Der Einhardsweg -Trail II-

Seligenstadt, 6. September 2015

Just eine Woche nach dem ersten Abschnitt auf dem 60 Kilometer langen historischen Pilgerpfad von Michelstadt bis nach Seligenstadt war die zweite und letzte Etappe von Hainhaus/Windlücke bis zur zur Basilika in Seligenstadt angesetzt. Zur Erinnerung: Der Odenwälder Einhardsweg ist die Wiederentdeckung des Pfades, den im Jahr 828 der im Maingau geborene Einhard, die Rechte Hand von Karl dem Großen einschlug, um auf einer verschwiegene Route, die ein Jahr zuvor in Rom erräuberten Reliquien von Michelstadt nach Seligenstadt zu bringen.

Gestartet wird am geschichtigen Areal des Limespfades, dort wo die römischen Truppen den Grenzverlauf mit Kohortenstellen und hölzernen Pfadzäunen befestigten. Heute erinnern aufwändig gestaltete Informationstafeln an die Spuren der Vergangenheit. Hier verläuft übrigens auch der 4.300 Kilometer lange Europäische Fernwanderweg E 8 der von Irland bis zu den Karpaten führt.  Vorbei am Kleinkastell Windlücke wo nur durch Luftnahmen der ehemalige Standort lokalisiert werden konnte geht es den mit einem weißen „L“ markierten Limespfad, vorbei an den ehemaligen Standorten hölzener Wachtürme zum Numeruskastell Lützelbach, dort wo einst 150 römische Soldaten stationiert werden. Noch heute sind im Areal Bodenspuren der ehemaligen Großanlage zu erkennen. Hinter der Waldeslichtung vor Lützel-Wiebelsbach eröffnet sich ein herrliches Panorama. Rechter Hand die Main-Ebene beflankt vom Spessartgebirge, linker Hand die Odenwaldhügel mit Sicht bis zur Neunkirchner Höhe und der benachbarten Bergstraße.  Zumindest in diesem Wegbereich ist die Wegekennzeichnung des Einhardsweges deutlich besser als im ersten Abschnitt des Trails.

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Start in Haingrund Windlücke
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Ein Schmiedeeisenmodell des ehemaligen Kastells bei Lützenbach
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Erinnerungspfähle an den Odenwaldlimes
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Spessarterhebungen im diffusen Morgenlicht
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Und gegenüberlegend die Morgensonne an Obstplantagen
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Eine der wenigen frischen Markierungen

Über den Steinknorrn führt die Strecke hinauf zum 344 Meter hoch gelegenen Querberg, Immer wieder erinnern Grenzsteine an die hier verlaufende Grenze zwischen Bayern und Hessen. Nach einigen Kilometern stoßen wir auf den  westlichsten Punkt der fränkischen Eisenbacher Geopfadrunde. Eisenbach, bei Obernburg gelegen macht seinem Namen alle Ehre, denn hier findet sich ein eisenerzhaltiger Basalt der früher abgebaut wurde. Den Bergbau belegen Eisenerz- und Basaltgruben, deren Reste, wie hier am seit 1241 befindlichen Eisernen Pfahl, dort wo die Gemarkungen Eisenbach, Obernburg und Breuberg zusammentrafen, noch heute im Wald zu sehen sind. Der obertägige Basaltbruch wurde  1924 aufgrund ungenügender Qualität für den Straßenbau geschlossen. Auf angenehmen Pfaden geht es hinab nach Hainstadt um die Mümling querend, den Gegenanstieg hinauf zum Grenzberg Richtung Richtung Dorndiel/Mosbach in Angriff zu nehmen.

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Himmelsrichtungszeiger am Eisernen Pfahl
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Und hier trafen die Gemarkungen Eisenbach, Obernburg und Breuberg zusammen
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Schöne Hütte kurz vor Hainstadt
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Blick auf Hainstadt
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Marterpfahl für Laufschuhe
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Blick auf die Burg Breuberg
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Mümling bei Hainhausen im herrlichsten Sonnenlicht

Schlichtweg eine Zumutung ist die Wegekennzeichnung und die Wegeführung in diesem Abschnitt. Die vollmundige Behauptung der Tourist-Info Seligenstadt „Der Weg ist mit einem weißen „E“ markiert, verlaufen ist unmöglich.“ ist unhaltbar. Fehlende, fehlerhafte und irreführende Wegekennzeichnung, eine teilweise unlogische Wegeführung und ein für mit leichtem Schuhwerk ausgestattete Freizeitwanderer inakzeptable Wegestruktur zwischen Eselsberg und Grenzberg (durch einen zugewachsenen und mit Tot- und Schnittholz überlagerten Waldabschnitt, der nicht einmal im Kartenmaterial des Landesvermessungsamtes niedergelegt ist),  belegen die insgesamt mangelhafte Qualität der gesamten Wegekennzeichnung. Passagenweise sind Markierungen aufgefrischt , teilweise überflüssig dupliziert, aber ohne durchgängige Systematik. Strukturlos mal links, mal rechts, an exponierten Kreuzungen teilweise fehlend, in unterschiedlichster Form – ärgerlich vor allem für Ortsunkundige, zudem der Weg auch in keinen offiziellen Wanderkarten niedergelegt ist.

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Die uralte Handelsstraße nach Frankfurt
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Nicht gerade gangbare Passagen Richtung Dorndiel

Ungeachtet dieses Ärgernisses gestaltet sich der weitere Wegeverlauf und die damit verbundenen Ausblicke im östlichen Odenwald als abwechslungs- und erlebnisreich. Auf sehr schönen Pfaden geht es zwischen Dorndiel und dem Hartgrundwald, der das bayrische Mömlingen verdeckt, auf einem Plateau in nördlicher Richtung hinein in den Schaafheimer Gemeindewald und hinab nach Mosbach.  Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung gilt es als gesichert, dass hier in Mosbach die Reliquienprozession Station machte. „Als wir sahen, dass wir an demselben Tage unsern Bestimmungsort nicht erreichen konnten, bogen wir nach Ostheim ab.Es dämmerte schon, als wir die heiligen Leiber in die St.Martinskirche trugen. Während wir unsere Begleiter hier entließen, damit sie Wache hielten, eilte ich mit einigen wenigen voraus und traf in der Nacht die von der Sitte zum Empfang heilger Leiber erheischten Vorbereitungen. Zu der Kirche, wo wir unsern hoch-heiligen Schatz zurückließen, wurde eine gichtbrüchige Nonne namens Hroudlaug aus dem Kloster Machesbach (Mosbach) gebracht. Als sie bei den Heiligen wachend und betend übernachtete, erlangte sie ihre Gesundheit wieder und ging auf ihren eignen Füßen am nächsten Tag an den Ort zurück, woher sie gekommen war.“

Nicht nur für Einhards Entourage, auch für uns ist Mosbach nach Kilometer 20 ein geeigneter Punkt für eine Mittagsrast.

Trefflich beschrieb Einhard den weiteren Wegeverlauf: „Sobald wir aus dem Waldgebirge herausgetreten waren und den nächsten Dörfern zuschritten, empfingen uns zahlreiche Scharen, die uns entgegengekommen waren und Gott priesen.Oberhalb von Radheim endet nämlich der bis dahin durchgehende Wald und die Randhöhe des Odenwaldes fällt jäh zum Pflaumbachtal hin ab. Von hier reicht der Blick weit hinaus in die Bachgauebene, so dass die Reliquienprozession schon von fern zu sehen war. Der Weg von hier nach Großostheim berührt die eng benachbarten Dörfer Radheim, Mosbach, Wenigumstadt, Biebigheim (wüst) und Pflaumheim“

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Mangels Wasser noch nicht voll im Saft
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..hinab nach Mosbach
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Im Hintergrund die Schaafheimer Warte und das 30 Kilometer entfernte Kraftwerk Staudinger

So geht es ab hier steigungslos vorbei an Wenig-Umstadt  und durch das unspektakuläre Industriegebiet von Groß-Ostheim, vorbei am außerhalb angesiedelten Sportfluggelände  in nördlicher Richtung weiter Richtung Stockstadt am Main. Gute drei Kilometer geht es quer durch die Kommune um an der Zellstoff-und Papierfabrik in den Mainradwanderweg einzusteigen. So geht es zunächst sechs Kilometer entlang Richtung Schwalbennest, dort wo die bis dahin parallel verlaufende Gersprenz in den Main mündet und das Seligenstädter Geleit einsetzte.

Im Mittelalter zogen Kaufmannszüge aus Nürnberg und Augsburg Richtung Frankfurt, die hier die letzte Rast nach einem beschwerlichen und gefährlichen Weg durch den rauhen Spessart oder entlang des Maines einlegten. Gefährlich deshalb, da Räubergesindel (Spessarträuber)  den „Pfeffersäcken“ auflauerten, um sie zu berauben. An der Grasbrücke zwischen Stockstadt und Seligenstadt (heutige Gaststätte Schwalbennest), fand ein wichtiger Wechsel der Schutztruppen statt: Frankfurter Geleitstruppen übernahmen von den Kurmainzerischen Geleitsrittern die Schutzfunktion. Seligenstadt war dabei der mittägliche Rastort. Während die Kaufleute in den Seligenstädter Gasthäusern abstiegen, hatte das Kloster die Geleitstruppen und kurfürstlichen Beamten zu verköstigen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich bei den Kaufleuten der sogenannte Hänselbrauch, d.h. Neuankömmlinge mussten den einen Liter fassenden Löffel, der ihnen mittels einer Kette um den Hals gelegt wurde, in einem Zug leertrinken. Wer diese Tortur nicht schaffte, musste die „Compagnie“ freihalten. Erst dann wurde er Mitglied der Gemeinschaft und in die Zunft oder Compagnie der Kaufleute aufgenommen. Dieser Brauch wird bis heute gepflegt und ist der Höhepunkt des nun alle vier Jahre stattfindenden Geleitsfestes, wenn nach dem historischen Geleitszug drei Kandidaten öffentlich auf dem Seligenstädter Marktplatz den Löffel trinken. Da diese Zeremonie in früherer Zeit ein Rechtsbrauch darstellte, wurden die Vorgänge in Löffelbücher  protokolliert.

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Blick auf Wenigumstadt und auf Pflaumheim
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Fachwerk bei Wenigumstadt
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Ein gutes Apfeljahr
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Pflaumheimer Stadtmauerschmuck
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Hessisch/fränkische Ortsbezeichnungen
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Hier locht auch Dirk Nowitzky nicht mehr ein
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Kaffe…. im Kaff……………………….
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Tag und Nacht am fackeln…die Stockstädter Papierfabrik
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Mainbrücke Stockstadt mit Blick auf Mainaschaff
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Gersprenzmündung am Main am Schwalbennest
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Maindammwanderung

Nach weiteren sechs Kilometern ist die Basilika in Seligenstadt, dort wo die Reliquien und die sterblichen Überreste von Einhard beheimatet sind erreicht. Bei Mainflingen bietet es sich an die Mainausbuchtung abzukürzen um Klein-Welzheim querend circa zwei Kilometer vor Seligenstadt wieder am Mainradweg einzusteigen.Nach 45 Kilometern ist die Basilika in Seligenstadt, das Schlußziel des Einhardsweges und die Ruhestätte des berühmten Mannes erreicht.

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Mainauen bei Klein-Welzheim
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Die Seligenstädter Basilika im abendlichen Gegenlicht
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..und hier im Detail von der Mainseite aus gesehen
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Einhards Ruhestätte
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Kulturdenkmal Seligenstädter Wasserturm: 1938 erbaut, 52 Meter hoch und seit 190 wasserlos

Wenn man die desolate Wegemarkierung ausblendet ermöglicht der Einhardsweg  ein bemerkenswertes Wandererlebnis , in toto von Michelstadt nach Seligenstadt  insgesamt 67 Kilometern. Für diejenigen die schneller und rascher an das Ziel wollen besteht die Möglichkeit den 50 Kilometer langen Radweg via Groß-Umstadt zu wählen.

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