Mit Frühlingsschwung durch das Kinzigtal

Schlüchtern,  8. März 2015

16 Grad, Sonne pur – allerbeste Voraussetzungen  für Teil II des Jakobsweges von der Fulda zum Main. Gestartet wird in Schlüchtern mit Zielrichtung in das 40 Kilometer entfernte Gelnhausen. Flankiert von den Ausläufern des Vogelsberges auf der linken und dem Spessart auf der rechten Seite führt die Strecke ohne nennenswerte Steigungen durch das Kinzigtal. Durch die Kinzigauen geht es zunächst nach Niederzell und von dort aus nach Steinau an der Straße, eine in mehrfacher Hinsicht interessante Stadt. Der Namenszusatz „An der Straße“ erinnert an die Via Regia, die Handelsstraße die von Frankfurt nach Leipzig führte. Weiterhin ist die Kommune auch als Gebrüder-Grimm-Stadt bekannt, da hier die Märchensammler einen Teil ihrer Jugend verbracht hatten.

IMG_6680
Der frühe Vogel…………Traumstart Anfang März
IMG_6690
(Gegen)licht Richtung Steinau
IMG_6695
Da freuen sich die Allergiker – Haselnussblüte in Hülle und Fülle
DSC06277
Das Wahrzeichen von Steinau – 35 Meter hoch
DSC06280
Der imposante Schloßhof in Steinau
DSC06289
Rathaus nebst Katharinenkirche in Steinau

Heute noch beeindruckt die historische Altstadt, die von deren Stadtbild vom markanten Steinauer Schloß geprägt wird. Die fünfeckige Kernburg, seinerseits von den Grafen zu Hanau errichtet, ist tadellos in Schuß. Der 35 Meter hohe Bergfried, der heute noch bestiegen werden kann (allerdings nicht zu frühmorgendlichen Zeiten) diente der Überwachung der Handelsstraße im Kinzigtal.Neben der Katharinenkirche und dem markanten Rathaus sind in der Altstadt eine Vielzahl historischer Bauten zu besichtigen, die sich harmonisch um das Schloßareal schmiegen. Wanderfrühstückstechnisch ist die Stadt am frühen Sonntagmorgen jedoch desaströs. Cafes – geschlossen, Bäckereien – geschlossen – Spuren menschlichen Lebens – nicht erkennbar. Die Rettung naht jedoch am Ortsausgang. An der dort ansässigen bft-Tankstelle sind wir scheinbar im Nuklus des Steinauer Geschäftslebens angekommen. Ein Rentnertrupp hat sich zu einem Frühstückstreff eingefunden, permament schwingt die Eingangstüre durch die mit Backwaren beladene Kunden marschieren – und einige hundert Meter hinter uns verödet die herrliche Altstadt.

Frisch gestärkt geht es weiter zum Ahler Stausee.  Immerhin 125 ha und 7 Millionen Kubikmeter Wasser kann der Kinzig-Stausee aufnehmen. Jogger und Radfahrer frequentieren gerne den 6,5 Kilometer langen Rundweg, während die fischfangende Fraktion rund um das Gewässer ihre Köder auslegen. Vorbei an einem Meilenstein , der darauf hinweist, dass es nur noch 6 Meilen (respektive 45 Kilometer) bis nach Hanau sind führt der Weg durch den Weiler Ahl nach Bad Soden der alten Bäder- und Heilquellenstadt.

DSC06303
Ahler Stausee
IMG_6715
Alter Meilenstein 6 Meilen respektive 45 Kilometer bis Hanau
DSC06306
Blick auf Bad-Soden von Ahr aus
IMG_6719
Der Weiler Ahr
IMG_6720
Erstes Indiz: Lohrer Bier – hart Kante Spessart eben
DSC06308
Was auch immer der Künstler damit sagen möchte…

Unterirdische Ströme transportieren das salzhaltige Wasser vom Fuldaer Becken in das Kinzigtal. Klüfte zwischen den Basaltschichten lassen heiße Quellen bis an die Erdoberfläche steigen. Bereits um 900 n.C. nutzte das Kloster Fulda die hier auftretenden Salzquellen. Vorbei am Brunnen des Pacificus-Sprudels kann man die Gründungsgeschichte der Quellbohrungen, initiiert von Pfarrer Pacificus Schulz nachlesen. Acht Rehakliniken und die Spessart-Therme haben sich in diesem Gesundheitsparadies angesammelt. Der Jakobsweg führt durch den Alten Friedhof mit der markanten Kreuzigungsgruppe. Oberhalb der markanten Huttenschen Talburg lohnt ein Besuch in der St. Laurentiuskirche.

IMG_6724
Die ehrwürdige Pacificus-Quelle in Bad Soden
IMG_6730
Am Alten Friedhof in Bad Soden
DSC06313
Blick auf das Huttenschloß in Bad Soden
IMG_6742
Heilquellwasserstadt Bad Soden winterbedingt noch wasserlos

Entlang des Heilquellenweges im Kurbezirk geht es weiter entlang der Salz nach Salmünster, eine bausubstantiell bemerkenswerte Stadt. Entlang der historischen Stadtmauer geht es es vorbei an historischen Fachwerkbauten zum  Gasthof zum Hirschen, dort wo ein tadelloser Wandermittagstisch bei einem sehr zu empfehlenden Dunkelbier (Schwarzer Hahn aus der Rhön) zu zivilen Preisen kredenzt wird. Allemal lohnenswert eine Besichtigung der opulent ausgestalteten Barokkirche St. Peter und Paul.  Ein Kurzanstieg in ein Waldstück führt uns über Neudorf nach Wächtersbach. Die wandertechnische Erschließbarkeit der sich schlauchartig ziehenden Kommune hält sich in Grenzen. Gefühlte fünf Kilometer Ortsdurchquerung bis man das an der Altstadt liegende Schloß erreicht. Marode – als Zustandsbeschreibung noch leicht untertrieben. In 2013 erwarb die Handelskette Globus das Areal mit Bruchbudencharakter mit der Zielsetzung großflächig zu sanieren. Bautätigkeiten jedweder Art sind bis heute nicht zu erkennen. Die übersichtliche Altstadt läßt durchaus erahnen, dass hier ehemals bessere Zeiten herrschten.

DSC06315
Strandkorbfeeling in Bad Soden
IMG_6744
Blick auf das Kloster Salmünster
IMG_6755
Sehr zu empfehlen: Schwarzer Hahn aus der Rhön
DSC06325
Prachtvolle Bauten in Salmünster
IMG_6763
Barocke Opulenz in Salmünster
IMG_6767
Die Stadt der tapferen Frauen: In der Erntezeit des Jahres 1646 griffen schwedische Reiter Salmünster an. Bis auf dreizehn Bürger waren alle Männer auf den Feldern. Geistesgegenwärtig verbarrikadierten die Frauen die beiden Haupttore der Stadt und verteidigten die Stadt. In ihrer höchsten Not holten die Frauen Bienenkörbe herbei, schüttelten sie recht kräftig und schleuderten sie auf die Feinde. Die Wirkung war über alles Erwarten. Kaum noch ihrer Rosse Herr werdend, zog sich das fremde Kriegsvolk auf schnellstem Wege zurück und Salmünster war gerettet.
IMG_6771
Auf dem richtigen Pfad

 

DSC06331
Evangelische Kirche in Wächtersbach
DSC06329
Bruchbude – das Wächtersbacher Schloß
IMG_6785
Wirtheimer Wappenkunde
IMG_6786
Kinzigimpression im Frühlungslicht

Durch das weitreichende Industriegebiet geht es entlang der A66 nach Wirtheim. Hier zwischen Wächtersbach und Gelnhausen befindet sich die engste Stelle des Kinzigtals. Unüberhörbar der Lärmeintrag bedingt durch die hochfrequentierte Eisenbahntrasse der ICE-Linie Frankfurt-Fulda und dem regen Autobahnverkehr. Nicht verwunderlich, dass viele Wohnungsobjekte hier zum Verkauf stehen. Lediglich das Wirtheimer Schloß legt Zeugnis ab, von der reichen Geschichte der einstigen Kinzigstadt. Die restlichen Kilometer führen entlang der Alten LeipzigerStraße nach Haitz und von dort aus in das schmucke Gelnhausen. mehr als imposant die markante gotisch geprägte Marienkirche. Imposant der selten zu sehende Lettner im Innenbereich, der seinerseits die Trennung von Weltkirche und klösterliche Kirche symbolisierte. Im Konzil von Trient wurden Mitte des 16. Jahrhunderts Lettner grundsätzlich verboten und in den Kirchen weitgehend entfernt. Nicht so in Gelnhausen.

IMG_6796
Alte Klosterrelikte in Gelnhausen: das Helgenhäuschen im Friesenborn
DSC06335
Auf den Spuren der Vergangenheit Richtung Leipzig
IMG_6797
Markante Dreierspitze in Gelnhausen
IMG_6801
Der Zug der Verdammten Richtung Hölle
IMG_6808
Kirchenkunst vom Feinsten

 

Weltlicher geht es im Außenbereich von Gelnhausen zu. Am Ober- und am Untermarkt tobt regelrecht der Bär. Bei frühlingshaften Temperaturen bewegt sich alles was Beine hat auf dem Barbarossamarkt. Wegen Überfüllung geschlossen – könnte man durchaus sagen. Ein zweckgebundener Aufenthalt an einem Weißbierstand bietet Gelegenheit zu einem würdigen Abschluß auf einer sehenswerten und geschichsträchtigen Etappe. Fortsetzung folgt alsbald Richtung Frankfurt.

DSC06338
Barbarossamarkt – ein jährliches Großspektakel
IMG_6809
Die Ernährung des Volkes ist sichergestellt……..
IMG_6812
Sinnessprüche an Holz
IMG_6814
..und altehrwürdige Bauten

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*