Der Urwaldsteig

Waldeck, Oktober 2017

Die Kombination ist es, die eine atemberaubende Wanderung ausmacht.  Man wähle drei Sonnentage, sinnvoller dann im Herbst, wenn die Wälder ihre opulente Farbenpracht voll entfalten, sucht sich eine sanfthügelige Mittelgebirgslandschaft mit ausgewiesenen Premiumwegen aus, schnüre die Wanderstiefel und mache sich ohne Zeitdruck daran einzutauchen in  eine Welt unvergesslicher Naturerlebnisse. Angefixt von den legendären 24-Stunden-Wanderungen am Edersee in den letzten Jahren war eine Urwaldsteigwanderung im herbstlichen Kellerwald schon seit längerem vorgesehen.  Endlich war es soweit. Der Urwaldsteig im Nationalpark Kellerwald-Edersee, Naturpark und seit 2011 geadelt als Teil der UNESCO-Weltnaturerbestätte „Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderen Regionen Europas“. Nach offiziellen Angaben ist der Urwaldsteig ein 68 Kilometer langer Rundweg , der zumeist entlang schmaler Pfade auf den Steilhang rund um den Edersee führt und in toto 3.700 Höhenmeter aufweist. Ein weiteres Qualitätsmerkmal: Der Steig ist vom Deutschen Wanderverband als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“  zertifiziert.

Eingeplant waren für den Trail drei gemütliche Etappen mit zwei Übernachtungen. Ergo Zeit genug um die Urwaldregion im Kellerwald  intensiv zu ergründen.  Gestartet wird in Asel um gegen den Uhrzeigersinn laufend, den Urwald zu entdecken. Urwald in Deutschland? Urwald in Deutschland! Verbindet man zumeist einen Urwald mit subtropischen Gebieten auf unserem Erdball, so bezeichnet man als Urwald einen Wald den man sich selbst überlässt, also nicht mehr bewirtschaftet, um damit Rückzugszonen für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Start am Urwaldsteig bei Asel

Man schrieb das Jahr 1887 als man in Asel eine 60 Meter lange 4 bogige Steinbrücke errichtete, die das im Edertal gelegene Fachwerkstädtchen mit dem im Süden gelegenen Gutshofareal verbinden sollte. Kein Mensch ahnte seinerseits, dass 21 Jahre später eine gewaltige Sperrmauer errichtet wurde, um für die Wasserbewirtschaftung der Weser die Eder zu einem See aufzustauen. Häuser wurden abgerissen, abgetragen oder umgesiedelt, Gräber mit Beton versiegelt. Insgesamt fünf Weiler fielen dem Edersee zum Opfer. Heute erinnern Schautafeln an das Edersee –Atlantis.

Unweit vom südlichen Ausläufer von Asel steigt man direkt ein in den Urwaldsteig, der bestens ausgeschildert ist und unproblematisch ohne GPS-System und Kartenmaterial gangbar wäre, wobei aus grundsätzlichen Erwägungen immer eine Karte mitgeführt werden sollte. Unweit des Wanderparkplatzes bietet sich zunächst die Möglichkeit  den alten Aseler Friedhof zu besichtigen, um dann zwischen Katzenberg und dem Aselstein im dortigen Ederseeeinschnitt ein kurzes Stück durch den Edersee zu wandern – dank des geringen Wasserstandes, der vorzufinden war.  Gewaltige Felsblöcke erheben sich auf der gegenüberliegenden Seite des Katzenbergs, der 72 Stunden später auf dem Rückweg 120 Meter höher begangen werden wird.

Ein Teil des alten Friedhofs vom ehemaligen Dorf Asel
Ansicht früher – Ansicht heute

Letztendlich sind an diesem Tag fünf Meter zuviel Wasser im Edesee, um die Eder  via Alte Aseler Brücke zu queren. Mit einem Wasserstand von 234 Meter ist noch ein Zipfelchen der Brücke erkennbar. Angesichts des vorherrschenden Niedrigwasserstandes ist der Fährdienst jedoch bereits seit Monaten eingestellt, so dass eine Seequerung nicht in Frage kommt. So geht es am Aussichtspunkt Aselstein, dort wo ein Zubringerweg des Kellerwaldsteiges den Urwaldsteig ein Stück begleitet hinauf zum ersten spektakulären Abschnitt des Urwaldsteigs – der Hohen Fahrt.

Der Edersee in diesem Abschnitt ohne Wasser – schlecht für die MS Bismarck
So geht es ein Stück durch den Edersee
Der Grundfels des Katzenbergs – schön zu sehen die normale Wasserkante
Die Alte Brückel von Asel – fast schon unter Wasser
Blick auf den Aussichtspunkt Aselstein – mangels Wasser….
..ist der Fährbetrieb nicht möglich. Läuten bei Bedarf demnach sinnlos

Hier an den steilsten und wärmsten Stellen der Ederseehänge wachsen bizarr und knorrig verformte Traubeneichen. Die Traubeneiche liebt trockene schlecht nährstoffversorgte Böden und wird bis zu 1.000 Jahre alt.  Das Wurzelwerk krallt sich regelrecht ein in den schieferartigen Gesteinsboden. Gepaart mit der  ausgeprägten Verformung der Bäume erzeugt diese Symbiose aus Stein und Holz eine mystische Atmosphäre. Nur schwer kann man sich von den phantastisch anmutenden Ansichten lösen.

Steil hinauf geht es Richtung Hohe Fahrt
Die Blätter leuchten wenn die Sonne raus kommt
Schon etwas morbide diese Sitzgelegenheit – Totholz eben
Herbstglühen
Und der Herbstwald ist auch im Detail….
…absolut sehenswert
Fast den Anmut einer Heidelandschaft – ground zero am Edersee
Kellerwaldtypische Baumformation

So geht es auf ausgezeichneten Pfaden des Steiges weiter Richtung dem 395 Meter hohen Hochstein, dort wo sich ebenso ein Eichenwald in den Tonschieferschutthalden festgekrallt hat. Abwechslungsreiche Mischwaldpassagen, kurze Tiefenblicke zum niedrigwasserführenden Edersee linker Hand und imposante felsendurchsetzte Höhenzüge auf der Hangseite machen das Walderlebnis sehr kurzweilig.

Bizarr die Wälder – steil die Hänge
Gigantische Baumformationen
Zwischen Asel und Herzhausen
Extremansichten an der Hangseite
Jahrhundertalte Bäume – festgekrallt im Stein
Hier kann man wunderbar den ursprünglichen Flußverlauf der Eder verfolgen
Im Stein förmlich einzementiert
Auch nett – eine herbstliche Kanufahrt
Hervorragend die Wanderinfrastruktur auf dem Steig

Am Ortsrand von Herzhausen führt eine Uferpassage entlang eines Wasservogelparadieses. Dank Wasserarmut kann man die Pionierpflanzen am Seengrund bewundern, die das Bild des sogenannten „Ederfeldes“ prägen. Wüsste es man nicht besser, so könnte man fast meinen dass man sich in der Heide bewegt. Obschon freitags und Herbstferien, lediglich ein Imbiß am Ortsrand direkt am Edersee gelegen hat geöffnet. Zeit für eine angemessene Pause um die Blicke über das Naturschutzgebiet schweifen zu lassen.

An den Ederauen bei Herzhausen
Hier befindet sich das Naturschutzgebiet Ederseeufer
Und am Ederseeufer bei Herzhausen kann man auch eine schöne Pause einlegen….
..dazu empfehlenswert die nordhessische Spezialität: „Ahle Worscht“
Die Brücke bei Herzhausen – hier ist der westlichste Punkt der Urwaldsteigroute erreicht
Nobel nobel – es gibt sogar einen Nationalparkbahnhof
Atlantis läßt grüßen

Über die Herzhausener Brücke führt der Urwaldsteig Richtung Kirchlotheim. Nach zwei Kilometern erreicht man das Nationalparkzentrum Kellerwald. Hier lohnt sich ein Besuch in mehrfacher Hinsicht. Vor dem Areal kann man auf einer Hängematte ein kleines Schläfchen halten, danach empfiehlt sich ein Besuch der Ausstellung rund um das Thema Nationalpark. Ergänzend kann man Wanderführer und Informationsschriften erwerben um sich anschließend bei einem Tässchen Kaffee oder einem anständigen Glas Weißbier für den nächsten Streckenabschnitt zu präparieren.

In der Hängematte des Edersees – ein perfekter Service
Allemal zu empfehlen – ein Besuch im Nationalparkzentrum Kellerwald
Nicht zwingend empfehlenswert – dieses Pilzgewächs

Kirchlotheim wird umrundet, um dann in den Buchen-Eichen-Krüppelwald an den Felsfluren des Hagensteins einzutauchen. Sanft aufwärts steigend ist bald der Hagenstein erreicht, landläufig auch als „Loreley des Edertals“ bezeichnet. Niedrigwasserbedingt kann man wunderbar den Flußverlauf der ursprünglichen Eder studieren, die  durch den untenliegenden Talabschnitt mäandert.

Mitten im Urwald…
..skurrile Baumformationen…
..erzeugen eine außergewöhnliche Atmosphäre
Am Hagenstein –
– auch die Loreley der Edersee genannt

Am Hardt streift man Hügelgräber aus der Bronzezeit. Anschließend führt der Weg vorbei an mehreren wasserführenden Taleinschnitten. Mehr als 500 Quellen entspringen aus dem Grundgebirge des Nationalparks – ein Beleg dafür, wie wasserreich die Region ist.

Aber auch der junge Herbstwald begeistert
Mitten im Wanderparadies
Vorbei an 4.000 Jahre alten Hügelgräbern aus der Bronzezeit
UE steht für „Unendliche Entdeckungsmöglichkeiten“ oder für „Unzählige Erlebnisse“ oder doch vielleicht für „Urwaldsteig Edersee“…..
Ob Jung oder Alt – hier genießt jede Generation das herrliche Umfeld
500 Quellen entspringen im Kellerwald. Hier hat man strategisch an einem Quellverlauf eine Bank eingerichtet

Weiter geht es, den Ringelsberg umrundend in das nächste spektakuläre Areal oberhalb von Asel Süd, dort wo sich Winter-und Sommerlinden, Bergulmen und urige Buchwälder die Hand reichen. Baumbolide schmiegt sich an Baumbolide. Baumliebhaber und –forscher können sich hier stundenlang austoben. Wäre die Alte Aseler Brücke begehbar, oder wäre der Fährdienst in Betrieb gewesen, hätte sich eine Rundroute Asel-Asel angeboten. So bleibt der 1,2 Kilometer lange Abstecher nach Asel-Süd außen vor, um den Urwaldsteig Richtung Bringhausen zu folgen. Vorbei geht es an den Banfeteichen, um dann über den Bloßenberg kommend Richtung Fünfseenblick nach Bringhausen zu wandern. Majestätisch tront auf der gegenüberliegenden Seite das Schloß Waldeck,  Tagesziel des darauffolgenden Wandertages.  Der Einstieg in den Urwaldsteig, 29 spektakuläre und erlebnisreiche Kilometer bei ausgezeichneten Rahmenbedingungen.  Die Vielschichtigkeit der Wandereindrücke bekommt manch ein Wanderer anderen Orts nicht einmal innerhalb einer Wanderwoche geboten.

Wie war das mit Urwald? Ohne menschliche Eingriffe………
Einfach toll die Wegstrukturen
..und immer wieder begeistern die Baumformationen am Steig
Vorsicht -fallende Ederseewolpertinger….
Ein sehr einsamer Segler in der Bloßenbergbucht
Allemal schick die Aussichtsplattform in der Nähe des Banfeteichs
Langsam neigt sich die Sonne

Urwaldsteig – Tag 2. 20 Kilometer stehen heute auf der Agenda – im Normalfall  eine Strecke, die sich sehr bequem zwischen Frühstücksbrötchen und Mittagssuppe absolvieren lässt – jedoch hier gilt einmal mehr die Konvention „Der Weg ist das Ziel“. Die Wetterzeichen stehen gut. Auf der gegenüberliegenden Seite schiebt sich die Sonne langsam hoch und illuminiert die noch in den Buchten eingehängten Nebelschwaden, während sich Schloß Waldeck als deutlich sichtbare Landmarke über allem erhebt. So geht es hinauf, der Beschilderung folgend zum Fünf-Seen-Blick.  Hier hätte man in Anleihe des Bopparder Fünf-Seen-Blicks durchaus Gelegenheit Fünf (Eder)seen zu erblicken wenn denn nur Wasser und vor allem kein Nebel am Wasser auszumachen wäre. So bleibt nur der Gedanke an diese Illusion und man folgt auf schönen Pfaden dem Steig, der an dieser Stelle den Daudenberg umrundet.

Ein atemberaubender Blick Richtung Edersee vor Sonnenaufgang
Und gegenüber das heutige Tagesziel Schloß Waldeck
Am Fünfseenblick
Jedoch – statt Fünf-Seen-Blick – ein Fünf-Nebelbank-Blick. Auch reizvoll
Feuchtigkeitsspeicher Moos – ein Garant für das Überleben der Bäume
Mächtig strecken sich diese Eichen
und abenteuerlich der Wegeverlauf
…in unterschiedlichster Form und Beschaffenheit

Optional hätte man die Gelegenheit oberhalb des Urwaldsteiges auf der Daudenbergrunde spektakuläre Fels- und Baumformationen zu entdecken. Unterhalb des Daudenberger Grauwackenfelses erreicht man auf sehr schönen Pfaden mit Blick auf den gegenüberliegenden bunten Herbstwald, welcher die Hänge des Hohen Stoßkopfes beflankt, den Sauermilchplatz.  Am hier liegenden Wegkreuz findet man das Grab des legendären Försters Kruhhöffer der zu Lebzeiten dank seiner kräftigen Stimme mit dem Spitznamen „Waldbölker“ versehen wurde. Als die Talsperre gebaut wurde, hatte man das Grab des Försters ausgehoben und in den Wald umgebettet. Über die Namensherkunft des Sauermilchplatzes kann dagegen nur spekuliert werden.

Egal aus welcher Sicht man die Bäume bestaunt
.Wälder sind einfach faszinierend…
und wenn die Sonne durchblitzt – dann ist alles zu spät……
Das Grab des legendären Försters – ein gefürchteter Schreihals

So geht es weiter Richtung Hochspeicherbecken. Von hier aus hätte man die Möglichkeit per Standseilbahn nach Hemfurth hinunterzuschaukeln, jedochfür einen echten Urwaldsteigwanderer ein absolutes „no-go“. Vorbei an einem lichten Wiesenabschnitt folgt der Urwaldsteig auf einer Teilpassage der Ochsenwurzelkopfroute um permanent abwärts gehend nach insgesamt  11 Kilometern das Kraftwerk Hemfurth zu erreichen, wo sich auch ein Edertalsperrmuseum, eingerichtet vom örtlichen Heimat- und Geschichtsverein, befindet. Zufälligerweise wartet der Vorsitzende des Vereins auf eine Besuchergruppe und ermöglicht eine kurze Stippvisite, obschon das Museum um diese Jahreszeit geschlossen ist. Fünf Gehminuten weiter quert man die Bucht zum Affoldener See. Hier bietet es sich an an einer Bikerstation zu einer gepflegten Rast einzukehren.

Am Großen Hegekopf
Hier passiert man ein Hohlwegsystem am östlichen Hegekopf
Ein Blick in die Ederseestaumauerausstellung
Ein Blick auf das Pumpspeicherwerk am Edersee.  In der Tiefe des Berges, 300 Meter unter den Oberbecken auf dem Peterskopf, liegt das Kavernenkraftwerk Waldeck II, eine der größten künstlich geschaffenen Höhlen Europas. Die Höhle im Berg bietet Platz für fast 100 Einfamilien-Bungalows, oder den Kölner Dom.
Und nebenan schmiegt sich der Herbstwald an den Edersee
Und ein Stückchen weiter nebenan genießt man ein Produkt aus dem Herzen der Natur…..
..und das ist die Komfortlösung

Studiert man das Kartenmaterial, so könnte man auf den Gedanken kommen Hemfurth zu queren, um nach 1,7 Kilometer über die Sperrmauer zu wandern. Empfehlenswert ist jedoch eine andere Option. Man schenkt sich diese Asphaltpassage und folgt dem weiteren Wegeverlauf des Urwaldsteiges. Parallel zur Uferstraße verlaufend  genießt man den Höhenpfad unterhalb des Michelskopf um bald an einem Felsvorsprung den schönsten Aussichtspunkt des Edersees auf die untenliegende Sperrmauer zu genießen. Hier lohnt es ein Päuschen einzulegen, um die mitgebrachte Rucksackverpflegung zu verzehren während man die prachtvolle Aussicht genießt.

Blick hinüber nach Hemfurth
..und hinauf zum Schloß Waldeck
Nicht zu vergessen die Blicke hinauf zur Westseite des Michelskopf
Baumskulpturen auf Schritt…
…und Tritt
Kellerwaldsteig meets Urwaldsteig
Der Premiumblick auf die Sperrmauer – der Aussichtspunkt Uhrenkopf
Wer will kann auch über die Sperrmauer laufen

Wer unbedingt möchte, kann von hier aus einem steilen Nebenpfad abwärts folgend hinabwandern um einmal von der Sperrmauer Ost zur Sperrmauer West zu laufen, um im Anschluß daran wieder aufzusteigen. Allen anderen ist ein zehnminütiger Weitermarsch zur Kanzel empfohlen. Hier sind vier hochlehnige Holzstühle installiert. Man ist gut beraten Platz zu nehmen und inne zuhalten um die spektakuläre Aussicht  auf die gegenüberliegende Seite des Schloßbergs zu genießen, dort wo das Schloß Waldeck den farbenfrohen Herbstwald garniert.  Ostwärts setzt sich das auf einem Höhenplateau gelegene Waldeck fort. Man reiche eine Flasche Rotwein und eine Käseplatte und genieße bei bestem Wetter dieses herrliche Panorama…….

Und wenige Minuten später ist die Kanzel erreicht
Von hier aus genießt man herrlichste Ausblicke
..mit einer Premiumaussicht auf Schloß Waldeck im Detail
oder über die östliche Bucht

Auch hier fällt es einmal mehr schwer sich zu lösen von diesem ausgezeichneten Rastplätzchen. Auf der Kanzelroute geht es weiter zum nächsten Aussichtspunkthighlight des Tages, der Hermannshöhe. Auch hier ist eine Rast empfehlenswert, angemessen und dringend anzuraten. Neue Blickachsen auf den unten liegenden Edersee und die zurückgelegte Passage eröffnen neue Sichtweisen. Nach einer kurzen Berg- und Talpassage, die durch den Ziegelwald führt, ist Waldeck erreicht.

Ein Katzensprung noch bis nach Waldeck
Der nächste tolle Aussichtspunkt: die Hermannshöhe
Herbstwald vom Feinsten
..nebst Aussichten vom Feinsten

Nach einem Gang durch die kleine historische Altstadt empfiehlt es sich das Schloß Waldeck aufzusuchen. Sehr rege ist hier der Betrieb. Kein Wunder man kann bequem mit Motorrad, Auto oder Standseilbahn hier hoch fahren.  Das Schloß selbst wurde im 12. Jahrhundert errichtet und befindet sich in einem ausgezeichneten restaurierten Zustand. Einst als Frauengefängnis genutzt findet man hier heute ein Vier-Sterne-Hotel. Allemal lohnt sich ein Besuch der Terrassenplattform. Von hier aus hat man Edersee satt – bis hin zur Sperrmauer. 20 aussichtsreiche und beeindruckende Kilometer, so die Bilanz des zweiten Wandertages. Einzig die Frage die offen bleibt, lässt sich das Ganze noch toppen?

Die Altstadt von Waldeck
50 Jahre Waldecker Bergbahn – überwindet 120 Höhenmeter auf 650 Meter Länge
Schloß Waldeck – auf Fels errichtet
Der Uhrenturm im Innenhof des Schlosses
Von hier oben hat man beste Aussichtsmöglichkeiten
..auf den weitläufigen Edersee
Bei diesem Wetter herrscht noch reger Schifffahrtsverkehr
Und blickt man durch das Fernrohr…
..kann man die andere Seite der Sperrmauer heranholen
Vom Schloß geht es zurück in die Innenstadt (Auf dem gegenüberliegenden Hügel liegt ein markanter Aussichtspunkt mit einem überdimensionalen Fotorahmen
Der Tag startete mit einem Blick auf Schloß Waldeck – der Tag endet mit einem Blick auf Schloß Waldeck

Urwaldsteig – Tag 3. Jaaaaaa – es lässt sich toppen – so die Erkenntnis nach dem dritten Urwaldsteigtag. Sehr wanderfreundlich der Frühstückstart um 6.45 Uhr des hier in Waldeck befindlichen Ringhotels. So besteht Gelegenheit, just vor Sonnenaufgang in einen spannenden Wandertag zu starten. Der herbstliche Sommer, der in der Tagespitze Temperaturen bis zu 21 Grad liefert, führt andererseits dazu  dass der Edersee gefühlt bis hinauf nach Waldeck steigt – Nebel sei Dank. So legt  sich in den ersten drei Stunden des Tages eine bizarre Novemberatmosphäre in die Waldzonen Richtung Nieder-Werbe. Atmosphärisch dicht-so die Grundstimmung auf den nächsten Kilometern. Zunächst geht es hinunter nach Waldeck-West, dort wo die Talstation der Bergbahn angesiedelt ist, dort wo man die Schiffsanlagestelle vorfindet und dort wo zahlreiche Ferienhäuser und Campingplätze direkt am See angesiedelt sind.

Raus aus dem Bett – rein in den Urwald
Gigantisch – Nebelschwaden in der Urwaldzone
Auch wenn die Hütte zu hat – der Duft des Friteusefetts hat sich im Umkreis von 20 Metern der Talstation festgebissen
ein Camper warnst eindringlich vor dem berüchtigten Horneiselkäfer

Auf gut gangbaren Wegen führt die Passage steil hinab in das Bärental. Dank Nebelvorhang kann man nur mutmaßen, wo sich der Edersee befinden könnte. In den höheren Lagen schubt ab und zu ein blauer Wolkenfetzen durch – das im gleißenden Sonnenlicht brillierende Farbenspiel eines Herbstwaldes verliert sich in der Diesigkeit der Nebelwand.

Best of Kellerwald…
..auch wenn die Sonne nur punktuell durchdrückt…
der Opulenz des Herbstwaldes….
..kann man sich hier nicht entziehen
Hinab ins Bärental
Fast schon surreal – in der Grauzone zwischen schwindendem Nebel und durchdrückendem Sonnenlicht

Ein großes Waldspektakel entfaltet sich jedoch wieder an der Mühlecke, dort wo ein krüppeliger Eichen-Buchenwald mit Flechten und Moos  bepolstert das landschaftliche Szenario bereichert. Wie bestellt schiebt sich kraftvoll die kräftige Oktobersonne durch den sich langsam verziehenden Nebel. Bilder wie gemalt werden freigelegt und brennen sich nachhaltig auf dem Chip der Kamera und im Hinterkopf des Betrachters ein.  Wunschszenarien, die Realität werden. Mit diesen Eindrücken behaftet folgt man dem Urwaldsteig hinab in die Talsenke nach Nieder-Werbe. Dort hat sich der Nebel noch festgebissen. Keine Chance, das ansonst ansehnliche Panorama der Gemeinde Nieder-Werbe zu genießen. Man läuft auf Sicht – der Edersee und die Nebelwand verschmelzen und schränken die Orientierung ein.

Hinter dem Bärental ist vor dem Bärental…..
Wer braucht den Indian Summer in Kanada….
..oder die weite Reise zum Ahornboden an den Alpen…
…wenn das Gute liegt so nah….
Ein richtiges Urwaldfeeling….
unterlegt mit einem Blätterteppich am Waldboden…
..flankiert von bizarren Baumboliden…
…und ausgelegt mit weichem Moos….
Fiktion oder Wirklichkeit?
An jeder Ecke eröffnen sich neue wundersame Welten….
Der Nebel weicht dem blauen Himmel
und manches Gehölz legt sich einfach in den Weg
Da legt sich selbst das Schild bei Nieder-Werbe nieder
und am Edersee selbst hat verschmilzt der Nebel mit dem Wasser….
Die Brücke bei Nieder-Werbe, die sich im Nebel verliert

Nach einer kurzen Kafferast am ehemaligen Friedhof von Nieder-Werbe führt die Passage weiter durch eine ruhige Mischwaldzone, langsam hinabführend zur Halbinsel Scheid, dort wo ein ausgedehntes Campingareal angesiedelt ist. Langsam schleichen sich die letzten Nebenfetzen aus der Ederbucht und man kann die Gunst der Stunde nutzen um einzukehren zu einer Mittagsrast.

Gestern Knochenfeld – heute Raststation bei Nieder-Werbe
Nein! Kein Gemälde!
Einfach unglaublich
Herbstzeit ist Spinnenzeit
Fast wie in einer Dschungellandschaft

Mittlerweile hat die Sonne nebst blauen  Himmel  die Regie über die Ederseeregion übernommen. Ein außergewöhnliches Farbenspiel wird die nächsten spektakulären Kilometer prägen. So geht es oberhalb des Edersees hinauf zur Kahlen Hardt, dort wo ein echter Urwald entstanden ist. Skurrile Baumformationen prägen in einer außergewöhnlichen Art und Weise diesen Abschnitt. Mittlerweile sind viele Wanderer auf der Piste. Die Nebelbarrieren haben sich verzogen, die Sonne scheint, die Temperaturen sind sehr angenehm und der bunte Wald lockt mit seiner opulenten Farbenpracht.

Ab jetzt herrscht nur noch die Sonne am blauen Himmel
Auf der Südseite der Kahle Hardt Route
Blick hinüber auf den Landzipfel, der vor Bringhausen liegt
Unbeschreinblich schöne Wanderwege
Steil, steiler, am steilsten
Die schönste Jahreszeit? Keine Frage!
UNESCO-Weltnaturerbe…
Man wird förmlich erschlagen…
von Form und Farbe…
nicht zu vergessen, der außergewöhnliche Duft eines Herbstwaldes….

Von der Kahle Hardt geht es weiter, zum nach Meinung vieler vielleicht schönsten Abschnitt des gesamten Urwaldsteiges, dem berühmten Knorreichenstieg, der hier teilweise eingebettet wurde.Ahorn, Linden, Traubeneichen, die bewährte Edersee-Waldmischung lässt sich auch hier an den Steinhängen vortrefflichst studieren. Die wärmende Nachmittagssonne krönt dabei dieses Wandererlebnis.

Einstieg in den Knorreichenstieg
Man ist sehr gut beraten auf den markierten Pfaden zu bleiben
Ab hier geht es im Gänsemarsch durch
Die altbewährte Combo: Baum an Fels
..ab und an bereichert mit einem natürlichen Hindernis
Ein elegantes Farbenspiel – der türkisfarbene Edersee als Hintergrund des bunten Blätterwaldes
Geruhsam zieht ein Paddler seine Bahnen
..während die Moosmatten in der Sonne liegen
Unterhalb der „Schönen Aussicht“ ein weiterer Steintürmchen-Hotspot
Weiter geht es mit kurtaxenpflichtigen Ausblicken
Ein Stück steiler geht immer noch
Die Macht der Formensprache
Schier endlos
Gestaltungselement Totholz

Fast schob übersättigt von der famosen Farbenpracht und den bizarren Baumformationen erreicht man auf der Lindenbergroute einen markanten Aussichtspunkt vis a vis der alten Aseler Brüccke. Der vielleicht beste Ausichtspunkt, um wenn sichtbar, die alte Brücke die Asel und Asel-Süd verbindet zu bewundern. Mithin ein krönender Abschluss einer außergewöhnlichen Wanderexkursion. Mit einer Umrundung des Katzenberges und einem sich anschließenden Aufstieg nach Asel geht eine fulminante Exkursion auf einem der schönsten Trails von Deutschland zu Ende.

Ein Blick auf die Alte Aseler Brücke von oben
Der herbstliche Kellerwald – ein Paradies für Fotografen – hier ein 3-D-Spezialist
Zurück am Ausgangspunkt Asel

Insgesamt wurden  77 Kilometer mit insgesamt 2.316 Höhenmeter absolviert. Die offiziell aufgeführten 3.700 Höhenmeter erscheinen definitiv zu hoch. Einige wenige knackige An- und Abstiege bereichern die Passagen jedoch liegen leistungstechnisch die Steigungen in einem vertretbaren Rahmen.

Wobei ein Nachsatz sei gestattet – einen der „schönsten Trails Deutschlands“ könnte untertrieben sein. Nach einer subjektiven Einschätzung des Onlineportals geo.de zählt der Kellerwald zu den zehn schönsten Wäldern -weltweit! Wenn das kein Grund ist die Wanderstiefel zu schüren. By the way – mit dem Kellerwald ist noch lange nicht Schluß. Für die nächsten beiden Herbste steht der 158 Kilometer lange Kellerwaldsteig und dann die zehn Sonderrouten über insgesamt 90 Kilometer auf dem Radarschirm.  Durchführung nach bewährtem Muster: Man wähle einige schöne Sonnentage, sinnvoller dann im Herbst, wenn die Wälder ihre opulente Farbenpracht voll entfalten, sucht sich eine sanfthügelige Mittelgebirgslandschaft mit ausgewiesenen Premiumwegen………. Fortsetzung folgt…

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