Auf Traumpfaden zwischen Mosel und Rhein

Winningen/Koblenz 26. Oktober 2014.

Wenn die „Schnellen Füße“ aus Koblenz zum Wander-Halali blasen, dann ist man gut beraten dem Ruf Folge zu leisten.  Exzellent ausgewählte Strecken in hoher Qualität mit hervorragenden Aussichtsmöglichkeiten und eine perfekten Organisation erwartet die Langstreckenwanderer, die in der Spitze bis zu 50 Kilometer absolvieren können. So auch wieder in diesem Jahr. Schon traditionell die Ausrichtung am letzten Oktoberwochenende, dort wo der Herbst im Regelfall sein pralles Farbenspiel entfaltet hat. Jedoch nicht in diesem Jahr. Obschon die Sommermonate gut durchfeuchtet waren, gab es im September und Oktober nochmals einen Recall für den Sommer. Mangels Frostnächte und Herbststürme hält sich die opulente Farbenpracht des typischen Herbstwaldes noch zurück. Nicht minder beeindruckend die derzeitige Farbgebung der Wälder. Sattes und kräftiges Grün, durchsetzt mit ersten herbstlichen Sedimenten setzt außergewöhnliche Akzente in der Herbstsonne.

Dank Winterzeitumstellung konnten wir schon im Tageslicht  um 7.00 Uhr Winningen an der Mosel starten. Nur zögerlich legten die Nebelbänke die Blicke auf die steilen Weinberghänge und das Koblenzer Umland frei. Winningen gilt auch als  Mekka für Weinfreunde. In den fünf Winninger Lagen werden einzigartige Spezialitäten erzeugt, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen.  Beeindruckend allemal die moseltypischen Steilhänge, die Zeugnis davon ablegen, daß die Hege und Pflege der Weinkulturen mit viel Aufwand verbunden ist.

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Schon auf den ersten Metern wunderbare Wege
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Mächtig steile Moselhänge
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Allerbeste Wanderinfrastruktur
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Das Moseltal – noch in der Nebelglocke
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Kontrollstelle : ein gut gelaunter Stempelchef

Vorbei geht es am Flugplatz Koblenz/Winningen, dort wo Maschinen von bis zu 10 Tonnen Gewicht landen dürfen. Auf Grund seiner Lage auf einem Plateau über dem Moseltal sind die Anflüge auf dieses Flugfeld nicht immer einfach. Bei starkem Wind stören insbesondere Leerturbulenzen. Ohne Turbulenzen jedenfalls der weitere Streckenverlauf zunächst durch den Koblenzer Stadtteil Güls.  Nach Querung der Mosel via Gülser Bahnbrücke geht es auf die östliche Hangseite der Mosel durch den Stadtteil Koblenz-Karthause. Richtung Koblenzer Stadtwald, vorbei am geschichtsträchtigen Ort, der Schwedenschanze. 1632 wurde Koblenz von schwedischen Truppen belagert. Insbesonders Güls, Lay und Moselweiß wurden häufig von einer marodierenden Bande ehemaliger schwedischer Landsknechte , die an der “Schwedenschanze” am Koblenzer Stadtwald ein befestigtes Lager errichtet hatten, überfallen und Einwohner verschleppt. Als ausgekundschaftet worden war, dass diese Bande in der Nacht von Sonntag auf Montag nach dem Dreikönigsfest einen Überfall auf Moselweiß plante rotteten sich ansässige Bauern  zusammen, um den Angriff abzuwehren. Es gelang ihnen, die Schweden abzudrängen. Viele Soldaten stürzten den steilen Hang hinab. Wer in die Hand der Bauern geriet, musste für seine Untaten schwer büßen. Der Sieg wurde von da an alljährlich am ersten Montag nach dem 6. Januar als “Schwörmontag” gefeiert.

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Auch eine Möglichkeit… aber nicht heute
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Premiumwege ohne Ende: Rheinburgenweg und Moselsteig
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Die mächtige St. Servatius Kirche in Güls
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Highspeedwalker in action… schneller als die Bahn
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Geruhsamer geht es beim Moselfischer zu
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Eine ausgefeilte Logistik: Fünf Strecken und 10 Kontrollstationen
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Auch ein toller Wanderweg…..
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Stadtteil Güls von der anderen Moselseite
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Kein Wanderfreund: Ein grimmiger Torwächter…
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Beste Wegestruktur
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Alter Schwede… ein geschichtsträchtiger Ort

Auf abwechslungsreichen Pfaden geht es über den Layer Kopf hinweg parallel zur Hunsrückhohenstraße zum Weltfriedenskreuz Königsstuhl oberhalb von Rhens. Gefühlt 99% der Teilnehmer ignorieren das zweistöckige Oktagon, und folgen der zehn Meter zuvor liegenden Abbiegungen des markierten Wanderweges. Der Königsstuhl  ist eine vergrößerte Darstellung eines Throns an der Stelle des Nussbaumgartens zu Rhens am Rhein. Im Mittelalter wurden hier Wahlen zum römisch-deutschen König durchgeführt. Das heute zu besichtigende Bauwerk ist ein inzwischen versetzter Neubau aus dem Jahre 1842, nach Zerstörung des Originals im Jahre 1795. Die erste Königswahl in Rhens wurde am Königsstuhl im Jahre 1346 bei der Wahl Karl IV. zum Gegenkönig durchgeführt. Von hier aus genießt man schöne Blicke auf das unten liegende Rheinteil.

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Blick zurück auf die Gülser Brücke und Koblenz (r) noch in der Nebelsuppe hängend
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Starke Männer zu Fuß und am Glas: 50 Kilometer-Reservisten bei der Arbeit
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Auch dabei ein Dodentocht-Masterwalker
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Kontrolle muß sein: Gut gestempelt
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So kommt man auch auf 1.300 Höhenmeter
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Fehlt nur noch die Leberkässemmelsammelstelle…
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Camino-Alternativen wie es beliebt
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Zu Gast in Koblenz: die Dortmunder Kontrollstellenprofis mit Leberwurstweckindividualservice!
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Der Königsstuhl zu Rhens
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Und hinab zum Rheinstädtchen Rhens mit Blick auf Boppard
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Ausgewogener Mittagstisch für elastische Mägen: Tee, Pistaziencreme und dazu ein Pilschen
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Alternativen gibt es genügend: ein Nickerchen, 42 Kilometer oder die 50er-Strecke

Weiter geht es durch Rhens den römischen Wasserleitungsweg folgend.  Gut beraten waren all diejenigen, die die 50 Kilometerstrecke gewählt haben und nicht zuvor an der Marathonstrecke abgebogen sind.  Am Bopparder Hamm, der größten Rheinschleife  geht es durch die Weinberge des Rheinlandes Richtung Boppard.  Wolkendurchsetzter blauer Himmel, bunte Weinhänge, und ein in der Nachmittagssonne glitzender Rhein locken viele Tageswanderer in das obere Mittelrheintal. Bei angenehmen 15 Grad und Sonnenschein genießen wir hier die schönste Etappe des 50-Kilometer-Trails. Dank an den Wanderwart für die ausgezeichnete Streckenplanung.  Zurück geht es auf angenehmen Pfaden hinauf zum Jakobsberg. Hier hat Hans Riegel, der wie einst die Wirtschaftswoche berichtete  aus einer Hinterhofklitsche den weltbekannten Gummibärchenkonzern Haribo zimmerte ein weitläufiges Vier-Sterne-Lokal und Golfresort errichtet. Aber Wanderer keine Bange: ein ausdrücklicher Hinweis ziert die Anlage: „Wanderer herzlichst willkommen“. Und anständige Mittagskost für 9,50 Euro belegt , dass im Sinne des umsichtigen Unternehmers Hans Riegel Bodenständigkeit nach wie vor den Firmengeist bestimmt.

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Ein toller Hohlweg
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Wunderbar wanderbar
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Herbstzeit ist Kürbiszeit
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Mächtig prächtig: Rumsteak auf vier Beinen
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Ein Schloß im Kornfeld (Marksburg oberhalb von Braubach)
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Bestens markierte Strecken – ein Lob an den Veranstalter
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Auf dem rheinischen Hochplateau
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Powerwalker Walter beim Nachtisch
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Unbeschreiblich schöne Strecke am Bopparder Hamm
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Baumelbankanlage – eine wunderbare Entlastung für das Wanderkreuz
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Supernette Standbetreuung am Bopparder Hang
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Blick auf Osterspay
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Richtung Boppard zur Rheinschleife
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Reger Betrieb in den Weinbergen
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Farbenprächtiger Wingert
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Und auf besten Pfaden zurück Richtung Mosel
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Rheinschieferstudie
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Haribo läßt grüßen: Resort Jakobsberg
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Wanderruhebank vom Feinsten
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Haribo macht Kinder froh – und den Wanderer ebenso

Vorbei an Schauren geht es über den Krieserkopf Richtung Waldesch durch herrlichen Mischwälder auf ausgezeichneten Wegstrecken. Mittlerweile gut gefüllt bishin überfüllt ist der Parkplatz Eichenplatz. Nicht verwunderlich: in der Nähe befindet sich das Remsteckenwildgehege.nebst Forsthaus. Hinab geht es nach Lay um per Fähre über die Mosel zu setzen. Der Kapitän der MS Koblenz ist bestens instruiert und winkt alle Wanderticketträger durch. 16.45 Uhr – noch knapp vier Kilometer zum Ziel. Winterzeitbedingt senkt sich die Sonne am Firmament. Die Steilhänge der Mosel verschatten zusehends. Und wieder geht ein erlebnisreicher Wandertag zu Ende.

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Nachmittagsoase Ende Oktober
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Römische Villa am Remstecken im Koblenzer Stadtwald
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16.45 Uhr: Tag 1 der Winzerzeit
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MS Koblenz – Moseltransfer im Startgeld inbegriffen
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Diesmal von unten die Moselsteilhänge bei Winningen
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Schon provokant: Koblenzer Bierdose als Kontrollstand in den Moselreben… wohl bekomms
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Kunst am Bau – dekorativ gestaltetes Weingut bei Winningen
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Winningen – ein dolles Weindorf

 

Koblenz Map2014

 

Exakt 50 Kilometer bei immerhin knapp 1.300 Höhenmetern verdeutlichen,  dass dieser Trail  anspruchsvoll aber auch hochqualitativ war. Nicht umsonst wählten bereits im Jahre 2000 die Leser des DVV-Kuriers die Koblenzer Marathonveranstaltungen zu Deutschlands bestem IVV-Trail. Keine Kunst könnte man meinen angesichts der exponierten Lage zwischen Mosel und Rhein. Nicht berücksichtigt ist jedoch dabei die  organisatorische Leistung des 67 Mitglieder zählenden Vereins. Eine jährlich hervorragende Streckenplanung begleitet mit viel Herzblut aller Unterstützer macht es leicht zu sagen: „Auf ein neues in 2015“ Für die Langfristplanung sei an dieser Stelle erwähnt, das der Verein im Jahre 2017 die IVV-Weltverbands-Volkssportolympiade ausrichtet. Auf eine spannende und erlebnisreiche Veranstaltung kann man sich schon heute freuen.

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Wiedervorlage 2017

 

 

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