Lahn(tastisches) von Wetzlar nach Weilburg

Wetzlar, den 09. September 2016

Kultur pur auf der fünften Etappe des Lahnwanderweges von Wetzlar via Braunfels nach Weilburg. Zwei sehenswerte mittelhessisches Städte mit reicher Geschichte wollen auf dieser Passage entdeckt werden, nachdem Wetzlar bereits auf dem letzten Trail besichtigt wurde  Vom Wetzlarer Bahnhof  wird die Pontonbröcke östlich der Alten Lahnbrücke gequert, um zunächst durch die Colchester Anlage, die nach der englischen Partnerstadt Wetzlars benannt wurde, entlang der Lahn zu wandern. Bootsanlegestellen für Lahnpaddler, Kunst im Park, Spielplätze und angeschlossene Biergärten machen dieses Areal zu einem beliebten Naherholungsgebiet.  Unter der Alten Brücke hindurch erreicht man rasch das weitläufige Areal des Kameraherstellers Leica. Vorbei an einem historischen Tor der Vorstadt Silhofen geht es aufwärts zur Burgruine Karlsmunt einst von Friedrich Barbarossa errichtet. Hier genießt man die vielleicht schönsten Ausblicke auf Wetzlar und Umgebung bis hin zum Feldberg im Taunus, sofern klare Sicht gegeben ist.

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Das Wahrzeichen der Stadt Wetzlar von der Lahn aus gesehen
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Ursprünglich als Behelfsbrücke für Veranstaltungen gedacht, wurde die Pontonbrücke zwischenzeitlich mehr als 40 Mal auf- und abgebaut. Gute Übung für die THW-Mannschaften.
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Memorial an die mächtige Wetzlarer Rudergeschichte, die Olympiasieger, Weltmeister, Deutsche Meister und Europameister vorzuweisen hat.
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Einfach Lahntastisch!
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Heute mal von der anderen Seite der Lahnbrücke
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Sinnbildliche Fassadenstrukturen in Wetzlar
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Leica – Synonym für Leitzsche Camera, die die weltbesten Kameras herstellen
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Auch schon etwas in die Jahre gekommene Haustüre
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Größere Briefkästen braucht das Land…..
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Trotz Schieflage standfest seit Jahrhunderten
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Eine vortreffliche Entscheidung
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Ein ungewöhnlicher Blick zurück auf Wetzlars Altstadt
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..mit markanter mittelhessischer Schieferkultur
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Hinauf zur Burgruine Karlsmunt
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Und ein Aufstieg zum Burgturm rentiert sich allemal
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Frisch gepinselt, die Wegemarkierung LW – für Lahnwanderweg. Einzig rund um Braunfels fällt die Markierungsqualität spürbar ab.

Auf gut gangbaren Pfaden führt der Trail weiter in das Naturschutzgebiet Weinberg, wobei die Namensgebung unklar ist, da zumindest heute keine Weinberge mehr vorfindbar sind. Der artenreiche Borstgrasrasen wird gerne als Schafsweide  genutzt. Das Gesamtareal hat den Anmut einer Heidefläche und bietet dabei weitreichende Blicke. Bald ist die Grube Armanda erreicht, die ertragsreichste Erzgrube im Wetzlarer Areal. Bis 1915 wurde das Erz via Seilbahn in die Buderushochöfen in die  unten liegenden Wetzlarer Hochöfen verbracht. Nur noch fachkundige Kenner können heute die Spuren der damaligen Grubenanlagen erkennen. Vorbei am Aussichtspunkt Feldberg, der bei klarem Wetter gut sichtbar sein sollte, nähert man sich von Oberndorf aus östlicher Richtung kommend dem eindrucksvollen Luftkurort Braunfels.

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Nützliche Baumreste
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Gut gangbare Wanderwege
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Durch die Wetzlarer „Weinberge“
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Einzig ein Schild erinnert an den Untertagebau
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Weitreichendende Blicke auf dem Hochplateau Richtung Braunfels
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Vorbei am Feldbergblick
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Mächtig reckt sich Schloß Braunfels
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Immer dem Schild nach

Imposant wirkt sie schon – die gewaltige Anlage des Schlosses Braunfels, seit dem 13. Jahrhundert ausgewiesener Sitz der Graftschaft Solms. Überall sichtbar ist das gelb/blaue Löwenwappen der Grafenfamilie. Die sehenswerten und adrett restaurierten Fachwerkbauten bilden durchaus eine Symbiose mit der Schloßanlage. Klapperten im Mittelalter die Ritter mit ihren Rüstungen über den Marktplatz, so jagte James Bond 1982 in Octopussy durch Braunfels, da die Fachwerksarchitektur seinerseits die Produzenten sichtlich beeindruckte. London-Indien-Berlin-Braunfels schon spannend die Drehortvita des Plots.  Unverkennbar die strategisch-architektonische Handschrift der Erbauer, wenn man die Stadtstruktur näher inspiziert.. Die historische Altstadt ist als eine Art Vorburg vor der Schloßanlage errichtet. Allemal lohnt ein Rundgang  um die Burg – wer Zeit mitbringt hat auch die Gelegenheit an einer Burgführung teilzunehmen. Darüber hinaus ist auch eine Einkehr in einem der heimischen Wirtshäuser anzuraten, da auf der nächsten Passage Richtung Weilburg die Einkehrmöglichkeiten eher rar sind.

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Klare Kante. Zu jedem Schloß gehört ein Hotel…
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Schmucke Fachwerkhäuser
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Mit eingelassener Handwerkerrolle
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Neue Erkenntnis: Der Ursprung der Bezeichnung „Viel Holz vor der Hütte…….“
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Das Kaiserhaus Zollern und das Fürstenhaus Solms – einträchtig nebeneinander
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Das beeindruckte selbst 007
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Unterhalb der Burg kann man in historische Gasthäuser einkehren
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Ein richtig schmucker Marktplatz
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Detailreiche Zunftschilder
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Und an jeder Ecke ist das Solmser Wappen zu entdecken
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Bitte bitte.. langsam leiern
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Die zahlreichen Fachwerksornamente belegen den historischen Reichtum der damaligen Besitzer
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Durch den Schloßtunnel hinauf zur Festung
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Eine gewaltige Burganlage
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Glaskunst in der Schloßkapelle
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Beeindruckende Grablege
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Und die herauslugende Sonne zeichnet ein herrliches Licht an der Burgfassade
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Gewaltige Blätterranken als Fassadendekoration
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..ziehst Du als Wanderer vorbei…..
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Hier kann man es gut aushalten
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1996 dicht gemacht und danach als kleinste Gasthausbrauerei Hessens wieder reanimiert. Immerhin 65 Liter Hopfenflüssigkeit werden pro Sud angerichtet.
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Ein letzter Blick auf die alte Ortsmitte
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Schon gespeichert – eine neuer Exkursionsvorschlag – Wetzlar-Braunfels-Wetzlar via Lahnwanderweg und retour über die Bergmannsroute. Alles in allem eine gepflegte Marathonwanderung eine schöne Perspektive für 2017

Frisch gestärkt und sichtlich beeindruckt führt der zweite Teil der heutigen Passage aus der Stadt hinaus in westlicher Richtung vorbei am Großen Weiher und von dort aus über eine gut gangbare Waldpassage zum veralgten Silbersee. Studiert man die Karte so ist man überrascht über die Vielzahl der Gruben mit zum Teil phantasievollen Namen. Würgengel, Wrangel, Quek, oder Gutglück um nur Einige zu nennen. Zwischen Bernbach und Hirschhausen erreicht man nach knapp zwei Stunden den Tiergarten Weilburg. Auf über 90 Hektar kann man hier mehr als 20 Tierarten, darunter Braunbären und Wölfe beobachten. Die Grafen des Hauses Nassau-Weilburg legten bereits Ende des 16. Jahrhunderts den Tiergarten an, der 100 Jahre später mit einer vier Kilometer langen Steinmauer eingezäunt wurde.

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Herbstpracht
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Vorbei am Großen Weiher
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Sakrale Schnitzkunst im Wald
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Schon etwas versuppt der Silbersee – mehr Grün als Silber…..
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Farngeometrie
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Absolut inkonsequent: Tannenzäpflebier in einer Buche gebunkert…..?
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Zwischen Braunfels und Weilburg
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Vorbei am Tiergarten Weilburg

Nach zwei weiteren Kilometern ist Kristallhöhle Kubach erreicht, der man auf jeden Fall einen Besuch abstatten sollte. Einzuplanen ist eine Stunde, die für die Führung benötigt wird. 1974 wurde die Höhle erstmals entdeckt, anschließend als Schauhöhle ausgebaut. Mit einer Höhe von 30 Metern gilt sie als größter natürlicher untertägiger Einzelhohlraum, der besichtigt werden kann. Die einzige Calcitkristallhöhle in Deutschland  ist umgeben von 350 Millionen Jahre altem Kalkstein und geschmückt mit unzähligen Kristallen und Perltropfsteinen.

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Nicht für Jedermann geeignet
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Ab in die Höhle
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Besichtigung nur mit Führung möglich
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Am tiefsten Punkt der Kristallhöhle Kubach
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Und Übertage sind faszinierende Wolkenbänder zu beobachten

Nach dem erdgeschichtlichen Ausflug geht es auf ruhigen Pfaden hinab in den nächsten Luftkurort namens Weilburg. Auch hier wird das städtebauliche Bild von einer imposanten Schloßanlage geprägt. 1540 begannen die Herren aus dem Hause Nassau mit der Errichtung der gewaltigen Anlage. Man kann nur erahnen wie gewaltig die 400 Laufmeter umfassende Länge des Areals ist. Imposant der Schloßhof, gewaltig der Viehhof, in dem heute bezeichnenderweise ein Vier-Sternen-Hotel betrieben wird, beeindruckend die weitreichenden Schloßgartnanlagen mit den beiden Orangerieen und einladend die Lahnterassen, die einen majestitischen Blick über Weilburg und der unten vorbeifließenden Lahn gewähren.

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Auf naturbelassenen Pfaden geht es Richtung Weilburg
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Die 1505 erbaute Passionsstätte am Alten Friedhof zu Weilburg – die einzige Anlage dieser Art, die in Deutschland vollständig erhalten ist.
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Willkommen in Weilburg
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Das Alte Rathaus am Marktplatz
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Der imposante Schloßhof
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Edel edel…bekronter Löwe
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Der Nordflügel mit seinen markanten Arkaden
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In der Höhle des Löwen: 14 auf einen Streich
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43 Deckelvasen sind auf den Marmorpostamenten der gußeisernen Balustrade nach dem Versailler Vorbild1706 angebracht worden.
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Die Orangerieparterre
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Früh übt sich
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Blick auf die Oberlahn in Weilburg
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Lahntypisches

Eine mehr als beeindruckende Kulturpassage, auf insgesamt 38 Kilometern mit sehr moderaten 860 Höhenmetern. Zweifelsohne ist dieser Wanderabschnitt auf dem insgesamt 290 Kilometer langen Lahntrail ein besonderes Highlight. Durchaus anzuraten ist auch diese Passage auf zwei Touren zu verteilen und dem offiziellen Tourenguidevorschlag (Wetzlar-Braunfels und Braunfels-Weilburg) zu folgen, damit man genügend Zeit hat, die wunderbaren Städte in Ruhe zu besichtigen.