Auf dem Grünen Ring

Hanau, 26. April 2015

Zurück in der Wanderarena. Nach einer mehrwöchigen wanderlosen Urlaubspause war eine adäquate Überprüfung des Laufwerkes mehr als angezeigt. Hierzu hat sich angeboten den Grünen Ring rund um Hanau , der 2012 angelegt wurde und 16 Naturschutzgebiete auf einer Länge von knapp 63 Kilometern einbezieht, zu erkunden.  Ohne nennenswerte Steigungen stehen zunächst  geplante 35 Kilometer als Wiedereingliederungsmaßnahme in dynamische Wanderbewegungen an, frei nach Goethes Motto:  Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.

Eine Grüne Region verbindet man nicht zwingend mit der Industriestadt Hanau, die vor genau 70 Jahren  im März 1945 bei einem  Luftangriff  zerstört wurde.  Die Innenstadt wurde dem Erdboden gleichgemacht  wie keine andere hessische Kommune. Nur sieben Häuser standen noch. Noch heute wirkt die Stadt städtebaulich unausgegoren , verwachsen und verkehrsinfrastrukturell komplex aufgebaut, was aber nicht daran hindern sollte, das Umfeld der Gebrüder-Grimm-Stadt näher zu ergründen.

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Start am 1848 errichteten Fürstenbahnhof Wilhelmsbad – mit guter Einkehrmöglichkeit an der Gebäuderückseite

Gestartet wird am Bahnhof Wilhelmsbad, um gegen den Uhrzeigersinn den Grünen Ring zu begehen. Die erste Augenfälligkeit: Auf den ersten 2,5 Kilometern via Seenlandschaft Tannenhege fehlt jegliche Beschilderung. Erst bei Wiedereintritt in das zivilisiertes Areal von Kesselstadt kann man die aufwändig auf Alubondi gezogenen und hochwertig verschraubten Markierungen bestaunen. In der Folge die nächste Überraschung. In den den kommenden Wald- und Naturabschnitten hat man sich erlaubt gnadenlos die hochwertige Beschilderung an alten und jungen Bäumen zu verschrauben. Schlichtweg desaströs. Besser wäre  eine baumschonende  Farbmarkierung wie von verantwortungsbewußten Wegemarkierungen des Spessartbundes oder des Odenwadklubs praktiziert.

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16 Naturschutzgebiete liegen auf dem Trail
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Grausige Befestigung der Hinweisschilder am Baumbestand

Zwischen Maintal-Dörnigheim und Kesselstadt wird, vorbei am Wasserturm, der Main an der Staustufe Mühlheim überquert. Von hier aus geht es in eines der spannendsten Areale des Grünen Rings, zu den Steinbrüchen des Naturschutzgebietes Mühlheim-Dietesheim. Bis zum Jahr 1982 wurde hier Basalt abgebaut. Heute sind bizarre säulenartige Felsformationen zu bewundern, die ein in der Rhein-Main-Region völlig unvermutetes und einzigartiges Bild abgeben. Das nach Einstellung des Basaltabbaus ansteigende Grundwasser, das früher abgepumpt wurde, bildet zwischenzeitlich eine beeindruckende Seenlandschaft von insgesamt mehr als 60 Hektar Gesamtfläche mit zum Teil tiefblauem, sauberem Wasser. Neben den größten Seen, dem Vogelsberger See und dem Oberwaldsee  die miteinander verbunden sind, gibt es noch weitere kleinere Seen. Dieses Areal lohnt allemal in einer separaten Exkursion erkundet zu werden.

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Wasserturmstudie bei Maintail Dörnigheim
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Spannungsfeld Technik im Naturschutzareal
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Staustufe Mühlheim mit einer Fallhöhe von 3,8 Meter
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Indianer, kaukasisches Volk – oder doch Pfadfinder…..?
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Dramaturgisch ansprechende Basaltgebiete am Oberwaldsee bei Mühlheim
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Und hier als Panorama ..
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Beeindruckender Bußgeldkatalog im Naturschutzgebiet
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..was aber einige Ferkel nicht davon abhält…….
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Kuchen ist mein Gemüse………
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Blütenzeit…..
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Starkstromer im Nuklus des Rhein-Main-Gebietes
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..aber die Natur holt sich alles zurück….
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es grünt so grün am Grünen Ring….

Vorbei am Naturschutzgebiet Amerikafeld, dort wo die obere Bodenschicht durchweg aus Flug- und Terrassensanden besteht, geht es zum Rauhensee bei Hanau-Steinheim. Schlag auf Schlag folgen weitere Naturschutzgebiete. NSG Lauternsee mit seiner Moorlandschaft bei Klein-Auheim, NSG Hochbruch von Hausen mit seiner Bruchlandschaft, NSG Untere Fasanerie bei Klein-Auheim bis hin zu einem markanten Tagesausflugsziel, der Fasanerie die ein breites Spektrum für die ganze Familie bietet, vom Wildpark bis zum größten Hochseilgarten in Hessen. 3800 Meter  absolviert man um entlang der alten Basaltsteinmauer die Fasanerie zu umrunden. Augenscheinlich auch eine sehr beliebte Joggingstrecke.

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3800 Meter Basaltwall rund um die Klein-Auheimer Fasanerie
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Basaltmauerstudie
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Der größte Hochseilgarten in Hessen
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Mit Volldampf am Dampfkraftwerk in die Blütenzeit
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Frühlingsblütenimpression

Es folgt das Naturschutzgebiet Im Woog von Hainstadt, welches an einem ehemaligen Mainarm ausgewiesen ist. Hier wird man erstmals am Grünen Ring mit dem mächtigen und umstrittenen steinkohlebefeuerten Dampfkraftwerk Staudinger konfrontiert, welches  nach dem stillgelegten  Kernkraftwerk Biblis das größte Kraftwerk Hessens ist. Da der Grüne Ring (nomen est omen) die umliegenden Kommunen allenfalls touchiert, wird dankbar ein Tankstellenbistro  am Rande von Groß-Auheim als Raststation für ein verstärktes Frühstück aufgesucht, frei nach dem Motto: Tiger im Tank und Kaffee im Becher…

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Früher sahen die Limesfestungen etwas anders aus
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Noch heute sichtbar – der Verlauf der Limesanlagen – Weltkulturerbe
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und rechts ab nach Süden

Frisch gestärkt geht es weiter zu den Everglades von Hanau, im Naturschutzareal Schifflache von Großauheim, dort wo auf einem verlandeten Altmainarm sich ein regelrechter Urwald in einem versumpften Erlenbruch ausgebildet hat. Alligatoren sind nach den letzten Verlautbarungen jedoch noch nicht gesichtet worden.Durch den Groß-Auheimer Stadtwald wird die A45 gequert. Bereits vom weitern kündigen Schilder an: „Heute Waldaktionstag“. Just an diesem Tag feiert Hessen-Forst 300 Jahre Forsthaus Hanau-Wolfgang mit einem sehr gut besuchten Aktionstag. Nachdenklich stimmt nur, das gefühlt 70% der Besucher das mitten im Wald gelegene weitläufige Forsthausareal per PKW aufsuchen. Nicht zwingend nachhaltig zum proklamierten Nachhaltigkeitstag des Veranstalters.

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im Wald ist immer etwas los….
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—ein besondere Gast am Forsthaus Hanau-Wolfgang
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Klosteruine St. Wolfgang im Bulauwald, 1468 gegründet, von Augustinermönchen besetzt, 1525 im Bauernkrieg zerstört

Weiter geht es zum Fauna-Flora Habitat (FFH) Erlensee und Bulau. Die Landschaft ist hier von der Kinzig mit ihren regelmäßigen Überschwemmungen und der Lache, einem kleinen, sehr langsam fließenden Gewässer, geprägt. Besonders markant ist die zu dieser Jahreszeit ausgeprägte bestandsbildende Blüte des Bärlauchs  mit dem charakteristischen knoblauchartigen Geruch. Olfaktorisch narkotisiert  geht es gut einen Kilometer durch einen regelrechten Bärlauchteppich. Die A66 querend geht es zurück nach Hanau zum ursprünglich angedachten Endziel dem Bahnhof Nord, dort wo eingeplant war, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ausgangspunkt dem Bahnhof Wilhelmsbad zurückzukehren.

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In den Everglades von Hanau
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Wenn Bilder duften könnten – Bärlauchschwemme am Erlensee
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Grün am Ring – schräge Balkongestaltung
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Postmoderner Glockenturm der Pfarrgemeinde Hl. Geist
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…typisch deutsch????
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Schmauchspuren des Krieges: Turmhaube der alten Johanneskirche zu Hanau
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Wahre Worte….
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Ein Kleinod – das Goldschmiedehaus welches im Krieg komplett zerstört wurde und 1955 nach Vorlagen wieder aufgebaut wurde
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wer sagt das Füße Urlaub brauchen….?
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Eine Seltenheit – Verwundetengedenksteinstelle
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Wasserstraße Kinzig

Einmaliger Umstieg per Bus, Fahrzeit 19 Minuten, Wartezeit 30 Minuten, die Entscheidung fällt leicht, die nicht eingeplanten restlichen acht Kilometer werden auch aus therapeutischen Überlegungen  zu Fuß absolviert, so dass abschließend 44 Kilometer auf dem Wandertacho stehen. Eine spannende Naturschutzgebietsentdeckungstour geht zu Ende, die Restrunde steht bereits auf der Wanderagenda. Allemal eine Empfehlung die Region tiefgründiger zu erkunden.

 

 

 

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