Main-Strombergweg Trail 2 (Mit Volldampf in den Odenwald)

Ober-Ramstadt, 27. September 2014

Von Nord nach Süd quer durch den Odenwald  – so die spannende Aufgabenstellung einer 170 Kilometer langen Odenwalderkundungsexpedition. Nachdem vor vierzehn Tagen die erste Etappe von Frankfurt nach Ober-Ramstadt absolviert wurde, stand nun der zweite Teil des Trails auf der Wanderagenda. Geologisch lässt es sich sicherlich trefflich streiten, wie weit die Ausdehnung des Odenwaldes geht. Manch ein Experte aus dem Fachgebiet sieht mitnichten den Frankfurter Raum als nördlichen Ausläufer des Mittelgebirges an – jedoch überzeugt spätestens die zweite Etappe, beginnend ab Ober-Ramstadt, dass man sich nun – wenn auch „nur“ im „Vorderen“ aber immerhin im Odenwald befindet.

Gestartet wird am Bahnhof von Ober-Ramstadt. Ziel des 30 Kilometer langen Trails ist Fürth im Odenwald, einschlägigen Landeskundlern seit Antonia B. literarischer Beitrag  auch als Odenwaldhölle geläufig. Aufgenommen wird wiederum das rote Quadrat im weißen Spiegel, die durchgängige Markierung des vom OWK markierten Hauptwanderweges No. 15.  Die Heimatstadt des Physikers Georg Christoph Lichtenberg, im lokalen Dialekt auch  Owwer-Ramschd genannt, ist insbesondere als Standort der Deutschen Amphibolin-Werke Caparol (die mit dem bunten Elefanten) europaweit bekannt.

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Die Caparol-Stadt – selbst an öffentlichen Plätzen wahrnehmbar
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Hessisch pur: Murrer Kerb – hochdeutsch: Modauer Kirchweih
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Odenwaldhöllenpression frei nach Antonia B. schon in Ober-Ramstadt
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Odenwälder Spezereien

 

Bereits bei Ober-Ramstadt sind die Ausläufer des kristallinen Odenwaldes, in Form einer sanft hügeligen Landschaft erkennbar. Richtung Wembach in südlicher Richtung gehend kann man faszinierende Weitblicke Richtung Fischbachtal und den Bergzügen der Bergstraße genießen.

Die Waldenserstadt Wembach querend geht es am Striet entlang, hart Kante Groß-Bieberau vorbei nach Rodau mit seinen schönen Fachwerkhäusern im Ortskern, welches strategisch abgeschirmt vom Riedbusch und vom Eichelberg im Windschatten des Schlosses Lichtenberg liegt. Entlang eines von Jahr zu Jahr immer größer werdenden Elefantengrashaines, der scheinbar als Biomassenlieferant herhalten muß geht es Richtung Lichtenberg, einem wahrlichen Highlight auf dem Main-Stromberg-Pfad. Allemal eine Empfehlung ist hier der Panoramaweg „F1“ eine der schönsten Wanderwege im Odenwald, der auf aussichtsreichen Pfaden durch die Weiler des Fischbachtals führt.

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Wembach – Colonia Vandoise
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Herrliche Pfade nach Rodau
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Markige Markierung an Apfelholz
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Schwere Lehmböden – hartes Brot für die Landwirte
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Rodau duckt sich
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Herrliches Fachwerk am Ortseingang
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Auf den Spuren von Antonia B.
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Stilvolles Fachwerk in Rodau
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Hoch lebe der König…
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Biomassenbiotop Elefentangras – bis zu 4 Meter hoch…
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Pilzzeit

Immer wieder imposant der Anblick von Schloß Lichtenberg. Die Bauweise verlieh der Burg ein stadtähnliches Ansehen und ist ein herausragendes Beispiel einer Befestigungskontinuität, welche diesen ausgesprochenen Mittelpunktsraum, das Kernland des früheren Amtes Lichtenberg, durch die Jahrhunderte hindurch sicherte. Lichtenberg querend geht es weiter auf angenehmen Waldpfaden zum keltischen Ringwall Heuneburg. Die Ringwälle wurden ca 500 v.C. als Schutzburgen gegen die Germanen errichtet.  Eine Infotafel des Geoparks gibt an dieser Stelle weitere Einblicke in die weitreichende Geschichte des Areals.  Unterhalb des Scheidkopfes geht es durch den Mittelwald in das Modautal nach Lützelbach welches bereits im  Kreis Bergstraße liegt. Ausgezeichnete Pfade führen hoch hinauf nach Neunkirchen, dem höchstgelegen Ort im hessischen Odenwald. Markant ist hier der noch idyllisch-ländliche Charakter – ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderfreunde.  Augenfällig die ehemals große Wirtshausdichte in dem 140 Seelen zählenden Weiler – Ausfluß der Nähe zum Winterskigebiet der Neunkirchner Höhe. Hinsichtlich Qualität der Darbietungen ist das Gasthaus zum Grünen Baum durchaus zu empfehlen, jedoch ist nach mehrmaligen Besuchen immer wieder festzustellen, dass der Service schleppend bis unzureichend ist. Wanderer, die in einem definierten Zeitkanal unterwegs sind, sollten alternativ das gegenüber der Kirche liegende Höhenhaus Odenwald Cafe-Restaurant aufsuchen, oder die in Lützelbach ansässigen Lokationen wählen.

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Schmuckstück Schloß Lichtenberg
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Kelten-Ringwall Heuneburg bei Lichtenberg
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Herrlichste Panoramawege im Fischbachtal
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Maisblatt angerichtet im Gegenlicht
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Fehlt nur noch die Leberwurstsemmel……
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Gastronomisches in Lützelbach
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Klare Kante…
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Erst seit einigen Jahren wiederentdeckt .. die Quelle unterhalb von Neunkirchen
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Richtung Neunkirchner Höhe – ein klarer Winterfall…
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Endlich Klartext….
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Odenwälder Liegeinsel am Dalles von Neunkirchen
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Neunkirchner Gastromeile – (75% geschlossen)
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Wanderziele im Überfluss
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Herrliche Blicke von der höchsten Gemeinde im Areal
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Edelbeschilderung im Odenwald

Moderat der folgende Anstieg zur zweithöchsten Erhebung des Odenwaldes, der Neunkirchner Höhe. Allemal zu empfehlen eine kurze Einkehr in das höchstgelegene Gasthaus des Odenwaldes und ein damit verbundener Aufstieg zum Kaiserturm. Aus der Höhe von 635 Metern (605 m Berghöhe + 30 m Turm) hat man herrliche Ausblicke auf die umliegenden Täler Ob Fischbachtal, Modautal,Lautertal, Bergstraße, Melibokus, Felsberg – Odenwald in seiner Pracht entfaltet sich. Mit dem Betreiber der Gaststube sinieren wir über die Zweckmäßigkeit einer Webcam an dieser Stelle. „Gerne – sofort“. Einzig die mangelnde Telekommunikationsanbindung hindert an der Durchführung dieses Vorhabens.

Kurz vor dem Kaiserturm führt der Weg vorbei an der Gersprenzquelle, die jedoch seit 2013 in Mergbachquelle umbenamt worden ist, da man nach historischen Belegen mit einer „historischen Unwahrheit aufräumen wollte. Frei nach dem Spruch „Mergbach und Osterbach sind uns bekannt, ab Bockenrod werden sie Gersprenz genannt“, ist festzuhalten dass die Gersprenz offiziell erst 10,9 Kilometer unterhalb der Neunkirchner Höhe als Gersprenz  titulliert werden darf. Zu bemerken ist, dass bei einigen offiziellen Stellen nach wie vor an der Gersprenzquelle festgehalten wird. Weitere Informationen über den Flußverlauf unter dem Wanderbericht „Gersprenz- von der Quelle bis zur Mündung“.

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Für die einen die kleine Gersprenz – für die anderen der grosse Mergbach….
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Geballtes Wanderwegtreffen – Alemannenweg, HW 18 (Albisheim-Wertheim), Hugenottenpfad, HW 15 (Main-Stromberg)
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Starker Trail zum Kaiserturm
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Das höchste Wirtshaus im Odenwald an der Neunkircher Höhe
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Und hier ist die Tränke…
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Panoramablick vom Kaiserturm
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Alter Grenzstein an der Neunkirchner Höhe
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Grenzstein mit Erbacher Wappen
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Apfelschwemme im Odenwald – rapider Preisverfall durch Rußlandkrise und Polenimporte
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Gute Einkehrmöglichkeit bei Winterkasten
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Postkartenidyll Winterkasten

Granitfelssteine bereichern den nach Winterkasten hinabführenden traumhaft schönen Wanderweg. Ein wahres Sahnestück ist der nun folgende Panoramapfad Richtung Lindenfels. Weitreichende Blicke in das Nibelungenland bis hin zum Schloß Reichenberg bei Reichelsheim. Ein Kurzaufstieg zum Bismarkturm, vor den Toren der „Perle des Odenwaldes“ Lindenfels krönt diese Passage. Seit 1969 ist Lindenfels ein heilklimatischer Ort, der schon aus städtebaulichen Aspekten allemal ein Besuch wert ist.

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Granitgestein auf Schritt und Tritt
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Der Odenwald – mittlerweile ein gutfrequentiertes Wanderziel
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Bismarckwarte vor den Toren von Lindenfels
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Weite Blicke in das Reichelsheimer Land
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Ist das nicht herrlich? Heilklima-Walking – Premiumwandern vom Feinsten…
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Schmuckstück Lindenfels
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Ortskern Lindenfels
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Kunst am Acker
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Hinab nach Fürth
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Odenwäller Bahnhofsimpression
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Es ist schon ein herrliches Völkchen….

Auf guten Wirtschaftswegen führt der markierte Pfad hinab zum Tagesendziel nach Fürth im Odenwald von wo aus per Bus/Bahn die Rückreise nach Ober-Ramstadt angetreten wird. Bei der Rückführt siniert der Busfahrer über das harte Los seines Berufsstandes. An Wochenenden kann man nach seinen Worten nicht von einem Fahrplan reden – er bezeichnet die gegenüber Werktagen um sieben Minuten minimierte Zeitscheibe als Flugplan. Demgemäß scheint unsere Gangart auf Schusters Rappen gemächlicher vulgo entspannter zu sein auch wenn auf diesem Trail knappe 900 Höhenmeter zu absolvieren waren.

In der Gesamtbetrachtung ein faszinierender Trail mit einem Odenwaldpanoramarundumschlag, den man so geballt selten findet. Fortsetzung Richtung Neckarsteinach folgt alsbald.

KarteTrail2
32 Kilometer und 879 Höhenmeter – quer durch den Vorderen Odenwald

 

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