Trans Tramuntana

Mallorca im  April 2016

Erzherzog Ludwig Salvator, adeliger Spross aus dem Hause Habsburg sei Dank. Der hochgebildete Naturwissenschaftler, der 15 Sprachen beherrschte, siedelte 1870 nach Mallorca um, bereiste  jahrzehntelang das Mittelmeer per eigenem Schiff, oft in Begleitung von einer 20köpfigen Entourage und allerlei Getier und verfasste unzählige Schriften über den balearischen Lebensraum. Praktizierte Nachhaltigkeit artikulierte sich in den Umstand dass er einen  16 Kilometer langen Küstenstrich  zwischen den Orten  Deià und Valldemossa  erwarb, auf dem kein Baum gefällt und kein Haus errichtet werden durfte.  Er legte ein 12 Kilometer langes Wegenetz bis in die Berge der Sierra del Teix an, das noch heute erhalten ist. An den schönsten Aussichtspunkten wurden Miradores, kleine Mäuerchen mit Sitzbänken eingerichtet, von denen aus man die Schönheit der Küste und den Sonnenuntergang bewundern konnte. „Der Wandertrieb ist dem Menschen angeboren. „Durch neue Spaziergänge, wird ein Mittel zum Ausruhen während der Arbeit geschaffen, was man bei einem festen Wohnsitz vergeblich suchen würde.“ Fürwahr ein weiser Mann!

Knapp 150 Jahre später folgt eine dreizehnköpfige Wandergruppe unter Leitung von Aina Escriva, einer exzellenten mallorquinischen Wanderführerin, den Spuren des Erzherzogs, um die mit 14 Gipfeln über 1.000 Höhenmetern gespickte Serra de Tramuntana, einem spektakulären Gebirgszug, 90 Kilometer lang, seit 2011 amtlich als UNESCO Weltkulturerbe ausgewiesen, von Südwesten nach Nordosten  in einer Woche zu durchqueren.

 

Anreisetag, Sonntag 3. April 2016.

Bereits am Check-In-Counter des Frankfurter Flughafens lässt sich vortrefflich die Struktur der Reisenden studieren, die zum Frühlingsstart die beliebte Urlaubsinsel ansteuern. Herren im gesetzten Alter, schwer bewaffnet mit Golfgepäck,  durchtrainierte Sportler, die ihr wohlverpacktes Rennrad als Sportgerät deklariert aufgeben, der typische Waschbeckenbauchvertreter, dessen Fitnessstudio im „Oberbayern“ und im „Bierkönig“ an der Playa del Palma zu finden ist und einige Zeitgenossen, die bereits mit Wanderstiefel das Flugzeug betreten, aus Angst vor einem drohenden Kofferverlust und einer damit einhergehenden Unmöglichkeit eine Wanderexkursion in Mallorca durchzuführen.

Bereits beim Anflug beeindruckt  der mächtige Gebirgszug der  Serra de Tramuntana, der den Rest der Insel vor starken Winden und Stürmen schützt.  Hier verläuft der 120 Kilometer lange Gran Recorrido 221, in der Wanderszene besser als Fernwanderweg GR 221 und Ruta de Pedra  en Sec (Trockenmauerroute) bekannt.

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Bereits beim Anflug sind die ersten Gebirgsausläufer zu erkennen

Die über Hauser Exkursion angebotene Wanderreise  wurde übrigens bereits 1996 von Aina Escriva und ihrem Mann entwickelt und bietet eine variantenreiche Alternative auf hohe Gipfel mit exponierten Aussichten.  Per Kleinbus starten wir vom Flughafen um in 45 Minuten Estellencs an der Westküste zu erreichen. Hier werden wir in den nächsten vier Tagen im sehr zu empfehlenden Hotel  Maristel unser Basislager aufschlagen.

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Das erste Haus am Platz – Hotel Maristel in Estellencs
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..mit gegenüberliegenden Blick auf das Meer
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Frühjahr – Hochsaison für Radler auf der Insel

Der Weiler, unterhalb des Puig Galatzo gelegen, ist eingebettet in einer Talmulde. Typisch die Anhäufung der Häuser an den steilen Hängen, umringt von den Trockenmauernterassen, die wie Aina später darlegt, bereits die Araber auf der Insel eingeführt haben. Markant die Kirche, die mit einem mächtigen Verteidigungsturm ausgestattet ist, damals aus guten Gründen, wie später festzustellen ist. In einer ersten Runde geht es zwischen Mittagsrast und Nachmittagskaffee zum Wanderschuheinlauf hinab zur Bucht Cala d,Estellencs. Klimatisch bedingt grünt und blüht es an allen Ecken, während im kalten Deutschland die Flora erst langsam aus dem Winterschlaf erwacht.  Ein abendlicher Rundgang durch den kleinen historischen Kern, inclusive Einkehr in eine heimische Tappa-Bar, der knapp 340 Einwohner zählende Ortschaft belegt – man ist angekommen.

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Bergfrühling
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Gepflegte Bauten am Ortsrand von Estellencs
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Willkommen im Zitronenland
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Kakteenblatt im Fokus
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Weicher heller Sandstein Richtung Cala d,Estellencs
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und am Fuße des Hügels rötlicher Sandstein
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Prachtvoller Kakteenstrauch
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Wo Zitronen wachsen, gedeihen auch Orangen
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Entlang des Cami de Mar
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Blütenpracht am Wegesrand
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Kunstobjekte selbst in kleinsten Ortschaften
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Nächtliches Estellencs
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Nachtimpression II

Trail 1 Es Capdellà – S ‚Esclop – Estellencs

Offiziell setzt der GR 221 bei Andratx ein.  Jedoch wütete im Jahr 2013 ein verheerender Waldbrand zwischen Andratx und Estellencs, der mehr als 2.300 Hektar Pinien- und Steineichenwälder vernichtete.  Auslöser war unachtsam entsorgte Grillkohle. Seinerseits musste das Dorf Estellencs evakuiert werden und das Hotel in dem wir nun unsere müden Wanderbeine ausstrecken wurde als Leitstelle für die Feuerwehreinheiten annektiert.

So starten wir außerhalb des Brandherdareals im 130 Meter tief gelegenen Es Capdellà mit unserer Trans Tramuntana. Zunächst geht es entlang eines ehemaligen Karrenweg zu majestätisch gelegenen  Finca  Galatzó aus dem 17. Jahrhundert, welches sich über ein Areal von 1.400 Hektar erstreckt.  Das Anwesen selbst ist für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und beherbergt eine historische Olivenölpresse, die wir besichtigen.

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Start in Es Capdelle
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Wanderführerein Aina in ihrem Element: „Die Wägeeinheit Karat kommt von der Johannisbrotbaumschote“
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Reifende Mandeln
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Natur pur: Johannisbrotbäume, Olivenhaine und Zwergpalmen
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An dieser Stelle musste der „Zehnte“ in Form von Getreide abgeliefert werden
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Herrliche Pfade durch die Trockensteinmauern
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Und immer wieder interessante Stopps
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Ein altes Bewässerungssystem im Areal der Finca Galatzó
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Das herrschaftliche Anwesen, die Finca Galatzó
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Die restaurierte Ölpresse in der Finca
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Insignien von ehemaliger Macht

Weiter geht es am  Bachbett durch den gewundenen Torrent de Galatzó  zu einem restaurierten Köhlerplatz mit Meilern und grasgedeckten Hütten. Die inseltypische Zwergpalmen sowie Mandel- und Johannisbrotbaumplantagen flankieren den Weg hinein in das Tal Coma de ses Sinies.  Aina erläutert an einem ehemaligen Kalkofen die aufwändige Prozedur der Kalkherstellung. Am Beispiel der hörnchenförmigen Johannisbrotbaumschote erfahren wir von der Wanderexpertin dass die Samenkörner des Johannisbrotbaumes ein konstantes Durchschnittsgewicht von rund 200 Milligramm aufweisen und bereits in der Antike als Wiegeeinheit (ein metrisches Karat) für Diamanten verwendet werden.

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Jugendgruppe beim Lagerfeuer
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Noch geht es steigungsfrei weiter
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Ein vierbeiniger Inselbewohner
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Durch herrliche Zwergpalmenareale
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Palmenblüte
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Ein restaurierter Köhlerplatz
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Bis 1996 gab es keine Wanderschilder. Der GR 221 ist nun der bekannteste Weitwanderweg der Insel
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Von nun an geht,s bergauf
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Dornengewächs im Fokus

Auch wenn der Regen sich verzogen hat, dichte Wolkenschichten verschleiern den  928 Meter hohen Mola de S’Esclop, der erste Gipfel, der auf unserer Wanderagenda steht. So erklimmen wir ein vorgelagertes Plateau, circa 200 Meter unter dem Gipfel , um festzustellen, dass sich ein Aufstieg mangels Sicht nicht lohnt.  Durch dichte Steineichenwälder und ausladende Olivenhaine geht es zurück nach Estellencs. Hier hat der Wettergott ein einsehen. Die Sonne traut sich hervor und erlaubt einen stilvollen Wanderabschluss bei einem wohltemperierten Cerveza auf einer Ausflugsterasse.  Vergessen ist der trübe Tagesstart. Insgesamt wurden 18 Kilometer und immerhin 958 Höhenmeter auf dieser Tour absolviert.

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Restspuren des verheerenden Waldbrandes von 2013
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Es wird noch einige Jahre dauern bis die Schäden nicht mehr sichtbar sind
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Gen Meeresseite wird es auf 700 Meter zugig
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Wanderfreund Herrmann lässt es sich nicht nehmen seine Landesflagge am Teilgipfel zu hissen
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Betreute Mauerquerung
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Überbleibsel vergangener Tage
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Ab und zu legt der Wolkenverband den Blick auf das Meer frei
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Flugübung auf der Trockensteinmauer
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Blick auf Estellencs

 

Trail 2 Estellencs – Esporles – Valldemossa

Da der Sonnenverlauf gegenüber der Heimat erst mit einer Stunden Versatz einsetzt, leisten wir uns den Luxus um 8.30 Uhr vom Hotel Maristel zu starten. Die Hauptstadt Palma ist durchschnittlich mit 300 Sonnentagen gesegnet ist, und in den letzten sieben Monaten hat es auf der Insel so gut wie nicht geregnet. So begrüßt  uns nach einer Stunde ein kräftiger Regenguss.  Zwar nicht gerade erfreulich für die Wanderschar, aber lange ersehnt von der heimischen Bevölkerung – letztendlich man benötigt dringend den Regen.

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Brotzeit für den Rucksack im Dorfladen „Ein Wenig von Allem“
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Vorbei an herrschaftlichen Anwesen
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Wahre Bollwerke in den Tälern
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Willkommen im Refugi de Fauna

Ohne nennenswerte Steigungen geht es zunächst vorbei an prachtvollen bis zu 1.000 Jahre alten Olivenbaumhainen. Für Baumlieber ein wahres Eldorado.  Markante jahrhundertalte Verwachsungen flößen dem Betrachter Respekt vor den hölzernen Lebewesen ein. Auch hier gilt die triviale Erkenntnis: die Natur malt nach wie vor die schönsten Bilder. Weiter geht es durch nicht minder eindrucksvolle  Steineichenwälder, die eingebettet in den weitverstreuten Gesteinsbrocken das Landschaftsbild eindrucksvoll prägen. Diese Baumart  ist der heilige Baum der Urbevölkerung Mallorcas. Bereits vor 6.000 Jahren, als die ersten Bewohner auf die Insel kamen, waren die Gebirgszüge  schon von dichten Steineichenwäldern überzogen. Der Baum selbst ist genügsamer Baum, beansprucht  wenig Boden und Wasser, ist frosthart und resistent gegen, kalten Wind und hohen Temperaturen. Heute sind nur noch 600 Hektar von Steineichenwäldern überzogen. Der Grund ist einfach. Das Holz wurde einst zur Holzkohleherstellung verwendet. Köhler, errichteten überall dort ihre Kohleöfen, wo Steineichen wuchsen. Noch heute kann man die Restspuren dieser Köhlersiedlungen, mit steinernen Backöfen und Behausungen besichtigen.  Übrigens, die Eicheln der Bäume gelten als excellentes  Schweinefutter. Die damit gefütterten porco nero liefern bis heute den besten Schinken der Insel.

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Prachtvolle Olivenbaumhaine
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Für Baumliebhaber eine Augenweide…
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..in unterschiedlichen Ausformungen
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..und zwischendrin markante Pinien
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Weiter geht es durch Steineichenwälder
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..mit markanten Ausprägungen
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Und hier ein Erdbeerbaum, der üblicherweise im Herbst blüht

Nach zwei Stunden erreichen wir den Camí des Correu  ein alter Postweg, der mit grob behauenen Gestein belegt ist und eine kostenlose Fußzonenreflexmassage  bietet. Hier ist gutes Schuhwerk dringenst anzuraten – ansonsten quält man die Fußsohlen. Weiter führt die Passage  zum Pass Coll des Pi, einer alte Verbindungsstraße von Banyalbufar nach Esporles.  Der Name Banyalbufar belegt übrigens wie viele andere Ortschaften auf der Insel auch, dass die Namensgebung sich aus dem Arabischen ableitet. Am Wegesrand flankieren  zahlreiche Erdbeerbäume  die Passage, die üblicherweise im Oktober blühen. Die Früchte werden teilweise zu Marmelade Likör und Schnaps verarbeitet. Im portugiesischen Lissabon sind beispielsweise an jeder Straßenecke die kleinen Büdchen anzutreffen, die den erdbeerfruchthaltigen Medronho als kurzen Shot für zwischendurch feilbieten. Bald ist  Esporles erreicht, wo eine Kurzrast in einer heimischen Bar angesagt ist.

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In dieser Grube wurde Kalk produziert
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Und einmal mehr auf dem Hauptweg GR 221
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Aufgepaßt: das Betreten von privaten Territorial ist grundsätzlich nicht gestattet
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Herrliche Mauerwege
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Aina genießt die Wegeführung
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Blick auf Esporles

Die zweite Tagespassage führt hinauf zur  zur Finca Son Cabaspre, zum 600 Meter hoch gelegenen Plateau der . Auch hier geht es durch herrliche Steineichenwälder vorbei an alten Meilerplätzen , Köhlerhütten und Waldviehtränken. Am Pass Coll de Sant Jordi setzt der letzte Tagesaufstieg ein. Auch wenn es leicht diesig ist kann man hier die Kathedrale und den Hafen von Palma erkennen. Über den bewaldeten und felsigen Bergrücken des Tafelberges von Sa Comuna gehen wir hinab nach  s, von wo aus der Rücktransport nach Estellencs erfolgt. Sowohl naturell als auch kulturell ein schöner Wanderabschnitt mit insgesamt 25 Kilometern und 1.380 Höhenmetern.

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Dank Regenguß saftig grüne Wiesen
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Unterwegs auf dem Wanderweg
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Da sind wohl Einige wasserscheu…..
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Steineichenwälder üben eine besondere Faszination aus
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Und gleich ist das Brot fertig…..
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..aus diesem alten Backofen der früheren Köhler
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Und nebenan eine steinerne Viehtränke
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.,.und hier war der Köhlerplatz
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Magischer Steinwald
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Merresblick in der Nähe von Valldemossa
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und in engen Kehren geht es abwärts
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Bizarre Baumformationen
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Blick auf stattliche Residenzen Richtung Port de Valldemossa
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Blick auf Valldemossa
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Vis a vis des Kartäuserklosters
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Der Klostergarten von Valldemossa

 

Trail 3: Valldemossa – Cala de Deià – Sóller

In jeglicher Hinsicht spektakulär gestaltet sich der heutige Wanderabschnitt. Zunächst werden wir nach Valldemossa transferiert, dem Endpunkt der gestrigen Tagesetappe. Bei strahlendem Sonnenschein besichtigen wir zunächst das malerisch gelegene Bergstädtchen. Der Ortskern hat seinen Ursprung in einer arabischen Siedlung. Dort wo heute die Pfarrkirche steht, war vermutlich eine Moschee errichtet worden. Aufwändig bepflanzt und dekoriert sind die mittelalterlichen Häuser – ein prachtvolles Bild, wenn man durch die kleinen Gassen der Ortschaft wandert.  Markant die Kartause von Valldemossa, die König Jakob der II im Jahre 1310 errichtete und knapp 100 Jahre später von Kartäusermönchen übernommen wurde, die hier immerhin bis 1835 residierten. Namhafte Besucher, wie beispielsweise Chopin waren Gäste der Kartause. Heute erinnern Büsten im hinteren Klostergarten an die namhaften Persönlichkeiten wie beispielsweise auch die des legendären Erzherzogs Salvator. Bunte Kacheln, die an vielen Häusern zu finden sind erinnern übrigens auch daran, dass in Valldemossa Catalina Thomas, die einzige Heilige Mallorcas geboren wurde.  Viel zu kurz der Rundgang, jedoch ein spektakuläres Tagesprogramm wartet noch auf uns.

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Sie kümmert sich einfach um Alles. Morgendlicher Picknickservice von Aina
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Start im Klostergarten von Valldemossa
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Einfach eine prachtvolle Gartenanlage
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Die Stadtkirche im Ortszentrum
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Gewachsene historische Baustruktur
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Traditionell gescmückte Häuser in Valldemossa
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Dekorative Aufwertung der Gassen
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Fast an jedem Haus zu finden – eine Kachel im Memorium an die Heilige Catalina Thomas
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und zwischen den Häuserschluchten – Blick auf Zitronenplantagen
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Mit viel Liebe gehegt und gepflegt

Eine Stunde lang steigen wir auf alten Köhlerwegen zu der 685 Meter hoch gelegenen Ebene, Pla des Pouet auf. Zuvor passieren wir das Naturschutzgebiet Muntanya del Voltor. Hierbei handelt es sich um ein privates Areal, welches nur nach Voranmeldung betreten werden darf. Zum Schutz des Geierbestandes darf täglich nur eine begrenzte Anzahl von Wanderern das Gelände passieren.

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Anmeldung an der Station Muntanya del Voltor
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Wandern im Traumuntanagebirge macht einfach Spaß….
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Urwüchsige Pfade

Auch hier begegnen wir alten Köhlerplätzen und  erreichen auf 904 m Höhe den außergewöhnlichen  Höhenweg Cami de S’Arxiduc. Dieser verläuft am Rand einer hohen Felswand und bietet außergewöhnliche Tiefentblicke auf die Küstenorte Deià und Port de Sóller sowie die Halbinsel Sa Foradada.  Aina macht uns auf ein exponiertes Anwesen auf der gegenüberliegenden Seite, eine Villa des amerikanischen Schauspielers  Michael Douglas aufmerksam. Der Erzherzog Salvator hatte seinerseits diesen ersten und einzigen Höhenweg auf der Insel als Reitweg anlegen lassen. Mächtig der Windeintrag in dieser Höhe. Wie ein Kamin durchzieht der von Norden kommende Wind diesen Höhenzug. Mit Besorgnis um Frostbeulen, mahnt Aina ihre Schützlinge an, sich mit Handschuhe und Windstopper auszurüsten. Scheinbar haben Mallorquinerinnen ein anderes Kälteempfinden als Odenwälder Wanderer, die bei diesen Temperaturen hemdsärmlig durch die Lande wandern.

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Unglaublich: Blick auf die Kathedrale von Palma de Mallorca nebst Hafen
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Uralte Pfade Richtung Höhenweg
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Und stetig geht es bergauf
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Geschafft – der Höhenweg des Erzherzogs ist erreicht
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Mallorcas erster und einziger Höhenweg
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Blick auf Sa Foradada – das Loch linker Hand hat einen Durchmesser von elf Meter
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Links geht es steil abwärts zur Meeresseite
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Trotz Sonne – der Wind kühlt mächtig aus
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Trotz Fels ist auch auch Baumbewuchs zu verzeichnen

Entlang der Kante führt ein Steilweg hinab in das ehemalige Künstlerdorf Deià, dort wo wir im Refugio Can Boi zu einer wohlverdienten Kaffeepause einkehren. Noch immer sind wir geplättet vom spektakulären Höhenweg, jedoch der nächste eindrucksvolle Abschnitt steht bereits bevor. Wohlweislich abweichend vom Langstreckenpfad GR 221 nehmen wir gerne einen einstündigen Bypass in Kauf, um auf einem Fischerweg zur malerischen Bucht Cala de Deià zu gelangen.

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Tiefenblick auf Deia
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Spektakulärer Abstieg an der Felswand
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Und Deia rückt immer näher
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Ein aufwändig gehauenes Felswasserbecken
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Paßt genau!
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Uralte Olivenhaine
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..angerichtet auf aufwändig gestalteten Trockensteinmauerterrassen
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Taleinwärts wird es grün und sumpfig
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Mit Deia auf Augenhöhe
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Farbliche Opulenz: Blauregen an Zitrone
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Ein Artischockengewächs
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Eine Terassenfinca Richtung Meer
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Selten zu sehen: Kakteenblüte
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und 500 Meter vor dem Meer: gewaltige Olivenhaine
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Abwärts zur Playa Deia

Ein grandioser Küstenweg wartet auf uns. Bizarre Felsformationen, dank Windeintrag eine hohe Meeresgischt, mit Wolken durchsetzter blauer Himmel, fürwahr ein Bilderbuchpanorama. Zuvor auf 900 Meter Höhe auf einem markanten Höhenweg, nun auf Meereshöhenniveau, entlang zehn Meter hoher Klippen,  mit einem inseltypischen Panorama. Abwechslungsreicher kann kein Wanderabschnitt sein.

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Die Bucht von Deia
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Eben noch auf dem Höhenweg – nun auf Meereshöhe
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Ein Traumpfad fernab des GR 221
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und immer geht es der Steilküste entlang
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Blick zurück auf die Bucht von Deia
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Zu schön um wahr zu sein…
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Ein permanentes auf und ab am Küstenstreifen
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An jeder Ecke neue Impressionen
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Fehlt nur noch ein Liegestuhl….
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Eines der schönsten Küstenabschnitte auf der Insel
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Ohne Worte….

Gefühlt viel zu rasch, haben wir die Traumstrecke an der Küste durchschritten. Am malerischen Fischerdorf Llucalcari angekommen, steigen wir noch weitere 300 Höhenmeter auf zum großen Finale. Von oben schauen wir hinab auf Sóller, der mallorquinischen Hauptstadt von Orangen und Zitronen. Man kann sich nicht satt sehen an diesem außergewöhnlichen Panorama.  Mithin ist dieser Trail der spektakulärste Abschnitt der gesamten Wanderwoche. Erschlagen von den  vielschichtigen Impressionen des Tages kehren wir nach zehn fantastischen Wanderstunden und 20 Kilometern sowie 1.200 Höhenmetern  per Bustransfer  zurück nach Estellencs.

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Und wieder geht es aufwärts ins Landesinnere…
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,,durch Llucalcari..
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..und weiter aufwärts Richtung Soller
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Wegzehrung am Wanderweg
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Eine idyllisch gelegene Finca
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Ein herrlicher Blick auf Soller und den beiden höchsten Bergen der Insel
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Sind wir im Paradies?
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Strelitzie: Was hier in freier Natur wächst ist in heimischen Gärtnereien nur für teuer Geld zu haben
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Von nun an geht es abwärts nach Soller
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und linker Hand Blick auf Port de Soller
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Gute Fußmassage auf den alten Wegen
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Blick auf die markante Stadtkirche von Soller
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Und in zwei Tagen geht es hier hoch…

 

Trail 4: Sóller – L’Ofre (1.093 m) – Cúber-Stausee

Heute ist Quartierwechsel angesagt und eine Verlagerung des Standortes für die drei folgenden Nächste zum Kloster Lluc. Unterwegs werden wir zum Ausgangsort des vorangegangenen Tages,  Sóller transportiert.  Mit einer kurzen Besichtigung der knapp 14.000 Einwohner zählenden Kommune starten wir unsere Tagestour.

Sóller liegt 34 Kilometer von Palma entfernt und verfügt über einen sehenswerten Ortsteil namens Port de Sóller, der jedoch nicht auf unserer Wanderroute liegt. Der Anbau von Zitrusfrüchten hat in dieser Region eine lange Tradition. Zahlreiche Bauten im Kolonialstil, Neobarock und Jugendstil sind heute noch sichtbares Beleg für die wechselvolle Geschichte der Kommune. Eines der Touristenattraktionen auf der Insel ist die seit 1912 existente Eisenbahnverbindung, der „Rote Blitz“ der mit historischen Wagen zwischen Palma und Sóller verkehrt. Mit einer Straßenbahn, die im Zentimeterabstand an den Kaffeehaustischen im Ortszentrum von Soller vorbeirumpelt kann man an die gleichnamige Meeresbucht in einigen Minuten erreichen. Eines der größten Spektakel des Jahres ist das Fest Moroy y Christianos, welches daran erinnert, dass am 11.Mai 1561 100 Bewohner 1.800 Mauren, die mit 23 Schiffen piratenmäßig einfielen, vernichtend geschlagen wurden.

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Signaltürme als Schutz gegen Piraten aus der Türkei, die immer wieder die Insel überfielen. Wenn feindliche Schiffe gesichtet wurden, war innerhalb von 20 Minuten das an Küstenstreifen durchgereichte Alarmfeuer in Palma durchgereicht. Analog der Verfahrensweise, die man aus dem Odenwald kennt – dem Lärmfeuer.
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Meeresidyll
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Start in Soller
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Die Stadtkirche von Soller
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Zunächst geht es durch die Ortsmitte der Zitrusstadt
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Das Epizentrum der Kommune , der Platz de la Constitucio
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Ein breitflächiges Warenangebot
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Und die Tram, die zum Port de Soller fährt, zieht emsig ihre Runden
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Man merkt gleich, wenn der „Rote Blitz“ aus Palma eingetroffen ist
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In den Seitengassen geht es beschaulicher zu

Durch Zitrusplantagen, die mit einem unterschiedlichen Reifegrad belegt sind, wandern wir hinauf zum Dorf Biniaraix und in der gleichnamigen Schlucht aufwärts zum Bauernhof „Cases de l’Ofre“ und folgen einem der schönsten steingepflasterten Pfade, die es auf der Insel gibt. Dieser Weg verband einst Dörfer und Gehöfte  und wurde von  Arabern, vor über  1000 Jahren erbaut. An den karstigen Hängen der nordwestlichen Gebirgskette legten die Mauren kunstvolle Terrassen an und machten den Boden durch Bewässerung fruchtbar.

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Soller, die Zitrusfrüchtestadt der Insel. Hier sind Zitronen so groß, wie bei uns die Kartoffel
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Auch schön – eine Kakteenpromenade
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Cami – der Weg
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Blick auf Biniaraix und dahinter auf Soller
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Einmal mehr folgen wir dem GR 21 Richtung Cuber-Stausee

Noch liegt das Hauptziel des Tages der Gipfel des 1.093 Meter hoch gelegenen  Puig de l‘ Ofre offen. Rund 900 Höhenmeter auf insgesamt fünf Kilometer sind zu überwinden. Mit jedem Höhenmeter den wir gewinnen, schiebt sich ein mächtiger Cummuluswolkenverband  in den Gebirgszug hinein. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, mit ungewissem Ausgang. Während des Aufstieges hat man  immer wieder schöne Aussichten auf das untenliegende Sóller.

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Der Einstieg zum Aufstieg zum Coll de L,Ofre
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2.000 Stufen auf 3,5 Kilometer
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Wandern auf alten Pfaden
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Von Kehre zu Kehre schraubt der Weg sich hoch
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Letztendlich ein excellenter Fitnessparkur
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Und auf der gegenüberliegenden Seite aufwändig errichtete Trockensteinterrassen
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Immer entlang des wasserlosen Bachlaufs
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Imposant die Schlucht Barranc de Biniaraix
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Mit Stock über Stein…..
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Die Türkenflagge – nichts ungewöhnliches. Gerne erinnert man sich jährlich im Mai daran, dass 100 Einwohner mehr als 1.800 Mauren vertrieben haben
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Jahrhundertalte Olivenbäume
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Tiefenblick auf einen Agrarbetrieb
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Spektakulärer Blick auf Soller
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Andere Wanderer starten am 700 Meter hoch gelegenen Cuber-Stausee um bequem nach Soller abzusteigen. Zurück geht es dann per Bus

Entlang eines Grates erreichen wir den knapp 1.100 Meter hoch gelegenen Gipfel. Mittlerweile haben sich mächtige Wolkenverbände zwischen  uns und Sóller gelegt, jedoch immer wieder öffnen sich Wolkenfenster und ermöglichen grandiose Tiefenblicke auf den Cuberstausee und auf die gegenüberliegenden Bergmonolithen. Ab und an blitzt die Spitze der Radaranlage des 1.437 Meter hoch gelegenen Puig Majors  auf. Allemal dieser Anstieg hat sich gelohnt. Über den 963 m hohen Coll des Cards steigen wir ab zum auf 750 Höhenmetern gelegenen Stausee Cúber um im Anschluss  per Bus zum  15 Kilometer entfernten  Wallfahrtsort  Lluc gebracht zu werden. Auch heute wieder ein erlebenswerter Wandertag mit 14 Kilometer und 1.151 Höhenmeter

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Hier müssen wir rauf – zum Coll de L,Ofre
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Eine kurze Verschnaufpause vor dem Restanstieg
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Ohne Markierung geht es aufwärts zum Gipfel
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Und wieder weht die bayrische Flagge….
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Lohn der Arbeit: Blick auf den Cuber Stausee
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Gipfelgespräche
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Bergidyll auf Mallorca
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Ein Berg ist ehrlich – wo es rauf geht – geht es auch wieder runter…..
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Eine heitere Combo am Berg
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Jeder Schritt will wohl überlegt sein
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Hier könnte man Wild-Westfilme drehen
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Die Radarstation auf Mallorcas höchstem Gipfel. Betreten verboten, da militärisches Sperrgebiet
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Almwiesen wie in der Heimat
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Eine richtige Wohlfühllandschaft
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Typisch mallorquinische Esel
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..und auch der Nachwuchs hat Ausgang
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Entlang der Stauseen

Das Santuari de Lluc ist das spirituelle Zentrum der Insel und begrüßt jährlich eine Million Touristen. Im Zentrum steht dabei die Schwarze Madonna, die in der prachtvoll ausstaffierten  Basilika besucht werden kann.  Die Kirche selbst ist ein Renaissancebau, der Stilepoche entsprechend ausladend verziert und ausgestattet mit einer markanten Kirchenkuppel. In der Anlage ist eine Hotelanlage mit 129 Zimmern untergebracht, die sich mittlerweile großer Beliebtheit bei Wanderern erfreut.  Weiterhin beherbergt das Kloster ein sehr angesehenes Internat. Für eine Monatsgebühr von 500 Euro genießen  Kinder und Jugendliche eine excellente musikalische Erziehung, wobei der international angesehene Chor „Blavets“ das Aushängeschild des Internats ist. Bei einer bodenständigen dreigängigen mallorquinischen Küchenleistung lassen wir einen wunderbaren Wandertag ausklingen.

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Das Gästehaus des Klosters
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Verdursten tut hier niemand….
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..und auch die biertrinkende Fraktion wird sediert
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Das klösterliche Cafe und Restaurant
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..und Aina schwenkt kräftig ein…
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Nachts im Klosterareal
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Stimmungsvolle Beleuchtung
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Die Basilika bei Anbruch des Tages
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Und über dem Kloster wacht das Kreuz
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Ein außergewöhnliches Exemplar einer Sonnenuhr in in mallorquinischer Sprache beschriftet Neben drei normalen Sonnenuhren für die tatsächliche Sonnenzeit auf der mittleren Tafel und die Mitteleuropäische Zeit sowie die Mitteleuropäische Sommerzeit auf der rechten Seite der Platte befinden sich links unten eine Sonnenuhr zur Darstellung der babylonischen Stunden und darüber eine kanoniale Sonnenuhr mit einer historischen Stundenzählung zur Angabe der Gebetszeiten für Mönche und Pilger.

 

Trail 5: Wallfahrtsort Lluc – Pollença

Es gibt Tage, die man als Wanderer nicht zwingend braucht.  Ursprünglich war eine Passage über den 1.365 Meter hoch gelegenen Massanella geplant, jedoch ein nicht in der Wetterprognose vorgesehenes Tief, welches sich über die gesamten Balearen ausbreitete, führten zu Ainas Entscheidung die Tour des nächsten Tages vorzuziehen. So war bei einem sich ausbreitenden strömenden Regen eine Wanderung nach Pollença angesagt. Wetterbedingt musste auch der für diesen Trail eingeplante Gipfel des Puig Tomir entfallen. Zu hoch die Unfallgefahr, auf nassem Stein sich die Knochen zu brechen. So wandern wir bei immer stärker werdenden Regen durch die ausgedehnten Steineichenwaldareale des Bereiches, deren grundsätzliche Schönheit jedoch an diesem Regentag keine richtige Begeisterung hervorrufen kann  Einige Mitwanderer entscheiden des Regens überdrüssig nach einer Stunde auf einem Rundweg zurück nach Lluc zu gehen.

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Die restaurierte Mühle von Lluc, erstmals 1302 in Betrieb genommen
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Blick zurück auf die altehrwürdige Klosteranlage
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Aina veranschaulicht unsere Marschrichtung
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Ein mallorquinischer Fink
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Für den Rest der Wanderung setzt der Regen ein
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Ausgezeichnete Idee – ein Lehrpfad für blinde Wanderer
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Genial geplant – trivial gelöst: An der unteren Laufleiste für den Blindenstock ist ein Gitter angebracht. Das signalisiert, dass sich hier eine Infotafel mit Brailleschrift befindet.
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Feuchtgebiete

Ein harter Kern scheut jedoch weder Mensch noch Material und erreichte nach einer feuchten Passage mit immerhin 20 Kilometern, immer der Wegekennzeichnung GR 221 folgend durchnässt die Kuluturstadt Pollenca. Feucht bis auf die Unterhose, die Stiefel gut gewässert, einige Sonderpassagen wegen Wegflutung absolvierend, ebbt Richtung Meer der Regenguss merklich ab. Bereits einige Kilometer vor der Ortsmitte ist zu bemerken, dass im Bezirk Pollença ein wertstabiler Immobilienmarkt zu verzeichnen ist. Die Lage ist bevorzugt, die Immobilienpreise steigen, mondäne Fincas flankieren den Wegeverlauf.

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Bei Sonnenschein kann jeder….
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Per se ein Skandal. Ein öffentlicher Wanderweg, der mit Genehmigung durch Privateigentum verläuft, jedoch hinsichtlich der Streckenpflege nachlässig behandelt wird.
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It,s raining cats and dogs….
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Und wenn es unten nicht weitergeht, dann nimmt man Bypässe
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…oder Notbehelfskonstruktionen
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Sozialer Wohnungsbau in Pollenca
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Während Wandersmann und -frau mit geballter Faust in der Tasche herumläuft freut sich die Natur auf den anhaltenden Regenguß
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Klare Erkenntnis: Holz bricht Stein
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Die letzten Abenteuer dieser Erde: auch geflutete Straßenzüge kann man passieren – gewußt wie….

Immerhin 16.000 Einwohner sind hier angesiedelt, mit einer immobilienpreisbedingt steigenden Anzahl an Ausländern.  Nach einer Kurzbesichtigung der historischen römischen Brücke lassen wir es uns, trotz massiver Durchfeuchtung nicht nehmen, den Kalvarienberg zu erklimmen. Von hier hat man nach Aufklarung einen schönen Blick auf die Kommune und die dahinter liegende Bucht mit der Halbinsel Formentor. Abwärts geht es, beginnend an der Eglesia del Calvari der 365 Stufen hinabführenden Carrer del Calvari. Karfreitags findet hier eine vielbeachtete Prozession von der Kapelle hinab zur Stadtmitte statt.  Per Taxi geht es nach dem für die Insel notwendigen regenreichen Tag zurück nach Lluc.

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Pont Roma – das letzte Überbleibsel aus römischen Zeiten in Pollenca
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Sehr elegant: Aina auf dem römischen Catwalk
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Block auf Pollenca vom Kalvarienberg aus
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Carrer del Calvari- für jeden Tag eine Stufe
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DieAltstadt von Pollenca
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El Torro aus Stroh – kunstvoll geflochten
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Ein seltener Anblick – die fast menschenleere berühmte Treppe von Polenca

Zurück in Lluc reißt der Himmel auf und die Sonne setzt sich durch. Zum Abschluss des Tages nehmen wir noch an einer von Aina gemanagten Kurzführung durch die Basilica de Lluc teil. Vergessen, die 21 nassen Kilometer mit insgesamt 464 Höhenmeter Aufstieg.

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Detailstudie der Basilika
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Und in der Mitte tront Bischof Pere-Joan Campins, ein großer Förderer der sakralen Bauten
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Mare de Déu de Lluc – Die Schwarze Madonna

 

Trail 6: Cúber-Stausee – Massanella  – Wallfahrtsort Lluc

Der letzte Wandertag – ein klassischer Payback-Tag.  Gestern eingezahlt – heute abgehoben. Nach dem  reinigenden Regenguss der letzten 24 Stunden, begrüßt uns eine noch im frischen Wind liegende Sonne, mit der Aussicht auf einen formidablen Wandertag. Per Bustransfer werden wir zunächst zum Cúber-Stausee hinausgefahren.  Im Fokus besteht die Besteigung des höchsten begehbaren Gipfels der Insel, der Puig de Massanella, immerhin 1.365 Meter hoch gelegen. Der 750 Meter hoch gelegene größte Stausee der Insel hat ein Fassungsvermögen von 4,6 Mio Kubikmeter und wurde Anfang der 70er Jahre fertiggestellt. Gemeinsam mit dem benachbarten Gorg Blau dient er der Wasserversorgung des Bezirkes von Palma de Mallorca. Durch den gestiegenen Wasserverbrauch und die niedrigen Regenfälle   können die Stauseen die Wasserversorgung für lediglich 50 Tage abdecken.  Wir wandern zunächst entlang der Wasserrinne auf ebenen Wegen durch einen Steineichenwald zum Pass Coll des Coloms und weiter bis zur Quelle „Font des Prat„.

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Unfaßbar: hier muss ein spanischer Oberbürokrat die Wegestrecken minutengenau ausgemessen haben, vermutlich mit dem Finger auf der Landkarte….
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Entlang der Wasserpipeline
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Und so sieht Selbige von Innen aus. Frisches Bergwasser aus der Tramuntana, mit Bestimmungsort Palma
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Zur frühen Morgenstunde sammeln sich noch bedrohlich viele Wolken über den Stausee
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Ein Baum – frech durch den Stein marschiert…..
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Und wieder durch wunderbare Steineichenareale
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Erst orientieren – dann wandern – Wanderprofessional Aina denkt an alles
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Eine uralte eingefaßte Wasserquelle – noch heute aktiv

Der Weg zum Gipfel, ein Steilanstieg durch Fels und Geröll. Auf nicht gekennzeichneten Pfaden führt uns an  Aina  an der Südflanke zielsicher  auf das Gipfelplateau mit dem westlichen Gipfel. Den Grat entlang erreichen wir nach zwanzig Minuten den eigentlichen Gipfel der markanten Erhebung. Vergessen die Mühen des vorausgegangenen Tages. Aina ist glücklich und bemerkt, dass sie selten solch fantastische Aussichten genossen hat, wie an diesem Tag. Zu erkennen ist die Nachbarinsel rund das 200 Kilometer entfernte spanische Festland. Die Luft klar und rein, fehlt nur noch Käse, Oliven und eine Flasche Rioja.

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Das ist die einzige Stelle, wo noch eine balearische stengellose Schlüsselblume (Primula vulgaris) wächst. Auf der Insel gilt sie ausgerottet
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Ab jetzt übernimmt der blaue Himmel das Regiment
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Traumhafte Ausblicke während des Aufstiegs
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Auf den letzten dreihundert Höhenmetern wird hart am Stein gearbeitet
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Bergsteigen auf Mallorca – wer hätte das gedacht?
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Der erste Gipfel des Massanellas ist erreicht
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Unglaublich: Schneespuren vom Vortag, dort wo die Schneefallgrenze auf 1.200 Meter sank
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Und weiter geht es über ein Zwischenplateau zum eigentlichen Gipfel
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Der höchste Punkt. 1.365 Höhenmeter ist erreicht
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Und Herrmann, der Bajuware muss wieder einmal mehr sein Territorium markieren – fehlt nur noch die Leberkässemmel und das Weißbier….
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Herrlichste Ausblicke von Formentor über die Bucht des Port de Pollenca bis nach Alcudia auf der rechten Seite
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Und hier sind die Gipfelstürmer versammelt

Mit Blicke nach Inca, Palma, der Nordostspitze und dem umliegenden Tramantanagebirge lösen wir uns schweren Herzens um den Abstieg über dem Pass Coll de Sa Línia  in Angriff zu nehmen. Unterhalb des Gipfels führt uns Aina zu einer restaurierten Schneehaus (Casa de Neu). Bereits im 16. Jahrhundert wurde hier Schnee zu Eise verpresst und bis Juli gelagert und in die Inselgemeinden transportiert. Bei den Schneehäusern handelte es sich um künstliche, manchmal auch natürliche schachtartige Vertiefungen, die innen mittels Trockenmauerwerk, in der Bauweise den mallorquinischen Tanca-Mauer ähnlich, ausgekleidet waren. Die meisten Schneehäuser waren 10 bis 16 Meter lang und bis zu acht Meter tief. Noch bis 1927 wurde im Tramuntanagebirge auf diesem Wege Eis produziert.

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Stilleben am Berg
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Das Leben ist immer eine Gratwanderung……
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Ein Hauch von Apokalypse – zwei verlorene Eiben, die unter Naturschutz stehen – verloren in der Felshalde
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Ein mächtiges Schneehaus auf 1.100 Meter Höhe – mittlerweile annektiert von einem Baum

Sichtlich beeindruckt steigen wir abwärts und folgen dem GR 221 zum Kloster Lluc. Nach 16 Kilometern und 777 Höhenmetern neigt sich ein herrlicher Wandertag mit einem grandiosem Finale zu Ende. Allemal eine kluge Entscheidung die wetteradjustierte Routenänderung durch unsere ausgezeichneten Wanderführerin.

In der Gesamtwürdigung eine besonders zu empfehlende Wanderreise. Faszinierend das Wandererlebnis im Tramuntanagebirge, exzellent geplant, organisiert und durchgeführt von der vielleicht besten Wanderführerin von Mallorca, Aina Escriva!  115 spannende Wanderkilometer bei immerhin 5.912 Höhenmetern.  Auf der Weiterempfehlungsskale ein klares Votum: Nicht fragen ob – sondern wann. Keep on trecking! Muchas gracias Aina!!

5 Kommentare

  1. Hallo Martin,
    Du hast mit diesem Bericht wieder einmal einem ganzen Sack voll Nägel auf den Kopf getroffen.
    Wer macht solche Sachen besser als Du ? Ich kann dazu nur „Spitze“ sagen !
    Viele Grüße auch an alle Teilnehmer
    von Walter

  2. Hallo Martin,
    traumhaft schöne Fotos und gelungene Kommentare. Vielen Dank, dass Du sie veröffentlichst.
    Unter anderem weiß ich nun auch, welche Veranstaltung in Alt-Hürth („um die Ecke“ bei mir) stattgefunden hat.
    Noch viele erfolgreiche Veranstaltungen und Reisen.
    Grüße von Marion aus Köln

  3. Hallo Martin,
    ein wunderbarer Bericht mit herausragenden Fotos, danke für diese tolle Urlaubserinnerung! Dieser Urlaub war einfach ein besonderes Erlebnis. Frühling auf Mallorca mit Sonne, Regen, Wind und Schnee.
    Viele Grüße aus Hannover, auch an alle anderen Teilnehmenden dieser Reise, sendet Matthias.

  4. Was für traumhaft schöne Bilder Martin! Das Wetter scheint bei Eurer Reise auch mitgespielt haben. Ich plane, im September mir noch eine Woche Wanderurlaub auf Insel im Spanien zu gönnen. Wer weiß, vielleicht wird es aufgrund Deines tollen Berichts ja auch Mallorca – und ein Teil dieser Tour! Ich danke Dir jedenfalls für den Artikel!
    Jo

    • Hallo Jo, besten Dank.Was mich besonders freut, wenn ich den ein oder anderen für einen Trail begeistern kann, das ist letztendlich auch Sinn dieses Blogs. Ich wünsche Dir gute Touren – Martin

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