf das herrliche Salinenareal

Am Ende der Salinen verschwenkt der Wanderweg und führt entlang einer Straße durch die Urlaubssiedlungen über Cova Noves nach Arenal d,en Castell. Diese Passage ist zwar der kürzeste Weg, jedoch unatrakktiv. Schöner ist es jedoch von den Salinen einem begehbaren Küstenweg zu folgen um via na Macaret einen Bogen nach Punta Grossa und weiterführend nach Arenal d,en Castell zu schlagen. Belohnt wird man mit einer tollen Wanderung entlang der Steilküste zum krönenden Tagesabschluß.

Ein toller Bypass führt entlang der Küste zum Tagesziel Arenal d,en Castell
Die Wegeführung ist lückenlos und ausgeklügelt. Neben den Kilometerangaben sind die Streckenpfosten mit einer laufenden Nummer versehen. Die obere Nummer (hier 05) gibt den Tourenabschnitt an, die untere Nummer (hier 027) ist die fortlaufende Pfostennumerierung entlang des besagten Tourenabschnittes. Verfügt man zudem über ein Roadbook mit ausgewiesenen POI,s unter Angabe der Pfostennummer und einer dazugehörigen Karte, dann ist man perfekt präpariert.

s,Arenal d,en Castell – Binimel-La [36 Kilometer 870 Höhenmeter]

“Do it again” – so die Tageslosung des zweiten Wandertages. Würde man dem ursprünglichen Streckenverlauf folgen, dann stünden an diesem Tag gerade einmal zwanzig Kilometer auf dem Programm. Jedoch wäre es grob fahrlässig das vorhandene Zusatzangebot nicht anzunehmen. So geht es von s, Areal d,en Castell küstennah zum Nachbarort Son Parc – der ebenso wie die umliegenden Feriensiedlungen noch im Winterschlaf liegt. Hinter Son Parc lohnt ein Abstecher in die zerklüftete Küste von Cala Pudent. So folgt man einem undokumentierten Weg und genießt die raue Strecke oberhalb der Küste. Wer hier zu früher Stunde in dieser Jahreszeit zu Fuß unterwegs ist, begegnet keiner Menschenseele und man hat das herrliche Gefühl, die Insel für sich zu vereinnahmen.

Early-Bird-Start in s,Arenal d,en Castell
In wenigen Minuten……
flutet die Sonne die Landschaft und der blaue Himmel stülpt sich über die Küstenregion
Einzig diese Bewohner sind bereits auf Achse
Da hat sich irgend jemand am Cala Prudent sein Wohnzimmer eingerichtet

Von Cala Prudent geht es zurück auf den Cami. Der Weg führt weiter zu den Salinen Noves. Von den einst hier betriebenen Salinen ist heute nur noch eine in Produktion. Vorbei an einer frühchristlichen Stätte setzt eine der unattraktivsten Abschnitte des gesamten Weges ein, was sich aber auf einer Gesamtstreckenlänge von mehr als zweihundert Kilometern nicht wirklich in Gänze vermeiden lässt. Entlang der Hauptverkehrsader, der ME 15 wandert man nach Ses Salinas. Offiziell verschwenkt hier der Wanderweg hinüber nach Plattges de Fornells, jedoch sollte man noch zwei zusätzliche Asphaltkilometer investieren. Belohnt wird man mit einer jahreszeitunüblichen Einkehrmöglichkeit in einer Bar und einer fantastischen und aussichtsreichen Küstenpassage zum Torre de Fornells. Freelancemäßig kann man von dort aus sich als Spurensucher betätigen um die Fährte eines undokumentierten steilküstennahen Weges aufzunehmen. Allemal ist dieser Abschnitt ein absolutes Highlight dieser Tagestour.

Vorbei an einer ehemaligen Mühle
Da müssen Profis ran, denn nur diese beherrschen die Kunst Trockensteinmauern fachgerecht instandzusetzen
Schmauchspuren der Vergangenheit – die Reste einer frühchristlichen Kirche am Cap des Ports
Windgetriebene Wachstumsrichtung
Im Hintergrund der 358 Meter hohe Monto Torro – von dort oben kann man die ganze Insel überblicken
Immerhin exakt ausgemessen – der Gang entlang der Hauptverkehrsstraße ME 15
Ein frivoler Kreisel bei Ses Salines de Fornells
Ist ja schon gut…..
Nur dort wo angeschlagen, wie hier bei dieser Käserei, ist der Zutritt gestattet
Das möge verstehen wer möchte……
Auch auf dem Highway ist man nicht orientierungslos
Der erste Kaffee auf dem Cami de Cavalls. Kaffeeeeeeeeeeeeeeee……. in Fornells auch außerhalb der Saison
Torre de Fornells – es waren Briten die diesen mächtigen Steinboliden 1801 errichteten
Vom mächtigen Wehrturm blickt man hinüber nach Plattges de Fornells….
…jedoch bis dahin sind noch einige Kilometer durch ein spannendes felsiges Gelände zu absolvieren
Im Hintergrund ist der nördlichste Zipfel Menorcas, der an diesem Tag auch noch besucht wird, auszumachen
Von wegen – der Eindruck täuscht. Die Restaurants verrammelt, die Bar noch dicht, der Supermercado geschlossen. Wiedervorlage in vier Wochen.
..aber ansonsten ist Plattges de Fornells eine wunderschöne Feriensiedlung…
..und vorzeigbar aus allen Blickrichtungen

Die Sondereinlage rund um Fornells war einmal mehr eine bereichernde Zusatzpassage und kann getrost als Highlight in diesem Streckenabschnitt verbucht werden. Aber damit nicht genug. Wenn man hier schon unterwegs ist, dann ist ein tagesfüllendes Programm angesagt. So geht es zunächst vorbei an Cala Torant der offziellen Streckenführung folgend weiter nordwärts um am Streckenpfosten 05-63 einzuschwenken, zum nördlichsten Punkt der Insel dem Cap de Cavalleria. Zurück auf den Cami führen die nächsten Kilometer durch ein fels- und sanddurchsetzten Küstenabschnitt. Hier kann man auch Höhenmeter sammeln, denn es geht munter auf und ab auf tollen Pfaden mit herrlichen Ausblicken auf das Mittelmeer. Der Abschnitt zwischen Platja de Cavalleria und Binime-La scheint auch in der Saison ein sehr beliebter Anlaufpunkt zu sein, denn hier hat man sogar etwas Infrastruktur in Form von Bänke und Tische eingerichtet.

Immer am Meer entlang
Calcitkristalle bereichern die Steine mit weissen Streifen….
Noch ist es hier menschenleer…..
Hier hat man alles im Überblick
..und am nördlichsten Zipfel erst recht
Ein herrlicher Strand – Platja de Cavalleria
Wandern an der Küste – ein Traum
Fast wie die Chinesische Mauer – nur länger. Insgesamt 13.000 Kilometer Trockensteinmauern sind auf der Insel verbaut

Binimel-La – Cala Morell [26 Kilometer 970 Höhenmeter]

Hinter Binimel-La setzt in der Tramuntana die beeindruckenste Küstenlandschaft der Insel ein. Bizarre Felsformationen, steile An- und Abstiege in einem abwechslungsreichen Landschaftsrelief, der höchste Punkt des gesamten Cami de Cavalls, unberührte Strände. Alles in allem der wildeste Part der Insel. Passend zum Landschaftsbild versteckt sich an diesem Tag die Sonne hinter einem massiven Wolkenband und trägt dabei zu einem fast schon apokalyptisch anmutenden Stimmungsbild bei. Kurz hinter dem Strand von Binimel-La entfaltet sich ein einmaliges landschaftliches Szenario. Kein Wunder, dass hier die Produzenten von Mike Oldfield sogar Bilder für ein Plattencover (Incantations) aufgenommen haben.

Trail 06 -Pfosten 006 – Start am Strand von Binmel-La
Eine alte Strandkemenate
Vulkangestein prägt das Landschaftbild
..wobei das Farbspektrum schon beeindruckt
Blick hinüber zur Cala Pregonda – eine der schönsten Ecken der Gesamtpassage…
..gespickt mit Felsformationen die einer ständigen Erosion unterliegen
Fast schon ein kleiner roter Vulkankegel
Mystisch die Stimmung in den kleinen Waldabschnitten
..und einige hundert Meter wird das noch getoppt….
Unterwegs auf den steilsten Abschnitten des gesamten Trails
Die Belohnung: immer wieder schöne Ausblicke
So hangelt man sich von Bucht zu Bucht – wie hier Richtung Cala Calderer
Eine absolute Ausnahme: eine Jausestation zwar ohne Bewirtschaftung aber immerhin
..und wetterbedingt brodelt es mächtig an der Küste

Von Cala Calderer geht es stramm aufwärts. Im Roadbook sind 32,2%-Anstieg in Dolomitenqualität hinterlegt. Begleitet vom mächtigen Rauschen des Meeres wandert man sich auf felsigen Wegen permament aufwärts. Zwei Trailrunner, die die Textur des Weges sichtlich genießen schrauben sich dynamisch hoch. Ein Gravelbiker fräst sich waghalsig mit dickem Pneu über den steindurchsetzten Weg. Kurzum – sportlich Vitale können sich hier regelrecht austoben. Vom höchsten Gipfel der Tour (135 Meter über Meereshöhe) geht es wiederum steil abwärts nach Es Elocs, ebenso einem wunderbaren Strandabschnitt, reich an Fels und Vegetation.

Ein Pyramidenbau – zwölf Wegeposten vor dem höchsten Punkt der Tour entfernt
In der wilden Tramuntana auf 135 Meter Höhe
Reste einer Seilwinde, Freisitz für Angler, postmoderne Tablethalterung………….?
Ein Paradies zwischen Es Elocs und Cala del Pilar
Was ein Szenario – kurz vor Weltuntergang (jedoch es blieb trocken!)
Die Wege – traumhaft für Wanderer die Abwechslung lieben
Ein superfitter Biker – Respekt
Noch mehr Respekt muss man diesen Männern zollen, denn sie sind es, die den Weg in Schuß halten
Zwischendrin wieder etwas Grünzeugs
Spannend wird es an der Cala Fontanelles. Hier kann man ehemalige Strandbehausungen bestaunen
Und zur Abwechslung einmal mehr Fußgymnastik

Hinter Cala de ses Fontanelles schwenkt man ein in die Umlaufbahn von Cala Morell. Hier kann man einerseits 3.500 Jahre alte prähistorische Höhlen besichtigen und andererseits Nekropole des 21. Jahrhunderts bewundern, die den steril-spröden Charme eines elitär anmutenden Rückzugsgebietes ausstrahlen. Eine Wohlfühlatmosphäre entwickelt in diesem Ort sich hier nicht wirklich, so zumindest der Eindruck, wenn man hier durchwandert.

Kilometerlang wandert man geradeaus nach Cala Morell
Die Bucht von Cala Morell

Cala Morell – Ciutadelle [30 Kilometer 630 Höhenmeter]

Szenenwechsel. Nach der landschaftlichen Reizüberflutung der vorhergehenden Touren ist auf dieser Tour visuelle Entschleunigung angesagt. Weniger Höhenmeter einerseits, landschaftliche Kontinuität andererseits, aber dafür mehr kulturelle Inhalte als tagestourenprägende Komponente. Gestartet wird an den Coves prehistorics, die aus vierzehn bis zu 160 qm² großen Höhlen besteht, die bereits vor 3.500 Jahren zu Wohn- aber auch zu Begräbniszwecken genutzt wurden. Hinter Cala Morell verändert sich schlagartig das Landschaftsbild. Trocken aber steinreich die Landschaft und spärlich die Vegetation. Man wandert auf dem Höhenplateau oberhalb des Meeres durch eine kraterähnliche Landschaft. Die Weite der Landschaft wirkt durchaus sedierend, wenn man kilometerlang dem Cami de Cavalls folgt, der sich vornehmlich entlang der Steinmauern durch das Gebiet zieht. Angenehm dass an diesem Tag die Sonne sich hinter der Hochbewölkung versteckt, denn bei direkter Sonneneinstrahlung ist die Passage eher stressig. Eine erste Abwechslung ist nach acht Kilometern am Punta Nati angesagt.

Die prähistorischen Höhlen in Cala Morell
Von hier aus sind es noch 141 Streckenpfähle bis zum Punta Nati
Barracas – gebaute Steinhäuser, damit sich das Vieh unterstellen kann. Wanderer hingegen müssen bei Wind und Wetter draußen bleiben….
Hier ist es schon verdammt trocken
..und nur hartnäckiges Grünzeugs drückt sich durch
Rüstige Hiker genießen hier die flache Wegestruktur
Ab geht es in die Kraterlandschaft
Zwischendurch immer wieder Steilküstenaus- und einblicke
An der “Bucht der Toten” die “Cala de Morts” dort wo General Chanzy 1910 mit 157 Besatzungsmitgliedern kenterte
Nach dem Unglück wurde am Punta Nati ein Leuchtturm errichtet
Und hinter dem Leuchtturm kann man Reste von militärischen Bauten aus der Zeit des spanischen Bürgerkrieges besichtigen

Hinter Punta Nati ist vor Punta Nati. Unverändert das Landschaftbild der verkarsteten Landschaft. So lohnt es immer wieder an geeigneten Stellen einen Blick über die steil abfallenden Buchten zu riskieren. Tiefenblicke der besonderen Art eben. Der Hingucker an der Küste ist natürlich das Felsentor am Pont d,en Gil. Von hier aus verschwenkt der Cami de Cavalls durch die Urbanisierungsareale von Calespiques und Cala en Blanes bis nach Ciutadelle. Kann man machen, jedoch eindeutig interessanter ist es sich entlang des Küstenstreifens durchzuhangeln, gangbaren Pfaden zu folgen und das Meeresrauschen als permanente Dauerberieselung einzufangen. Die Krönung dieser Tagestour ist natürlich Ciutadella. Der Einzug in die Stadt erfolgt über den Hafen. Nach einer ausgedehnten Rast im alten Hafenviertel, das durchaus reizvoll ist empfiehlt es sich die historische Stadt intensiv zu erkunden. Ciutadelle ist eine mittelalterliche Stadt mit Flair, die auf Anhieb begeistert. So lohnt es durch die Gassen schlendern und das authentische Menorca aufzusaugen.

Bestes Klima für die Vierbeiner
Sekundärfarben wie Grün und Gelb harmonieren besonders gut
Das Felsentor Pont den Gil – und drüberlaufen kann man auch
Felsenbuchthopping durch die Vororte von Ciutadella
Und zwischen Cala en Blanes und Ciutadelle entdeckt man sogar mehr als einhundert Jahre alte Jugendstilstrandhäuser
Holz schlägt Stein
Der Hafen von Ciutadella
Die schönste Stadt der Insel – Ciutadella

Ciutadelle – Cala Galdana [31 Kilometer 627 Höhenmeter]

“Ab in den Süden” – so die Lösung dieses Wandertages. Lagebedingt sind die ersten sieben Kilometer ab Innenstadt Ciutadella nicht wirklich prickelnd. Man wandert durch die südlichen Anrainer der Stadt, durch eine kleine Industriezone und kleinteilige Feriensiedlungen. Perfekt jedoch die Wanderwetterregie dieses Tages. Der Wettergott hat für diesen Tag Sturmböen vorgesehen, hält sich jedoch mit Regengüssen zurück. Nach dem offiziellen Wetterradar sind Windgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h angezeigt – der Metorologe spricht hier von steifem Wind welcher “fühlbare Hemmungen beim Gehen gegen den Wind” auslöst. Die Konsequenz: im Mittelmeer brodelt es mächtig. Meterhohe Gischten entfalten sich über den Cami de Cavalls und sorgen phasenweise für eine lebhafte Erfrischung.

Start in Ciutadella
Torre des Castellar – so der Name dieser Festungsanlage
Zwanzig Calas liegen zwischen Ciutadella und Cala Galdana
Auf dem Weg zum südwestlichsten Zipfel Menorcas…
..dort wo am Cap d,Artrutx 1859 die erste Leuchtturmlampe mit Olivenöl betrieben wurde
Das Meer tanzt..
Dynamisch der Wellengang..
Strandpause
…und geduscht wird man phasenweise auch….
Links die Mauer…..
…rechts das Meer
Von Cala zu Cala..
Immer wieder schön….
Keine Überraschungseier sondern Neptungras – ergo Meeresbälle aus abgestorbenen Seegras

Passend zum Wanderlauf beruhigt sich in der Umlaufbahn von Cala Galdana die Wetterlage. Der Sturm ebbt ab, die Sonne drückt sich durch – einmal mehr ist großes Wanderkino angesagt. Im Korridor zwischen Macarella und Cala Galdane entfaltet sich ein besonders schöner Abschnitt und setzt damit einen gelungenen Schlußakzent auf dieser beeindruckenden Passage durch die südliche aber auch rauhe Küstenlandschaft Menorcas.

Menorcas Küstenlandschaft ist schon toll
Und je nach Bucht entwickeln sich unterschiedliche Szenarien
Und wenn sonnengetrieben das Meer noch in das Türkise gleitet….
…dann ist das Balsam für die Seele
Von Bucht zu Bucht mäandert der Cami de Cavalls durch die Landschaft
..und in manch einer kleinen Bucht geht es noch lebhaft zu….

Cala Galdana – Cala en Porter [31 Kilometer 810 Höhenmeter]

Ursprünglich war auf diesem Abschnitt eine Fortsetzung der Passage auf dem küstennahen Felsweg eingeplant, der zwar nicht als Cami de Cavalls deklariert ist, jedoch direkt am Meer weiterverläuft. Auf den Rat der lokalen Experten von Cami de Cavalls hörend wählte ich allerdings die längere Originalstrecke des Camis – eine gute Entscheidung. Denn hier hatte man Gelegenheit in eine ganz andere Hemisphäre der Insel einzutauchen. Natur pur war hier angesagt – jenseits des Meeresrauschens, ein Rückzugsgebiet der besonderen Art und eine ideale Ergänzung zur Abrundung des Eindrucks dieser bemerkenswerten Insel. So führt die Passage von Cala Galdana auf abwechslungsreichen steinmauerbegleitenden Pfaden nach Sant Tomas.

Von Cala Galdana aus….
…..geht es in das Landesinnere
Hier sind sogar die Schilder individualisiert
Wer hier wohl einst hauste….?

Nach elf Kilometern innerländischer Naturpfade ist der Ferienort Sant Tomas erreicht. Wochenende ist angesagt und zahlreiche sportliche Aktive sind hier auf der Piste unterwegs. Insbesondere Trailrunner aber auch Biker sind hier in der Überzahl. Nur vereinzelt sind einige wenige Rucksackträger auszumachen. Zwischen Sant Tomas und Son Bou folgt der härteste Teil der gesamten Cavi de Cavalls-Tour: drei Kilometer (!) durch das Dünensandareal der Platges de Son Bou – ein herausforderndes Training für die Waden. Bei Son Bou tummeln sich auch schon einige Surfer, die trotz durchwachsener Wassertemperaturen scheinbar Spaß bei ihrer Betätigung haben.

Samstags ist alles auf den Beinen
..oder an der Angelrute….
…oder im Wasser
Einmal mehr von Bucht zu Bucht
Es ist schon eine Schinderei drei Kilometer durch den Sand zu wandern
..angenehmer ist es dagegen an der Wasserfront unterwegs zu sein

Hinter Son Bou, wo man die Reste einer altertümlichen Basilika bewundern kann, geht es endlich wieder raus aus dem Sand und ab in die Höhe zur wunderschön gelegen Platja de Cala Llucalari. Von hier aus bietet sich eine Zusatztour regelrecht an – der Besuch von Torre d,en Galmes, die größte prähistorische Siedlung Menorcas auf einer Fläche von insgesamt fünf Hektar. Hier liegen die tiefsten Wurzeln Menorcas und die wohlweislich instandgehaltene Anlage beeindruckt. Zurück auf den Cami de Cavalls wartet schon das nächste Highlight. Die Wanderung durch die Agrarlandschaft El Barranco de Cala en Porter, dort wo Mandelbläume blühen, kleine Olivenhaine stehen und Kakteen sprießen.

Blick auf die Reste der paleochristlichen Basilika bei San Bou
Ein prägnanter Zipfel an der Platja de Cala Llucalari
Immer wieder gerne – solche nicht alltäglichen Texturen
Und es gibt sie wirklich – die Reiter auf dem Cami de Cavalls
Torre d,en Calmes: Hier kann man locker eine Stunde investieren. Weltweit einzigartig sind die Taulas, die mächtigen T-förmigen Monolithen, scheinbar errichtet als Kultstätten
Zwar nicht so üppig wie auf der benachbarten großen Insel, aber immerhin ein Mandelbäumchen sprießt
Hingegen Kakteen fühlen sich hier wohler
..die vielleicht landwirtschaftlichste Ecke der Insel ein Kilometer vor Cala en Porter

Cala en Porter – Mahon [38 Kilometer 710 Höhenmeter]

Finale – der letzte Wandertag der Inselumrundung. Rasend schnell vergingen die letzten Tage – die Eindrücke der vorausgegangenen Tage hallen immer noch nach. Tatsächlich umfasst diese letzte Passage insgesamt noch vier offizielle Teiletappen der gesamten Inselumrundung von Etappe 17 bis Etappe 20, wobei strukturell bedingt im Gesamten der Asphaltanteil an diesem Tag am höchsten sein wird. Kein Wunder, denn man rückt an die Inselhauptstadt Mahon heran. Jedoch trotzt aller Vorbehalte – auch diese Strecke wird überraschen. Auf kernigen Pfaden geht es zunächst gen Es Canutells, bevor man eine dröge drei Kilometer lange Asphaltstrecke zu absolvieren hat. Glücklicherweise ist es Sonntag, ergo tote Hose auf der Straße und so kann man unbeschwert auf der Landstraße laufen. Zurück auf gewohnten steindurchsetzten Pfaden gelangt man nach Binibequer Vell, eine Ferienansiedlung mit Stil. Hier hat man einen beeindruckenden Apartmentkomplex in Form eines alten Fischerdorfes nachempfunden. Jahreszeitbedingt ist der Ort noch verwaist, doch kann man sich gut vorstellen, hier in angenehmer Atmosphäre entspannte Tage direkt am Meer zu verbringen.

Die vier Phasen der Streckenentwicklung hinter Cala en Porter
Was folgt ist eine drei Kilometer lange Asphaltrunde – einzig dieser Anblick stimmt hoffnungsvoll
Runter von der Straße – rein in die Pampa
Endlich wieder Gatter….
Da lacht das Wanderherz und es erhöht sich der Abrieb an der Wandersohle
Binibequer Vell – hier kann man es aushalten
Farbakzente am Meer

Nach Biniquer Vell reihen sich bis Punta Prima kleine Urlaubsorte aneinander. Hinter dem hier folgenden Wehrturm geht es durch einen regelrechten kilometerlangen Trockenmauertunnel, der ausgezeichnet zu wandern ist, bis zum Fort de Marlborough, eine ehemalige britische Festungsanlage, bevor von hier aus nach offizieller Streckenführung sich der Cami de Cavalls direkt bis nach Mahon verzieht. Würde man die regulären Passage bis nach Mahon laufen, dann wäre es der grausigste Abschnitt der gesamten Tour, denn es geht entlang der breitesten und vielbefahrensten Straße der Insel auf einem roten Fahrradstreifen entlang – und das für fünf Kilometer. Sinnvoller hingegen ist es, bei Sol de l,Est der herrlichen Küstenstrecke zu folgen. Am langen Ende sind die Streckenplaner gut beraten, diesen Abschnitt, wie hier vorgeschlagen, zu überarbeiten.

Vor Wind, Sonne und Meerwasser ist das beste Schild nicht gefeit
Glücklicherweise nur selektiv vorhanden – menorquinische Schmierfinkenattacken
Einmal mehr ein Wehrturm an der Cala d,Alcafar
Do the stonewalk – kilometerlang geht es hier durch den Steintunnel
Ein Palmehain führt zu einem herrschaftlichen Anwesen
Am Fort Marlborough – die Bucht ist schön, dass eingetunnelte Fort war aktuell nicht zugänglich
Blick auf die Festung von La Mola, die 1848 errichtet wurde

Die Hauptstadt Mahon selbst ist sonntags regelrecht ausgestorben. Fast alle Bars geschlossen, einige wenige Restaurants öffnen erst ab 20.00 Uhr, und im Gegensatz zu Ciutadelle entfaltet sich hier keine nennenswerte Atmosphäre. Einzig an der Moll de Llevant, im östlichen Hafenkorridor findet noch etwas Leben statt, und hier kann man die Wanderung in einem angenehmen Umfeld gebührend ausklingen lassen.

Am Hafen von es Castell – eine schöne Ecke
Port de Mao – der größte Naturhafen Europas
Tre Cavallis in der Stadtmitte von Mahon. Eeigentlich bietet es sich an hier den offziellen Startpunkt des Cami de Cavalls mit einer entsprechenden Hinweistafel zu verankern

Der Cami de Cavalls 360° – einmal rund um die Insel Menorca. Ein Wanderspektakel gespickt mit einer außergewöhnlichen landschaftlichen Vielfalt. Keine Etappe gleicht der anderen. Vielfalt in jeglicher Hinsicht ist Programm. Klammert man den technisch notwendigen und nicht zu vermeidenden Korridor rund um Mahon einmal aus, so kann man mit Fug und Recht die Behauptung aufstellen, dass hier jeder Schritt ein Genuß ist, und die zudem vorgestellten Sonderschleifen noch als Sahnehäubchen oben drauf kommen. So wundert es eigentlich nur, dass dieser Weg noch nicht im Kreis der Leading Quality Trails Best of Europa aufgenommen wurde.

Ideal als Wanderzeit ist der Zeitraum zwischen Oktober und April, wobei man in den Wintermonaten und im frühesten Frühjahr sich darauf einstellen muss, daß die Infrastruktur außerhalb von Ciutadella und Mahon tendentiell nicht zur Verfügung steht. Aus diesem Grunde ist die Zusammenarbeit mit einem lokalen Experten hochgradig zu empfehlen und die beste Adresse hierzu ist der Anbieter 40 Nord Outdoor. Die Outdoorspezialisten kennen jeden Winkel der Insel und erarbeiten ein maßgeschneidertes Angebot. Ob Inselumrundung in 6 oder 13 Tagen, ob nur die Hälfte oder ausgewählte Exkursionen, Übernachtungsarrangements, Pick-Up-Service, eine exklusive Roadmap und Karte, und all das zu einem ausgezeichnten Preis-Leistungsniveau.

Sicherlich der CO² wiegt schwer, wenn man die Anreise berücksichtigt. Jedoch wenn man einbezieht, dass 80% des Reisepreises (bei Zusammenarbeit mit einem lokalen Veranstalter) als Wertschöpfung auf der Insel bleiben und es zudem nicht verboten ist das CO²-Equivalent in Form einer Spende zum Erhalt des Wanderweges zuzuführen, dann kann man als begeisterter Wanderer das wunderbare Angebot, welches Menorco bietet, nicht wirklich ausschlagen.

Die Stammgäste der Bar La Isla in Mahon freuen sich, dass ein Odenwälder Wanderer sich über die tolle Insel freut. Nur – in sieben Tagen rund herum um die Insel wollen die Jungs nicht wirklich laufen…
“You did a great job!” Herzlichen Dank an Juanja, David und Bipe, die jeden Winkel dieser Insel kennen und an Lina, die den administrativen Teil dieser Tour hervorragend gemanagt hat. Ein tolles Team!

2 Kommentare

    • Many many thanks Lina. It was the best descision to choose your company for this trail and you had been the most important part for a fantastic hiking adventure of it. Many greetings to all of you and your wonderful island -Martin-

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*