Marathonrunde auf dem Nibelungensteig

Erbach, den 1.November 2015

Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. 4.000 Höhenmeter, 124 Kilometer. Vom Rhein zum Main, quer durch den Geopark Bergstraße/Odenwald, frisch geadelt zur „Schönsten Wandertour 2015 im Hessenland“ und just vor vier Monaten erweitert um eine Alternativstrecke via Erbach/Odenwald waren ausschlaggebend die neue Streckenalternative mit der südlich verlaufenden Hauptroute zu einer außergewöhnlichen Rundwanderung zu kombinieren.

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Start in Erbach – solch eine Beschilderungsqualität ist außergewöhnlich

Gestartet wurde in der Kreisstadt Erbach am historischen Marktplatz kurz vor Sonnenaufgang. Noch beherrschte der herbstliche Morgennebel die Odenwaldregion, jedoch war es schon absehbar, dass sich ein goldener Novembertag abzeichnete. Am Marktplatz ist eine aufwändig gestaltete Informationstafel angebracht, die auch das markante Steigungsprofil des gesamten Steiges eindrucksvoll belegt. Unter Eingeweihten steht die Wegemarkierung (ein rotes „N“ auf weißem Spiegel) für die südhessische Bezeichnung „Nuff un Nunner“, als Anspielung auf die anspruchsvolle Streckenführung. Vom Ortszentrum der sehenswerten Elfenbeinstadt geht es zunächst vorbei am Erbacher Sport- und Festgelände, dort wo jährlich im Sommer das größte südhessische Volksfest, der Wiesenmarkt, abgehalten wird, entlang des Erdbaches nach Dorf-Erbach. Vorbei kommt man an der markanten Erdbachversickerung, dem Erbach-Michelstädter Graben, dort wo vor 50 Millionen Jahren ein Grabenbruch, ähnlich dem Rheingraben entstand. Gegenüber dem weitreichenden Sportfeld ist die Muschelkalkwand deutlich zu sehen. Immer dem Erdbach entlang, geht es vorbei an weitläufigen Pferdekoppeln zum Dreiseental, dort wo der Bach seinen Ursprung hat. In den 80er Jahren wurde das Areal auf Basis historischer Unterlagen wieder hergerichtet und ist heute ein beliebtes Nacherholungsgebiet.

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Die Mümling am Marktplatz zu Erbach
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Die Erdbachversickerung
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Typisch Odenwälder Sandsteinbauten – das alte Schulhaus in Dorf-Erbach
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Da ist die Farbe noch nicht trocken von der neuen Wegmarkierung
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Das Dreiseental
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Amerikanisches aus dem  Odenwald!
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Schon nach einer Stunde bricht die Sonne die Nebelwände auf

Sorgsam ausgewählt ist der Streckenverlauf der frisch ausgezeichneten Nibelungensteigsstrecke. Herrliche naturbelassene Wege durch ein weitreichendes Mischwaldareal, mit eine abwechslungsreichen Streckenführung kennzeichnet den weiteren zertifizierten Wanderweg. Entlang des Buchwaldskopfes geht es entlang des Waldrandes in südlicher Richtung oberhalb von Erlenbach leicht ansteigend weiter. Auf ausgewählten Pfaden führt der Nibelungensteig unterhalb von Erbach Richtung Bullau. Interessant die Streckenführung durch die abwechslungsreichen Mischwälder – wobei qualitätswegorientiert überwiegend auf die Wirtschaftswegautobahnen, die den Waldabschnitt durchziehen, verzichtet wurde.

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Dicht an Dicht – eine Eichencombo
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Blick auf Erlenbach und den gegenüberliegenden Geiersberg (Luftlinie sechs Kilometer)
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Mitten im Wald ein herrlicher Ruheforst – ein Idyll für die letzte Ruhestätte
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Sonne schlägt Nebel
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Farbspiele an allen Ecken
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…allerherrlichste Waldwege
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Selbst das Moos streckt sich im Sonnenlicht
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im dichten Nadelwald dagegen eine schattig-mystische Stimmung
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..aber auch hier drückt sich die Sonne gnadenlos durch

Bilderbuchmäßig die sanften Wiesenhügel des Diebesgrundes.  Bald ist Bullau, der höchstgelegenste Stadtteil von Erbach (515 Meter)  erreicht. Dieses Areal befindet sich bereits im Wassereinzugsgebiet des Neckars. Von hier verläuft der Nibelungensteig  auf dem Qualitätswanderweg BU1, der von hier aus zum Rutschstein führt. Hierbei handelt es sich um einen Sandsteinblock, der zwei deutlich ausgebildete parallel verlaufende Rinnen aufweist. Mußtmaßungen zufolge wurden früher Bäume über den Stein zur aufbereitenden Herstellung von Holzkohle geschleift.

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High-tec-Verstrebung am Jägerstuhl
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Außerhalb der Schattenzone tolle Farbtupfer
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Bodenblätter im Spotlight
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…allerfeinste Lichtspiele
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..Lichtorgien als kostenfreies Spektakel
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…auch von oben muss die Perspektive herrlich sein
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..unterwegs am Diebesgrund
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wenn der Buntspecht seinen Buntstift auspackt…..
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..ohne Probleme kann man auf Karte und Kompass verzichten
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stilechte Wegweisung
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..die Hauptwindrichtung läßt sich gut ablesen
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..in Bullau kann man auch einkehren – aber nicht zu früher Morgenstunde
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Farbenfroh aber nicht ungefährlich
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Mächtige Schlagschatten im Odenwälder Wald
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..auch mächtig die gesamte Nibelungensteigstrecke
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Der markante Rutschstein unterhalb von Bullau
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Odenwälder Wandervielfalt

Nach 20 absolvierten Kilometern auf dem Nibelungensteig gelangt man hier auf den Abzweig der ursprünglichen Steigstrecke Richtung Hesseneck.  Eingeschlagen wird jedoch die westliche Route Richtung Hüttenthal. So geht es stetig hinab zum markanten Areal des Ebersbergers Felsenmeer. Vir fünfzig Millionen Jahren setzte hier eine subtropische Verwitterung ein – verwittertes Material wurde abgetragen und legte die hier befindlichen Felsen frei. Eingebettet im herbstlichen Buchenwald entfaltet sich hier eine mystische Stimmung. Stetig abwärts gehend führt der Wegesabschnitt hinab nach Ebersberg, dort wo sich am Ortseingang ein markante Viadukt befindet.  Imposant erhebt sich das Himbächer Viadukt in den Odenwälder Himmel.  Das 1881 errichtete Bauwerk hat mittlerweile den Status „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ erhalten, ist 250 Meter lang und kommt auf eine Höhe von 43 Metern in der Spitze. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung im Jahre 1881 war die aus bossierten Sandsteinquadern erbaute Bogenbrücke  das höchste eingeschossige Viadukt Deutschlands und gehörte mit einer Bogenspannweite von 20 m mit Abstand zu den am weitesten gespannten Eisenbahn-Viadukten der damaligen Zeit.

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Novemberäpfel
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Das Ebersberger Felsenmeer
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Mächtige Felsboliden liegen an den Steilhängen
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ein absolutes Wandererlebnis
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und wieder ein Blick in den Waldfarbkasten
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..Herbstvielfalt
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..in jeder Kurve neue Impressionen
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und still und stumm fault das Holz herum
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Blätterrausch am Waldboden
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Das Himbächer Viadukt

Durch den langgezogenen Stadtteil Erbachs, Ebersberg folgt man zunächst der Mümling um eine Schleife über die Heumatten zu gehen.  Kartenkundige gehfaule Wanderer könnten hier geneigt sein den Abzweig zu ignorieren um linker Hand direkt den Marbachstausee zu erreichen. Auf schönen Pfaden geht es unterhalb des Haisterbacher Hofes zum Stausee, dem größten Stillgewässer des Odenwaldes. Nachdem auf den ersten dreißig Kilometern lediglich ein Wanderpaar gesichtet wurde, ist am Stausee bei diesen herrlichen Wetterbedingungen ein reger Betrieb zu verzeichnen.  Familien vespern an den Tischen, Mopedfahrer steigen hier gerne zu einer Rast ab und Viele nutzen den steigungslosen Rundweg um den See im Rahmen eines kurzen Verdauungsspaziergang zu umrunden.  Von hier aus folgt man der Wegmarkierung zunächst entlang des Seeufers, um dann weiterführend  unterhalb des Schnappgalgens  bald das knapp vier Kilometer entfernte Hüttenthal zu erreichen. Hier in Hüttenthal scheidet sich der Nibelungensteig erneut. Von hier aus führt die originäre Hauptstrecke Richtung Olfen oder alternativ über den neu ausgezeichneten Bypass zurück nach Erbach.

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Vom Viadukt nach Ebersberg
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Bikertreff Vesperhäusle – gut für eine kurze Rast
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..Odenwälder Viehhaltung in Ebersberg…..
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Diese Region ein Eldorado für Mopedfahrer
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Schon berauscht beim Anblick der Efeublätter
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Herrliche Streckenführung durch die Heumatten
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Gibt es eine schönere Jahreszeit?
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Nicht zu toppen – Herbstwald am Marbachstausee
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Auch für Angler ein beliebtes Ziel

So geht es zunächst stramm aufwärts auf die gegenüberliegende Seite zum Geisberg, dort wo seit zwei Jahren insgesamt fünf Windräder rotieren. Konsequenterweise haben die Väter der Streckenplanung auch hier auf die Nutzung des breiten Trampfelspades in Form der Hohen Straße verzichtet, sondern naturbelassene Pfade mit immer wieder eingebauten Steigungen gewählt. Wanderspaß auf hohen Niveau. Nach einigen Kilometern erreicht man die mehr als 800 Jahre alte Tränkfeldeiche um dann Richtung Elsbach einzuschwenken.  Mit 129 Seelen ist Elsbach der kleinste Weiler der Kreisstadt. Allemal zu empfehlen eine Kurzeinkehr in der Traditionsgaststätte Käsback. Vor 111 Jahren sagte ein gewisser Georg Back zu seiner Frau :“Ich zapp Bier und du machst de Kochkäs“ Kochkäse wird immer noch in eigener Produktion hergestellt und Bier fließt auch noch aus dem Zapfhahn.

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Blick auf Hüttenthal
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..dort wo der gute Hüttenthaler Käse produziert wird
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Die mehr als 800 Jahre alte Tränkfeldeiche – zurückgestutzt, dass sie sich besser ausbreiten kann
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und auf schönen Waldpfaden geht es hinein nach Elsbach
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Eine Institution im kleinen Weiler….
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..seit 111 Jahren im Angebot: Bier und Kochkäse
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..Widerspruch zwecklos….

Nach einem kurzen Weißbierstopp geht es abwärts in das 3 Kilometer entfernte Erbach. 1074 Höhenmeter und 48 Kilometer ein Qualitätsmarathon auf einem Premiumweg mit einer abwechslungsreichen Streckenführung sind bei herrlichsten Bedingungen absolviert. Zum Abschluß des  Tages empfiehlt sich eine Einkehr in das ehemalige Erbacher Brauhaus. Das heimische Bräu – das Erbacher ist sicherlich Geschmackssache – für Freunde des obergärigen Hefetrunkes sei das Allgäuer Büble allemal eine Empfehlung wert. Bleibt für Wanderfreude, die den Nibelungensteig komplett erwandern wollen die Wahl der Qual – wählt man die Streckenführung über die Erbacher Schleife oder über das Ebersberger Felsenmeer?  Spektakulärer, ist sicherlich die zweite Variante – nicht zu verachten ist jedoch auch ein Abstecher in das sehenswerte Erbach und das in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Michelstadt.

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Stilvoller Pissoarzeiger nebst Elefantensymbol als Hinweis auf Deutschlands Elfenbeinmetropole
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Das Erbacher Schloß
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und vis a vis das Erbacher Brauhaus
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..selbst der Schoppen hat die allerbeste Herbstfarbe
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Die Altstadt von Erbach zur blauen Stunde
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..noch eine Nachttour gefällig??

 

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