Walking Special

Essen in vier Gängen

Essen, den 30. Oktober 2026 – Zugegeben: Als Odenwälder war man lange, wenn es um die Revierstadt Essen ging, noch mit dem üblichen Klischee belegt: Eine Stadt, die aus Fördertürmen, grauen Fassaden und Arbeitern mit rußverschmierten Gesichtern und belegten Stullen in der Hand besteht. Und nun wird ausgerechnet dort, wo sich Deutschland jahrzehntelang verausgabte, Erholung angeboten, und zwar in einer Kommune, die schon 2017 zur Grünen Hauptstadt Europas gekürt wurde, als Anerkennung für eine vorbildliche Entwicklung in Sachen nachhaltiger Städteentwicklung, Klimaschutz, Mobilität und Lebensqualität. Vier Gänge stehen für echte Wandergourmets auf der Speisekarte. Als Vorspeise eine Industriekultur mit Biss, der Zollvereinsteig, als Zwischengang mit dem Baldeneysteig Aussichten zum Genießen, als Hauptgang der Kettwiger Panoramasteig mit einer ordentlichen Portion Höhenmeter und als Dessert der Deilbachsteig. So serviert Essen 120 Kilometer Wanderlust, bereichert mit einem Gruß aus der Küche in Form von 2.200 Höhenmetern. Die Vorspeise – der Zollvereinsteig Keine Frage, es hatte schon etwas Surreales. Frühmorgens um 7.15 Uhr. Zeche Zollverein, einst die größte Steinkohlenzeche der Welt, ergänzt mit der größten Zentralkokerei Europas, und seit 2001 UNESCO-Welterbe. Mittlerweile ist Schicht im Schacht, aber mit Grip unter der Sohle lässt sich die nach eigenen Angaben “schönste Zeche der Welt” bestens erkunden und der Zollvereinsteig setzt direkt am Hauptportal ein und hat im Rahmen der Streckenführung einen ausgedehnten Rundgang durch das heutige Wahrzeichen des Ruhrgebietes inkludiert. Surreal die Momemtaufnahme, denn mit Ausnahme von zwei Hunden, die ihre Besitzer am anderen Ende der Leine hinter sich herziehen ist man zu dieser Tages- und Jahreszeit [read more…]
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Halden-Hügel-Hopping Extrem

Gelsenkirchen im März 2022 – “Woanders is auch scheiße! – Woanders is auch scheiße, so sagt man bei uns im Ruhrpott” erklärt mir freimütig ein Gleitschirmflieger der gerade am Plateau der Halde Hochwald seinen Gleitschirm zusammenlegt. “Früher gab es die heilige Dreifaltigkeit des Ruhrpotts, nämlich Stahl, Kohle und Bier und das alles mit einer Zehnerpotenz ausgelegt. Für eine Tonne Stahl benötigte man zehn Tonnen Kohle und 100 Liter Bier für die Stahlkocher” erläuterte der ehemalige Dortmunder Bergbauingenieur, der noch bis 1988 unter Tage arbeitete und dann zur Berufsfeuerwehr wechselte. “Aber heute sind wir irgendwie stehengeblieben…….” Ein Statement, über das es noch nachzudenken gilt. Seit nunmehr sieben Jahren bietet der Regionalverband Ruhr Bergwandererlebnisse in Form eines Halden-Hügel-Hoppings an. Von den mehr als hundert künstlichen Bergen der Region, die einst aus Kohlereste, Bergematerial, Industrieschlacke, Hausmüll und Bauschutt angehäuft wurden, sind mittlerweile dreißig Halden für “Bergwanderer”, Industriegeschichtsentdecker, Spaziergänger und Radfahrer als attraktive Freizeitgestaltungsmöglichkeit entwickelt worden. Elf Themenwege mit einer Länge zwischen sechs bis sechszehn Kilometern bieten dabei die Möglichkeit für aussichtsreiche Entdeckungsreisen. Wer jedoch, wie ich, vom Ruhrpott keinerlei Vorstellung hat, dem sei diese vertiefende und raumübergreifende Entdeckungstour der besonderen Art empfohlen. Vier Tage, 170 Kilometer und 2.300 Höhenmeter, so die Koordinaten einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise in die Herzkammer des ehemaligen Maschinenraums Deutschlands. Haldentour I: Zwischen Bochum und Recklinghausen Tief im Westen, im Bochumer Stadtteil Grumme, startet die erste Haldentour. Bereits nach wenigen hundert Metern passiert man, thematisch als Einstimmung passend, das Denkmal “Knochen-Karl” welches an die Todesopfer der einst hier angesiedelten Zeche Constantin [read more…]