Marathon

Lutherweg 1521 Nauheim – Frankfurt

Nauheim, den 21. Januar 2016 Frankfurt zu Luthers Zeiten. Die damalige Metropole zählte 10.000 Einwohner. Die Buchmesse war bereits seit 30  Jahren etabliert und eine Vielzahl von überregionalen Wegen ermöglichten schon damals eine relativ komfortable Anreise. Frankfurt 2017: Der Großkorridor Frankfurt, Autobahndrehscheibe, internationaler Flugzeughub und Eisenbahnverkehrsknoten für den kontinentalen Schienenverkehr. Kurzum hier befindet man sich im Lärmnuklus des gesamten Pilgerweges. So gilt es mit wenig Muse zur Besinnung auch diesen Abschnitt zu meistern. Bei Minusgraden wird eine Stunde vor Sonnenaufgang in Nauheim  gestartet. Die Vielzahl der Kondensstreifen am klaren Morgenhimmel belegen, dass seit zwei Stunden der Flugverkehr am benachbarten Flughafen wieder eingesetzt hat. Alle 45 Sekunden startet ein Jet . 50 Minuten würde der Reformator heute benötigen um mit seines Thesen im Handgepäck von  Erfurt nach Frankfurt zu reisen, deutlich weniger als die vierzehn Tage, die sein Tross benötigte um 1521 in Worms einzutreffen. Vom Nauheimer Bahnhof führt der Pilgerweg durch die alte Ortsmitte. Die 1753 erbaute Kirche ist natürlich zu früher Morgenstunde noch verschlossen. Vorbei am 1588 errichteten Rathaus führt ein Fußweg entlang des Schwarzbachs in das benachbarte Königstädten. Am 12. August 1944 wurde die Ortschaft fast komplett ausradiert.   Mehr als 70.000 Brandbomben und  500 Tonnen Sprengbomben fielen in dieser Nacht auf die Ortschaft. Es wird vermutet, dass der Angriff eigentlich dem benachbarten Opel-Werk Rüsselsheim galt. Der bestens ausgeschilderte Lutherweg führt nordöstlich in die Kiefernforste des Mönchbruchs hinein. Nach einigen Kilometern erreicht man die ehemalige Mönchbruchmühle und das benachbarte ehemalige Jagschloß des Darmstädter Landgrafen. Direkt hinter dem heutigen Landgasthof Mönchbruchmühle setzt ein [read more…]
bis 35 km

Lutherweg 1521 Alsheim – Nauheim

Alsheim, den 15. Januar 2017 Ob Luther mit seinem Troß auf dem Weg nach Eisenach bereits durch die berühmten  Alsheimer Lößhohlwege schreiten konnte ist nicht überliefert. Man ertappt sich jedoch immer wieder, dass man geneigt ist gedanklich 500 Jahre zurück zu springen um für sich zu ergründen, wie damals die Region hier ausgesehen haben könnte. Alsheim gab es schon damals, sogar vor der Reformation mit zwei Kirchen  ausgestattet. Das jetzige Fachwerksrathaus wurde erst 200 Jahre später errichtet und vom Anblick des weithin sichtbaren Atomkraftwerks  Biblis blieb der Reformator glücklicherweise verschont. Was sind schon 500 Jahre, wenn der Halbwertszeit von Plutonium 239 immerhin 24110 Jahren beträgt. Da in Rheinland-Pfalz die Lutherwegsbeschilderung noch nicht fertiggestellt ist, folgt man zunächst den Rheinterassenweg um nach einigen Kilometern auf die Kirchenruine St. Magdalena in Hangen-Wahlheim zu stoßen, die vermutlich im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Bereits von hier aus kann man auf das drei Kilometer entfernte Guntersblum hinabblicken . Auch wenn der Lutherweg offiziell oberhalb von Guntersblum entlang des Rheintgerassenweges verläuft, lohnt allemal ein Abstecher in das 4.000 Seelen zählende Weinstädtchen. Bemerkenswert sind die beiden markanten Türme der evanglischen Kirche. Der Stil derartiger achtseitiger Gewölbe auf quadratischem Grundriss wurde vermutlich in Persien erfunden, so dass man sie auch Sarazenentürme nennt. An allen Ecken der Kommune spürt man dass es sich hier um eine weinselige Region handelt.  Winzerhaus  an Winzerhaus reiht sich aneinander, wenn man durch den Altstadtkern schlendert. Nördlich von Guntersblum führt die Passage wiederum aufwärts in die Wíngerte.  Hinter dem Römerturm, mit der Morgensonne im Rücken,eröffnet sich eine [read more…]
bis 35 km

Lutherweg 1521 -Prolog-

Worms, den 1.1.2017 Traditionell wird das neue Wanderjahr mit einem Pilgerweg eingeläutet. Prädestiniert für 2017 ist dabei der Lutherweg 1521 – 360 Kilometer in toto von Worms bis nach Eisenach. Am 31. Oktober 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag an der Schloßkirche in Wittenberg zum 500. Male. Vier Jahre später wurde der Kirchenmann von Kaiser Karl V. zum Reichstag nach Worms einbestellt, um seine Thesen zu widerrufen. So rumpelte der Tross des Reformators im April 1521 beschwerlich mit Pferde und Wagen von Wittenberg über Eisenach nach Worms. Das Resultat ist hinlänglich bekannt. Luther verweigerte den Widerruf und wurde mit dem Reichsbann belegt. Der Kaiser gewährte ihm 21 Tage freies Geleit auf dem Weg zurück nach Wittenberg. Da aber die Verhaftung drohte, ließ Luthers Protege, der Kurfürst von Sachsen, Luther zum Schein überfallen, um ihn auf der Wartburg in Sicherheit zu bringen. So wurde anlässlich des Reformationsjubiläums die Idee geboren die damalige Route  als Pilgerpfad zu entwickeln. Zwar haben sich die alten Wege in den letzten Jahrhunderten stark verändert, jedoch hat man Wert darauf gelegt den neu angelegten Pilgerweg in einem engen Korridor zum historischen Weg anzulegen. Der offizielle Startpunkt des Pilgerweges in Worms ist die evangelische Magnuskirche, eine 800 Jahre alte romanische Basilika. Hier wurde bereits ein Jahr nach dem Wormser Auftritt Luthers evangelisch gepredigt. Und hier wartet schon die erste Überraschung. Ein Hinweis auf den Pilgerweg –Fehlanzeige- Die Kirche, entgegen der Pilgerinformationen (geöffnet ab 08.00 Uhr) verschlossen.  Auch die in unmittelbarer Nähe im Barockstil errichtete evangelische Dreifaltigkeitskirche, die ebenso ab [read more…]