Im Wanderparadies zwischen Rhein und Mosel

Winningen, den 29. Oktober 2016 –

Wieder einmal mehr Prädikat „Spitzenklasse“. Alljährlich, wenn der Volkssportverein „Schnelle Füße“ aus Koblenz am letzten Wochenende im  Oktober zum Wanderhalali bläst, ist man gut beraten, dem Ruf Folge zu leisten. Eine herausragende Wanderinfrastruktur im Mosel-Rhein-Lahndelta garantiert jedesmal ein Wandererlebnis auf Höchstniveau. So auch wieder in diesem Jahr, auch wenn der Beginn durch einen organisatorischen Fehlstart bei manch einem Teilnehmer etwas eingetrübt war. Ursprünglich sollten die Teilnehmer per Fähre auf die südliche Seite des Moselufers übergesetzt werden. Wegen Ausfall der Fähre wurde ein Bustransfer organisiert, wobei die Taktung jedoch nicht funktionierte, was den Startbeginn deutlich verzögerte. So vergingen für uns zwischen Einreihen  in die Warteschlange zur Registrierung  und Ankunft am Startpunkt grenzwertige 1 Stunde und 20 Minuten, was sich im Nachgang jedoch als Vorteil herausstellen sollte.

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6.50 Uhr: Viele Langstreckenwanderer scharren schon mit den Füßen an der Anmeldung
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Der legendäre Heidelberg International Wandering Club ist auch vertreten

Gestartet wurde an der Schmitsemühle hinein in das Konderbachtal. Permanent, aber sanft ansteigend führte die Passage entlang des Eschbaches hinauf nach Waldesch. Von dort durch Hünenfeld hindurch, den Scheitelpunkt des Mosel/Rheinplateaus erreichend, hinab in die Bopparder Gemarkung. Gut beraten war, wer an der Hedwigseiche statt der Marathonalternative die Streckenführung der 50-Kilometerstrecke wählte. Muskel- und wadenstärkend führte die Passage zunächst steil hinab durch das Schlaningtal zum Ortsrand von Boppard um hier an der gegenüberliegenden Seite einzusteigen in den Aufstieg hinauf zum Hirschkopf entlang des Kyffhäuser Pfades – ein wunderbarer Premiumpfad.

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8.14 Uhr ist der Start erreicht
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Güldener Herbst
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Die besten Blicke hat wer die 50-Kilometerpassage wählt
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Ein herbstliches Farbspektakel
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Boppard wird nur am Ortsrand gestreift
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Und hurtig geht es durch das Bopparder Butterloch
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Der Kyffhäuser Weg – eine wahre Traumschleife. Hier endet übrigens auch der Premiumweg Saar-Hunsrückschleife
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Hochbetrieb auf dem 50-Kilometer-Trail
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Ein Wurzelgarten am Gedeonseck

Als Belohnung winkte die phantastische Aussicht auf die größte Rheinschleife, am Gedeonseck. Das ‚Gedeonseck‘ verdankt seinen Namen dem Bopparder Pfarrer und Heimatdichter Johann Baptist Berger Er war von 1833 bis 1888 Pfarrer der St. Severuskirche und trat unter dem Dichternamen „Gedeon von der Heide“ auf. Oft verweilte er bei seinen Ausritten an diesem Ort, um sich zu neuen Gedichten inspirieren zu lassen. Fußkranke haben natürlich auch die Möglichkeit via Seilbahn von Boppard aus sich komfortabel zum Hirschkopf liften zu lassen. Ein absolutes Muß auch der einhundert Meter entfernte Gang zum Vierseenblick, dort wo der Blick auf die Rheinschleife vier „Rheinseen“ projeziert, da die Schleife von diesem Blickwinkel aus nicht in formvollendeter Gänze wahrnehmbar ist, sondern nur partiell.

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Wem der Aufstieg zu anstregend ist, kann sich ab Boppard hochliften lassen
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Wohlverdiente Pause an eine von insgesamt sieben Jausestationen
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Einfach herrlich. der Blick auf die größte Rheinschleife bei Osterspai im UNESCO-Welterbe: Oberes Mittelrheintal
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Und 150 Meter weiter der markante Vierseenblick

Lohn des Spätstarts; die Oktobersonne  drückt sich immer mehr  durch und vollendet das herbsttypische Farbspiel im sich lichtenden Blätterwald. Auf schönen Pfaden geht es vorbei am Gutshof Jakobsberg, dort wo HARIBO-Chef Hans Riegel ein Golfresort errichtete. Oberhalb der Rheingoldstraße wandern wir durch die Weinberghänge des Bopparder Hangs und genießen die herbstlichen Rebhänge die ein breitgefächertes Farbenspektakel entfalten.  Sinnigerweise hat der Veranstalter unterhalb des Rothenbergs eine Kontrollstelle installiert. Bei einem Gläschen 2012er Dornfelder entwickelt sich ein regelrechtes Urlaubsfeeling – und das auf einer 50-Kilometer-Passage.

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Herbstspektakel
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Unverschämt schöne Wanderwege
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Entlang des Bopparter Hangs…..
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…. prinzipiell vergnügungssteuerpflichtig
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Während am Wingert harte Arbeit angesagt ist
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Rebenblattadern
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Ein idealer Rastplatz…
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unterlegt mit einem Schoppen Dornfelder

Am Ohleberg wird das Spayer Plateau gequert, um, vorbei an der Muttergotteskapelle nach Brey einzuschwenken. Auf dem gegenüberliegenden Rheinufer reckt sich die Marksburg empor, die beeindruckend restauriert mit ihrem heutigen Aussehen als Blaupause für viele Phantasieburgen, insbesondere für Spielzeugburganlagen dient. Augenfällig sind die drei Schornsteine auf dem Berg Pankert, direkt hinter der Burg. Hierbei handelt es sich um die Rest der Braubacher Blei- und Silberhütte.

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Vorbei an der Muttergotteskapelle
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Und bei Brey setzen wir am Rheinufer ein
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Vis a vis der Marksburg und im Hintergrund die Schornsteine der ehemaligen Blei- und Silberhütte

Hinab nach Brey und von hier aus den Rheinweg von Rheinkilometer 581 bis 584 folgend entwicklet sich die Tour zu einer regelrechten Genußwanderung. Realistisch betrachtet könnte der Veranstalter für diese Passage Kurtaxe verlangen. Vorbei an Rhens und der gegenüberliegenden Lahnsteiner Martinsburg schwenken wir ein auf das direkt am Rheinburgensteig gelegene Schloss Stolzenfels. Bereits das Viadukt am Schloßeingang markiert die Mächtigkeit der Schloßanlage.  Schon die Klause, an der man beim Aufstieg vorbeikommt, ist mehr als beeindruckend, genauso wie der imposante Ausblick von der Burganlage. Ein imposantes Wandgemälde am Palas vor dem Zwinger macht schon nach außen hin sichtbar, welch edles Schloß man betritt. Klar erkennbar die Handschrift von Karl-Friedrich-Schinkel, der hier für Friedrich Wilhelm einen preußischen Sommersitz am Rhein errichtete. Wem Potsdam und Berlin zuweit entfernt ist, kann hier preußische Baukunst direkt am Rhein vortrefflich studieren.

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Rhine-river-walk
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Willkommen in Rhens
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Hochwasserspitzenreiter: Oktober 1882
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Cool: Ein Rhein-Rentnersteg
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Frivole Vorgartendekoration in Rhens
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Nur zur Erinnerung: Wir befinden uns im Unesco-Welterbe-Kulturareal Oberes Mittelrheintal
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Da war doch was – Erinnerung an den Kaiserstuhl bei Rhens
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13:40 Uhr: 170 Langstreckenwalker haben Rhens schon passiert
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..unterdess ist Europa am Boden
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..aber das Deutsche Eck ist nicht mehr fern
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600 Züge rattern täglich durch das Rheintal
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Schon imposant: Schloß Stolzenfels
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..mit einem mächtigen Viadukt im Eingangsbereich
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und einer „kleinen Klause“ für Bedienstete und Gäste des Schlosses
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Eine architektonische Meisterleistung
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und ein herrlicher Blick Richtung Lahnstein

Weiter geht es durch eine Waldpassage untgerhalb der Augustahöhe hinauf zum Hasenbergund über das Siechhaustal zur gegenüberliegenden Moselseite auf den Karthauser Panoramaweg. Beeindruckend der Panoramablick auf das Moselstädtchen Güls. Die Restpassage ein Genuß für Herz und Seele. Strahlend blauer Himmel, eine warme und kräftige Nachmittagssonne, die die Gelbtöne der Weinrebenblätter  fulminant zur Geltung bringt.  Am Moselufer entlang gehend quert man am Läusberg die Straßenseite um entlang der Winninger Steilhänge nach neun Stunden, 48 Kilometern und guten 1.200 Höhenmetern den Zielort Winningen zu erreichen.

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Hammerhartes Shirt – getragen von einem amerikanischen Wanderfreund des Heidelberger Walking Clubs
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Und immer wieder streift man Premiumwanderwege, wie hier den Rheinburgenweg
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Und dieser Rucksack gehört dem ehemaligen Präsidenten des Heidelberg International Walking Clubs
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Blick auf Güls
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Über die Mosel, der Sonne entgegen
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Richtung Winningen entlang der Mosel
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bei herrlichstem Wanderwetter
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Ein reger Schiffsverkehr, ob in der Personenschiffsfahrt
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..oder im Frachtverkehr
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Sonnenbedingte Gelborgie
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eine Wohltat für das Auge
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Die letzten gemeinsamen Kilometer von insgesamt vier Wanderstrecken
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Beeindruckend die Steilhänge der Mosel
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..mit einem atemberaubenden Farbenspiel
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Der Schoppenstecher-Rundwanderweg führt auf einer Strecke von etwa 100 km von Güls über Lehmen, Löf, Burg Eltz, Treis-Karden zurück über Lütz im Hunsrück, Burgen und Niederfell und zurück nach Koblenz-Moselweiß
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Durch den Winninger Weinhof
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Goethe der alte Schwerenöter….
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Das Ziel ist erreicht

Eine grandiose Wandertour ist zu Ende. Man darf gespannt sein, auf die nächstjährige internationale Wanderolympiade, die die Wanderfreunde in Winningen ausrichten. Man rechnet mit mehr als 13.000 nationalen und internationalen Wanderfreunden. Beeindruckend das Wanderprogramm. Am 7. Juni kann man zum Lahntalmarathon starten, tags darauf zum Moseltalmarathon und freitags geht es von der Loreley entlang des Rheinsteigs nach Koblenz mit stolzen 60 Kilometern zum Weltkulturerbemarsch. Und vier Monate später kann man sich den 50 Kilometer-Marsch am 28./29.10. als dicke Empfehlung im Wanderkalender vormerken. See you in Koblenz 2017!

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Ein großes Spektakel wirft seine Schatten voraus

 

 

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